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Dazwischen mit Sven Teuber (Bildungsminister Rheinland-Pfalz, SPD)

Shownotes

Thema: Bildung neu denken – ehrlich, nah, ohne Filter.

In dieser Folge:

  • Warum Bildungspolitik nur funktioniert, wenn man Schulen kennt
  • „Candystorm statt Shitstorm“ – wie ehrliches Feedback wirkt
  • Vertrauen statt Kontrolle: Wie man Lehrkräfte wirklich stärkt
  • Mut zur Veränderung: Warum Fehler machen dazugehört
  • Der Spagat zwischen Ministerium und Klassenzimmer
  • Wie man mit Haltung führt – und trotzdem lacht

Gast: 🎙️ Sven Teuber – Bildungsminister, Pragmatiker, Möglichmacher (42, SPD)

Transkript anzeigen

Sven Teuber: Ich habe keine teuren Berater, keine Hexenküche oder Zaubererküche,

Sven Teuber: sondern meine Inspiration ist die Praxis.

Sven Teuber: Deswegen bin ich letzte Woche Grundschule, diese Woche zwei BBS,

Sven Teuber: nächste Woche sind Ferien und dann aber dann geht das aber in dem Tag nach den

Sven Teuber: Ferien wieder so weiter, dass wir immer wieder kommen miteinander und Inspirationen holen.

Sven Teuber: Und ich kriege ehrlich gesagt kaum Bashing zurück. Also ich kriege sogar eher sehr viel Candystorm.

Simi Will: Candystorm.

Sven Teuber: Ja, so nennt man das, glaube ich, in manchen Bereichen.

Simi Will: Ja, ihr jungen Leute.

Sven Teuber: Ich bin ja nicht mehr jung.

Simi Will: Wie alt bist du denn?

Sven Teuber: 42.

Sven Teuber: Wenn du das für den Entwicklungsziel hältst, dann halten wir das hier fest und

Sven Teuber: dann arbeitest du da dran.

Sven Teuber: Du bist dafür verantwortlich, dass es klappt, aber du kriegst jede Unterstützung, die du dafür brauchst.

Sven Teuber: Wir müssen dann auch Veränderungen zulassen und ermöglichen und Menschen,

Sven Teuber: die vorangehen wollen, auch unterstützen und Wind unter die Flügel geben.

Simi Will: Hallo zusammen da draußen an den Endgeräten. Ich habe heute jemanden hier sitzen,

Simi Will: der sieht A gut aus, ist B jung und C wirkt erstmal engagiert.

Simi Will: Ob dem so ist und was er so macht, erfahrt ihr jetzt.

Simi Will: Wir begrüßen hier, ich begrüße hier heute unseren relativ frisch gebackenen

Simi Will: Bildungsminister. Es ist niemand Geringeres als Sven Teuber.

Sven Teuber: Danke dir, liebe Simi. Vielen Dank für die lieben Worte, das mit dem gut aussehen.

Sven Teuber: Alleine müssen jetzt die Podcaster nochmal überprüfen.

Sven Teuber: Aber ehrlich gesagt, schön, dass wir miteinander in Austausch kommen und danke für dein Engagement.

Simi Will: Ja, danke, dass du Zeit hast.

Sven Teuber: Gerne, gerne.

Simi Will: Ich muss ehrlich sagen, ich selbst bin ja auch pädagogisch verdient,

Simi Will: meine Miete ja mit der Pädagogik so zu sagen, zumindest anteilig,

Simi Will: weil man verdient da ja nicht so viel.

Simi Will: Ach, fangen wir doch gleich da an. Wie bist du zum Bildungsminister geworden?

Sven Teuber: Kann man ja nicht planen. Also ich habe tatsächlich den Traum immer schon mal

Sven Teuber: gehabt, als ich in die Politik einsteigen durfte. Da wurde ich sehr stark auch

Sven Teuber: gefördert und unterstützt, habe viel lernen dürfen von Malu.

Sven Teuber: Und das auch für mich, wenn man so Vorbilder bin, dafür ist das die Einzige,

Sven Teuber: wo ich auch von einem Vorbild sprechen würde, weil das auch meine Haltung ist, menschlich sein,

Sven Teuber: bodenständig bleiben und nichts auf sozusagen Status geben, sondern täglich

Sven Teuber: einfach mit Menschen gemeinsam arbeiten zu dürfen. Und wie wird mein Bildungsminister?

Sven Teuber: Also im Endeffekt wurde ich ja gefragt, hatte dann quasi fünf Minuten Zeit, mir das zu überlegen.

Sven Teuber: Der Ministerpräsident Alexander Schweitzer hatte ja das Thema,

Sven Teuber: dass er eine Nachfolge besetzen musste, als ihm überraschend seine Bildungsministerin

Sven Teuber: bis dato angekommen war.

Sven Teuber: Dann stand ich auf dem Rathausparkplatz, saß in der Schulträgerausschusssitzung,

Sven Teuber: in meinem Stadtratstätigkeit im Rathaussaal.

Simi Will: Hier in Trier.

Sven Teuber: Hier in Trier, habe einen Anruf bekommen.

Sven Teuber: Da stand dann Alexander Schweitzer auf dem Smartphone und da habe ich gedacht,

Sven Teuber: okay, dann gehe ich mal raus.

Sven Teuber: Und dann stand ich auf dem Rathausparkplatz und dann haben wir uns da unterhalten.

Sven Teuber: Und dann hat er mich gefragt und dann hat er gesagt, naja, ich will dich unbedingt.

Sven Teuber: Und ich habe gesagt, ich will das auch machen, aber ich muss erst mal mit meiner

Sven Teuber: Familie sprechen. Und das haben wir dann gemacht und dann habe ich Ja gesagt.

Sven Teuber: Bei Politik ist es ja so, du engagierst dich viel, du wirst vielleicht im besten

Sven Teuber: Fall auch so gefördert, wie ich jetzt zum Beispiel durch Malu und rede es mit

Sven Teuber: vielen Menschen, wirst dann auch gewählt.

Sven Teuber: Ich habe ja sehr viel Politik schon 20 Jahre hier in Trier gemacht.

Sven Teuber: Und die Leute haben mich ja auch immer stark gewählt. Beste Ergebnisse auch

Sven Teuber: unabhängig von allen Parteien gehabt.

Sven Teuber: Und dann sehen das auch andere und dann kriegt man vielleicht eine Chance.

Sven Teuber: Aber alleine das Ziel anstreben reicht noch nicht. Man muss schon auch viele

Sven Teuber: Menschen kennen und die auch einen unterstützen. Da bin ich echt dankbar für.

Simi Will: Auf Instagram sehe ich dich immer hier. Designeranzug hier und tralala da und

Simi Will: umtriebig, umtriebig, umtriebig.

Sven Teuber: Meine Mode ist eigentlich alles Trierer Mode. Okay. Alles Niestudio.

Simi Will: Niestudio Neustraße.

Sven Teuber: Niestudio Neustraße. Ich trage tatsächlich, in dem Fall ist es tatsächlich Design,

Sven Teuber: aber mir ist es wichtig, lokal, regional und auch hier supporten die Leute,

Sven Teuber: die hier kreativ unterwegs sind und da ist Niestudio einfach tolle, kreative Menschen.

Sven Teuber: Und meine Anzüge sind gar keine Design-Anzüge, weil die produzieren nämlich keine.

Sven Teuber: Alles andere, was ich tatsächlich sonst trage, versuche ich sowohl nicht im,

Sven Teuber: also ich kaufe das nicht im Netz, ich kaufe das alles regional und ich versuche

Sven Teuber: dann auch die kreativen Menschen, die wir ja hier haben wollen, die brauchen wir nicht.

Sven Teuber: Also ich kann mir das leisten und ich will mir das leisten und damit auch ein

Sven Teuber: Statement setzen für Nii Studio und Co.

Sven Teuber: Die Leute brauchen Support. Und deswegen bin ich sozusagen da auch Markenbotschafter

Sven Teuber: von E-Studio auf eigene Bezahlung allerdings.

Simi Will: Okay, ja. Ich bin ja Markenbotschafterin von Kribbel Design.

Sven Teuber: Ja, zum Beispiel. Ist auch super. Und es ist doch toll, dass wir solche Menschen

Sven Teuber: hier in unserer Stadt haben.

Simi Will: Ja, Wahnsinn. Wirklich. Und davon gibt es perspektivisch nie genug.

Sven Teuber: Nee, genau.

Simi Will: Gut, aber abendfüllendes Thema. Zurück zu Designeranzug und meine Vorurteile

Simi Will: gegenüber dem neuen Bildungsminister in den Medien. Da habe ich mir gesagt,

Simi Will: super, super, super, ist ja ganz umtriebig.

Simi Will: Am Anfang habe ich dann immer so, man switcht ja so durch.

Simi Will: Ich bleibe ja nicht bei jedem und gucke, an welcher Grundschule ist er denn jetzt.

Simi Will: Ich sehe nur, ah, da hat er sich wieder schön ins Bild gestellt.

Simi Will: Und wisch weg, wisch weg. Ach, der Sven Täuber hat wieder eine neue Story, wieder reingeguckt.

Simi Will: Und dann ist mir aber, also habe ich auch schon mit einer Lehrerin aus Freiburg,

Simi Will: habe ich dir eben erzählt, schon gelästert.

Simi Will: Der muss mal schwer aufpassen, dass ihm nicht sofort unterstellt wird,

Simi Will: dass er hier das Schulmodel macht.

Simi Will: Und heiße Luft und nichts dahinter. Der smarte Bildungsminister,

Simi Will: der sich gerne im Fernsehen sieht. Sowas in der Art.

Simi Will: Wird dir sofort Eitelkeit unterstellt, weil nicht jeder ja das liest,

Simi Will: was quasi unter deinem Bild steht auf Instagram.

Simi Will: Und dann kam ich mit dieser Lehrerin so in die Diskussion und habe gesagt,

Simi Will: ja nee, ich glaube schon, dass der was bringt.

Simi Will: Der war ja selbst Lehrer und so weiter und so fort.

Simi Will: Und das ist das eine.

Simi Will: Das andere ist, wie hältst du das aus, dieser Vorurteilsposse,

Simi Will: dieser Social-Media-Welle, der du dich ja aussetzen musst, mehr oder weniger.

Simi Will: Wenn du was bewegen willst, musst du da ja mitspielen und musst da auch Berater

Simi Will: haben und Leute haben, die dich in Szene setzen, sonst wirst du nicht ernst genommen.

Simi Will: Aber was machst du denn mit so Arsch-Tussis wie mir, die dir dann so eine Eitelkeitsnummer

Simi Will: erstmal unterstellen und mit Personen-Bashing?

Simi Will: Jeder Politiker ist heute Personen-Bashing einfach ausgesetzt.

Simi Will: Ich glaube nicht, dass es dir da anders geht. Was machst du damit?

Sven Teuber: Es ist tatsächlich so, also ich suche ja den Weg gezielt zu Menschen,

Sven Teuber: weil ich brauche den Kontakt und deswegen bin ich so viel unterwegs.

Sven Teuber: Und darüber muss ich natürlich auch berichten, weil ich kann natürlich,

Sven Teuber: wie du sagst, das ist eine Währung heutzutage, auch Vertrauen zu schaffen,

Sven Teuber: aber auch zu zeigen, dass man aktiv ist. und ich kriege ehrlich gesagt kaum Bashing zurück.

Sven Teuber: Also ich kriege sogar eher sehr viel Candystorm würde ich sagen zurück.

Simi Will: Candystorm?

Sven Teuber: Ja, so nennt man das glaube ich in manchen Bereichen.

Simi Will: Ja, ihr jungen Leute.

Sven Teuber: Ich bin ja nicht mehr jung.

Simi Will: Wie alt bist du denn?

Sven Teuber: 42.

Simi Will: Das ist jung.

Sven Teuber: Aber von jungen, ich kriege jetzt von meinen Kindern nicht, aber so von den

Sven Teuber: 18, 19 Jahrheden kriege ich schon wieder ganz andere Dinger mit,

Sven Teuber: wo ich sage, oh Gott, da bin ich schon wirklich sehr alt.

Sven Teuber: Weil die digitale Welt, da siehst du ja, das geht ja so rasend schnell, die Dynamik.

Sven Teuber: Deswegen müssen wir miteinander auch medienbildend aktiv sein,

Sven Teuber: damit wir alle kompetent sind und nicht uns überrollen lassen. Zurück zum Thema.

Sven Teuber: Und ich kriege sehr viel positives Feedback darauf, dass man präsent ist,

Sven Teuber: dass man ansprechbar ist, dass man auch kritisch im Diskurs ist.

Sven Teuber: Natürlich, ich bin ja dankbar für kritisches Feedback, weil das erlernt,

Sven Teuber: muss man auch sagen, je höher man kommt, desto mehr Freunde kriegt man ja.

Sven Teuber: Ja, also deswegen auf einmal kennt jeder einen, möchte jemand damit zu tun haben.

Sven Teuber: Aber manche, die haben einen vorher, also ich bin ja kein anderer Mensch geworden.

Sven Teuber: Ich habe eine andere Aufgabe und eine Funktion, die ich zeitweise übernehmen darf.

Sven Teuber: Aber das ändert ja nichts an mir, an meinen Werten, an meinen Grundhaltungen,

Sven Teuber: an meiner Ansprechbarkeit.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang ist es mir immer ganz lieb, offen miteinander im Diskurs zu sein,

Sven Teuber: Grundwerte technisch, sage ich jetzt mal, Menschlichkeit, also der Humanismus

Sven Teuber: und all die Sachen, Liberalität, das sind alles ganz wichtige Punkte, Diversität,

Sven Teuber: da lasse ich auch keine Wenn und Abers zu, da gibt es rote Linien,

Sven Teuber: aber ich muss damit umgehen, dass manches auch nicht gefällt,

Sven Teuber: aber das ist auch okay, also in der Demokratie muss nicht alles gefallen.

Sven Teuber: Ich kriege aber kaum negative, sage ich jetzt mal, persönlich beleidigende Sachen oder so.

Sven Teuber: Also da habe ich bislang wirklich toi toi toi offensichtlich eine Community,

Sven Teuber: die da den kritischen Diskurs wählt, aber auch durchaus lobend wie kritisierend

Sven Teuber: sozusagen im negativen Sinne auch unterwegs ist.

Sven Teuber: Und ich bin da sehr entspannt. Und ich suche das. Ich glaube,

Sven Teuber: das ist aber auch eine Frage, wie man damit umgeht. Ich meine,

Sven Teuber: du sagst, du siehst viele Bilder von mir,

Sven Teuber: Ich mache das auch fast alles selbst. Also ich habe das jetzt nicht,

Sven Teuber: das ist mein privaten Instagram-Account, den pflege ich selbst,

Sven Teuber: wenn ich da schreibe, schreibe ich da selbst.

Sven Teuber: Also das ist nicht von irgendwelchen Dritten und ich glaube,

Sven Teuber: das ist auch was Menschen merken.

Simi Will: Das stimmt, weil du hast mir auch mal persönlich geantwortet,

Simi Will: nachdem ich dich für irgendwas eingeladen habe und hast dann geschrieben,

Simi Will: ja, kann man sehen, aber schick das nochmal per Mail da und da hin,

Simi Will: weil hier, das rutscht mir durch.

Sven Teuber: Genau, so ist es.

Simi Will: Ja, das stimmt.

Sven Teuber: Und dann kam ich, das war deine...

Simi Will: Der lügt nicht. Also zumindest an der Stelle.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang war ich ja dann bei deiner tollen Talkshow,

Sven Teuber: wo der Hajo, die Malu und der Klaus da waren. Das war das. Da hattest du mich eingeladen.

Sven Teuber: Und das sind so Punkte, da kriege ich sehr viel und viele Einladungen,

Sven Teuber: weil die merken, der ist offen.

Sven Teuber: Und eigentlich ist es schade, dass das so auffällt, weil eigentlich sollten alle so sein.

Sven Teuber: Und ich bin da total open-minded, dass wir gemeinsam einfach auch sagen,

Sven Teuber: ich sag das auch ganz offen, da sind Dinge nicht gut gelaufen oder da sind wir

Sven Teuber: neulich am Ziel, aber das schafft eher Vertrauen, als wenn man alles nur schön

Sven Teuber: redet. Also dazu bin ich überhaupt nicht da.

Simi Will: Absolut, weil die Zeiten sind vorbei. Also das funktioniert nicht mehr.

Simi Will: Ich habe mir so ein paar Sachen aufgeschrieben, weil ich denke,

Simi Will: wir haben ja Bildung, Überschrift Bildung, Bildungsminister.

Simi Will: Das heißt, du hast einen Topf mit Geld drin und den kannst du verteilen.

Sven Teuber: Sechseinhalb Milliarden.

Simi Will: Sechseinhalb Milliarden pro Jahr.

Sven Teuber: Für Rheinland-Pfalz.

Simi Will: Das ist Es ist nicht so viel.

Sven Teuber: Jeder vierte Euro.

Sven Teuber: Jeder vierte Euro an Steuermitteln, die wir in Rheinland-Pfalz haben.

Sven Teuber: Das ist der größte Einzelhaushalt im rheinland-pfälzischen Haushalt. Sechseinhalb mehr.

Simi Will: Dann bist du das reichste Ministerium?

Sven Teuber: Genau. Davon geht am meisten allerdings für Personal aus, muss man da auch sagen.

Sven Teuber: Wir haben ja 45.000 Lehrerinnen und Lehrer. Das heißt, deren Besoldung geht

Sven Teuber: davon natürlich auch schon ab.

Sven Teuber: Aber ja, ich bin quasi das reichste Ministerium.

Simi Will: Okay, wusste ich auch nicht, siehste. Weiß man nicht. So was weiß man als Bürger

Simi Will: nicht, wenn man sich nicht wirklich interessiert.

Simi Will: Dann frage ich mich, es wurde ja immer gesagt, zu Zeiten Angela Merkels,

Simi Will: was ja jetzt so meine Generation ist.

Simi Will: Also am Schluss waren wir ja alle bei Mutti im Sack und saßen bei Mutti auf

Simi Will: dem Schoß. Alle eingelullt. Alle.

Simi Will: So. Und ich finde sie nach wie vor noch als Figur, als Politfigur,

Simi Will: klasse. Ich auch. So, ne?

Simi Will: Aber irgendwie ist mir so peu à peu bröckelt natürlich, nach einem,

Simi Will: sag ich mal, extrem starren System wird sichtbar, was alles nicht passiert ist. Finde ich auch normal.

Simi Will: Wenn jemand vier Legislaturperioden am Start ist, zu lang, zu lang.

Simi Will: Egal. Jedenfalls hat irgendwer behauptet, weil ich war immer der Auffassung,

Simi Will: dass sie ganz viel für Bildung investiert.

Simi Will: Und dann haben mir Leute gesagt, das stimmt doch gar nicht. In der Zeit,

Simi Will: in der gesamten Zeit von Angela Merkel wurde das Bildungswesen immer weiter gekürzt.

Simi Will: Was natürlich sie nicht allein entschieden hat.

Simi Will: Aber ist dem so? Ist das so gewesen?

Sven Teuber: Also ich sag mal, tatsächlich war so, dass die Impulse aus Berlin für Bildungspolitik

Sven Teuber: in der Zeit von Angela Merkel und mit ihren Ministerinnen,

Sven Teuber: um mal nur die letzten zwei zu nennen, weiß ja schon kaum einer mehr den Namen

Sven Teuber: der Bundesbildungsminister, Anja Karliczek und jetzt fällt mir der zweite Name auch nicht mehr ein.

Simi Will: Bildungsminister, zwar nicht, aber nicht Franzi Giffey.

Sven Teuber: Nee, nee, nee. In dem Zusammenhang muss man sagen, dass die Anja Karliczek war

Sven Teuber: die letzte auf jeden Fall in der Zeit von Angela Merkel.

Sven Teuber: Und das sind, weiß ich nicht, die Frau hat sich bestimmt auch umtriebig gezeigt,

Sven Teuber: aber ehrlich gesagt, für Bildung war da jetzt nicht viel zu holen.

Sven Teuber: Und dann war das größte Paket dann ja der Ampelregierung mit dem Staatschancenprogramm,

Sven Teuber: was die letzte Bundesregierung gemacht hat.

Sven Teuber: Das war das bislang bundesweit größte Förderprogramm für Bildung mit den Ländern

Sven Teuber: ja zusammen, wo 10 Milliarden Euro in die Chancengerechtigkeit investiert werden,

Sven Teuber: jetzt für die nächsten 10 Jahre.

Sven Teuber: Und sowas hatten wir vorher nie.

Simi Will: Also Chancengerechtigkeit, damit sind alle Schulsysteme gemeint.

Simi Will: Wie kriegen wir auch die, die beispielsweise

Simi Will: Sprachprobleme haben oder die zugewanderten Menschen, Schüler?

Sven Teuber: Zum Beispiel. Also die Schulen wurden so ausgesucht, in Rheinland-Pfalz betrifft das 200 Schulen.

Sven Teuber: Wir haben insgesamt ja 1600 Schulen, wobei Gymnasien gelten nicht in dieses

Sven Teuber: Stadtchancenprogramm mit rein.

Sven Teuber: Das heißt ungefähr 1000 Schulen und davon 200 bekommen gezielt Gelder und Personal,

Sven Teuber: wo die Belastung hoch ist. Wo die Schultern kleiner sind, aber die Lasti zu

Sven Teuber: tragen ist größer als an anderen Stellen.

Sven Teuber: Das wird daran bemessen, wie hoch ist die Arbeitslosenquote zum Beispiel,

Sven Teuber: wie hoch ist die Transferleistungsquote, wie hoch ist die Migrationsquote,

Sven Teuber: wie hoch ist der Sprachförderbedarf und das sind so Punkte Inklusion auch.

Sven Teuber: Und um da noch mehr Personal einstellen zu können, um da anders fördern zu können,

Sven Teuber: hat man dann gesagt vom Bund und Ländern, da werden wir investieren.

Sven Teuber: Und das sind in Rheinland-Pfalz 200.

Sven Teuber: Und das sind Punkte, die sind erst von der Ampelregion nach Angela Merkel an

Sven Teuber: tatsächlich installiert worden.

Sven Teuber: Was ich bei Angela Merkel immer, ich schätze sie sehr so als Mensch und sie

Sven Teuber: ist auch sehr kulturell und sehr kulturistisch.

Sven Teuber: Sie ist ein Mensch, mit dem ich mich unbedingt gerne eigentlich mal auseinandersetzen

Sven Teuber: würde, auch persönlich.

Sven Teuber: Was ich nicht so geschätzt habe, ist ihr Politikstil. Weil der Politikstil war immer vom...

Sven Teuber: Also Verschweigen von Problemen, die humanistische Art etc.,

Sven Teuber: das ist gut, dass es das gab.

Sven Teuber: Es gab aus meiner Sicht auch keine Alternative zu dem Humanismus.

Sven Teuber: Das gibt es sowieso nicht, aber in dem Fall ist Recht nicht.

Sven Teuber: Nichtsdestotrotz wurde das Problem immer wegnegiert. Es wurde immer so getan,

Sven Teuber: als hätten wir damit keine Herausforderung.

Sven Teuber: Und wir wollten keine Veränderung und wir brauchen Veränderung.

Sven Teuber: Ich finde, dieser Abgesang an oder dieses negative Veränderung ist immer gleich negativ.

Sven Teuber: Das ist Gift, weil Veränderung und Fortschritt braucht Veränderung.

Sven Teuber: In dem Zusammenhang müssen wir in diese Blase mal rauskommen und sagen,

Sven Teuber: hey, wir brauchen eine Veränderung, um uns wieder auf alte Werte vielleicht

Sven Teuber: auch zu besinnen und auch auf Gemeinschaft.

Simi Will: Aber da ist, glaube ich, die Gesellschaft so zwei Schritte dran vorbeigerauscht

Simi Will: im Zuge der digitalen, ich muss das immer wieder sagen, auch wenn es ein Wiederholungsloop

Simi Will: ist oder ein Loop ist, mit dieser digitalen Revolution,

Simi Will: die uns ja quasi überrollt hat.

Simi Will: Weil wir ja nicht oder beziehungsweise zur Elitenbildung so beigetragen hat,

Simi Will: dass wir ja jetzt auch in mehreren Lagern quasi so ein bisschen vor uns hinkriegen

Simi Will: und schimpfen und meckern.

Simi Will: Und es ist ja auch Fakt, dass da eine Menge auf der Strecke geblieben sind,

Simi Will: die eben nicht mitkommen.

Simi Will: Und wenn du sagst, es gibt seit der nach Angela Merkel erst Förderung oder gezielt

Simi Will: mehr Förderung, ist das ja viel zu spät gewesen.

Simi Will: Ich glaube 1993 ging es los mit Internet.

Simi Will: Und theoretisch in Deutschland dann irgendwas um den Nullerjahre war es dann

Simi Will: irgendwie mit PC angekommen irgendwie so. Und da ist ja nichts passiert.

Sven Teuber: Also ich sag mal, in der Zeit von Angela Merkel wurde beispielsweise Ganztagsförderung

Sven Teuber: noch mal verstärkt, aber das wirkt erst in ein paar Jahren.

Sven Teuber: Und das ist ja auch ein Ansatz, um individuell besser fördern zu können.

Sven Teuber: Das war schon noch ein Programm.

Sven Teuber: Aber klar, Digitalpark, Digitalisierung, all diese Sachen kamen ja dann durch

Sven Teuber: Corona erst so richtig bei uns in Fahrt.

Sven Teuber: Und das muss man sagen, haben wir als Gesellschaft, auch als Bildungslandschaft

Sven Teuber: und nicht in den Bereichen von der ausführenden Bildung, sondern von der Administration,

Sven Teuber: haben wir das verschlafen.

Sven Teuber: Und jetzt sind wir, in Rheinland-Pfalz bin ich jetzt auch dran,

Sven Teuber: wir müssen deswegen umso mehr jetzt schneller medienbildend tätig werden.

Sven Teuber: Also wir müssen sowohl die digitale Ausstattung für alle unabhängig vom Begeldbeutel

Sven Teuber: der Eltern sicherstellen, als auch alle fit machen, dass wir Strategien erkennen,

Sven Teuber: wie kann man denn Fake News enttarnen, wie kann man quellenkritisch umgehen,

Sven Teuber: was sind denn Algorithmen.

Simi Will: Wer kümmert sich denn darum, dass es zeitnah einen für alle Schulen,

Simi Will: je nach Schule natürlich angepasst oder zugeschnitten, im Grunde Lehrpläne geben kann,

Simi Will: die zeitnah greifen?

Sven Teuber: Das machen wir gerade. Das heißt, wir arbeiten gerade mit 28 Schulen aus allen

Sven Teuber: verschiedenen Schulformen. Da arbeiten wir gerade genau für Medienbildung einen

Sven Teuber: Lehrplan aus der Praxis heraus. Weil das war mir ganz wichtig.

Sven Teuber: Wir müssen mit denen reden, die tatsächlich jeden Tag machen.

Sven Teuber: Und da haben wir auch in Trier zum Beispiel Schulen gefunden,

Sven Teuber: aber im ganzen Land verteilt und haben jetzt das...

Sven Teuber: Mit dem Schuljahr jetzt gestartet und werden jetzt mit denen in den nächsten

Sven Teuber: zwei Jahren das erarbeiten, sodass das dann in alle Schulen danach gehen kann.

Simi Will: Ja, fantastisch. Das wäre jetzt auch das Thema gewesen von der Gymnasiallehrerin,

Simi Will: mit der ich gesprochen habe, mit Frauke.

Sven Teuber: Ja, grüß an Frauke.

Simi Will: Grüß an Frauke. Mit der ich ja ein bisschen so vorurteilsmäßig rumgemeckert

Simi Will: habe wegen dem Designeranzug.

Simi Will: Und sie ist Gymnasiallehrerin seit 17 Jahren.

Simi Will: Und sie wünscht sich einen Bildungsminister, der mit der Basis arbeitet,

Simi Will: der weiß, der wirklich in die Schulen geht und der weiß, was ist an welcher

Simi Will: Schule, wie problematisch.

Simi Will: Und vorausgesetzt, du bist einer der Bildungsminister, die an die Schulen geht,

Simi Will: was du ja schon bewiesen hast, das tust du ja.

Simi Will: Und im Grunde die basale Arbeit machst, also guckst, was wird wo gebraucht,

Simi Will: wie viel Geld haben wir, wie setzen wir das um, dass wir die Kohle dahin bringen,

Simi Will: wo sie nachhaltig eingesetzt wird.

Simi Will: Das weißt du ja nur, wenn du die jeweilige Schule kennst. Denn meiner Ansicht

Simi Will: nach und auch Fraukes Ansicht ist, dass jedes Schulsystem,

Simi Will: andere Bedarfe hat.

Sven Teuber: Definitiv. Und ich würde tatsächlich auch versuchen, dein Bild oder auch das

Sven Teuber: von Frauke noch ein bisschen aufzubrechen, weil tatsächlich arbeite ich auch

Sven Teuber: genau so und dass wir mit der Praxis,

Sven Teuber: aus der Praxis, deswegen das Beispiel gerade bei Medienbildung war ja eins,

Sven Teuber: wo man sieht, wir wollen dahin, dass alle Medienbilder in der Schule sein können.

Sven Teuber: Wir müssen wissen, was passiert in der Schule schon, was erwehrt sich,

Sven Teuber: was nicht und das wird sozusagen mit der Praxis erarbeitet. Das ist auch bei uns der Standard.

Sven Teuber: Ich glaube, Frauke ist nicht Lehrerin in Freiburg.

Simi Will: Nee, sie ist in Freiburg, genau.

Sven Teuber: Und ich weiß nicht, wie es da ist, aber ich kann nur sagen, in dem Zusammenhang,

Sven Teuber: ich habe keine teuren Berater.

Sven Teuber: Ich habe auch keine Hexenküche oder Zaubererküche, sondern meine Inspiration ist die Praxis.

Sven Teuber: Und deswegen bin ich letzte Woche Grundschule, diese Woche zwei BBS,

Sven Teuber: nächste Woche sind Ferien und dann geht das aber in dem Tag nach den Ferien wieder so weiter,

Sven Teuber: dass wir immer wieder kommen miteinander und Inspirationen holen und dann ist

Sven Teuber: mir wichtig auch nicht nur die Praxis dort, sondern auch die Wissenschaft.

Sven Teuber: Ich war jetzt zum Beispiel bei der Uni mit der Frau Eckrammer zusammen.

Simi Will: Die Frau Marter.

Sven Teuber: Ja genau, die kennst du ja auch gut. Ja, war ja auch schon in deiner Talkshow etc.

Sven Teuber: Und auch eine sehr inspirierende Frau und in dem Zusammenhang mit ihren Wissenschaftlerinnen

Sven Teuber: und Wissenschaftlern, wie kann man Demokratieförderung noch weiter stärken,

Sven Teuber: wie kann man Diversitätsbildung in der Ausbildung von Lehrern und Lehrern noch stärken.

Sven Teuber: Es sind so viele kreative, intelligente Menschen unterwegs, die täglich sich darum kümmern.

Sven Teuber: Und das muss unser Leitbild meiner Meinung nach sein. Lehn tagt die Leitfrage,

Sven Teuber: was kann ich tun, um den Erfolg des Kindes unabhängig von Herkunft und nur Leistung

Sven Teuber: und Fleiß und Interesse und Neugier abzuleiten.

Simi Will: Ja, und dahingehend Willensbildung, dass die Kinder frühzeitig die Erfahrung

Simi Will: machen, dass sie selbst einen Wert haben.

Sven Teuber: Natürlich, unbedingt.

Simi Will: Ja, das sagst du natürlich.

Sven Teuber: Ja, ich sag das für mich natürlich.

Simi Will: Ich sag dir, aus meiner Jugendhilfe-Erfahrung und aus der anderen Ecke,

Simi Will: wo es eben schon zu spät war, liegt es daran, dass diese Erfahrungen nicht von

Simi Will: Hause aus mitgegeben werden.

Simi Will: Und da ist die Gesellschaft gefragt, das nachzurüsten.

Sven Teuber: Aber schön, dass du auch die Gesellschaft sagst, weil nicht nur Schule kann das leisten.

Simi Will: Natürlich nicht.

Sven Teuber: Aber wir reden sehr häufig über Jugendliche und nicht mit Jugendlichen.

Sven Teuber: Und das ist zum Beispiel auch von mir ein Ziel, wie kann man noch stärker,

Sven Teuber: wir haben schon eins der mitbestimmungsstärksten, für Schülerinnen und Schüler

Sven Teuber: mitbestimmungsstärksten Schulgesetze ganz Bundesrepublik in Rheinland-Pfalz,

Sven Teuber: haben wir in 2020 aktualisiert und sehr stark Mitbestimmungsrechte verstärkt.

Sven Teuber: Und wir müssen aber miteinander immer weiter gucken,

Simi Will: Wie kann man das doch weiter verstärken. Wusste ich nicht. Wir brauchen dann

Simi Will: aber auch Schüler, die in der Lage sind, mit ins Gespräch zu gehen.

Simi Will: Und sobald sich ein Schüler gesehen fühlt, entwickelt der magische Motivation und magische Kräfte.

Simi Will: Und das ist das größte Defizit, was ich erlebe in der Altersklasse von 15 bis 19.

Simi Will: Wie gesagt, mit Schwerpunkthintergründen, wie das immer so schön heißt oder

Simi Will: mit weniger Chancen angereist sozusagen.

Simi Will: Und da sehe ich das größte Problem in der Beziehungsarbeit und Kommunikation lernen.

Simi Will: Wie telefoniere ich?

Simi Will: Telefoniere ich überhaupt noch? Genau, kann ich noch sprechen?

Simi Will: Wie spreche ich, wenn was nicht so schön ist? Wie bringe ich Kritik an?

Simi Will: Wie lobe ich? Warum ist Loben wichtig? Was gefällt mir? Womit kann ich nichts anfangen?

Simi Will: Das sind Fragen, die haben sich die Kids Tatsache kaum gestellt.

Sven Teuber: Und genau das ist aber doch ein Punkt, weil sie ihn selbst wahrscheinlich nicht

Sven Teuber: erfahren haben, diese Prozesse, häufig selbst nicht erfahren.

Sven Teuber: Und bei mir geht das Herz auf, wenn du davon sprichst, Beziehungsarbeit,

Sven Teuber: Bindungsarbeit, das ist so wichtig vom Beginn an in einer Sozialisation für Kinder.

Simi Will: Und auch für eine nachhaltige Demokratie. Definitiv.

Simi Will: Weil ein Mensch, der frühzeitig und rechtzeitig erfahren hat, dass er wertvoll ist,

Simi Will: dass er gebraucht wird, dass er gewollt ist, der wird mit Sicherheit jemand

Simi Will: werden, der humanistisch auf die Gesellschaft guckt und dazu brauche ich kein Einzelabitur.

Sven Teuber: Das alleine sagt mir doch gar nichts bei den Menschen aus, außer dass er vielleicht sehr gut freist.

Simi Will: Was hast du für ein Abitur?

Sven Teuber: 2,8 oder 9.

Simi Will: Okay, ich kann das toppen.

Sven Teuber: Ich habe 3,4.

Simi Will: Aber ich habe 180 unentschuldigte Fehlstunden auch vorzuweisen und trotzdem

Simi Will: mein Abitur geschaffen. Also nachgerechnet hätte ich auch ein Zweier irgendwas abgetrunken.

Sven Teuber: Ja, mit Sicherheit. Und ehrlich gesagt, das sagt ja auch überhaupt nichts über

Sven Teuber: die Frage nachher. Das sind ja Zugangsvoraussetzungen für weitere Möglichkeiten sozusagen.

Sven Teuber: Und wir kommen eh dahin, das lernen mittlerweile hoffentlich auch immer mehr,

Sven Teuber: dass wir viel mehr auf die Social Skills und auf andere schauen müssen,

Sven Teuber: als nur auf die Note. Ja, so. Und

Sven Teuber: Ich finde, dass wir, je früher wir in Kinder investieren und zwar nicht nur

Sven Teuber: Geld, sondern vor allem Emotionen und Zeit und Raum, umso mehr wird sich das nach hinten aussehen.

Sven Teuber: Wir hatten aber aus Pisa die direkte Tendenz mit…

Sven Teuber: G8, schnell in die Arbeit, wir müssen jetzt Output, Output.

Sven Teuber: Das hat aber nicht zur Qualität beigetragen. Wir haben immer noch schlechte

Sven Teuber: PISA-Ergebnisse, weil wir einfach nicht die richtigen Schlüsse gezogen haben

Sven Teuber: und nicht mutig genug in Veränderungen investiert haben und dabei das Kind in

Sven Teuber: den Mittelpunkt stellen.

Sven Teuber: Dass man damit schon Aufmerksamkeit generiert als Politiker und als Minister, wenn man das sagt,

Sven Teuber: ist doch eigentlich ein Armutszeugnis, weil wir doch in der Gesellschaft,

Sven Teuber: wenn wir über Kinder und Jugendliche reden, reden wir über sie,

Sven Teuber: wir reden immer defizitorientiert, wir sagen immer, was sie alles nicht können,

Sven Teuber: welche schreckliche Zukunft sie vor sich haben und die werden sie alle bestimmt

Sven Teuber: nicht meistern können, weil sie alle viel zu blöd sind oder was auch immer.

Sven Teuber: Und deswegen Ganztagsförderung und Ganztagsförderung, wo alle zusammenkommen,

Sven Teuber: wo man keinen ausschließt, sondern eher, wir brauchen alle aus allen Bereichen,

Sven Teuber: weil jeder gelernt voneinander, kein Kind dieser Welt macht einen Unterschied

Sven Teuber: von wo wer kommt. Das machen wir als Erwachsene.

Sven Teuber: Da fängt es an. Und wenn wir das gar nicht erst aufkommen lassen würden und

Sven Teuber: lange gemeinsam lernen und dann lange gemeinsam auch in deiner Gruppe sind und

Sven Teuber: Freundschaften, Beziehungen tatsächlich sich binden lassen,

Sven Teuber: dann auch tatsächlich vielleicht manche Autorität mal sozusagen an die Seite

Sven Teuber: stellen, sondern tatsächlich sich als Gruppengefüge sehen und da als Bezugsperson

Sven Teuber: und Begleitungsperson auf der Entwicklungsperspektive Kind, Jugendlicher,

Sven Teuber: dann haben wir glaube ich so viel für Demokratieförderung, aber auch für Persönlichkeitsentwicklung

Sven Teuber: und damit für auch, wenn man es rein monetär sehen will, auch für Wohlstandsentwicklung genommen.

Sven Teuber: Aber das ist immer die Diskussion. Das ist doch wie bei anderen Sachen auch.

Sven Teuber: In Prävention zu investieren, ist immer erstmal teurer.

Sven Teuber: Aber es ist nachher viel billiger, als wenn ich teuer nacharbeiten muss, was du toll machst.

Sven Teuber: Aber wofür es von dir noch gar nicht so viele gibt, um die ganzen Probleme alle

Sven Teuber: abzuarbeiten. Und das muss ein gesamtgesellschaftliches.

Simi Will: Richtig.

Simi Will: Was schwebt dir vor?

Simi Will: Schritt für Schritt. Was können wir in zwei Legislaturperioden so hinkriegen, dass man sagt,

Simi Will: da ist ein Weg geebnet, dass in der Altersklasse von Kleinkind 2 bis 14 beispielsweise

Simi Will: haben wir jetzt Konzepte,

Simi Will: Die sind für Haupt,

Simi Will: für auch Real,

Simi Will: sowohl für Gymnasialklassen, aber auch für berufsbildende Schulen oder so,

Simi Will: so parat zugeschnitten, dass wir die Schüler im Einzelfall, weil ich glaube,

Simi Will: es muss in Richtung mehr Gelegenheit.

Simi Will: Das kostet natürlich Geld. Das klingt alles utopisch. Ich meine,

Simi Will: wir reden uns hier total froh und es gibt total schöne Ideen.

Sven Teuber: Aber es kostet alles nicht nur Geld. Also es sind, wir haben,

Sven Teuber: Entschuldige, ich habe dich nicht unterbreitet.

Simi Will: Nein, bitte.

Sven Teuber: Es kostet gar nicht nur Geld. Es

Sven Teuber: geht um die Frage, wie kriegt man manche Maßnahmen, die wir schon haben.

Sven Teuber: Ich will mal sagen, was ist der Plan? Der Plan ist, dass Kinder unabhängig von Herkunft etc.

Sven Teuber: Nur mit Leistung dahin kommen können, wo sie hinkommen wollen.

Sven Teuber: Und dass wir auch uns fragen, was können wir tun, um den Erfolg des Kindes dafür zu ermöglichen.

Sven Teuber: Und da würde ich sagen, wir müssen gleich zu Beginn in der Kita so früh wie

Sven Teuber: möglich in die Kita integrieren. So früh wie möglich in Gruppe.

Sven Teuber: Dafür müssen wir die Plätze schaffen und Erzieherinnen und Erzieher da haben.

Sven Teuber: Und dann gute Rahmenbedingungen schaffen. Das ist der erste Punkt. Daran arbeiten wir.

Simi Will: Heißt aber auch, die Leute müssen anständig bezahlt werden. Es muss sexy sein,

Simi Will: wieder eine Ausbildung zu machen als Erzieher.

Sven Teuber: Ja, definitiv. Deswegen haben wir alle Möglichkeiten. Wir haben ja eine bezahlte Ausbildung.

Simi Will: Gibt es, so hoffe ich, bald auch da Vereinfachungen in den Beruf einzusteigen,

Simi Will: dass ich sagen kann, mit einem Hauptschulabschluss

Simi Will: muss ich ja nicht super Erzieherin gleich werden können,

Simi Will: aber es muss eine Zugangsvoraussetzung sein können, dass ich mit 17,

Simi Will: wenn ich den Beruf in einem Monat mal getestet habe und mir gefällt das,

Simi Will: dass ich da einsteigen kann als Schülerin und den Weg in der Kleinkennpädagogik

Simi Will: peu a peu schrittweise dann im Praktischen. starten kann.

Sven Teuber: Genau daran arbeiten wir gerade.

Simi Will: Na bitte.

Sven Teuber: Das ist genau der Punkt. Du bist dann noch nicht sofort Erzieherin oder Erzieher,

Sven Teuber: sondern du steigst, sag ich mal, vielleicht auch mit einer Assistenz ein oder wie auch immer.

Sven Teuber: Aber genau daran arbeiten wir gerade aus Rheinland-Pfalz, federführend auch

Sven Teuber: für die ganze Republik, um das Menschen zu ermöglichen und gleichzeitig denen

Sven Teuber: aber auch eine Entwicklung zu ermöglichen, weil wir wissen auch,

Sven Teuber: Jeder entwickelt sich anders auf anderem Faden und du gibst mal hier rechts

Sven Teuber: ab, mal links ab, dann geradeaus und dann denkst du, okay, komm,

Sven Teuber: jetzt habe ich mein Interessengebiet gefunden, da will ich mich dranbleiben,

Sven Teuber: da will ich mich reinfuchsen, weiterbilden,

Sven Teuber: weiterqualifizieren, aufsteigen und das muss durch Bildung möglich sein.

Simi Will: Und es muss auch mit einem Hauptschulabschluss möglich sein.

Sven Teuber: Natürlich und das sagt an sich jetzt erstmal noch gar nichts aus.

Sven Teuber: Das ist eine Zugangsvoraussetzung und wir müssen gucken, dass wir die Teams dann ergänzen.

Sven Teuber: Wir wollen hohe Qualität haben für unsere Kinder und das ist das Versprechen,

Sven Teuber: was Deutschland eigentlich immer in den Jahrzehnten stark gemacht hat,

Sven Teuber: Aufstieg durch Bildung. Ja, und Aufstieg durch Bildung, das ist im Endeffekt

Sven Teuber: der Weg, den wir auch brauchen.

Sven Teuber: Das müssen wir wieder erneuern, weil ich glaube, in vielen Bereichen machen

Sven Teuber: wir es manchen zu kompliziert oder unmöglich, dann fühlen die sich abgehängt

Sven Teuber: und dann haben wir wieder ein Demokratieproblem und auch vor allem auch,

Sven Teuber: Wenn ich heute manchen Politiker in Berlin, da werde ich ja manchmal dann auch

Sven Teuber: genauso böse wie du sozusagen dann auch bei Instagram, wenn ich dann höre,

Sven Teuber: Die ganzen Sozialsprachotzer bei Bürgergeld etc., da schwillt mir der Kamm.

Sven Teuber: Weil im Endeffekt, also neben dem, dass ich es aus meiner Familie selber kenne,

Sven Teuber: also im nächsten Umfeld selber weiß, wie schwierige Lebensbiografien manchmal

Sven Teuber: zu Hilfestellungen brauchen, dafür haben wir den Sozialstaat,

Sven Teuber: aber wenn wir wollen, wirklich wollen, und das nehme ich ja manchen ab,

Sven Teuber: dass wir nicht in der Nachsorge viel Geld investieren,

Sven Teuber: dann bitte sollte man nicht auf den rumtrampeln, das hasse ich sowieso,

Sven Teuber: nach oben buckeln, nach unten treten, da schwillt mir der Kamm.

Sven Teuber: Aber dann sollten wir doch bitte auch so ehrlich sein und sagen,

Sven Teuber: okay, wir qualifizieren jetzt so viele, wie wir da können.

Sven Teuber: Aber vor allem investieren wir so stark in Bildung und reden wir nicht drüber,

Sven Teuber: wo das Problem liegt, sondern wir bekämpfen es, indem wir von Beginn an Kindern die Chance geben.

Sven Teuber: Die Sozialstaatsreform ist die, in dem wir Bildung, Bildung,

Sven Teuber: Bildung machen, weil jeder möchte leisten.

Sven Teuber: Es gibt keinen Menschen, der nicht über Arbeit, Identifikation,

Sven Teuber: Selbstwirksamkeit spürt

Sven Teuber: Das ist doch schlimm, dass wir darüber reden müssen, dass Kinder und Jugendliche

Sven Teuber: Unsicherheiten erfahren in der Zeit, wo sie eigentlich keine Unsicherheiten erfahren dürfen.

Sven Teuber: Die vulnerabelste Zeit ist doch gerade die frühe Kindheit, sage ich mal.

Sven Teuber: Und dann, wenn wir über die Pubertät wiederum sprechen. Und wenn in diesen Zeiten

Sven Teuber: so viel Unsicherheiten entstehen, dass da Beziehungsprobleme vielleicht auch

Sven Teuber: mit familiären Umfeldern entstehen, aber vor allem im schulischen Bereich,

Sven Teuber: Dann in dem Zusammenhang kein Vertrauen entstehen kann, auch in den Staat und

Sven Teuber: in unsere Bereiche, die wir repräsentieren jeden Tag.

Sven Teuber: Dann ist das dramatisch, weil wir müssen Kinder und Jugendliche ernst nehmen in ihren Bedürfnissen.

Sven Teuber: Und wir reden häufig über ihre Köpfe hinweg. Wenn wir sehen,

Sven Teuber: die mentale Gesundheit nimmt immer weiter ab in der Wahrnehmung der jungen Menschen,

Sven Teuber: ist es so, dass sie jeden Tag mehr Krieg über Krieg reden,

Sven Teuber: als über die Frage, wie kriegt man denn morgen noch Frieden,

Sven Teuber: in Frieden miteinander Leben gestaltet.

Sven Teuber: Und das hätte ich mir vorher ehrlich gesagt nie, also ich habe es in meiner Kindheit nicht,

Sven Teuber: Haben wir über tatsächlich Tschernobyl und all diese Folgen auch gesprochen,

Sven Teuber: aber Krieg war trotzdem irgendwie medial weiter weg.

Sven Teuber: Es kann nur so sein, dass wir viel ganz anderes Medienverhalten hatten.

Sven Teuber: Das war nicht so, dass wir jeden Tag eine Krisennachricht nach der anderen aufs

Sven Teuber: Handy Push-Up bekommen haben.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang macht das aber was mit meiner mentalen Gesundheit aus.

Sven Teuber: Und deswegen kann ich auch nicht, ertrage ich es auch nicht,

Sven Teuber: wenn heutige Menschen, ältere Generationen sagen, wir hatten damals mehr Druck

Sven Teuber: als die heute. Das glaube ich nicht. Das stimmt nicht. Das glaube ich nicht.

Simi Will: Nein, das glaube ich nicht. Meine Theorie ist, dass die Menschen generell,

Simi Will: also wir alle ab einem gewissen Alter so in der Erwachsenenwelt drin sind mit

Simi Will: den, was muss ich tun, welche Verantwortlichkeiten habe ich und so weiter, vergessen,

Simi Will: wie es sich tatsächlich anfühlt.

Sven Teuber: Ich weiß auch noch, in meiner Pubertät, meine Eltern hatten sich getrennt,

Sven Teuber: da bin ich überhaupt nicht klar gekommen.

Simi Will: Wie alt warst du, als sie sich getrennt haben, finde ich immer richtig.

Sven Teuber: Zu zwölf, ja. Oh, scheiße. Und das war so ein Punkt, ich habe dabei so getan,

Sven Teuber: als wäre das alles für mich kein Thema. Ich habe alles in mich hineingefressen,

Sven Teuber: wurde so immer dicker und dicker.

Sven Teuber: Du? Ja, genau. Und habe mich danach wieder Mühe vorausgekämpft.

Sven Teuber: Das waren ein paar Jahre. Aber das waren für mich entscheidende Jahre.

Sven Teuber: Natürlich. Weil er hatte Pubertät und du willst gefallen, du willst gemocht

Sven Teuber: werden in dem Zusammenhang.

Sven Teuber: Und ich habe da nur Ablehnung einfach erfahren in dem Zusammenhang.

Simi Will: War es eher so das Mobbing, der gemobbte Teenager?

Sven Teuber: Definitiv. Und in dem Zusammenhang bin ich nicht derjenige, den heute vielleicht

Sven Teuber: manche da immer auf dem Bild als shiny shiny oder sowas.

Sven Teuber: Ich habe dahingehend schon ganz viele andere Persönlichkeiten sozusagen in mir

Sven Teuber: getragen und auch mit mir ausgemacht.

Sven Teuber: Auch so ein Punkt, dass ich genau weiß, wie man sich fühlt, wenn man gemobbt

Sven Teuber: wird, wie man tatsächlich gefühlt, wenn man selber einfach auch anders sein

Sven Teuber: möchte, aber gerade nicht den Weg aus dieser Sache heraus findet.

Sven Teuber: Und auch Leute um sich braut. Ich hatte dann ein, zwei Leute,

Sven Teuber: die mich tatsächlich gesagt haben, so komm, wir schaffen es jetzt zusammen.

Sven Teuber: Und dann habe ich das auch geschafft.

Sven Teuber: Aber du brauchst immer jemanden an deiner Seite. Du musst es auch nicht alleine

Sven Teuber: schaffen, aber du musst auch so offen sein. Und das war auch meine Zeit nicht

Sven Teuber: und das war ja auch schrecklich.

Sven Teuber: Heute sind ja junge Menschen, viel offener Hilfe sich zu holen.

Sven Teuber: Das ist eine solche Größe.

Sven Teuber: Ist es so? Ich erlebe es total so.

Sven Teuber: Wie viele Leute mir schreiben, auch von jungen Menschen, zu sagen,

Sven Teuber: ich brauche an der Stelle Unterstützung, ist das so richtig etc.?

Sven Teuber: Ich erlebe auch die Landesschülervertretung, die BundesschülerInnenkonferenz und so.

Sven Teuber: Das sind Themen, immer mentale Gesundheit, Sensibilität, Hilfe zu holen.

Sven Teuber: Und wenn ich mit der Landespsychotherapeutin in Kammer, mit der Vorsitzenden

Sven Teuber: der Sabine Mauer spreche,

Sven Teuber: die sagt auch, die Leute sind heute, sie selber hat auch eine Praxis in Mainz

Sven Teuber: für Kinder- und Jugendpsychologie viel mehr Offenheit, als das noch vor 10, 20 Jahren der Fall war.

Sven Teuber: Und ich selber hatte auch kurzzeitig mir Hilfe geholt, auch über eine Therapie.

Sven Teuber: Das hat mir auch geholfen in der Situation. Ich fand es allerdings als Kind

Sven Teuber: oder Jugendlicher in dem Fall völlig bekackt.

Sven Teuber: Ja, weil ich gedacht habe, jetzt bist du ja völlig am Boden.

Sven Teuber: Jetzt bist du bekloppt. Oh nein, jetzt brauchst du da Hilfe.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang ging es eigentlich nur um eine Strategie.

Sven Teuber: Zusammen eine Strategie zu entwickeln, wie man jetzt aus diesem Prozess rauskommt.

Sven Teuber: Und das war total hilfreich. Und ich kann auch nur jeden ermuntern, Hilfe sich zu holen.

Sven Teuber: Und gleichzeitig ist es mein Auftrag und meine Motivation auch zu sagen,

Sven Teuber: Leute, lasst uns doch als Erwachsene das Kind in den Mittelpunkt rücken und

Sven Teuber: ich werde das nicht müde zu betonen.

Sven Teuber: Und das von Beginn an ihnen die Wertschätzung zu geben und auch selber einzugestehen,

Sven Teuber: wir selber haben Probleme mit dieser heutigen Welt und wissen nicht,

Sven Teuber: wo sie sich hin entwickelt.

Sven Teuber: Wir tun alles, danke auch dir und vielen, die auch sozusagen demokratische Werte

Sven Teuber: immer wieder, wir tun alles dafür, aber wir wissen nicht, wie das Ende aussieht.

Sven Teuber: Und wo Trump, Putin und Co. uns sozusagen in der Welt hin entwickeln wollen.

Sven Teuber: Das ist ja so irre, wie es ist und da dürfen wir, glaube ich,

Sven Teuber: selber uns auch als Erwachsenen sagen, hey, ich habe ein Problem damit und dass

Sven Teuber: Kinder und Jugendliche da auch einen Druck spüren, ist verständlich und den

Sven Teuber: müssen wir versuchen zu nehmen.

Simi Will: Es ist alles nicht so leicht zu lösen, aber ich glaube, dass ein guter Ansatz

Simi Will: wirklich der ist, wie du sagst, an den Schulen, also zu wissen,

Simi Will: was ist die Alltagssituation vor Ort.

Simi Will: Definitiv. Das geht nicht ohne.

Simi Will: Dann Kind im Mittelpunkt, sehe ich auch so. Dann denke ich aber auch,

Simi Will: wir brauchen genügend Personal.

Simi Will: Das heißt, wir müssen auch Personal rekrutieren von, wie viel war es nochmal, sechs Milliarden?

Sven Teuber: Sechseinhalb Milliarden.

Simi Will: 6,5 Milliarden in Rheinland-Pfalz, dann schmeiß doch mal ein bisschen Geld raus,

Simi Will: auch für Anreize zu schaffen, um pädagogische Berufe zu ergreifen.

Sven Teuber: Aber weißt du, Simi, was ich total bemerkenswert finde, wir hören ja immer von

Sven Teuber: Branchen, Fachkräftemangel, Fachkräftemangel.

Sven Teuber: Und wir schaffen es in Rheinland-Pfalz, wir haben sowohl eine Kampagne für Erzieherinnen

Sven Teuber: und Erzieher, als auch für Lehrerinnen und Lehrer. Und wir schaffen es tatsächlich,

Sven Teuber: immer mehr Stellen anzubieten und wir haben kein Problem dafür Personal zu finden.

Sven Teuber: Das heißt, wir haben in den letzten Jahren zigtausende mehr in pädagogischen

Sven Teuber: Fachkräften und pädagogischen Teams in den Kitas bekommen.

Sven Teuber: Wir haben jetzt knapp 40.000 Beschäftigte in Kitas.

Sven Teuber: Wir hatten noch vor ein paar Jahren unter 35.000. Das heißt,

Sven Teuber: wir haben einen kontinuierlichen Zuwachs im Kita-Bereich.

Sven Teuber: Und wir haben bei Lehrern und Lehrer, da muss ich sagen, das hat Malu beispielsweise

Sven Teuber: als Ministerpräsidentin immer so gehandhabt mit Doris Ahnen und Co. und Stefanie Hubig.

Sven Teuber: Immer weiter eingestellt, obwohl uns im Lehrerbereich, wir haben uns,

Sven Teuber: Lehrerinnen und Lehrer wurden immer gesagt, ihr braucht die nicht mehr,

Sven Teuber: die Kinder werden weniger.

Sven Teuber: Dann kam der Krieg hier, die Flüchtlingsbewegung da, die Kinder wurden doch

Sven Teuber: nicht weniger und wir haben als eines der wenigen Bundesländer kontinuierlich

Sven Teuber: eingestellt. Und wir haben heute den Bereich, dass wir immer noch einstellen.

Sven Teuber: Ich darf jedes Schuljahr über 1000 Neueinstellungen sozusagen mit meinen Behörden machen.

Sven Teuber: Und ich vergleiche das mal mit Berlin.

Sven Teuber: Wir verbeamten ja auch alle Lehrer bei uns und Lehrerinnen bei uns in Rheinland-Pfalz,

Sven Teuber: die eine Planstelle haben und die gut ausgebildet sind. In Berlin zum Beginn

Sven Teuber: dieses Schuljahres von den eingestellten Lehrern waren nur 27% ausgebildete Lehrkräfte.

Simi Will: Davon kenne ich 10%.

Sven Teuber: Bei uns waren es 99,6%. Das heißt, das sagt schon viel darüber aus.

Sven Teuber: Und wir haben einen hochattraktiven Arbeitsmarkt.

Sven Teuber: Und wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen da,

Sven Teuber: wo wir entlasten können, um administratives Verwaltung, müssen wir es entlasten.

Sven Teuber: Da müssen wir Technik nutzen auch.

Sven Teuber: Da können wir auch Technik nutzen, da arbeiten wir auch dran.

Sven Teuber: Wir haben zum Beispiel ein Bildungsportal, wo wir wirklich kontinuierlich auch

Sven Teuber: entlasten können künftig. Wenn ihr es gerade angeschaut,

Sven Teuber: Die KI kann in einer halben Stunde

Sven Teuber: Dinge vorbereiten, die muss man selber durchdenken und weitere Dinge.

Sven Teuber: Aber die kann man, was man, habe ich gestern noch mit einem Lehrer darüber gesprochen,

Sven Teuber: was der vorher in fünf Tagen gemacht hat, macht die KI in einer halben Stunde

Sven Teuber: und da hat er mehr Zeit, um individueller das abzustimmen auf die Klasse.

Simi Will: Zum Beispiel Klassenarbeit steht an, Thema XY.

Sven Teuber: Unterrichtsplanung insgesamt. Also was wir gerade machen ist,

Sven Teuber: das machen wir jetzt gerade erstmal nur fürs Fach Deutsch, aber das wollen wir

Sven Teuber: perspektivisch für alle machen. Wir machen die Lehrpläne alle in die KI.

Sven Teuber: Und dann befragst du die KI und sagst, ich möchte das und das Ziel.

Sven Teuber: Ich habe die Kompetenzen, die ich erreichen möchte. Schreib mir dafür eine Unterrichtsplanung.

Sven Teuber: Mach mir dafür didaktisch unterschiedliche, methodisch unterschiedliche Ansätze.

Sven Teuber: Dann macht er dir einen Vorschlag. Daran kannst du arbeiten,

Sven Teuber: aber du arbeitest nicht mehr am weißen Blatt.

Sven Teuber: Du musst auch nicht hier suchen, da suchen, sondern das sucht der oder die KI

Sven Teuber: für dich, die wir kostenfrei zur Verfügung stellen allen.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang hast du dann Zeit, auch dich noch mehr um Pädagogik

Sven Teuber: und Beziehungsarbeit zu kümmern, weil auch Lehrerinnen und Lehrer stehen unter Druck.

Sven Teuber: Gesellschaft erwartet so viel von denen. Und ich weiß das selber,

Sven Teuber: auch aus vielen Gesprächen, aus eigener Erfahrung, wir müssen auch gucken,

Sven Teuber: Schule kann nicht die Gesellschaft alleine reparieren, das ist nicht der Auftrag von Schule.

Sven Teuber: Und wenn wir konsequent als Gesellschaft sind, dann geben wir Schule den Raum, den sie braucht,

Sven Teuber: indem wir entlasten, um Administratives, indem wir auch Lern- und Prüfungskultur

Sven Teuber: verändern, nicht mehr nur die Klausur X und dann Note Y und dann geht es weiter,

Sven Teuber: sondern viel mehr in Feedbackkulturen reingehen, selbstorganisiertes Lernen, viel stärker machen.

Sven Teuber: Ich war in Kanada, hab mir das angeschaut.

Sven Teuber: Die sind ja nicht klüger, weil sie in Kanaka geboren wurden.

Sven Teuber: Die meisten übrigens sind nie dort geboren.

Sven Teuber: Da spielt Migration gar keine Rolle, dass es gar keinen Nachteil hat.

Simi Will: Das ist ein Einwanderungsland, Punkt.

Sven Teuber: Ja, die sagen einfach, hey, die kommen hier multilingual an.

Sven Teuber: Die kommen hier nicht mit Defizit an, sondern multilingual.

Sven Teuber: Und damit können wir von denen lernen, die lernen von uns. Und wir gucken uns

Sven Teuber: an, dass wir einen guten Arbeitsraum haben.

Sven Teuber: Wir gucken uns an, dass die selbst organisiert lernen.

Sven Teuber: Die Lehrer werden übrigens schlechter bezahlt dort. sind keine Beamten,

Sven Teuber: haben die gleichen Klassengrößten, kriegen aber bessere Ergebnisse raus.

Sven Teuber: Und was die PISA-Ergebnisse und so angeht im Kernkompetenzbereich.

Sven Teuber: Und woran liegt es? Es liegt an der Haltungsfrage, es liegt an Leadership, an Führung.

Sven Teuber: Und da will ich vorbildlich vorangehen. Und es geht daran, dass sie Daten sammeln

Sven Teuber: und immer wieder hinterfragen, wie können wir individuell noch besser werden.

Sven Teuber: Das eine ist zu sagen, in Deutsch sind die beispielsweise, ist meine Klasse

Sven Teuber: steht da und Lisa und Sven haben unterschiedliche Anforderungen.

Sven Teuber: Wie kann ich es hinkriegen, dass sowohl Lisa im oberen Bereich als auch Sven

Sven Teuber: im unteren Bereich trotzdem sich beide weiter nach oben entwickeln?

Simi Will: Da sprichst du was an. Ich hatte immer fünf übrigens, immer,

Simi Will: immer. Ich habe binomische Formeln mit...

Simi Will: 38? Verstanden?

Simi Will: In einem Kontext mit Schülern zusammen, die zu mir gesagt haben,

Simi Will: Simi, bitte, kannst du nicht mit uns Mathe? Da sage ich, ich kann kein Mathe.

Sven Teuber: Ihr habt euch das zusammen beigebracht.

Simi Will: Und dann sagen die, bitte, versucht doch. Bringt den Scheiß mit.

Simi Will: Ich weiß nicht, ich glaube nicht.

Simi Will: Und dann haben wir da zusammen, ich habe genauso gelernt von den Ansätzen der Kids.

Sven Teuber: Ja, aber das ist...

Simi Will: Das gibt es ja gar nicht, ist gar nicht so schwer.

Sven Teuber: Und das ist doch hochmotivierend für die Schülerinnen bestimmt gewesen.

Sven Teuber: Ja, natürlich. Weil die gesehen haben, hey, die kann das ja auch nicht.

Simi Will: Nee, und ich bin schlau.

Sven Teuber: Und wir kriegen es gemeinsam hin.

Simi Will: Und die ist trotzdem schlau.

Sven Teuber: Und wir kriegen es gemeinsam hin. Ja. Und vor allem, die hat was auch ohne binomische

Sven Teuber: Formel erstmal was aus sich machen können. Ja.

Sven Teuber: Das ist ja auch schön und trotzdem ist es natürlich super auch ein Erfolg,

Sven Teuber: wenn man es dann miteinander erarbeitet. Ich glaube einfach, ob A, B oder C,

Sven Teuber: Ich habe mir das angeschaut und auch in anderen, auch Hamburg arbeitet beispielsweise schon so,

Sven Teuber: datengestützt heißt, du hast als Lehrerinnen und Lehrer deine Klasse mit 27,

Sven Teuber: 30 Schülerinnen und Schülern und dort kannst du genau erkennen,

Sven Teuber: wir machen dann eine Lernstandserhebung in dem Zusammenhang,

Sven Teuber: gerade im Deutschen oder Mathematik und dann, ach komm, wir machen das jetzt mal.

Sven Teuber: Da siehst du genau, wer braucht wie lang, wie viele Fehler sind da und dann

Sven Teuber: kommen automatisch Förderinstrumente.

Sven Teuber: Das wären Aufgaben. Betamax haben wir dafür beispielsweise schon im Bildungsportal

Sven Teuber: drin, im Digitalen. Das heißt, das ist für Mathematik.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang kannst du dann sagen, alles klar, okay,

Sven Teuber: bei Betamax findest du auf der Seite, kannst du dir das anschauen und dann reden

Sven Teuber: wir drüber, wo die Defizite sozusagen sind.

Sven Teuber: Du kannst viel individueller, du machst quasi deinen A, B, C Kurs in deiner

Sven Teuber: Klasse und das funktioniert in Hamburg, in Kanada.

Simi Will: Perfekt.

Sven Teuber: In der Klasse, du musst nicht separieren, weil dieses separieren wollen wir

Sven Teuber: ja nicht, weil dann ist es das Abschieben und das ist nicht das, was motivierend ist,

Sven Teuber: sondern du musst auch gucken, wie können die Besten noch besser werden und die

Sven Teuber: fordern und das kannst du genauso mit diesen digitalen Tools machen,

Sven Teuber: wie die schlechteren zu besseren sozusagen.

Simi Will: Ja, genau.

Sven Teuber: Das werden nie die, in allen Bereichen muss ja auch gar nicht Hochleistungsleute sein.

Simi Will: Und wenn wir dann wieder da sind, wo wir am Anfang drüber gesprochen haben,

Simi Will: wenn wir nämlich eine Frühförderung davon ausgehen und sagen,

Simi Will: wir stellen das Kind in den Mittelpunkt, dann hast du das automatisch nämlich, dass wenn ein...

Simi Will: Dass Dreijähriger schon Sozialkompetenz

Simi Will: lernt und die sind ja auch immer unterschiedlich in ihrer Entwicklung.

Simi Will: Der eine kann mit zwei schon Spagat und die andere kann noch nicht reden oder was.

Simi Will: Und dass eben auch eine soziale Durchmischung besser funktioniert.

Simi Will: Das habe ich in Berlin mitbekommen, das war immer ein riesen Zuriss.

Simi Will: Wir wohnen ja so hip in Neukölln, aber die Kinder gehen nach Schöneberg in die Dingsburgsschule.

Simi Will: Und dann hat man das irgendwie, es gab dann irgendwas vom Gesetzgeber,

Simi Will: was dann die Kinder anders verteilt hat, um mehr Gleichheit herzustellen.

Simi Will: Und als dann die Kinder meiner Ex-Freunde eingeschult wurden,

Simi Will: haben die mich dann immer gefragt, was denkst du denn? Und das ist ja Migrationsanteil

Simi Will: in Neukölln 98,6 Prozent.

Simi Will: Sage ich, geht doch mal zu diesem Tag der offenen Tür und guckt es euch an.

Simi Will: Weil ich glaube auch immer, dass in den frühen Schulen super viel geboten ist.

Simi Will: Und wenn nicht alle nach Schöneberg rennen, wo sowieso denken,

Simi Will: da kommen irgendwie die Zahnarztkinder hin und die Bildungsnahen zusammen.

Simi Will: Das ist auch nicht mehr so. Und ich weiß von zwei,

Simi Will: drei Schülern, die ganz fantastisch ihre Grundschulzeit in Neukölln gemacht

Simi Will: haben, die dann später aufs Gymnasium gewechselt sind,

Simi Will: die gerne in die Schule gegangen sind und die einen ganz positiven Start hatten

Simi Will: an einer Neuköllner sogenannten Ghetto-Schule,

Simi Will: weil an dieser Ghetto-Schule total engagierte Lehrer waren, die sehr viel angeboten

Simi Will: haben über den üblichen Lehrplan hinaus, wo Freizeitangebote da waren.

Simi Will: Weil damals noch Franziska Giffey ihren Kiez kannte und entgegen der alten weißen

Simi Will: Männer, die da sonst noch saßen, EU-Fördergelder genau an diese Schulen geholt hat.

Simi Will: Und dadurch ganz viel möglich wurde.

Sven Teuber: Und ich sage, ich werde ja auch viel auf Diskussionsveranstaltungen eingeladen.

Sven Teuber: Und dann war ich jetzt in Berlin nochmal auf einem Panel bei einem Forum Digitale Bildung.

Sven Teuber: Da habe ich die Schulleiterin der Anne-Frank-Schule aus Berlin kennengelernt, die auch im Wedding.

Sven Teuber: Ähnlich 98% Migrationsanteil. Die Schule sollte zugemacht werden.

Sven Teuber: Weil sich alle, die sozusagen da noch weg sozusagen flüchten konnten,

Sven Teuber: und das liegt meistens an den Punkten, die du beschrieben hast,

Sven Teuber: sag ich jetzt mal aus dem Bildungsbürgertum oder wo auch immer,

Sven Teuber: die haben sich sozusagen erfolgreich dort weggeflüchtet und dann blieben nur

Sven Teuber: noch ein paar übrig und das waren nur noch Problemfälle und die Schule sollte zugemacht werden.

Sven Teuber: Und dann hat sie, sie wurde auch dafür mehrfach schon ausgezeichnet,

Sven Teuber: das ist heute eine der beliebtesten Schulen.

Simi Will: Rütli, Jahre vorher, da haben die Schüler das so, das fand ich auch mega,

Simi Will: also ich habe neben der Rütli-Schule gewohnt damals in der Weserstraße.

Simi Will: Ja, und ich dachte, da ist immer so ein großer Frosch, ich weiß nicht,

Simi Will: ob du die Rüthlich-Schule kennst, nennt sich jetzt Rüthlich-Campus,

Simi Will: sind wahnsinnig viele Gelder hingeflossen, wurde dann wieder so Exempel statuiert damals.

Simi Will: Dann kam da der neue Direktor, kam dann auf dem Motorrad angebraust,

Simi Will: die haben glaube ich für jeden Schüler jetzt einen Laptop und jetzt kommen die

Simi Will: Schüler aus Spandau und Gartow und gehen in die Rüthlich-Schule, weißt du?

Simi Will: So, und das ist ja auch absurd.

Sven Teuber: Aber die Anne-Frank-Schule hat immer noch den gleichen Einzugsbezirk und hat

Sven Teuber: immer noch, nur es gehen die Leute nicht mehr weg aus diesen Bereichen.

Sven Teuber: Es gibt bei uns auch mal die Tendenzen, Schulbezirksgrenzen nennt man das ja.

Sven Teuber: Also in der Grenze bewegst du dich, das ist deine Schule und dann gibt es nur

Sven Teuber: ultra wenige Ausnahmen, wo du dann da rauskommst.

Sven Teuber: Und es gibt trotzdem immer Tendenzen, wo das Eltern wollen, weil sie Sorge haben

Sven Teuber: und was macht das mit meinem Kind. Das ist ja immer aus Unsicherheit. Ja, natürlich.

Sven Teuber: Und diese Unsicherheit muss man einerseits ernst nehmen, auf der anderen Seite,

Sven Teuber: wie du sagst, wenn wir das so gesellschaftlich als Gesamtaufgabe sehen.

Sven Teuber: Dann habe ich überhaupt gar keine Bange, dass überall da gute Arbeit geleistet wird.

Sven Teuber: Im Gegenteil. Wir müssen dann nur schauen, Schulsozialarbeit,

Sven Teuber: all die Multiprofessionalität in die Schulen zu bringen.

Sven Teuber: Aus meiner Sicht auch zu schauen, dass man Schulentwicklung,

Sven Teuber: auch Zeit für Schulentwicklung hat.

Sven Teuber: Also Lehrerinnen und Lehrer auch

Sven Teuber: wirklich mit den Teams vor Ort auch ihre Entwicklung vorantreiben können.

Sven Teuber: Da ist der Unterschied vom Wedding zu Schönenberg, um mal bei deinem Beispiel

Sven Teuber: von Berlin zu sagen, riesig.

Sven Teuber: Also muss ich das ja auch berücksichtigen. Und so ist es bei uns in Rheinland-Pfalz auch.

Sven Teuber: Wir haben drei Standorte der ADD, die ja für Schulqualität und Beratung und

Sven Teuber: Weiterentwicklung zuständig ist als Mittelbehörde.

Simi Will: Sind die auf Zack?

Sven Teuber: Und die müssen wir in Potenzial noch heben, um es mal sozusagen politisch zu sagen.

Sven Teuber: Die sind in Teilen so auf Zack, wie wir es ihnen ermöglichen und in manchen

Sven Teuber: Teilen müssen wir glaube ich noch ein paar mehr Leute auf Zack bringen.

Sven Teuber: Aber da ist ein riesen Standortvorteil, weil wir haben drei Standorte.

Sven Teuber: Koblenz, Neustadt, Trier.

Sven Teuber: Drei verschiedene Regionen. Wenn ich mal in Neustadt denke, zwischen Neustadt,

Sven Teuber: der Weinstraße und Ludwigshafen sind Welten teilweise.

Sven Teuber: Da reden wir über ähnliche Strukturen wie Schöneberg und Wedding.

Sven Teuber: Aber da bin ich nicht weit weg als Aufsicht, sondern ich bin sehr nah dran und

Sven Teuber: kann also individuell mit den Schulleitungen Ziele formulieren,

Sven Teuber: aber da müssen wir hinkommen.

Sven Teuber: Und wie können wir, was können wir als Politik, als Gesellschaft für dich tun,

Sven Teuber: um deinen Ziel zu erreichen und was kannst du tun, um welche Maßnahmen willst du dafür machen?

Sven Teuber: So müssen wir im Endeffekt viel mehr Zielorientierung arbeiten.

Sven Teuber: Und da haben wir eine Struktur, die wirklich gut aufgelegt ist,

Sven Teuber: die müssen wir nur besser nutzen.

Simi Will: Du warst Selbstlehrer? Ja. Für Deutsch und?

Sven Teuber: Deutsch und Sozialkunde. Ich hatte eine Chefin, also ich habe mehrere Chefs erlebt,

Sven Teuber: Aber eine war besonders prägend und die hat einfach mir Dinge ermöglicht.

Sven Teuber: Die hat gesagt, wenn du das für den Entwicklungsziel hältst,

Sven Teuber: dann halten wir das hier fest und dann arbeitest du da dran.

Sven Teuber: Du bist dafür verantwortlich, dass es klappt, aber du kriegst jede Unterstützung, die du dafür brauchst.

Sven Teuber: Und das ist auch im Rahmen von Schule heute möglich. Das ist eine Frage von

Sven Teuber: Führung, das ist eine Frage von denen.

Sven Teuber: Und wir haben ja trotzdem, kein Lehrer muss um seinen Job, keine Lehrerin um

Sven Teuber: seinen Job bangen. Wir haben hohe wirtschaftliche Attraktivität.

Sven Teuber: Wir bezahlen im OECD-Vergleich, bezahlt Deutschland, bezahlen wir Rheinland-Pfalz,

Sven Teuber: die Lehrerinnen und Lehrer mit Abstand am besten aller internationalen Länder.

Sven Teuber: Das heißt, wir haben sie unabhängig vom wirtschaftlichen Druck dahingehend erstmal

Sven Teuber: im Verhältnis zu vielen anderen Menschen auf dieser Welt. Und das ist aber auch

Sven Teuber: eine Sicherheit, in der man gut arbeiten kann. Das braucht es auch.

Sven Teuber: Und das ist das Stabilisierende in diesem System.

Sven Teuber: Und das andere ist, wir müssen dann auch Veränderungen zulassen und ermöglichen

Sven Teuber: und Menschen, die vorangehen wollen, auch unterstützen und Wind unter die Flügel

Sven Teuber: geben. Und das müssen wir immer wieder auch überprüfen.

Sven Teuber: Da sind wir auch politisch in meinen Teilen noch zu träge.

Sven Teuber: Ich würde sagen, wir müssen viel regulärer über Schulgesetze,

Sven Teuber: über Schulordnungen reden. Was bewährt sich, was nicht?

Sven Teuber: Was brauchen wir heute nicht mehr? Was brauchen wir noch?

Simi Will: Ich wollte ja auch noch was über dich erfahren. Ich habe gesagt,

Simi Will: wir machen das diesmal nicht so.

Simi Will: Also, aus welchem Stall kommst du? Was haben deine Eltern gemacht? Lehrer?

Sven Teuber: Nee, überhaupt nicht. Ich komme ja sozusagen klassisch aus Bildungsfernhaushalten.

Sven Teuber: Mein Vater, da habe ich auch großen Respekt davor, hat...

Sven Teuber: Und als ich mich bekommen habe, meine Mutter, mein Vater, war er in der Ausbildung.

Sven Teuber: Ich würde früher zu Gas, Wasser, Scheiße im Endeffekt sagen.

Simi Will: Gas, Wasser, Scheiße, geil. Installateur.

Sven Teuber: Eine Heizungsinstallateur.

Simi Will: Die heute reich sind.

Sven Teuber: Wenn man diesen Beruf hat. Und im besten Sinne sagte er das selber immer über

Sven Teuber: seinen Beruf. Völliger Wertschätzung.

Sven Teuber: Dann musste er währenddessen noch putzen gehen, weil das Geld einfach nicht

Sven Teuber: ausgereicht hat. mit einem kleinen Kind, das nicht geplant war,

Sven Teuber: würde ich jetzt mal sagen.

Sven Teuber: Haben sie mir nie so gesagt, aber auch nicht spüren lassen, aber ich tippe mal, dass es so war mit 17.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang hat meine Mutter darüber sozusagen ihre Ausbildung nicht

Sven Teuber: weiter verfolgt, weil damals die klassische Rollentrennung noch da war.

Sven Teuber: Meine Mutter im Endeffekt Erzieherin, aber dann im zweiten Bildungsweg später

Sven Teuber: dann nochmal gemacht hat, die allerdings dann erkrankt ist und auch nicht in

Sven Teuber: ihrem Beruf eigentlich so richtig arbeiten konnte.

Sven Teuber: Und deswegen auch auf Hilfe angewiesen war. Also in dem Zusammenhang durchaus

Sven Teuber: auch eine belastende, für sie vor allem natürlich belastende,

Sven Teuber: aber auch für uns belastende Situation als Kinder und auch für meinen Vater.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang war dann ein Hilfesystem da, das Großeltern auch hatte,

Sven Teuber: das ich mit meiner Familie heute nicht so habe, weil Großeltern nicht mehr am

Sven Teuber: Ort sind, weil Familien deutlich zertrennt sind, räumlich.

Sven Teuber: Und in dem Zusammenhang dann deswegen umso mehr der Staat auch mit Kitas und

Sven Teuber: Schulen noch mehr helfen muss, um da auch die Familien nicht strugglen zu lassen.

Sven Teuber: Genau, also deswegen, ich komme weder aus dem Akademikerhaushalt noch aus Sonstigen,

Sven Teuber: aus einem sehr liebevollen, aber auch sehr zerrütteten dann später dann Umfeld,

Sven Teuber: Wo aber sehr viel von anderen Familien dann auch aufgefangen wurde und meine

Sven Teuber: Eltern alles gegeben haben, muss man sagen.

Simi Will: Das ist mir immer wichtig, aus welchem Stall man kommt. Weil das kann dann auch

Simi Will: schon so ein paar Vorurteile aufdröseln.

Simi Will: Also ich habe Vorurteile ohne Ende, weil ich bin ja Adenauer schwarz-weiß sozialisiert,

Simi Will: das erwähne ich jedes Mal.

Simi Will: Und da gab es nur schwarz und weiß. Und dazwischen musste ich mir hart erarbeiten.

Simi Will: Und das ist noch nicht so fließend vorhanden.

Sven Teuber: Also ich bin sehr dazwischen, weil ich tatsächlich unterschiedliche Welten erlebt habe.

Sven Teuber: Ich habe dann in Hamburg in einer sehr privilegierten Situation gelebt,

Sven Teuber: da habe ich in Blankenese gelebt, bin in Blankenese zu Schule gegangen.

Simi Will: Okay, deswegen kann er auch so gut sprechen.

Sven Teuber: Und mein Vater hat Aufstieg durch Bildung erfahren.

Sven Teuber: Also mein Vater hat auf dem zweiten Bildungsweg dann sich weiterentwickelt zum Kaufmann.

Sven Teuber: Dann war Vertriebsleiter, war Geschäftsführer, ist heute Unternehmensgeschäftsführer,

Sven Teuber: ein eigenes Unternehmen.

Sven Teuber: Das ist eigentlich ein klassisch sozialdemokratischer Weg. Aufstieg durch Bildung

Sven Teuber: und dann auch die Möglichkeit durchlässiges System.

Sven Teuber: Auch an der einen oder anderen Stelle sicherlich die richtigen,

Sven Teuber: auch mal Glück gehabt, das gehört dazu, sagen wir immer mit dazu,

Sven Teuber: das darf man nie verkennen und demütig einfach auch sein zu sagen,

Sven Teuber: hey, da wurden mir Dinge ermöglicht. Das habe ich auch erlebt.

Sven Teuber: Viel später und ich weiß gar nicht, welche Phase besser war,

Sven Teuber: würde ich auch gar nicht entscheiden wollen, aber ich habe in meiner Familie

Sven Teuber: und meiner eigenen Lebenswelt ganz viele unterschiedliche Situationen und Menschen,

Sven Teuber: die aus ganz unterschiedlichen diametralen Bereichen zusammenkommen.

Sven Teuber: Also deswegen, das bringe ich ja auch mit und das ist übrigens auch was,

Sven Teuber: was ich als Politiker immer mitgebracht habe auch schon.

Sven Teuber: Ich habe eigene Kinder, ich bin Lehrer, ich komme aus einer Familie,

Sven Teuber: die null akademisch ist, die null politisch ist und wo ich sehe,

Sven Teuber: wo von dem Transferleistungsbezieher bis sehr gut verdienenden Menschen eine sehr Bandbreite da ist.

Sven Teuber: Die gesamte Breitbreite der Gesellschaft habe ich eigentlich in meiner doch sehr großen Familie.

Sven Teuber: Ich habe vier Brüder, das heißt wir sind sehr, sehr

Sven Teuber: Ja, divers aufgestellt.

Simi Will: Ja, sympathisch, das freut mich jetzt. Jetzt noch so was, also ich habe,

Simi Will: ihr habt schon gemerkt, ich habe heute relativ stark zugehört.

Simi Will: Nee, überraschend, also du bist charismatischer als ich dachte, muss ich sagen.

Simi Will: Jetzt so in der engen Zweier hier im Räumchen, da habe ich die Tür zwischendrin

Simi Will: nicht zugekriegt, wie man so schön sagt.

Simi Will: Er wusste auf alles eine Antwort, ich habe hier mega viel aufgeschrieben gehabt

Simi Will: und Frauke, dich nicht zu vergessen in Freiburg.

Sven Teuber: Schöne Grüße nochmal, Frauke. Vielen Dank für deinen Einsatz.

Simi Will: Ich hatte mir viel mehr aufgeschrieben, aber so vieles hast du automatisch beantwortet,

Simi Will: weil da kam ich gar nicht zu, das zu stellen.

Sven Teuber: Wir waren einfach miteinander so im Fluss.

Simi Will: Weil es organisch passiert ist. Irgendwie Wahnsinn.

Simi Will: Gladiators, Gladiators, du hast was mit denen zu tun. Ich habe dich beim letzten Post...

Sven Teuber: Ich war gestern, ich war beim Spiel sozusagen, ich war mit Erzieherinnen und Erziehern da.

Sven Teuber: Aus dem Walburga-Marx-Haus und aus Ralingen, aus der Kita.

Sven Teuber: Ralingen. Und ich wollte denen einfach mit Lotto, die das mit ermöglicht haben,

Sven Teuber: gemeinsam Danke sagen. Also deswegen war ich da.

Sven Teuber: Und habe dann auch auf dem Spielfeld für die Erzieherinnen-Erzieher-Kampagne

Sven Teuber: geworben, sich ins Team zu holen.

Sven Teuber: Und erstklassiger Basketball sozusagen, dann auch erstklassige frühkindliche Bildung.

Sven Teuber: Also das war ein halb dienstlicher und halb unterhaltener Termin.

Simi Will: Ja, sehr geil.

Sven Teuber: Und da ist mir auch wichtig, immer auch die mit in die Front und da vorne zu

Sven Teuber: stellen und nicht nur alleine da zu stehen.

Sven Teuber: Ich stehe da schon, häufig genug, aber ich stehe da stellvertretend für viele,

Sven Teuber: die jeden Tag hart an der Front arbeiten.

Simi Will: Und das finde ich auch wichtig, die Pädagogen müssen auch irgendwie sexy sein.

Simi Will: Also Aspekte von Coolness und identitätsstiftende Sachen muss irgendwie da sein,

Simi Will: wenn es um Pädagogik geht.

Simi Will: Und deswegen habe ich gedacht, aha, jetzt hier Gladiators, geil, meine Jungs hier.

Simi Will: Oder jetzt Luciano, kennst du Luciano? Luciano war bei mir in der Jugendhilfe.

Sven Teuber: Ich bin auch an manchen Stellen gescheitert und bin aus denen meine Lehren gezogen,

Sven Teuber: habe meine Unterstützer gehabt und dann sage ich, guck mal, jetzt stehen wir

Sven Teuber: wieder auf und gehen weiter.

Simi Will: Und da sprichst du noch was an, Scheitern, Kultur des Scheiterns.

Simi Will: Wir müssen wieder ordentlich scheitern können, ohne Angst davor zu haben,

Simi Will: sondern gescheitert und aufzustehen, dass das wieder sexy ist und nicht die

Simi Will: Eins, die Eins, die Eins.

Sven Teuber: Und das Scheitern auch nicht immer so, das wird immer schnell so in der Schublade.

Sven Teuber: Das ist was Wichtiges. Fehler zu machen, gehört doch zu unserem Lernprozess

Sven Teuber: dazu. Und aus Fehlern kann man auch scheitern.

Sven Teuber: Und diese Erfahrung macht einen größten.

Simi Will: Ich bin sitzen geblieben. Ja, und auch zu vermitteln.

Sven Teuber: Ich musste wiederholen die Klasse. Das tat mir in der Seele weh.

Sven Teuber: Es war halt keine schöne Erfahrung.

Sven Teuber: Weil ich tatsächlich gesehen habe, neue Lerngruppe, weniger gemobbt.

Simi Will: Dann bist du nämlich der Große.

Sven Teuber: Ich bin dann nochmal eine ganz andere Möglichkeit auch eine neue Beziehung zu

Sven Teuber: anderen aufzubauen, einen Neustart zu haben, eine neue Chance,

Sven Teuber: eine zweite Chance. Und in dem Zusammenhang

Sven Teuber: Er hat mich das weiter wachsen lassen. Über den Schmerz, den es auch mitgebracht

Sven Teuber: hat, aber auch das Lernen neuer Gruppen etc.

Sven Teuber: Das war ein wichtiger Punkt. Und in dem Zusammenhang muss man sagen,

Sven Teuber: wie du sagst, scheitern nicht als negativ.

Sven Teuber: Scheitern ist ein Prozess.

Simi Will: Als neue Chance und auch als was Normales, was im Laufe der Zeit so immer mal wieder passiert.

Simi Will: Frustrationstoleranz-Training, sage ich nur.

Sven Teuber: Und darüber wird natürlich aber auf Instagram und Co. nicht berichtet.

Simi Will: Ich arbeite da dran. Aber meine Follower sind zu alt. Leider.

Sven Teuber: Aber das ist wichtig, dass man das auch zeigt.

Simi Will: Dass Scheitern auch sexy ist. Es muss halt spannend sein. Ey,

Simi Will: der ist dreimal auf die Fresse geflogen.

Simi Will: Welche Bücher liest du denn, wenn du Zeit hast?

Sven Teuber: Ich lese sehr gerne Gegenwartsliteratur. Das heißt, aktuell lese ich Arno Frank

Sven Teuber: Ginsterburg, Zeit 33 bis 45, aber sozusagen trotzdem Gegenwart dahingehend,

Sven Teuber: dass ich viele Parallelen zu der damaligen Zeit auch heute noch wieder erkenne.

Sven Teuber: Und das heißt, ich lasse mich sehr inspirieren von meinen lieben Freunden und

Sven Teuber: Freundinnen Buchhändlerinnen, also Florian Valerius oder Sonja Hühnerfeld,

Sven Teuber: Stephanus Gegenlicht und viele anderen.

Sven Teuber: Das heißt, ich bin sehr, ich habe vorher Bücher gefressen, sage ich jetzt mal,

Sven Teuber: weil ich ja immer mit der Bahn auch zehn Jahre lang, fast jetzt Trier,

Sven Teuber: Mainz mit der Bahn gependelt bin.

Sven Teuber: Da hatte ich sehr viel Zeit zu lesen. Jetzt im Moment nicht mehr so viel,

Sven Teuber: weil ich sehr viel anderes lese, aber...

Sven Teuber: Ja, also bei mir liegen noch ein paar Romane auf der, also ich lese hauptsächlich Romane.

Simi Will: Jetzt kommen wir zu meiner Buchecke. Ein altes Werk, was ich für Jugendliche toll finde.

Simi Will: Das hat eine Freundin von mir geschrieben, Rebecca Niyazee Shahabi.

Simi Will: Und zwar heißt das Scheiß auf die anderen.

Sven Teuber: Schöner Titel.

Simi Will: Ja, und es ist halt wirklich so, sich nicht verbiegen lassen und mehr vom Leben haben.

Simi Will: Geschrieben eigentlich damals für Erwachsene, aber jetzt finde ich das ganz

Simi Will: charmant, kann man nochmal lesen. Hallo Rebecca, ich grüße dich.

Simi Will: Ich stehe immer so vor meinem Bücherregal.

Simi Will: Dann Sascha Lobo und die große Vertrauenskrise.

Simi Will: Und da geht es ja auch, also ich finde es relativ verständlich,

Simi Will: auch für Schüler in höheren Klassen, brauchbar.

Simi Will: Dass man sich mal auseinandersetzt damit, wo ist denn eigentlich Krise tatsächlich

Simi Will: und wo ist eben mit Krise Umgang zu finden, auch immer im medialen Kontext.

Simi Will: Der Roman, den ich jetzt nochmal rausgekramt habe, ist Marion Brasch.

Simi Will: Das fände ich eine gute Lektüre für den Deutschunterricht in den höheren Klassen. Ab jetzt ist Ruhe.

Simi Will: Marion Brasch ist die Tochter des Kulturministers aus der DDR.

Simi Will: Und Brasch, die ganze Familie, die sind alle ausgewandert, sind schon alle gestorben, die ganzen Prüder.

Simi Will: Und der Thomas Brasch ist ein ganz bekannter Theaterautor, im Westen geworden,

Simi Will: hat aber weder West noch Ost irgendwie sich feiern lassen.

Sven Teuber: Ist der nicht auch gerade gestorben?

Simi Will: Der ist schon länger tot. Der Thomas Brasch ist schon länger tot.

Simi Will: Aber da finde ich, kommt ganz klar nochmal durch, jetzt 35 Jahre Einheit. 35, 40, 35?

Simi Will: Hatten wir ja gerade wieder so ein Jubiläum. Und das mal an Schulen zu machen,

Simi Will: lest mal das Buch und jeder liest ein Kapitel davon.

Simi Will: Und dann tragen wir das zusammen. Und was ist dabei hängen geblieben?

Simi Will: Marion ist als Kind Rollstuhl gelaufen am Alexanderplatz und ich in der Bahnhofstraße

Simi Will: von Riol im äußersten Westen.

Simi Will: Und so kann man zwei Systeme nochmal sehen, die unser Land ja irgendwie auch

Simi Will: hatte und die ganz viel erklärt bei der politischen oder gesamt- oder der soziologischen

Simi Will: Situation unserer Gesellschaft heute.

Simi Will: Aus dem Blick einer jungen Frau, da ist wirklich alles drin,

Simi Will: Verselbstständigung und es ist so spannend, weil die Orte kann man Tatsache,

Simi Will: die stehen in Berlin noch rum.

Simi Will: Und deswegen wären das meine Literaturtipps. Hallo Ostmarion,

Simi Will: hier Grüße von deiner Westmarion aus dem kleinen Stübchen bei der Stefanie Stahling Trier. Ja.

Sven Teuber: Und weil du Ost gesagt hast, habe ich ganz besonders in Erinnerung noch,

Sven Teuber: habe ich vor ein paar Wochen gelesen, Jenny Erpenbeck Kairos.

Sven Teuber: Und Jenny Erpenbeck ist so eine, die ja in der internationalen Literatur als

Sven Teuber: deutschsprachige Autor extrem gefeiert ist, höchste Auszeichnung bekommt,

Sven Teuber: in Deutschland aber gar nicht so auf dem Schirm viele haben.

Sven Teuber: Und Kairos ist ein teilweise sehr verstörender Roman, aber durchaus aus meiner

Sven Teuber: Sicht einer, wo man auch Ost- und West-Biografien und auch woran manche Wiedervereinigungsfragen

Sven Teuber: auch gescheitert sind, gut darstellen kann.

Sven Teuber: Toller Roman. Jenny Aptenbeck, Kairos, sehr, sehr lesenswert.

Simi Will: Kairos.

Sven Teuber: Kairos, genau. Okay. Also auch nicht unbedingt der einfachste Zugang,

Sven Teuber: teilweise sehr toxisch, muss man immer so ein bisschen Triggerwarnungen aussprechen

Sven Teuber: an der Stelle, aber sehr lesenswert, würde ich sagen.

Simi Will: Da spricht der Deutschlehrer. Ja Mensch, da wir ja irgendwann mal hier zu einem Ende kommen müssen.

Simi Will: Du machst Hoffnung. Ich glaube dir.

Simi Will: Jetzt haben wir es uns aber gegeben.

Sven Teuber: Ja, du stiftest ja Hoffnung für Menschen, die sie auch bewegen wollen.

Simi Will: Ja, ich sage immer, diese Empörungs-Arien bin ich so leid.

Simi Will: Ich will mich nicht weiter empören. Ich empöre mich natürlich auch zwischendurch.

Simi Will: Aber übers Empören lasse ich mir auch was einfallen. Weil eine reine Empörungsgesellschaft

Simi Will: ist ein Albtraum. Das ist Faschismus.

Simi Will: Ist es leider. Und wir sind alle zu schade dafür. Alle.

Sven Teuber: Wir machen Menschen darüber auch kaputt.

Simi Will: Lieber Bildungsminister, ich bin sehr stolz und froh, dass du da gewesen bist.

Simi Will: Möchtest du den Menschen da draußen noch was mitteilen, außer dem,

Simi Will: was wir bisher besprochen haben?

Sven Teuber: Ich bin dir einfach dankbar und möchte mitteilen, lass uns zuversichtlich in

Sven Teuber: die Zukunft gehen, aber gemeinsam unterhaken. Das ist mir ganz wichtig.

Sven Teuber: Wir sind alle unterschiedlich. Jeder bringt auch mit Fehler und Stärken und Schwächen mit.

Sven Teuber: Aber wenn wir uns auf das konzentrieren, was uns ausmacht, nämlich die Menschlichkeit,

Sven Teuber: das Miteinander und dann auch die Stärken bei den Einzelnen betonen,

Sven Teuber: Wird mir um die Zukunft nicht bange, weil wenn wir das nicht tun,

Sven Teuber: dann gewinnen die, die uns auseinandertreiben wollen und das bringt uns nur

Sven Teuber: nach hinten und nicht nach vorn.

Sven Teuber: Und dann die Kinder, Kinder, Kinder bedenken. Das ist mir ganz wichtig. Sehr gut.

Simi Will: Das war jetzt das Wort zum Sonntag. Sven Träuber, den Namen werden wir uns mal merken.

Simi Will: Und in drei Jahren sprechen wir uns dann nochmal. Was ist denn geworden,

Simi Will: Herr Bildungsminister?

Sven Teuber: Ja, wir sehen uns häufiger und dann lassen sie im Austausch bleiben.

Sven Teuber: Ich freue mich, wenn du mich wieder einlädst, komme ich gern wieder.

Simi Will: Mache ich.

Sven Teuber: Danke.

Simi Will: Sehr schön. Vielen Dank. Tschüss, ihr Lieben da draußen.

Simi Will: Macht's gut und schaltet auch nächstes Mal wieder ein, wenn wir die Welt ein

Simi Will: Stückchen besser machen.

Simi Will: Tschüssi.

Sven Teuber: Tschüss.

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