Dazwischen mit Matthias Reis (Ökowinzer aus Riol an der Mosel)
Shownotes
- Warum Mosel und Riesling nicht nur Wein sind — sondern Heimat und Haltung
- Wie Corona eine Weinbau-Familie auf die Probe gestellt hat — und warum Zuhause plötzlich wichtiger war als Restaurant-Tische
- Eine Punk-Band auf dem Weinfest? Jep. Wie Matthias mit Null Ahnung loslegte, einfach weil’s sein musste
- Sein Weg: Studium → Ruhrgebiet → zurück an die Mosel. Ein Comeback mit Wurzeln.
Wenn du Bock auf echte Geschichten hast — mit Ecken, Kanten und dem Geschmack von Wein und Erde — dann hör rein.
Hier noch ein Paar Links zur Folge:
Matthias Reis auf Instagram: https://www.instagram.com/reisoberbillig/
Weingut Reis-Oberbillig: https://weingut-reis-oberbillig.de/
Die Band von Matthias "Mäd&Säd+Däf" https://www.instagram.com/maedsaeddaef
"Commando Trier" Ramones Cover Band https://www.facebook.com/p/Commando-Trier-100063551403939/
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Matthias Reis: Das hat mich zum Beispiel auch erschreckt, als ich in Geisenheim studiert habe,
Matthias Reis: da haben ja in dem Verbindungshort auch Mädchen gewohnt, also dann auch die
Matthias Reis: geballte Majestätenprominenz, Weinkönigin aus der Pfalz, aus Rheinhessen und
Matthias Reis: so weiter und da war eine Mitbewohnerin, die gesagt hat,
Matthias Reis: sie ist schon ausgebildete Winzerin, aber sie ist tatsächlich unter anderem
Matthias Reis: auch hier, um noch einen geeigneten Mann zu finden.
Matthias Reis: Und das fand ich krass, weil ich mir gedacht habe, okay, man kennt die Sprüche,
Matthias Reis: Liebe vergeht, Hektar besteht.
Matthias Reis: Mosel und Riesling, das gehört schon zusammen. Das Klima passt noch.
Matthias Reis: Also der Riesling funktioniert hier noch gut. Und überall, wo du hinkommst,
Matthias Reis: wenn du dann sagst, ich bin Winzer von der Mosel und triffst einen Kollegen
Matthias Reis: irgendwo auf der Welt, das bringt dich dann schon weiter.
Matthias Reis: Mit unserer allerersten Band haben wir auf dem Weinfest gespielt,
Matthias Reis: aber nur, weil ich auch Mitglied im Musikverein in Riol war und dementsprechend
Matthias Reis: auch ein fester Schuss fürs Weinfest und mir für Freitagsabends Musik gebraucht
Matthias Reis: habe, habe ich gesagt, ja, wir können spielen.
Matthias Reis: Ohne, dass die Leute vom Kirchenkur im Gesangverein irgendwelchen Plan hatten,
Matthias Reis: wie sich so eine Punkband anhört.
Simi Will: Immer und überall hörbar. Dazwischen mit Simi W.
Simi Will: Hallo zusammen zu einer frischen Ausgabe-Podcast, Dazwischen-Podcast.
Simi Will: Heute bei mir im Kämmerchen ein ganz besonderer, ein Biomann,
Simi Will: ein Winzerkönig, weil er kommt aus demselben Dorf wie ich, wir kannten uns nicht
Simi Will: und jetzt kenne ich ihn und bin totaler Fan.
Simi Will: Es ist Matti Reis.
Simi Will: Matthias Reis aus dem Weingut.
Simi Will: Matti, sag mal selber, wie es heißt.
Matthias Reis: Reis Oberbillig in Riol.
Simi Will: Reis Oberbillig in Riol. Willkommen, Matti. Super, dass du dabei bist.
Matthias Reis: Vielen Dank für die Einladung, Sili.
Simi Will: Selbstverständlich. Du bist doch der, der immer gern meinen Podcast hört.
Matthias Reis: Absolut, absolut.
Simi Will: Aber stimmt es, dass du den echt im Wingert hörst?
Matthias Reis: Ja, tatsächlich. Also im Weinberg höre ich vor allen Dingen jetzt bei der Arbeit
Matthias Reis: im Winter Rückschnitt Podcasts und dann auch deine jeweils aktuelle Folge. Tatsächlich, ja.
Simi Will: Hast du alle gehört?
Matthias Reis: Die letzten zwei, also Teuber war der letzte, den ich gehört habe,
Matthias Reis: das war glaube ich der vorletzte, oder ist es richtig?
Simi Will: Nee, das war der letzte.
Matthias Reis: Ja, aber einen davor habe ich noch nicht gehört.
Simi Will: Okay, sehr gut.
Matthias Reis: Jetzt bin ich regelmäßig, mache ich die Arbeit, wo ich viel auf den Ohren hören
Matthias Reis: kann und da höre ich die immer frisch.
Simi Will: Echt, die Vorstellung, dass man mich in der wilden Natur hört,
Simi Will: während man den Weinberg aufräumt sozusagen.
Matthias Reis: Genau.
Simi Will: So, Weinberg, Thema. Matti, ich bin 30 Jahre in Berlin gewesen.
Simi Will: Wir kannten uns nicht. Ich komme zurück und du bist der neue Nachbar quasi bei meinen Eltern.
Simi Will: Im Nachbar, bei den Reisoberbilligs.
Simi Will: Das heißt, du hast den Weinbetrieb deiner Eltern übernommen.
Matthias Reis: Ja, also erst über Umwege. Also ich war ganz normal auf der Schule,
Matthias Reis: Grundschule in Longisch, so wie du wahrscheinlich auch. Richtig.
Matthias Reis: Dann war ich auf dem AVG in Trier, so wie du auch. Richtig. Das ist die meiste Zeit.
Matthias Reis: Dann habe ich Zivildienst gemacht bei den Vereinigten Hospizien in Trier.
Matthias Reis: Dann habe ich Volkswirtschaftslehre studiert in Trier und nach dem abgeschlossenen
Matthias Reis: Volkswirtschaftslehrenstudium gearbeitet im Ruhrgebiet.
Matthias Reis: Das war so das erste Mal, dass ich 2008 mit dann 26 Jahren Riol verlassen habe
Matthias Reis: und bin ins Ruhrgebiet gezogen, nach Essen, habe dann da knapp zwei Jahre gelebt
Matthias Reis: und gearbeitet. Das war auch...
Matthias Reis: Okay, also erstmal was.
Simi Will: Als VWLer in Essen gearbeitet?
Matthias Reis: Genau, als Wirtschaftsberater.
Simi Will: Wie kann ich mir das vorstellen? Was hast du da genau gemacht?
Matthias Reis: Da habe ich im Finanzvertrieb gearbeitet. Also platt gesagt Finanzprodukte,
Matthias Reis: Versicherungen verkauft.
Simi Will: Ein Versicherungsdealer, du?
Matthias Reis: Genau, genau. Irre, irre.
Simi Will: Also so richtig hier mit gebügeltem Hemd und Krawatte?
Matthias Reis: Mit gebügeltem Hemd, gestärkt war es nicht, aber mit plankpolierten Schuhen tatsächlich.
Matthias Reis: Und abends kamen immer die Spanner in die Schuhe. Ich habe die Krawatte gebunden,
Matthias Reis: was ich jetzt glaube ich gar nicht mehr kann ohne ein YouTube-Tutorial.
Matthias Reis: Und ja, tatsächlich relativ glatt rasiert, nicht immer nass,
Matthias Reis: kürzere Haare als jetzt.
Matthias Reis: Und ja, war eine wichtige Erfahrung auf jeden Fall. Also erstmal allein in einer
Matthias Reis: richtig großen Stadt zu leben.
Matthias Reis: Das war auch alles soweit okay. Ich hatte nette Kollegen.
Simi Will: Ich glaube, Essen oder Ruhrpurt ist auch eine sympathische Ecke, oder?
Matthias Reis: Absolut. Also ich bin großer Fußballfan, deswegen ist das im Ruhrgebiet immer
Matthias Reis: ein Thema und das hat es mir da auch wirklich leichter gemacht bei den durchweg
Matthias Reis: älteren Kollegen und Kolleginnen, die ich dort hatte.
Matthias Reis: Und ja, die Zentrale von dem Unternehmen war in Münster, deswegen war ich auch
Matthias Reis: oft in Münster, auch eine tolle Stadt, anders als Ruhrgebiet.
Matthias Reis: Aber ja, nach zwei Jahren hat mir dann ein bisschen was gefehlt,
Matthias Reis: weil das Leben als Angestellter oder es war so eine Teilselbstständigkeit im
Matthias Reis: Büro, ist ein anderes, als ich es bisher gewöhnt war in meinem Leben.
Matthias Reis: Das heißt, die Jahreszeiten haben da gar keine Rolle gespielt.
Matthias Reis: Und so im ersten Frühjahr, also ich habe im Herbst angefangen da und im ersten
Matthias Reis: Frühjahr habe ich halt nur den Mantel nicht mehr über den Anzug angezogen und
Matthias Reis: sonst war alles gleich im Büro.
Matthias Reis: Und da hat mir das tatsächlich gefehlt. Das hört sich immer so nach...
Matthias Reis: Rosamunde Pilcher tatsächlich an, aber da hat mir das gefehlt,
Matthias Reis: dass man die Klamotten ändert, dass man mehr draußen arbeitet und als Kind.
Simi Will: Weil du ja als Kind eines Winzers wahrscheinlich immer ab 14,
Simi Will: 15, 16 mit in den Wingert gegangen bist, oder nicht?
Matthias Reis: Genau, es war jetzt nie so, der Druck war nie da von zu Hause.
Matthias Reis: Ich habe ja noch eine ältere Schwester, also es war nicht von meinen Eltern
Matthias Reis: vorgesehen, Okay, der Junge macht im höchsten Fall Abitur und dann macht er
Matthias Reis: eine Lehre und dann geht er nach Geisenheim, so wie das viele Leute dann immer gefragt haben.
Simi Will: Geisenheim ist die Hochschule für Winzer,
Matthias Reis: Wo man Weinbau studiert. Genau, wo man unter anderem auch Weinbau studieren kann.
Matthias Reis: Sondern die haben sowohl meiner Schwester auch mir den Weg gelassen,
Matthias Reis: den wir gehen wollten und das war auch vollkommen okay so. Wir haben natürlich
Matthias Reis: oder ich mitgeholfen in der Saison, also bei der Lese und im Sommer,
Matthias Reis: aber sonst auch nur auf Abruf.
Matthias Reis: Als ich dann später im VWL-Studium auch andere Jobs gemacht habe,
Matthias Reis: war das immer okay, hatten die auch Priorität.
Matthias Reis: Von daher war das nie so ein Druck oder den habe ich nie gespürt.
Matthias Reis: Und da hat bei mir auch dann langsam so ein Umdenken angefangen,
Matthias Reis: weil es in dem Job auch nicht so gut gelaufen ist. Wie gesagt,
Matthias Reis: die Stimmung im Büro, das war alles in Ordnung.
Simi Will: Aber was hast du da gemacht? Musstest du da Leute vollquatschen,
Simi Will: wie ich mir das so vorstelle?
Simi Will: Aber Frau Müller, Sie müssen doch einsehen, dass Sie 17 verschiedene Anlagemodelle
Simi Will: hier haben, von denen Sie 13 unbedingt machen müssen. Also so kann ich mir das vorstellen?
Matthias Reis: So ungefähr, tatsächlich. So ungefähr. Also es war jetzt nicht so extrem wie
Matthias Reis: bei der deutschen Vermögensberatung oder so.
Simi Will: Das passt überhaupt gar nicht zu dir. Das sehe ich gar nicht,
Matthias Reis: Also überhaupt gar nicht. Ich glaube, ich war auch nicht so gut,
Matthias Reis: tatsächlich. Du bist doch viel zu nett für sowas. Genau, genau, genau.
Matthias Reis: Also meine Mitarbeiterin oder meine Mentorin hat auch gesagt,
Matthias Reis: das klappt bei dir nicht so gut, obwohl du so ein guter Typ bist, weiß ich noch.
Matthias Reis: Und dann habe ich auch gedacht, okay, vielleicht muss ich doch mal was anderes
Matthias Reis: überlegen. Und dann, ja, dann habe ich mir das nochmal überlegt.
Matthias Reis: Mein Vater ging schon Richtung Rentenalter und er hat eigentlich schon langsam zurückgefahren.
Matthias Reis: Und dann habe ich mir gedacht, okay, man könnte jetzt nochmal umsteigen.
Matthias Reis: Habe mit meinem Vater gesprochen, mit anderen mir engstehenden Personen gesprochen,
Matthias Reis: ob die mir das überhaupt zutrauen.
Matthias Reis: Bei meinem Vater war es wichtig, ob er das überhaupt auch will und sich das
Matthias Reis: vorstellen kann mit mir, weil Vater, Sohn zusammen immer unternehmen. Du hast nie.
Simi Will: Als du 16, 17, 18 warst, nie bei der Hand genommen und gesagt hast,
Simi Will: so mein Sohn, wenn du mal groß bist, dann machst du das, führst du das Werk
Simi Will: deines Vaters an. Nie. Das war nie Thema.
Matthias Reis: Nee, tatsächlich. Nee, das war nie so.
Matthias Reis: Und deshalb, dann habe ich dann die Gespräche geführt und war dann ja schon
Matthias Reis: in Anführungsstrichen 28 und dann war halt meine Intention dann auch nochmal
Matthias Reis: zu studieren, weil studieren konnte ich, hatte ich ja schon mal.
Simi Will: Wusstest du, was du hast?
Matthias Reis: Ja und eine gewisse praktische Erfahrung hatte ich ja auch und bin ja in dem
Matthias Reis: Betrieb groß geworden und wusste ungefähr wie es läuft und habe dann mich in
Matthias Reis: Geisenheim nochmal eingeschrieben, eben an dieser FH, wo man unter anderem auch
Matthias Reis: Weinbau und Önologie studieren kann.
Matthias Reis: Önologie, das ist die Önologie, genau, das ist der Fachterminus für die Kellerwirtschaft sozusagen.
Matthias Reis: Also der Weinbau ist alles das, was wir draußen arbeiten und die Önologie,
Matthias Reis: die fängt an, sobald wir die Trauben zu Hause haben und daraus Saft und Wein machen.
Simi Will: Okay, wieder was gelernt.
Matthias Reis: Genau, genau. Ja und dann, da musste ich auch, habe ich auch da angerufen,
Matthias Reis: weil man musste ein Praktikum vorweisen von mindestens 26 Wochen in der Praxis.
Matthias Reis: Und ich weiß noch, ich habe dann in Geisenheim angerufen und gesagt,
Matthias Reis: so und so, ich habe das jetzt hier vor und der hat auch gesagt,
Matthias Reis: ah, das ist jetzt aber ein bisschen knapp und die Quereinsteiger,
Matthias Reis: das ist schon schwierig in den grünen Berufen und dann habe ich ihm gesagt,
Matthias Reis: ich komme aus dem Betrieb und das war dann auch schon mal ganz gut,
Matthias Reis: habe mir dann 26 Wochen unter der Hand sozusagen bescheinigen lassen. Ja, zu Recht.
Simi Will: Die hattest du ja voll.
Matthias Reis: Im Juni hatte ich meinen letzten Arbeitstag 2010 und im September ist es losgegangen mit dem Studium.
Matthias Reis: Und ja, bin dann nach Geisenheim gezogen. Hatte da auch noch ein Jahr vorher
Matthias Reis: noch einen Kommilitonen aus Riol.
Matthias Reis: Bin in Geisenheim in ein Verbindungshaus gezogen tatsächlich.
Simi Will: Burschenschafts?
Matthias Reis: Ja, ja, ja. Allerdings nicht zu vergleichen mit den Verbindungen,
Matthias Reis: die ich so aus dem Tatort kannte. mit Degen und Schmiss und nur Männer.
Matthias Reis: Da durften auch, dürfen immer noch, auch Mädchen rein.
Matthias Reis: Das war aber auch eine sehr weirde Erfahrung.
Simi Will: Aber sind die auch irgendwie in der rechten Szene?
Matthias Reis: Also konservativ schon, aber rechts eher nicht.
Matthias Reis: Das Studium an so einer kleinen FH in Geisenheim, wo eigentlich nur landwirtschaftliche
Matthias Reis: Berufe sind, das ist schon ganz anders als VWL.
Matthias Reis: Also die meisten Leute kommen vom Land, die meisten Leute kommen auch aus dem
Matthias Reis: Südwesten von Deutschland, also Pfalz, Rheinhessen, Mosel, Baden.
Matthias Reis: Dann hast du auch ein paar Quereinsteiger und in dieser Verbindung waren halt
Matthias Reis: spezielle Leute, aber jetzt keine, die so stramm rechts waren oder gefährlich
Matthias Reis: oder wo du gemerkt hast, die mobben sich jetzt gegenseitig.
Matthias Reis: Das ist schon eher eine harmlosere Verbindung, würde ich sagen.
Matthias Reis: Es war halt günstig und nach einem Jahr waren wir auch raus.
Matthias Reis: Es wurde natürlich auch erwünscht, dass die jungen Studenten sich alle da auch Mitglied werden.
Simi Will: Also warst du sogar in einer Studie?
Matthias Reis: Nein. Nein. Also wir sind mit acht ganz unterschiedlichen Studenten aus ganz
Matthias Reis: Deutschland da eingezogen und von unserem Jahrgang ist niemand eingetreten, weil wir das alle...
Matthias Reis: Ja, seltsam fanden. Also ich habe mir auch gedacht, ich war ja schon 28 und
Matthias Reis: die meisten anderen erst 20, 21 und ich bin immer davon ausgegangen,
Matthias Reis: dass jüngere Leute auch jünger denken.
Matthias Reis: Nee. War aber nicht so. Nee.
Matthias Reis: Und ja, da hatte ich dann wieder was gelernt. Ja, und dann habe ich dann da
Matthias Reis: drei Jahre studiert, abgeschlossen 2013.
Matthias Reis: Da war mein Vater noch 64. Dann habe ich noch ein Jahr als Angestellter im elterlichen
Matthias Reis: Betrieb gearbeitet und dann 2014 übernommen. Und mein Vater ist seitdem Rentner,
Matthias Reis: arbeitet noch mit und es funktioniert.
Matthias Reis: Also es ist so, dass es da keine großen Reibereien gibt. Er überlässt mir auch
Matthias Reis: die letzte Entscheidung.
Simi Will: Das ist cool und die Ausnahme. Bei uns zu Hause waren auch ein Drei-Generationen-Haus.
Simi Will: Meine Oma und Opa, also Mutter ist im Haus der Eltern geblieben.
Simi Will: Es ist ja so ein bisschen bei euch auch, du bist zwar mal weg gewesen,
Simi Will: aber und dann habt ihr ja noch einen Betrieb.
Simi Will: Das spricht aber wirklich für ein funktionierendes Familiensystem,
Simi Will: dass ihr euch wahrscheinlich auch gut in Ruhe lassen könnt untereinander,
Simi Will: weil sonst stelle ich mir das Horror vor, ehrlich gesagt.
Matthias Reis: Ja, das schon. Also man kann sich da schon gut aus dem Weg gehen,
Matthias Reis: man kriegt die Arbeit natürlich mit, man muss sich auch davon trennen,
Matthias Reis: dass wenn jetzt Papa mal ein bisschen länger im Weinberg bleibt oder Samstags
Matthias Reis: mal arbeiten geht und ich halt zu Hause bleibe,
Matthias Reis: dann darf mir das schon auch nichts ausmachen.
Matthias Reis: Das ist aber dann auch so, das funktioniert und die großen Reibereien,
Matthias Reis: die bleiben da tatsächlich aus, Gott sei Dank.
Matthias Reis: Und das ist auch gut so. Dann wird es auch dann nicht so...
Matthias Reis: Wichtig gesehen, also das funktioniert.
Simi Will: Ja, ich war ja letztens bei euch mal in der Weinstube, ihr habt mich ja auch
Simi Will: mal gesponsort, nicht wahr?
Simi Will: Reisoberbillig, Bahnhofstraße, Riol und im Zuge dessen waren wir bei euch in dieser Weinstube.
Simi Will: Und da muss ich sagen, das ist mega, weil diese Weinstube in Neukölln,
Simi Will: also quasi aufgebaut, wäre der Burner.
Simi Will: Da wären alle Hipster, würden sich da knubbeln. Ja, und weil das ja wirklich
Simi Will: so ein traditionelles Ding ist irgendwie.
Simi Will: Und ihr habt das ja jetzt nicht modern gemacht oder so, Gott sei Dank, wie ich finde.
Simi Will: Und finden da auch so Feiern statt und sowas, weil es hat so ein bisschen was
Simi Will: wie Privatkneipe, also Weinstube halt.
Matthias Reis: Ja, also eigentlich nur noch im privaten Rahmen.
Matthias Reis: Früher, also als ich klein war, weiß ich noch, hatten meine Eltern die Weinstube
Matthias Reis: während der Lese als Straußwirtschaft offen.
Matthias Reis: Ich glaube aber nur samstags oder freitags und samstags, da gab es dann Federweißen und Zwiebelkuchen.
Matthias Reis: Aber sonst, dann hatten wir eine Zeit lang auch mal immer, wenn Karnevalssonntag
Matthias Reis: der Umzug war in Riol, war die Weinstube auch geöffnet.
Matthias Reis: Das ist aber schon lange nicht mehr so. Als ich angefangen habe zu studieren,
Matthias Reis: habe ich es dann noch zweimal gemacht, 2011 und 12.
Matthias Reis: Das war ganz cool, aber Gastronomie ist schon anstrengend. Vor allen Dingen.
Simi Will: Um mit Gastronomie noch irgendwie Geld zu verdienen heutzutage,
Simi Will: es geht im Grunde fast gar nicht mehr.
Simi Will: Also wenn du nicht bescheißen kannst wie ein Weltmeister, dann geht es einfach nicht mehr.
Simi Will: Deswegen machen ja auch alle zu. Also ich weiß es ja und mein Ex-Freund und
Simi Will: ich, wir hatten ja auch in Neukölln das Valentinstüberl, also jetzt Gastro.
Simi Will: Und Peter immer, ja wir müssen Mindestlohn zahlen und dies und das.
Simi Will: Sag ich, ja, du hast es ja.
Simi Will: Weißt du, Künstler, typisch. Geld verdient hast du damit nicht.
Simi Will: Schweinearbeit. Hat Spaß gemacht auch, aber Geld verdienen ist damit nicht.
Simi Will: So, apropos Geld verdienen.
Simi Will: Ich frage mich tatsächlich, wie schafft man das mit einem Winzerbetrieb heutzutage
Simi Will: eine Familie zu ernähren?
Simi Will: Du hast zwei Kinder, eine Frau, deine Lehrerin ist auch verheiratet mit dir.
Simi Will: Also deine Frau ist Lehrerin, Grundschullehrerin.
Simi Will: Und geht die ganze Zeit Marathon laufen. So,
Simi Will: Also wenn du einen Stundenlohn ausrechnen würdest, was hast du an Stundenlohn,
Simi Will: wenn du im Winter beim, ich kann es mir gar nicht vorstellen,
Simi Will: also kann man gut davon leben heutzutage noch?
Matthias Reis: Bis jetzt schon tatsächlich. Es war auch so, nachdem ich eingestiegen bin,
Matthias Reis: so 2013 bis, sagen wir mal, Corona hat das ein bisschen so abgefangen,
Matthias Reis: sage ich mal, also bei uns jetzt nicht gebremst,
Matthias Reis: ging es dem Weinbau grundsätzlich sehr gut.
Matthias Reis: Also jetzt seit letztem Jahr, letztes Jahr war ein schwieriges Jahr bei uns
Matthias Reis: in Riol vor allen Dingen, was den Ertrag angeht, wegen Frost.
Matthias Reis: Und die Nachfrage lässt auch nach, das aber wohl auch schon seit 2019 grundsätzlich,
Matthias Reis: die Nachfrage nach Wein.
Matthias Reis: Über Corona hatten wir, also jetzt ich persönlich, sehr gute Jahre,
Matthias Reis: weil die Leute, die den Wein nicht im Restaurant getrunken haben,
Matthias Reis: haben den sich nach Hause bestellt und das ist sehr gut gelaufen.
Matthias Reis: Im Moment ist auch noch soweit alles in Ordnung, aber man merkt schon,
Matthias Reis: dass der Absatz ein bisschen nachlässt. Die Leute leben gesünder.
Matthias Reis: Ja, es gibt genug Wein auf dem Markt. Die Leute greifen dann im Regal dann lieber
Matthias Reis: vielleicht zu einer Flasche Wein, die ein bisschen günstiger ist und vielleicht aus Neuseeland kommt.
Matthias Reis: Aber das ist auch ihr gutes Recht, weil bei manchen Weinen ist es so,
Matthias Reis: die schmecken nur, wenn sie von da kommen, das ist auch okay und ja,
Matthias Reis: da muss man sich schon ein bisschen umgucken und am Zahn der Zeit bleiben.
Matthias Reis: Aber im Moment funktioniert es noch und auch noch sehr gut. Klar,
Matthias Reis: mein Vater arbeitet noch mit.
Matthias Reis: Wenn das sich ändert, dann wird der Betrieb kleiner und dann funktioniert das immer noch.
Simi Will: Also wenn du jetzt noch mehr Leute einstellen müsstest, wäre es schon schwierig so.
Matthias Reis: Ja, der Mindestlohn, so wie der jetzt galoppiert ist in den letzten Jahren,
Matthias Reis: das ist eine Katastrophe.
Matthias Reis: Also weil du findest ja auch niemand mehr, der jetzt, wir lesen das meiste mit
Matthias Reis: der Maschine und nicht mit der Hand.
Matthias Reis: Wenn man jetzt mit der Hand Trauben lesen müsste und würde jedem da 12,82 Euro zahlen.
Matthias Reis: Das ist dann schon stramm. Also das sind Dinge, die sind problematisch,
Matthias Reis: weil die Arbeit ist schwer.
Matthias Reis: Für mich, der ich damit aufgewachsen bin, mache ich das alles gerne.
Matthias Reis: Also es ist kein Problem jetzt bei 0 Grad im Weinberg zu stehen.
Matthias Reis: Die Ohren sind vom Kopfhörer warm gehalten und die Hände sind in Bewegung. Das geht.
Simi Will: Gut, jetzt heutzutage hat man Kopfhörer. Aber jetzt ohne Scheiß,
Simi Will: ich war als Kind, also Kind und Teenie, also mit 10, 11, 12,
Simi Will: so, schon mit Trauben lesen.
Simi Will: Tatsächlich. Es gab dann irgendwie, wir haben da wahrscheinlich mehr aufgehalten,
Simi Will: als dass man da wirklich helfen konnte. Dann habe ich mir dauernd in den Finger
Simi Will: geschnitten und mit dieser, weil du klamme Finger.
Simi Will: Also ich kann mich allerdings erinnern, weil mit 16 war dann klar im Herbst Trauben lesen.
Simi Will: Das war, andere haben Zeitungen ausgetragen, aber bei uns in der Region oder
Simi Will: im Dorf ist man mit Trauben lesen gegangen. Also ich weiß auch,
Simi Will: wie sich das anfühlt, Trauben zu lesen.
Simi Will: Wenn dir die Finger einfrieren und du hast ja so eine Heckenschere und dann
Simi Will: tun dir die Finger weh und alles ist verklebt und dann raffen der Trauben vom Boden aufheben und so.
Simi Will: Das Gute war aber immer, also ich kann mich erinnern, ich war mal mit der Waldfrieden,
Simi Will: die hatten auch so eine Kneipe, Waldfrieden, das war so eine Gammelkneipe,
Simi Will: da hat sie immer total gestunken,
Simi Will: die hatten aber einen geilen Flipper und die Chefin hieß Maria und hat immer
Simi Will: ganz hysterisch geschrien.
Simi Will: Die hat aber, ich glaube, die war schwerhörig einfach. Und die hatte noch eine
Simi Will: behinderte Schwester, die saß immer auf der Couch.
Simi Will: Und ich fand das alles immer ganz gruselig. Aber es gab beim Traubenlesen bei
Simi Will: Maria, gab es mittags auch für die Kinder Schnäpschen.
Simi Will: Weil uns kalt war. Und heute würde Maria wahrscheinlich verklagt werden.
Matthias Reis: Das ist so, wenn sie 13-jährigen Schnäpschen ausschenkt.
Matthias Reis: Ja, so ist es Traublesen tatsächlich nicht mehr. Also da hat der Klimawandel
Matthias Reis: oder die Klimaveränderung, wie auch immer, also bei den ersten Traubenlesentagen,
Matthias Reis: in diesem Jahr haben wir am 9.
Matthias Reis: September angefangen, relativ früh und waren am 7.
Matthias Reis: Oktober fertig, da war es nicht kalt. Also bei den ersten Tagen und mit der
Matthias Reis: Hand, wie gesagt, waren wir nur sechsmal lesen, das alles andere hat die Maschine gemacht.
Matthias Reis: Und mit der Hand waren wir auch immer nur ein Vormittag lesen mit fünf Leuten
Matthias Reis: und da war es so, nachmittags hättest du das können keinem mehr zutrauen,
Matthias Reis: weil es zu warm war, also viel zu heiß.
Matthias Reis: Also ich bin auch mittlerweile schon in kurzen Hosen Trauben lesen gegangen,
Matthias Reis: kenne das aber auch noch mit 12, 13, 14, damals Mitte der 90er,
Matthias Reis: wo dann auch die Finger klamm waren, wo ich dann auch noch mit meinem Cousin
Matthias Reis: auf der Straße rauf und runter gelaufen bin, damit uns die Füße warm wurden
Matthias Reis: und die Zeiten, die sind vorbei.
Matthias Reis: Also dass du bei der Traubenlese richtig frierst.
Matthias Reis: Ja, das kommt so eigentlich nicht mehr vor.
Simi Will: Du musst ja eher einen Sonnenbrand während der Traumlese wahrscheinlich.
Matthias Reis: Ja, tatsächlich. Also du kriegst auf jeden Fall Farbe und schwitzt.
Matthias Reis: Also das war früher schon auch romantisch, also als du dann Teenie warst.
Matthias Reis: Früher war alles romantischer.
Matthias Reis: Dann gab es noch viel mehr Weingüter in Riol, aber das kann man sich,
Matthias Reis: wenn wir jetzt einen halben Tag, vier Stunden mit der Hand lesen gehen,
Matthias Reis: dann bist du fertig. Und früher hat man das sechs Wochen gemacht als Betriebsleiter.
Matthias Reis: Meine Mutter hat dann früher sechs Wochen lang für 15 Leute morgens um fünf
Matthias Reis: gekocht. Das warme Essen wurde mir in den Weinberg genommen.
Matthias Reis: Die 15 Leute haben gegessen, haben gelesen von acht bis zwölf, von eins bis fünf.
Matthias Reis: Dann war Feierabend und dann kam es ja mit den ganzen Trauben nach Hause,
Matthias Reis: musste sie noch verarbeiten und das sechs Wochen am Stück.
Simi Will: Also das war richtig harte Arbeit. Das war richtig harte Arbeit.
Simi Will: Also ich war dann vielleicht immer so zwei Wochen am Stück mit. Mit 16 oder so.
Simi Will: Oh, da hast du aber jemand jammern hören. Da kam ich heim und dann hat dir alles geklebt.
Simi Will: Du warst total erfroren und dann ab in die Badewanne und jammer,
Simi Will: jammer und ganz viel Essen, damit man wieder zu Kräften kommt und so.
Simi Will: Das war schon echt keine leichte Arbeit.
Simi Will: Öko-Wein. Du bist ein Öko-Winzer.
Matthias Reis: Genau.
Simi Will: Was macht der Öko-Winzer anders als Schmidts Söhne in Longich?
Simi Will: Großer Betrieb, die wahrscheinlich alles maschinell machen. Ich weiß es nicht.
Matthias Reis: Ja, also als die konventionellen Kollegen. Schmidts Söhne ist ja eine Kellerei.
Matthias Reis: Also die machen ja den Wein gar nicht selber, sondern kaufen den.
Simi Will: Aber das sind die, die auch schon mal im Knast waren in den 80ern.
Simi Will: Weil es gab nämlich in den 80ern, weiß ich noch, einen riesen Weinskandal an der Mosel wegen Zucker.
Matthias Reis: Glykol.
Simi Will: Glykol.
Matthias Reis: Ja, Frostschutzmittel war im Wein.
Simi Will: Oh, noch schlimmer.
Matthias Reis: Ja, ja, ja, ja. Das war schlimm.
Simi Will: Da warst du Kind.
Matthias Reis: Da war ich Kind. Das hat den Weinbau auch ziemlich durchgerüttelt und auch mindestens
Matthias Reis: zehn Jahre lang. Also die Region hat das.
Simi Will: Glaube ich, ein Image. Das war ein Imageschaden hoch 20.
Matthias Reis: Absolut. Ja, zehn, 15 Jahre hat der auf jeden Fall noch nachgehalten.
Matthias Reis: Und das war schon extrem. Also da klagen wir jetzt, wo es ein bisschen schwächer
Matthias Reis: wird, glaube ich, noch auf sehr hohem Niveau.
Matthias Reis: Das war die Frage. Bio und konventionell.
Matthias Reis: Bio dazu muss ich sagen, das hat mein Vater schon schrittweise umgestellt.
Matthias Reis: Der hat Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre von konventionell umgestellt auf
Matthias Reis: kontrolliert umweltschonenden Weinbau.
Matthias Reis: Das war mehr so ein Projekt, ich glaube auch unterstützt vom Land.
Matthias Reis: Da hat man ein bisschen was am Pflanzenschutz geändert und hat dann aber 2002
Matthias Reis: umgestellt auf biologisch.
Matthias Reis: Das heißt, die größten Unterschiede liegen da im Weinbau. Ich habe ja eben erzählt,
Matthias Reis: das Studium heißt Weinbau und Önologie.
Matthias Reis: Die größten Unterschiede sind draußen. Die meisten Kunden bei der Arbeit im Weinberg.
Matthias Reis: Die meisten Leute kommen und sagen, ihr spritzt ja nicht. Also ihr macht keinen Pflanzenschutz.
Matthias Reis: Das stimmt so nicht. Wir müssen die Pflanzen auch schützen, weil es gibt immer
Matthias Reis: Krankheiten, die uns das Leben schwer machen.
Matthias Reis: Ganz unabhängig vom Wetter ist mal die Krankheit da, mal die Krankheit da.
Matthias Reis: Also dagegen muss man die Pflanzen schützen. Allerdings dürfen wir die nicht
Matthias Reis: so schützen, wie das die anderen Kollegen dürfen. Das heißt,
Matthias Reis: wir dürfen nur Mittelspritzen, die im Grunde genommen sich auf die Pflanze drauflegen
Matthias Reis: und das Blatt sozusagen schützen, damit der Pilz nicht eindringt.
Matthias Reis: Die konventionellen Kollegen haben die Möglichkeit, Mittel zu spritzen,
Matthias Reis: die selbst in die Pflanze eindringen, für eine Resistenzsorgung wie ein Antibiotikum.
Simi Will: Okay, verstehe.
Matthias Reis: Also da, Riol ist unglaublich beliebt, habe ich den Eindruck.
Matthias Reis: Das merkst du auch jetzt mit den Kindern im Kindergarten. Du hast einen unglaublichen Zuzug.
Matthias Reis: Also wenn neue Kinder kommen, da kenne ich die meisten Eltern auch gar nicht mehr.
Matthias Reis: Und meistens steht dann auch ein Auto mit dem gelben Nummernschild vor der Tür.
Matthias Reis: Gäbe es nur mal ein Schild, bedeutet Luxemburger.
Matthias Reis: Genau, weil es mittlerweile auch so teuer ist, in Riol zu wohnen.
Matthias Reis: Du musst schon in Luxemburg.
Matthias Reis: Oder mindestens einer von beiden muss in Luxemburg arbeiten.
Matthias Reis: Also ich könnte mir wahrscheinlich kein Grundstück in Riol leisten.
Simi Will: Woran liegt das? Müsst ihr für den Wein, also die Weinquatratmeter,
Simi Will: sind die auch teurer geworden wahrscheinlich? Nein, nein, nein. Nur das Wohnen?
Matthias Reis: Nein, nur das Wohnen, nur das Bauland.
Simi Will: Was mir auch noch einfällt, Wein in Riol, es wurde auch immer nur untereinander geheiratet, ne?
Simi Will: Du hast ja eine Art fremde Frau ins Haus geholt, sozusagen. Die Jule,
Simi Will: hallo Jule, wir grüßen dich.
Simi Will: Jule, deine Frau, muss ich jetzt auch mal kurz erzählen,
Simi Will: hat mich mal angesprochen, als ich mit meinen Eltern am Triolago,
Simi Will: wir haben ja auch ein Urlaubsziel in Riol, den Triolago, also ein See,
Simi Will: ein Baggersee. Das war früher unser Baggersee.
Simi Will: Da war eine Kiesgrube. Und da ist heute ein Ferienzentrum, ein Campingplatz.
Simi Will: Und es gibt Lamas, mit denen man spazieren gehen kann. Oder diese anderen Tiere, die spucken.
Matthias Reis: Alpakas. Lama ist aber auch dabei.
Simi Will: Und es gibt Fußball-Yoga.
Matthias Reis: Fußball-Golf. Yoga gibt es auch. Wein-Yoga tatsächlich.
Simi Will: Es gibt Wein-Yoga.
Matthias Reis: Yoga auf Stand-Up-Paddleboards. Eine Wakeboard-Bahn. Minigolf, nennt sich Spielgolf,
Matthias Reis: Ja, also das Angebot ist groß. Mit den Kindern kann man viel Geld ausgeben an
Matthias Reis: einem Wochenende. Ja, und eine Sommerrodelbahn, ja.
Simi Will: Da bin ich mal mitgefahren. Da hat eine Freundin für mich geweint.
Simi Will: Das war jetzt so schnell. Im Gottesdienst. Egal, es gibt auch so eine Sommerrodelbahn, ganz genau.
Simi Will: Und genau, deine Frau Jule hat mich nämlich auf meine allererste Podcast-Folge angesprochen.
Simi Will: Das weiß ich noch mit Jimmy Berlin. Ja.
Simi Will: Junge, also ich habe euch gesehen, so, was macht denn diese Hipster-Family,
Simi Will: zwei bildhübsche Mädchen, so ein bisschen alternativ, irgendwie so,
Simi Will: ich kannte euch ja nicht.
Simi Will: Und dann sprach mich Jule an und sagte so, du bist doch die Simi,
Simi Will: du hast doch diesen Podcast gemacht mit Jimmy Berlin.
Simi Will: Und ich war mega stolz, dass ich quasi erkannt wurde bei uns im Dorf.
Simi Will: Und dann stellte sich halt raus, ihr seid die Nachbarn, die geboren wurden oder
Simi Will: die geheiratet haben in der Zeit, wo ich da nicht gewesen bin.
Simi Will: Das nur am Rande. Und so habe ich euch ja kennengelernt. So bin ich auf euch aufmerksam geworden.
Simi Will: Sonst hätte ich mich da gar nicht mehr umgetan und mich dafür interessiert,
Simi Will: was denn bei uns in der Hood passiert.
Simi Will: Aber dadurch, dass ihr auf mich zugekommen seid, das war so herrlich, fand ich super.
Simi Will: Jetzt bin ich rausgekommen. Wo waren wir zuletzt?
Matthias Reis: Dass man nur untereinander heiraten durfte in der Winzerstadt.
Simi Will: Genau, und dass du ja eine Art fremde Frau ins Haus geholt hast.
Matthias Reis: Ja, das hat mich zum Beispiel auch erschreckt, als ich in Geisenheim studiert
Matthias Reis: habe. Da haben ja in dem Verbindungshort auch Mädchen gewohnt.
Matthias Reis: Also dann auch die geballte Majestätenprominenz, Weinkönigin aus der Pfalz,
Matthias Reis: aus Rheinhessen und so weiter.
Matthias Reis: Und da war ich dann einmal auch sehr erschrocken.
Matthias Reis: War eine Mitbewohnerin, die gesagt hat, sie ist schon ausgebildete Winzerin,
Matthias Reis: Aber sie ist tatsächlich unter anderem auch hier, um noch einen geeigneten Mann zu finden.
Matthias Reis: Und das fand ich krass, weil ich mir gedacht habe, okay, man kennt die Sprüche,
Matthias Reis: Liebe vergeht, Hektar besteht.
Matthias Reis: Aber das war nie so das Ziel. Also ich habe mir dann auch gedacht,
Matthias Reis: ich habe ein Praktikum gemacht in einem Betrieb in Rheinhessen,
Matthias Reis: da waren auch beide vom Fach und das ist auch okay und das hat mit Sicherheit auch Vorteile,
Matthias Reis: aber dann kriegst du dich ja um den Beruf auch schon in die Haare.
Matthias Reis: Und man kriegt sich ja in der Beziehung sowieso schon mit genügend Dingen,
Matthias Reis: ist man unterschiedlicher Meinung und wenn man dann auch den gleichen Beruf macht,
Matthias Reis: im gleichen Betrieb und man kriegt sich wegen irgendeiner Kleinigkeit,
Matthias Reis: keine Ahnung, soll ich die Hefe auf den Wein machen oder die und dann kriegt
Matthias Reis: man sich deswegen schon in die Haare, um Gottes Willen.
Matthias Reis: Und dann hat man ja gegebenenfalls noch Schwiegereltern dabei,
Matthias Reis: die ja nochmal alles besser wissen.
Matthias Reis: Da kennt man die Probleme ja auch aus anderen Betrieben durchaus und ja ne, das war nie das Ziel.
Simi Will: Aber das war auch kein Thema zu Hause, von wegen, dass du nicht eine Frau heiraten
Simi Will: kannst, die vom Fach ist.
Simi Will: Also die Zeiten waren bei euch vorbei.
Matthias Reis: Ja, weil wie gesagt, mein Vater war auch fein damit oder wenigstens hat er akzeptiert,
Matthias Reis: dass der Betrieb jetzt voraussichtlich ausläuft.
Matthias Reis: Dass ich mich dann nochmal da umentschieden habe, war eigentlich so gar nicht mehr vorgesehen.
Matthias Reis: Meine Schwester ist Logopädin und hat auch keinen Winzer geheiratet,
Matthias Reis: war aber auch alles kein Problem. Und das ist dann eben so.
Matthias Reis: Und so ist es jetzt auch bei vielen Betrieben in Riol, die sehr viele Kollegen,
Matthias Reis: wo die Kinder jetzt nicht in die Fußstapfen treten, das ist eben so.
Matthias Reis: Es war auch in der Zeit, in der ich so, also in den 90ern war der,
Matthias Reis: ging es dem Weinbau auch nicht so gut.
Matthias Reis: Der Ruf war immer noch geschädigt vom Glykols-Skandal und da war das auch nicht
Matthias Reis: so erstrebenswert, sage ich mal.
Matthias Reis: Das war dann später dann schon ein bisschen was anderes tatsächlich.
Matthias Reis: Ja, cool. Also kommt immer drauf an.
Matthias Reis: In welcher Zeit, welches Timing und so weiter.
Simi Will: Hast du das schon mal verflucht, die Entscheidung getroffen zu haben?
Matthias Reis: Nee, bis jetzt noch nicht. Verflucht noch nicht. Ich merke mittlerweile immer
Matthias Reis: mehr, ich meine, ich bin darin aufgewachsen.
Matthias Reis: Ich weiß, wie das Jahr läuft und für mich ist das auch alles normal.
Matthias Reis: Die harte Arbeit, die ich persönlich auch gar nicht so hart finde,
Matthias Reis: aber ist anscheinend schon.
Matthias Reis: Ich weiß es nicht. Ja, ist halt auch Körpereinsatz.
Simi Will: Ganz klar.
Matthias Reis: Ja, aber deswegen merke ich bei vielen Kleinigkeiten, dass man doch schon ja
Matthias Reis: in der Landwirtschaft arbeitet und die aller, allerwenigsten Leute noch in der
Matthias Reis: Landwirtschaft arbeiten und auch noch irgendeinen Plan davon haben.
Matthias Reis: Also unsere Elterngeneration, auch von Julis Eltern, die kennen das auch noch.
Matthias Reis: Nicht speziell auf den Weinbau bezogen, aber Landwirtschaft.
Matthias Reis: Aber so unsere Generation, weil unser Freundeskreis besteht auch überwiegend aus Nichtwinzern.
Matthias Reis: Das hat man natürlich dann schon in anderen Dörfern ist das anders.
Matthias Reis: Aber in Riol bin ich auch so der Einzige in meinem Alter. Es gibt noch zwei
Matthias Reis: jüngere Kollegen, Kolleginnen und jetzt gibt es auch nochmal ein paar Nachwuchskräfte
Matthias Reis: auch bei deinen Eltern gegenüber.
Matthias Reis: Aber sonst sind meine Winzerkollegen im Moment im Schnitt 20 Jahre älter.
Matthias Reis: Also die jetzt auch demnächst dann abtreten. Und da merke ich dann auch...
Matthias Reis: Mit denen muss ich mich dann auch anders unterhalten. Also die privaten Interessen
Matthias Reis: sind ganz andere. Musikgeschmack und so weiter braucht man gar nicht von zu reden.
Simi Will: Ach, Musikgesprache. Das ist ein Stichwort.
Simi Will: Ich habe ja meine Klischees im Kopf. Wie denn der Winzer in Riol wohl jetzt
Simi Will: heutzutage ist, habe ich mir, glaube ich, noch nie Gedanken drüber gemacht.
Simi Will: Aber wenn, dann würde ich mir den übergewichtig vorstellen,
Simi Will: rote Wangen, keine Haare mehr auf dem Korb, eine dicke Frau dazu und freundlich, nett,
Simi Will: aber alles was nicht so ist, wie man es gewöhnt ist, das lässt man weg,
Simi Will: das bleibt wo es hingehört, das soll nicht so.
Simi Will: Und schwarz ist schwarz und weiß ist weiß.
Simi Will: So würde ich in meinem Klischee-Kopf das denken.
Simi Will: Ich habe 30 Jahre auch überhaupt gar nichts mit meiner Herkunft zu tun gehabt.
Simi Will: Und lerne dann euch beide kennen, sie, Marathonläuferin, total sportlich,
Simi Will: total open-minded, Hipster-Pärchen.
Simi Will: Also ihr seid für mich ein Hipster-Pärchen. Ich würde euch, könnte man in Neukölln
Simi Will: bei mir ums Eck verpflanzen, würdet ihr nicht auffallen.
Simi Will: Also optisch, du immer irgendwie so hipstermäßig mit den Haaren und Bart und ne.
Simi Will: Und an Fasching, letztes Jahr bin ich, weil die Mama sich gewünscht hat,
Simi Will: lass uns doch mal ins Dorf gehen zum Umzug, Karnevalsumzug im Dorf.
Simi Will: So, habe ich natürlich gar keine Lust drauf gehabt, weil ich persönlich,
Simi Will: bei mir löst Karneval oder wie sagt man bei uns?
Matthias Reis: Fastnacht.
Simi Will: Fastnacht. Fastnacht löst bei mir eher eine mittelschwere Depression aus,
Simi Will: weil Feiern auf Kommando geht bei mir gar nicht.
Simi Will: Schunkeln, da kriege ich, habe ich eine Nazi-Assoziation, gruppendynamisches
Simi Will: Feiern, auch hier Oktoberfest. Ist für mich auch Horror.
Simi Will: Wobei beim Karneval, als Kind und Teenie war Karneval mega.
Simi Will: Jedes Dorf hatte einen anderen Umzug, die ersten Knutschereien,
Simi Will: ganz viele romantische Ideen noch, also noch Erinnerungen von Karneval,
Simi Will: weil alle irgendwie im Ausnahmezustand waren.
Simi Will: Und ich als schüchterne Person natürlich Karneval geliebt habe,
Simi Will: weil da konnte ich, da ist man auch auf die Jungstoilette gegangen,
Simi Will: weil die Schlange bei den Mädels länger war.
Simi Will: Aber trotz alledem, irgendwann kippte das und war nicht mehr mein Thema,
Simi Will: aber in diesem Jahr Riol, also Karneval oder Fastnacht 2025,
Simi Will: ich gehe mit Mama und Papa ins Dorf, wir schnappen uns unsere Rollatoren und drehen eine Runde.
Simi Will: Dann höre ich schon, als wir aus dem Haus gegangen sind, höre ich schon super
Simi Will: laut irgendwo Ramones gefühlt.
Simi Will: Also und zwar richtig geil gecovert.
Simi Will: Da dachte ich mir, ey, das kann nicht wahr sein. Wir gehen weiter Richtung Dorf
Simi Will: und da stehen auf dem zentralen Dorfplatz vier Jungs und mega laut,
Simi Will: Box einfach auf die Hauptkreuzung gestellt gefühlt.
Simi Will: Und das ganze Dorf, egal,
Simi Will: also Mama, Papa, Oma, Opa, Babys, alle stehen davor mit einem riesen Plastikeinhorn,
Simi Will: was rumgetanzt hat und feiern Ramones.
Simi Will: Was war das? Was war das? Und du bist der Frontmann von dieser Coverband.
Matthias Reis: Ja, ja.
Simi Will: Die da heißt?
Matthias Reis: Kommando. Wie das Kommando? Kommando, wie das Kommando. Ist ein Ramones-Song
Matthias Reis: vom zweiten Album. Danach haben wir uns benannt.
Matthias Reis: Gab auch mal eine Instrumental-Band aus Trier, die auch Kommando hieß.
Matthias Reis: Sehr cool, wenn man es noch irgendwo zum Streaming findet, vielleicht.
Matthias Reis: Aber wir haben uns danach dem Song benannt. Wir brauchten schnell einen Namen.
Matthias Reis: Ja, die Band hat sich so ergeben.
Matthias Reis: Wir sind fünf und machen eigentlich zusammen Musik schon seit über 20 Jahren
Matthias Reis: in unterschiedlichen Kombinationen.
Matthias Reis: Das Ramones Cover-Ding läuft seit 2019 eher so sporadisch.
Matthias Reis: Allerdings haben wir unser Gitarrist Vinny, der ist Veranstaltungstechniker
Matthias Reis: und auch viel mit Gildo Horn unterwegs und hat früher sehr viel im Ex-Haus gearbeitet.
Matthias Reis: Dementsprechend hatten wir immer Auftritte, jetzt auch, kriegen auch deswegen immer Auftritte.
Simi Will: Ein Winzer, der ins Ex-Haus geht. Ein Riola Winzer, der das Ex-Haus noch kennt.
Simi Will: Der Irre. Also das war, zu meiner Zeit gab es das wirklich nicht. Ja, ja, ja.
Matthias Reis: Das musste ich auch erst so erfahren, wenn ich den Leuten erzählt habe,
Matthias Reis: ich gehe ins Ex-Haus oder wir spielen mit der Band.
Matthias Reis: Wir hatten früher noch eine andere Band, da waren wir auch mal ein bisschen
Matthias Reis: unterwegs in Hamburg, in München oder auch mal in Österreich und in Belgien.
Simi Will: Was war das für eine Band?
Matthias Reis: Das waren die Denim Demons, das war ein Cover-Projekt von Turbo Negro. Kennst du Turbo Negro?
Matthias Reis: Norwegische Death-Punk-Band, wobei sie den Begriff Death-Punk,
Matthias Reis: glaube ich, selbst erfunden haben.
Matthias Reis: Also es sind in Norwegen A-Prominente, hatten so in den Nullerjahren ihr absolutes
Matthias Reis: Hoch. Die haben so einen internationalen Fanclub, nennt sich die Turbojugend.
Matthias Reis: Persifliert so ein bisschen die Hitlerjugend, hat eine Uniform,
Matthias Reis: hat eine Jeansjacke, da ist hinten so eine Ledermütze drauf,
Matthias Reis: wie Freddie Mercury sie Anfang der 80er mal getragen hat.
Matthias Reis: Also kokettieren auch immer ein bisschen mit Homosexualität.
Matthias Reis: Und die haben wir auch gecovert und waren dann, und die Turbo-Jugend hat auch
Matthias Reis: immer Partys veranstaltet und das war so 2006 bis 2011 war auch so die Hochzeit.
Matthias Reis: Da hat Turbo Negro auch am Ring auf der zweitgrößten Bühne vor 20.000 Leuten gespielt.
Matthias Reis: Bei Rock am Ring? Ja, bei Rock am Ring. Wir nicht, aber wir haben dann halt
Matthias Reis: auch, das Timing war dann auch gut. Über Winnie hatten wir auch sowieso immer
Matthias Reis: Verbindungen und haben dann auf Turbo-Jugend-Partys gespielt, überall.
Matthias Reis: Die erste Turbo-Jugend hat, glaube ich, Bela B. tatsächlich gegründet.
Matthias Reis: Bela B.? Ja, die Turbo-Jugend St. Pauli und die Turbo-Jugend St.
Matthias Reis: Pauli veranstaltet auch immer noch die Welt-Turbo-Jugend-Tage.
Matthias Reis: Also einmal im Jahr können die ganzen Turbo-Jugenden, also Chapter gibt es überall
Matthias Reis: auf der Welt, die treffen sich dann da auf St.
Matthias Reis: Pauli. Und das war dann so unser Traum mal da zu spielen und das haben wir dann
Matthias Reis: auch irgendwann geschafft.
Matthias Reis: Also ich glaube 2006 hatten wir unseren ersten Auftritt auf so einer Tobi-Jugend-Party
Matthias Reis: in Saarbrücken, dann haben wir unsere eigenen organisiert im Balkensaal, auch mal im Exil.
Simi Will: Im Balkensaal, Ex-Haus.
Matthias Reis: Ex-Haus, auch mal im Exil, im Ex-Haus, aber wir haben mit den Denim Demons aufgeteilt.
Matthias Reis: Allen Bühnen im Ex-Haus gespielt. Also auch mal auf der Sommerbühne,
Matthias Reis: auch im kleinen Exil und so weiter.
Matthias Reis: Und wenn ich davon nur mal ein bisschen, um wieder die Brücke nach Riol zu schlagen.
Simi Will: Vom Ex-Haus zurück nach Riol?
Matthias Reis: Zurück nach Riol, wo wir dann auch auf dem Weinfest tatsächlich mal gespielt
Matthias Reis: haben. Oder im Bürgerhaus.
Simi Will: In welcher Formation?
Matthias Reis: Mit unserer allerersten Band haben wir auf dem Weinfest gespielt.
Matthias Reis: Aber nur, weil ich auch Mitglied im Musikverein in Riol war.
Matthias Reis: Oh Gott, das ist wirklich unglaublich dazwischen. und dementsprechend auch im
Matthias Reis: Fester Schuss fürs Weinfest und wir für Freitagsabends Musik gebraucht haben,
Matthias Reis: da habe ich gesagt, ja, wir können spielen.
Matthias Reis: Ohne, dass die Leute vom Kirschenchor im Gesangverein irgendwelchen Plan hatten,
Matthias Reis: wie sich so eine Punkband anhört.
Simi Will: Also ihr habt Punkmusik auf dem Weinfest gemacht? Ja. Und seid nicht gesteinigt worden?
Matthias Reis: Nee, nee.
Simi Will: Und haben die Leute Pogo getanzt im Weinzelt?
Matthias Reis: Nee, das nicht unbedingt. Sie waren, also so verstört waren sie wahrscheinlich
Matthias Reis: nicht. Aber die haben das wahrscheinlich dann, das ist das Laut, das ist E-Gitarre.
Matthias Reis: Vor 50 Jahren haben sie das zu Led Zeppelin gesagt und jetzt dann wahrscheinlich
Matthias Reis: dazu, das ziehen die ja dann alles über einen Kamm.
Matthias Reis: Und dann war es denen, glaube ich, auch ein bisschen egal und wir waren alles
Matthias Reis: dann, oder wenigstens ein Teil, Jungs aus dem Dorf.
Matthias Reis: War dann schon okay. Ja, also wie gesagt. Wie jetzt an Fasnacht ja auch.
Matthias Reis: Jetzt sind ja alle keine Kinder mehr.
Matthias Reis: Und als wir die Anlage jetzt dieses Jahr an Fasnacht geprüft haben,
Matthias Reis: ist der knorterige Nachbar von gegenüber, kam sofort rüber.
Matthias Reis: Der aber mit jedem Streit hat, den kenne ich auch gar nicht,
Matthias Reis: obwohl er schon mein ganzes Leben da wohnt.
Matthias Reis: Aber trotzdem finden das die Leute da alle cool. Obwohl die mit den Ramones
Matthias Reis: nichts anfangen können.
Simi Will: Das war für mich diese, also das war für mich wirklich diese Dazwischennummer.
Simi Will: Ich weiß noch, das hat mich total gerührt, weil ich habe wirklich fast geheult,
Simi Will: weil das für mich so bekloppt war, dass ich mit meinen Eltern,
Simi Will: ich war ja selbst da Teil der Szenerie,
Simi Will: gehe da hin, weil Fasching ist mit meinen Eltern, erwarte eine Depression und
Simi Will: dann, also ich war ganz durcheinander.
Simi Will: Es hat mich total gerührt, Ramones zu hören, dann so gut.
Simi Will: Ihr seid ja nicht irgendeine Dorfschammelband, wo man sich überlegen muss,
Simi Will: das kenne ich, was war das nochmal?
Simi Will: Weißt du so? Sondern das ist richtig, das ist richtig tolles Cover, was man da hört.
Simi Will: Also ich habe bei den Ramones tatsächlich mal gekellnert. Die Ramones waren
Simi Will: nämlich in den 90ern oder in den ganz frühen 90ern irgendwann mal in der Europahalle.
Matthias Reis: Ja, 93, hatten wir ein Plakat im Proberaum hängen.
Simi Will: Siehste, 93, da war ich gerade zwei Jahre in Berlin, bin aber immer mal nach
Simi Will: Trier gekommen, um hier bei Konzerten zu kellnern.
Simi Will: Aber nur, wenn es mich interessiert hat, wer da gespielt hat.
Simi Will: Und deswegen, damals Ingo Popp noch so, dem geht es gerade nicht so gut,
Simi Will: aber das war damals halt der Konzertveranstalter, weißt du ja noch.
Simi Will: Und da habe ich Bier gezapft, bei Ramones.
Matthias Reis: Sehr cool, beneidenswert, ja.
Simi Will: Und es gibt ja noch ein Projekt musikmäßig.
Matthias Reis: Genau, also mit den fünf haben wir tatsächlich auch eine Band,
Matthias Reis: wo wir eigene Songs spielen, die nennt sich Judo Boy, dann Commando,
Matthias Reis: was war denn eigentlich zuerst da?
Matthias Reis: Zuerst war Commando da, genau, Judo Boy mussten wir dann gründen,
Matthias Reis: um bei 10 Bands 10 Minutes zu spielen und dann hat sich daraus nochmal eine Dreierkombo.
Simi Will: Bands 10 Minutes ist die immer ausverkaufte Musikveranstaltung einmal im Jahr.
Matthias Reis: Ja, dieses Jahr zweimal tatsächlich. War einmal im Sommer im Simeonstift.
Matthias Reis: Brunnenhof, so heißt es richtig. Open Air. Und zwar läuft es so,
Matthias Reis: es spielen zehn Bands, jeweils zehn Minuten. Der Abend hat immer ein Thema.
Matthias Reis: Jetzt im August haben wir mit Juleboy auch da gespielt, war das Thema Neue Deutsche
Matthias Reis: Welle. und jede Band hat sich einen Song der Neue Deutsche Welle vorgenommen,
Matthias Reis: hat den so interpretiert, wie sie Lust hatten.
Matthias Reis: Entweder es hat sich so angehört, wie sie sich anhören oder sie haben es versucht
Matthias Reis: einigermaßen original zu spielen.
Matthias Reis: Jimmy Berlin war mit Kramski auch da jetzt im August.
Matthias Reis: Nächste Ausgabe ist jetzt wieder zwischen den Jahren, da ist es immer normalerweise.
Matthias Reis: Die ersten waren noch im Ex-Haus. Dann war es jetzt die meiste Zeit in der Luke,
Matthias Reis: und ist jetzt im Mergener Hof. dieses Jahr als Thema Aussie ausbauen und Plexapp. Okay.
Simi Will: Ich war glaube ich letztes Jahr da und da war Queen.
Matthias Reis: Ja.
Simi Will: Also ich habe von keiner der Bands irgendeinen Song erkannt von Queen und ich
Simi Will: bin Queen-Fan gewesen immer und nach wie vor.
Simi Will: Aber es war sehr lustig. Es war trotzdem ein mega netter Abend und da hat auch
Simi Will: Jule, deine Frau, mir sofort ein Bier vorbeigebracht.
Matthias Reis: Ja, ja, genau.
Simi Will: Das ist eine geile Veranstaltung. Aber ich glaube, das ist immer total ausverkauft,
Simi Will: da muss man ganz früh dran sein.
Matthias Reis: Relativ schnell, gibt auch keine Gästeliste, weil wenn zehn Bands jeweils fünf
Matthias Reis: Leute auf den ... Also deswegen war es auch vorletztes Jahr war es dann auch zweimal. Also,
Matthias Reis: Genau, Matt, Sad und Dave, genau so kamen wir da drauf.
Matthias Reis: Das ist die Dreier-Kombo, also das sind Vinny, Dave, unser Drummer und ich,
Matthias Reis: also Matt, es kommt von Matti, Sad, weil Vinny's Spitzname ist auch Zecke,
Matthias Reis: daher das Z, Sad und Dave wegen Dave.
Matthias Reis: Also da setzen wir uns zusammen hin, das ist so entstanden, weil Vini und ich
Matthias Reis: beim Kumpel von uns auf der Hochzeit gespielt haben zu zweit.
Matthias Reis: Er Gitarre, ich habe gesungen, alles mögliche, was uns eingefallen ist.
Matthias Reis: Westerland, ein Kompliment von den Sportfreunden Stiller und das kam ganz gut an.
Matthias Reis: Dann kam Dave bei uns in die Band als Drummer und dann hat Vini gedacht,
Matthias Reis: den können wir noch mit dazuholen als Cajon am Cajon.
Matthias Reis: Ja, jetzt spielen wir unregelmäßige Auftritte. Im Moment überwiegend auf 40.
Matthias Reis: Geburtstagen. Auf 40. Auf Kindergeburtstagen, wie es zählt.
Matthias Reis: Zuletzt jetzt an Allerheiligen, also vorletzten Samstag im Café Greco am Viehmarkt
Matthias Reis: haben wir gespielt, zu dritt.
Simi Will: Wieso erfahre ich das nicht? Ich habe das gesehen irgendwann auf Insta und habe
Simi Will: dann gedacht, der könnte ja mal Bescheid sagen, da kann ich zu Fuß hinlaufen.
Simi Will: Und würde es sehr gerne sehen, weil ich wirklich Fan bin von diesem Ding, dieses Mitsingen.
Simi Will: Und ihr habt ja auch mal eine Lesung von mir in der Galerie Netzwerk, wart ihr spontan dabei.
Simi Will: Und es war mega, mega nice, weil ihr das wirklich schafft, die Leute mitzunehmen.
Simi Will: Und am Schluss singen alle zusammen. Und das hat ja auch sowas dazwischen,
Simi Will: weil, also ich traue mich normalerweise nicht zu singen und da ist es irgendwann
Simi Will: egal und dann ist es befreiend.
Simi Will: Das ist befreiend und man vergleicht sich dann nicht. Es ist eine klassische
Simi Will: Dazwischensituation, was ihr da fabriziert.
Simi Will: Sagt bitte nochmal, wie eure Dreier-Kombo heißt, weil das möchte ich unbedingt
Simi Will: bewerben für Hochzeiten, für Beerdigungen, für Geburtstage.
Simi Will: Es ist wirklich, wirklich schön, weil es ist gute Musik und es hat so dieses,
Simi Will: so ganz viele Erinnerungswerte und das verbindet so und es hat nichts mit Schunkeln
Simi Will: zu tun, glücklicherweise.
Matthias Reis: Ja, Mad, Zed und Dave.
Simi Will: Da habt ihr auch einen Insta-Account, gell? Ja, ja, ja. Ja, also mega, mega, mega nice.
Matthias Reis: Ja, es ist halt nicht so perfekt, also wir legen auch keinen Wert auf Perfektion, um Gottes Willen.
Matthias Reis: Und wir spielen alles querbeet, auch alte Schlager, neue Schlager,
Matthias Reis: kein Partyschlager oder sowas, Rocksongs auf Deutsch, Matthias Reim,
Matthias Reis: Wind of Change, alles mögliche.
Simi Will: Und das Tolle finde ich, dass ihr wirklich auch so Songbooks dann habt,
Simi Will: oder ihr verteilt dann die Texte.
Matthias Reis: Ja, das war exklusiv auf deiner Party so, auf deiner Lesung,
Matthias Reis: Entschuldigung, auf deiner Lesung war das exklusiv.
Matthias Reis: Normalerweise haben wir, oder haben wir jetzt technisch ein bisschen aufgestockt,
Matthias Reis: haben wir eine Leinwand mit dem Beamer und da laufen die Texte drüber.
Matthias Reis: Also Karaoke, live Karaoke. Genau, genau. Und wenn das Publikum wie jetzt bei dem 40.
Matthias Reis: Geburtstag, da haben wir um halb neun angefangen, die ersten Gäste waren da
Matthias Reis: wohl schon um 14 Uhr, also die waren alle schon auf Temperatur.
Matthias Reis: Die haben ab dem ersten Wort mitgesungen und das war sehr spaßig.
Matthias Reis: Also man merkt tatsächlich, wie du sagst, vielleicht sind die Leute am Anfang
Matthias Reis: ein bisschen zurückhaltend und trauen sich auch nicht mitzusingen,
Matthias Reis: aber irgendein Lied gefällt denen, weil wir eben alles spielen und dann singen
Matthias Reis: sie mit und freuen sich auch.
Matthias Reis: Und das ist dann die Hauptsache und deswegen macht es Spaß.
Simi Will: Ich glaube auch, also es klingt jetzt so ein bisschen nach, ja gut,
Simi Will: ist ja ganz nett, aber ich glaube in der heutigen Zeit ist sowas,
Simi Will: also quasi Live-Karaoke,
Simi Will: die drei Jungs, die so spielen und ihr singt ja auch so inbrünstig,
Simi Will: ihr macht das ja auch, das ist so, da kommt ja eine Energie rüber.
Simi Will: Und dann stehen alle, und bei mir war es eine Lesung und alle haben gesessen erst mal.
Simi Will: Und alle sind dann aufgestanden. Und dann sind drei, vier haben sich so ein bisschen verkrümelt.
Simi Will: Die kamen dann wieder. Und das ist einfach was, was selten im Angebot ist,
Simi Will: wenn ich außer Haus irgendwo hingehe, zu einer Kulturveranstaltung,
Simi Will: wo dann die Leute so richtig miteinander in den Kontakt, in den Flow gehen.
Simi Will: Und das finde ich, also ganz ehrlich, das finde ich sehr wichtig.
Matthias Reis: Ja, wir hatten auch einen Auftritt jetzt im August, da habe ich den Weinstand
Matthias Reis: betrieben, in Riol an der Mosel.
Simi Will: Auch ein wichtiges Ding.
Matthias Reis: Und da sind wir auch aufgetreten, da war es auch.
Matthias Reis: Und sonntags, mittags und da haben uns natürlich auch viele Leute gesehen,
Matthias Reis: die uns so kannten oder mich auch kannten.
Matthias Reis: Und ja, die waren dann auch sehr, sehr überrascht.
Matthias Reis: Also zum Beispiel der, der für mich den Vollernter fährt und die Trauben erntet,
Matthias Reis: Mann im besten Alter, der mit Sicherheit noch nie im Ex-Haus war oder geschweige
Matthias Reis: denn im Café Greco oder sonst wo in der Luke, vielleicht davon schon mal gehört
Matthias Reis: hat, obwohl er aus Longich kommt. Also man wäre ja auch schnell da.
Matthias Reis: Aber der hat mir dann während der Lese nochmal gesagt, wie gut ihm das gefallen hat.
Matthias Reis: Also das ist dann schon ganz cool, wenn man die Leute dann auch erreicht oder
Matthias Reis: gut unterhält. um Gottes Willen, wir wollen jemanden erreichen.
Matthias Reis: Die Leute sollen einfach Spaß haben, dann ist das gut.
Matthias Reis: Das hat man dann auch gemerkt, wenn wir früher mit der Band unterwegs waren,
Matthias Reis: wir haben uns nie so ernst genommen.
Matthias Reis: Deswegen waren wir auch immer überall relativ gern gesehen von den Veranstaltern,
Matthias Reis: weil dann auch mit Vinny als Veranstaltungstechniker, der halt ganz andere Erfahrungen
Matthias Reis: hat von Bands, die nach drei Auftritten denken, sie sind die Größten und Ansprüche
Matthias Reis: haben an den Soundmischer und ans Licht und ans Catering und sonst was, so waren wir nie.
Matthias Reis: Wir waren immer froh, wir hatten immer eine gute Zeit, haben das jetzt auch
Matthias Reis: und ja, das ist ein angenehmes Hobby.
Matthias Reis: Das, was so wirklich im Dorf anstrengend ist, was ich aber erst auch so die
Matthias Reis: letzten zehn Jahre so merke, ist,
Matthias Reis: Das hat mich früher eigentlich nie tangiert und das habe ich auch so nie vorgelebt
Matthias Reis: bekommen, ist dieser Vergleich.
Matthias Reis: Die Leute gucken nacheinander, es entsteht Neid und den bekommst du dann auch
Matthias Reis: mit, vor allen Dingen, wenn du Winzer im Dorf bist und sowieso jeder weiß,
Matthias Reis: wie du arbeitest, was du machst und keine Ahnung,
Matthias Reis: das wurde mir nie so anerzogen und das wurde auch bei uns nie so,
Matthias Reis: die machen das so, guck mal die, warum haben die ein dickes Auto und wir nicht,
Matthias Reis: das war nicht so und da bin ich auch ganz froh drüber.
Matthias Reis: Das ist im Dorf, also so ein bisschen mittlerweile habe ich das gemerkt und
Matthias Reis: bezeichne es dann auch ein bisschen als Spießigkeit und Kleingeistigkeit.
Matthias Reis: Das ist dann oft schlimm, also auch, das merke ich dann auch ich kenne ja sehr
Matthias Reis: viele Riola auch schon sehr lange und dann entdeckt man dann doch irgendwann
Matthias Reis: und man ist dann auch oft ja 20, 30 Jahre,
Matthias Reis: hat man ein Verhältnis auf einer bestimmten Oberfläche sag ich mal und es geht
Matthias Reis: nicht tiefer aber wenn es dann mal durch irgendwelche äußeren Umstände tiefer
Matthias Reis: geht, dann lernt man die Leute richtig kennen und ist dann oft erschrocken.
Matthias Reis: Also wo man denkt, um Gottes Willen, die sind ja neidisch oder die sind ja,
Matthias Reis: Und rassistisch, obwohl sie ja eigentlich ganz cool sind, das ist dann schon
Matthias Reis: erschreckend. Das hat man glaube ich in der Stadt nicht, wo man vielleicht in so eine Bubble kommt.
Matthias Reis: In der Bubble bin ich jetzt auch zum Teil, aber habe dann auch in der Bubble
Matthias Reis: von unserem Freundeskreis überwiegend Akademiker und habe dann aber auch mit
Matthias Reis: meinen konservativen 20 Jahre älteren Winzerleuten zu tun.
Matthias Reis: Das ist unglaublich anstrengend.
Matthias Reis: Also das hatte ich die ersten 30 Jahre meines Lebens so nicht und lerne es jetzt kennen.
Matthias Reis: Und da ist dann so ein Dorf auch sehr anstrengend tatsächlich.
Matthias Reis: Und dann hat man auch dann ein bisschen mit der Gemeinde und mit dem Gemeinderat auch zu tun.
Matthias Reis: Das ist dann schon sehr anstrengend. Und deswegen kann ich auch verstehen,
Matthias Reis: wenn du erzählst, wie das für dich damals war.
Simi Will: Als Nicht-Winzerin.
Matthias Reis: Als Nicht-Winzerin. Bei mir war es so, mein Vater war und ist extremst integriert
Matthias Reis: im Dorf, hat auch viel gemacht, war im Gemeinderat und so weiter.
Matthias Reis: Dementsprechend hatte ich dann auch schon mal grundsätzlich einen guten Ruf
Matthias Reis: oder einen guten Stempel, wie auch immer.
Matthias Reis: Und kann mir dann vielleicht auch manche Dinge erlauben. Und dann hört man mir
Matthias Reis: vielleicht auch tatsächlich eher zu, wenn ich da Radau auf der Bühne mache,
Matthias Reis: wie wenn da irgendjemand Zugezogenes das macht oder jemand aus Trier.
Simi Will: Das würde nicht funktionieren.
Matthias Reis: Ja, das würde nicht funktionieren.
Simi Will: Aber deswegen finde ich es so besonders und so dazwischen und so fantastisch,
Simi Will: weil dadurch, also du hast, ohne das zu wollen,
Simi Will: meiner Ansicht nach, da einen großen Auftrag mit deinem kulturellen Hobby,
Simi Will: nenne ich es mal, nämlich deiner Punkmusik und das alles,
Simi Will: hast du ein großes verbindendes Element.
Simi Will: Klingt jetzt so hochtramt, aber für mich ist es wirklich, also auch was,
Simi Will: was ich in Berlin immer geschätzt habe, dass man ähm
Simi Will: In Berlin hast du kein Lokalitätsprinzip, da ist alles so weit,
Simi Will: dann interessiert es dich gar nicht.
Simi Will: Aber du findest immer toll, wenn dir jemand hilft in so einer Anonymität,
Simi Will: nimmst du das sofort wahr.
Simi Will: Und den Umkehrschluss hatte ich immer im Dorf, genau das andere Ding,
Simi Will: dass die Leute, bevor sie dir mal geholfen haben, dich erstmal abgecancelt haben.
Simi Will: Das war so meine Erfahrung aus dem Dorf.
Simi Will: Es waren auch die 70er Jahre, das war auch nochmal eine andere Zeit,
Simi Will: wo ich immer sage, die Nazis waren noch nicht so lange tot oder die Nazis waren
Simi Will: teilweise noch da, weil sie einfach noch gelebt haben.
Simi Will: Und so eine Doppelmoral. Ich habe als Kind in Riol
Simi Will: Und dadurch, dass ich eben auch so eine Randfigur war, immer so eine Doppelmoral
Simi Will: erlebt, dass man mir ins Gesicht lacht und hintenrum sagt, die darf nicht mitspielen.
Simi Will: Das ist wirklich so ein Kindheitstrauma von mir, wo ich heute froh bin,
Simi Will: dass ich das hatte. Deswegen muss ich bestimmte Dinge heute immer noch machen.
Simi Will: Große Fresse riskieren und Irritationen schaffen. Heute muss ich das zwanghaft machen.
Simi Will: Und es gibt auch ganz viele Sachen, die ganz toll waren am Dorf.
Simi Will: Oder die ich heute mag. Meine Schwester mag immer noch nicht das Dorf so richtig.
Simi Will: Und ich komme gerne nach Riol. Ich fahre jetzt wirklich auch mit dem Ding,
Simi Will: mit den alten Leuten. Ich habe jetzt eine Aufgabe da, die ganz klar umrissen ist.
Simi Will: Ich merke, mir ist scheißegal, was die Leute von mir denken. Das weiß ich jetzt.
Simi Will: Und das merke ich halt am Dorf besonders, dass es tatsächlich so ist,
Simi Will: dass mir scheißegal ist, was die Leute von mir denken.
Simi Will: Und das zeigt mir ja, wie frei ich geworden bin.
Simi Will: Und deswegen kann ich das Dorf so sehen, wie es ist.
Simi Will: Ich gehe ganz gerne auch mit meinen Eltern so durchs Dorf spazieren und höre
Simi Will: mir Geschichten an. Ich mag das jetzt alles.
Simi Will: Ich erinnere mich auch an ganz vieles wieder, was ich auch schön fand.
Simi Will: Bei irgendwelchen komischen Frauen, die einfach nur eine Eistruhe, Mina,
Simi Will: da war eine alte Frau im Dorf, die hatte einfach nur eine Eistruhe in ihrem
Simi Will: Hausflur stehen und so eine Langnese-Eiskarte hing am Gartentürchen.
Simi Will: Und da sind wir als Kinder hin und haben Eis gekauft.
Simi Will: Oder bei Frau Rohr im Laden. Es gab in den 70ern eine Hippie-WG gegenüber von einer Kneipe.
Simi Will: Und das war, die Leute gibt es heute noch, Gitarren-Johnny, Johnny Weber,
Simi Will: virtuoser Gitarrist, ganz toller Typ, sieht sehr gut aus, immer noch.
Simi Will: In den waren wir alle verliebt, also ich mit zehn und so.
Simi Will: Und wenn diese drei Herren in den Lebensmittelladen kamen, wo wir eingekauft
Simi Will: haben bei Roars, verstummten alle anderen, die gerade am Einkaufen waren.
Simi Will: Also wie in so einem Western-Saloon, wo draußen dann die Heubeilen vorbei wehen
Simi Will: in so einer Filmszene und die langrigen Bombenliga kommen rein.
Simi Will: Und das zu einer Zeit, frühe 70er, wo in jedem Dorf, Reolwe hat ja kein Alleinstellungsmerkmal,
Simi Will: sondern in jedem Dorf an der Mosel hingen in der Poststelle die Plakate von der RAF.
Simi Will: Anyway, jedenfalls deswegen dazwischen und deswegen musstest du auch unbedingt
Simi Will: zu mir in den Podcast kommen.
Simi Will: Weil du für mich wirklich auch so ein, es gibt immer auch das andere.
Simi Will: Es gibt immer auch das andere. Und auch wenn ich selbst keinen Wein mehr trinke,
Simi Will: möchte ich, dass alle deinen Wein kosten, weil ich letztens gesehen habe,
Simi Will: du hast irre viel Preise bekommen für deinen Wein.
Simi Will: Da steht ja wirklich irgendwie so 20 gefühlte, 20, was sind denn das für Urkunden,
Simi Will: die da bei dir rumstehen?
Matthias Reis: Das war tatsächlich der International Organic Wine Award.
Matthias Reis: Der wurde jetzt tatsächlich eingestellt vor kurzem, leider.
Matthias Reis: Den gibt es gar nicht mehr. Den gibt es jetzt nicht mehr. Also das war jetzt
Matthias Reis: im Frühjahr, glaube ich, noch eine Verkostung. Das war die letzte.
Matthias Reis: Ja, es ist so, es gibt ja ganz unterschiedliche Verkostungen und Punktesysteme,
Matthias Reis: wo deine Weine, also Falstaff kennt man ja und Parkerpunkte und die Kammerpreismünze.
Matthias Reis: Und das ist halt spezialisiert auf Bio-Weine. Da stellst du deinen Wein an,
Matthias Reis: schickst ihn da hin in die Falz. Da wird es probiert.
Matthias Reis: Von der internationalen Jury. Und für mich war das...
Matthias Reis: Und mir ging es weniger direkt um den Preis, sondern selber ist man natürlich
Matthias Reis: von seinem Produkt überzeugt und findet den auch ganz hervorragend und gut und lecker.
Matthias Reis: Und für mich war es immer wichtig, dass jemand ganz anderes,
Matthias Reis: der nichts damit zu tun hat und auch nicht mein Kunde ist, das für gut befindet
Matthias Reis: oder sehr gut in dem Fall.
Matthias Reis: Und das hat da immer sehr gut funktioniert.
Simi Will: Also dass du dich quasi mit deinen Weinen auf den Prüfstand begibst,
Simi Will: weil du für dich einfach nochmal wissen willst, was sagt die Jury dazu. Stimmt das auch.
Matthias Reis: Einfach eine ganz objektive Qualitätskontrolle sozusagen.
Matthias Reis: Und dann war das jetzt vor allen Dingen auch im letzten Jahr,
Matthias Reis: also für den 23er Jahrgang, habe ich acht Weine angestellt und es gab fünfmal
Matthias Reis: Gold und dreimal Silber.
Matthias Reis: Und das ist dann immer schon ein gutes Gefühl. Natürlich entscheidet die Trinkerin,
Matthias Reis: schmeckt mir das, schmeckt mir das nicht. Und das soll auch so sein,
Matthias Reis: da lege ich auch sehr viel Wert drauf.
Matthias Reis: Bei den Leuten, die bei mir Wein kaufen, dass sie nicht zu mir kommen und ein
Matthias Reis: Statussymbol brauchen, Was ja Wein dann oft auch gerne ist, wo man auch gerne so drüber spricht.
Simi Will: Das kenne ich.
Matthias Reis: Und das will ich halt nicht sein. Und das merke ich auch bei den,
Matthias Reis: man kriegt glaube ich auch die Leute, die zu einem so passen.
Matthias Reis: Oder wenigstens von der Einstellung zum Wein her.
Matthias Reis: Und das ist mir auch sehr viel wert. Wenn ich eine Weinprobe mache,
Matthias Reis: beschreibe ich die Weine auch nicht so.
Matthias Reis: Die riechen danach, danach und danach und schmecken danach und danach und danach.
Matthias Reis: Auch wenn es vielleicht so ist. weil die Leute, die dann da sitzen,
Matthias Reis: die glauben das natürlich und wollen das dann auch riechen und auch schmecken, aber das...
Matthias Reis: Der Wein soll denen schmecken und die dürfen auch sagen, okay,
Matthias Reis: der Riesling schmeckt mir nicht,
Matthias Reis: der Grauburgunde, aber dann bin ich damit zufrieden, dann ist das gut.
Matthias Reis: Also man soll immer zu seinem Geschmack stehen, auch wenn er gerade nicht in
Matthias Reis: den Trend passt und die anderen das Weingut nicht kennen.
Simi Will: Ja, aber genau das sagt zum Beispiel mein längster Freund aus Trier,
Simi Will: Markus Glieden. Hallo Markus.
Simi Will: Chateaule Gay, Papi Papo. Und der ist ein ehemaliger Gastronom aus Luxemburg.
Simi Will: Also der ist immer Gastronomie, ist sein Ding und Getränke und Essen und so weiter.
Simi Will: Den muss ich aber leider immer verarschen, wenn er dann anfängt mit Riechen
Simi Will: am Glas und so, verstehst du?
Simi Will: Da kriege ich schon, sage ich, ja, ja, komm, trink, turnt.
Simi Will: Ist so einfach nicht. Und Markus ist wirklich jemand, der sich mit Weinen sehr, sehr gut auskennt.
Simi Will: Und der trinkt immer gegen den Trend, habe ich den Eindruck.
Simi Will: Also wenn man in Trier jetzt in die gehobenere Gastronomie geht,
Simi Will: Beispiel hier Schlemmeräule bei den Peters, ganz tolles Essen,
Simi Will: tolle Weine. und die haben auch bestimmt Ahnung und so weiter. Oder hier ...
Simi Will: Diese ganze Pipapo, Van Volkselm, Blablub, da kannst du mich,
Simi Will: weißt du, ich finde das so viel so eitel gedöhnt.
Simi Will: Das war noch nie meine Baustelle.
Simi Will: Aber ich kann mit Sicherheit verstehen, wenn jemand sagt, ich möchte gerne den
Simi Will: und den Wein, ich mag das und das, alles in Ordnung.
Simi Will: Und Markus zum Beispiel trinkt sehr gerne restsüße Weine.
Simi Will: Und da sagen immer ganz viele, was? Also man muss doch herb trinken und der
Simi Will: Wein muss einen blubblab.
Simi Will: Man muss doch gar nichts. Ich kann auch trinken, was ich will.
Matthias Reis: Das hat mich auch schon mal jemand ganz ernsthaft gefragt, der auch lieber süßen Wein getrunken hat.
Matthias Reis: Und der hat auch dann zu mir gesagt, ja du als Winzer, du trinkst ja bestimmt nur herbe Weine.
Matthias Reis: Dann habe ich gesagt, nee, ich trinke die Weine, auf die ich gerade im Moment Lust habe.
Matthias Reis: Und tatsächlich auch süße Weine, natürlich, klar.
Matthias Reis: Aber damit kannst du, wenn du unbedingt gegen den Strich trinken willst und
Matthias Reis: hast da so vielleicht so eine kleine Genussangeberrunde stehen und sagst dann,
Matthias Reis: ich trinke nur süßen Wein, dann guckst du erstmal in erschrockene Gesichter.
Matthias Reis: Dann bist du auf jeden Fall der Punk in der Runde.
Simi Will: Genau, als restsüßer Weintrinker.
Matthias Reis: Genau, wenn du restsüßen Wein trinkst.
Simi Will: Genau. Und ja, ich finde das wirklich witzig.
Simi Will: Ich kann mich zu einem Ding auch erinnern, dass ich mal mit Markus eben auch
Simi Will: in Berlin, waren wir dann öfter mal, hat er Fett zum Essen eingeladen und so,
Simi Will: weißt du, wo dann Besteck von außen nach innen liegt und ich habe ja keine Ahnung von sowas.
Simi Will: Und ich habe dann aber keinen Alkohol getrunken, weil ich trinke ja keinen Alkohol
Simi Will: mehr, weil ich zu schnell zu viel und alles schon gehabt habe.
Simi Will: Und dann bestellten die Jungs eine Flasche Chateau Le Gay. Sagt dir das was?
Matthias Reis: Nee.
Simi Will: Chateau Le Gay, ich dachte immer, das hat mit Homosexualität zu tun.
Simi Will: Das Schloss des homosexuellen Mannes, Chateau Le Gay.
Simi Will: Mittlerweile sage ich immer Chapeau Le Gay, weil die wissen wirklich immer, was lecker ist.
Simi Will: Und deswegen finde ich das ganz witzig. Chapeau, Legey. So.
Simi Will: Lieblings, Lieblings, Lieblingsmusik, Lieblingsessen. Was ist dein Lieblingsessen?
Matthias Reis: Oh, mein Lieblingsessen. Wenn ich das spontan sagen müsste, esse ich am liebsten,
Matthias Reis: oder ist eins von meinen Lieblingsessen Königsberger Klopse mit Reis.
Simi Will: Mit Reis, aha, Reis oberwillig. Da war es wieder.
Matthias Reis: Reis oberwillig, das war ein guter Mose. Ich esse tatsächlich,
Matthias Reis: es gibt wenig, was ich nicht esse. Also ich probiere auch alles gerne.
Matthias Reis: Ich esse, wenn ich irgendwo bin, reisetechnisch, dann esse ich das,
Matthias Reis: was es da gibt. Auch immer die Spezialität.
Matthias Reis: Auch wenn es irgendwelche Innereien oder so sind, probiere ich es wenigstens.
Matthias Reis: Ja, also ich esse auch alles aus dem Meer, bin kein Vegetarier,
Matthias Reis: auch kein Veganer, aber esse auch natürlich solche Dinge, bin davon zu Hause
Matthias Reis: ein bisschen verwöhnt, weil meine Mutter immer sehr abwechslungsreich gekocht hat, immer noch.
Matthias Reis: Halt vegane Gerichte, als ich das Wort noch gar nicht kannte,
Matthias Reis: sowas wie Spaghetti Aglio Olio, das gibt es bei uns schon seit 20 Jahren und,
Matthias Reis: ja, also ich esse tatsächlich alles sehr gerne.
Matthias Reis: So ein absolutes Lieblingsessen, ne, also auch mit, ich bin immer froh,
Matthias Reis: wenn ich in ein Restaurant komme und die haben so eine Tagessaisonkarte,
Matthias Reis: wo nur fünf Gerichte draufstehen, weil sonst wird es zu schwer für mich,
Matthias Reis: weil sonst, also dann denke ich mir, okay, muss ich nur zwischen fünf entscheiden,
Matthias Reis: ausschließen kann nicht selten was.
Matthias Reis: Von daher, ich freue mich auch immer aufs Essen und bin dann auch immer froh mit.
Matthias Reis: Ein guter Wein dazu hebt das Ganze, aber der Wein ist da auch nie das Wichtigste.
Matthias Reis: Also beim Essen ist das Essen das Wichtigste und der Wein soll das Ganze wenn ein bisschen heben.
Matthias Reis: Ja, und dann bin ich froh.
Simi Will: Trinkst du jeden Tag Wein?
Matthias Reis: Nein, nein. Nee, nee, nee. Also,
Matthias Reis: Eher selten. Also ich trinke natürlich auch Bier. Also kommt immer auf die Situation
Matthias Reis: an. Ich unterhalte mich auch gerne über Wein.
Matthias Reis: Klar, auf Weinproben, ich beschreibe die dann nur nicht so mit den Gerüchen.
Matthias Reis: Das erkläre ich dann auch immer wieso, weil das auch immer sehr subjektiv ist.
Matthias Reis: Also man findet das auch ganz anders.
Matthias Reis: Beispielsweise wenn man was sauer findet, dann fängt das bei einem da an,
Matthias Reis: bei einer unreifen Zitrone und der andere sagt, das ist aber noch wunderbar.
Matthias Reis: Da erzähle ich dann immer die Geschichte beim Weinbaustudium in Geisenheim hatten
Matthias Reis: wir halt das Fach Sensorik, wo wir wirklich Wein probiert haben.
Matthias Reis: Also da hatten wir dann in einer Vorlesung beispielsweise das Thema Mosel.
Matthias Reis: Und da haben wir dann in 90 Minuten 15 bis 20 Moselweine probiert.
Matthias Reis: Im Preissegment von 5 Euro bis 50 Euro. Also da hat die Hochschule sich nicht lumpen lassen.
Matthias Reis: Und zwei oder drei Studenten haben dann halt was dazu erzählt.
Matthias Reis: Rebsorte, Böden und so weiter, was man als Fachmann so wissen muss.
Matthias Reis: Und dann haben wir die Weine probiert.
Matthias Reis: Und die meisten Studenten waren ja dann aus unserer Ecke, sag ich mal, vom Land.
Matthias Reis: Also sehr viel aus Rheinland-Pfalz. dann noch ein paar aus Baden-Württemberg
Matthias Reis: und dann ein paar versprengelt von sonst woher.
Matthias Reis: Und allein in unserem kleinen Bundesland, hier sind die Geschmäcker schon so
Matthias Reis: verschieden, wenn dann ein Rheinhesse den Wein probiert und hat gesagt, oh der ist aber sauer,
Matthias Reis: dann fanden wir das von der Mose überhaupt nicht sauer, weil wir das anders
Matthias Reis: gewöhnt sind und deswegen will ich den Leuten auch nicht in den Mund sprechen
Matthias Reis: und sagen, der ist jetzt ein bisschen süß, dann denken die,
Matthias Reis: okay, der ist jetzt ein bisschen, der soll jetzt süß sein, dann ist der auch ein bisschen süß.
Matthias Reis: Das dürfen die entscheiden. Deswegen, wenn zu mir jemand kommt und sagt,
Matthias Reis: Ich trinke nur trocken. Wenn Kunden kommen und sagen, ich trinke nur trocken
Matthias Reis: und ich kenne mich aus, dann gehen die Alarmglocken schon an und dann stellst
Matthias Reis: du denen manchmal dann fünf Trockene hin und der am wenigsten Trockene, der ist es dann.
Matthias Reis: Also dann trauen sie sich nicht zu sagen, ich würde auch mal gerne was Süßeres trinken.
Matthias Reis: Also das ist dann immer schon sehr interessant. Also Leute, die vor sich her
Matthias Reis: tragen, dass sie sich auskennen, das ist immer gefährlich.
Simi Will: Ja vor allen Dingen bleibt ja doch auch Geschmackssache.
Matthias Reis: Nur, nur.
Simi Will: Und ich kann mich nämlich auch erinnern, wir hatten mal so ein mehrgängiges
Simi Will: Menü, wo dann irgendwie, das war auch irgendwie total schön,
Simi Will: das war in Kreuzberg, also Kreuzberg 36 ist auch nicht mehr so cool, wie es mal war.
Simi Will: Also auch da gibt es dann Verfütterungen in der Galerie mit Anmeldungen und
Simi Will: sieben Gängen und Tralali.
Simi Will: So und das war eine Österreicherin, die da aber gekocht hat,
Simi Will: das war total sweet, die Söhne und Töchter von irgendwelchen Ex-Freunden,
Simi Will: also die jungen Leute machen ja sowas heute in Kreuzberg.
Simi Will: Und dann gab es dann eben auch einen jungen Mann, der die Weinbegleitung, so hieß es, gemacht hat.
Simi Will: Das heißt, bei jedem Gang kam der zugegebenermaßen gut aussehende junge Mann
Simi Will: mit raus und hat dann hier erklärt, was wir denn jetzt dazu trinken.
Simi Will: Also ich ja nicht, aber die anderen.
Simi Will: Und das ist jetzt ein Tralala Didabu am Dingsgebobungsgekreuzt mit Dings.
Simi Will: Der hat so ein bisschen was Erdiges.
Simi Will: Hinten raus aber eine Blume, die wirklich sehr ins Liebliche rüberreicht und
Simi Will: eine Note von Kümmel hat.
Simi Will: Dann denke ich mir so, okay, so.
Simi Will: Und ich fand das süß, weil das war eine Inszenierung.
Matthias Reis: Aber das ist auch okay so. Ich mach's halt nicht.
Matthias Reis: Die Leute wollen das auch manchmal hören, dann ist das auch in Ordnung.
Matthias Reis: Dann kann ich natürlich auch zu jedem meinen, was sagen, was auch stimmt.
Matthias Reis: Also was man auch könnte dann ganz naturwissenschaftlich, biologisch nachweisen,
Matthias Reis: dass da eine chemische Verbindung drin ist, die erdig schmeckt und die auch in der Erde drin ist.
Matthias Reis: Also erdig ist jetzt nicht so toll, finde ich. Also mag ich jetzt nicht so beim Wein.
Matthias Reis: Aber das gibt es natürlich auch. Also man kann da auch bei gewissen Rebsorten
Matthias Reis: ein paar Joker ziehen oder auch, dann gebe ich den Leuten auch immer ein bisschen Angeberwissen mit.
Matthias Reis: Wenn es zum Beispiel um die Champagne geht, dann kann man sich da auch in eine
Matthias Reis: Runde stellen und trinkt den Champagner und sagt, der ist bestimmt auf dem Kalkboden gewachsen.
Matthias Reis: Und wenn da nicht unbedingt ein studierter Önologe dabei ist,
Matthias Reis: dann werden die erstmal alle beeindruckt sein. Oh, hat der das geschmeckt?
Simi Will: Önologe war nochmal alles, was im Keller passiert.
Matthias Reis: Genau, genau. Aber die Champagne, da gibt es nichts anderes außer Kalkboden.
Matthias Reis: Deswegen kann man damit dann aber schon mal glänzen und kann das mal so raushauen.
Matthias Reis: Das gehört auch zum Wein schon ein bisschen dazu, dass man darüber spricht.
Matthias Reis: Aber wenn ich jetzt so eine größere Runde habe, weiß ich ja nicht,
Matthias Reis: wie gut die sich auskennen. und dann will ich dann mit sowas,
Matthias Reis: dann sollen die, das erste ist die Geschmackssache.
Matthias Reis: Deswegen habe ich auch sehr viele, sehr viele saarländische Kunden,
Matthias Reis: die dann auch tatsächlich ein bisschen französisch geprägt sind,
Matthias Reis: habe ich den Eindruck, weil die wissen auch, die legen Wert darauf, was schmeckt mir.
Matthias Reis: Und das kann der Schwenker mit dem Urpilz sein, aber das darf auch was Feineres
Matthias Reis: zum Essen sein mit einem guten Glas Wein.
Matthias Reis: Das soll denen schmecken. Und dann ist denen egal, ob da Reis Oberbillig draufsteht
Matthias Reis: oder Chateau Le Gay, oder?
Matthias Reis: Oder Rotschild. Gut, das waren wahrscheinlich Rotweine, das könnte man dann ans Menü anpassen.
Matthias Reis: Aber das ist dann auch die angenehmste Klientel. Die trinken und sagen… Klientel.
Simi Will: Wohin verkaufst du Wein? Nur in der Region oder hast du auch Kunden in Köln
Simi Will: oder in Bonn oder in Luxemburg oder so?
Matthias Reis: Also schon überwiegend an Privatkunden. Es gibt ein paar wenige,
Matthias Reis: ich muss überlegen, gibt es überhaupt noch Restaurants.
Matthias Reis: Ich habe jetzt in Köln zwei Bars, die auf mich aufmerksam wurden,
Matthias Reis: die kleinere Mengen bekommen.
Matthias Reis: Sonst sind es überwiegend Privatkunden, aber schon deutschlandweit verteilt.
Matthias Reis: Ja, aber ich würde sagen, mindestens 50 Prozent gehen über die Grenze ins Saarland, tatsächlich.
Simi Will: Die Saarländer.
Matthias Reis: Das ist auch sehr angenehm, weil, wie gesagt, die sind dann auch treu,
Matthias Reis: die trinken gerne, die trinken überwiegend gerne Burgunder, also Weißburgunder,
Matthias Reis: Grauburgunder, Spätburgunder, Rosé.
Matthias Reis: Sind auch nicht so die Riesling-Fans unbedingt, aber das ist eine angenehme
Matthias Reis: Klientel, weil die, das sage ich denen dann auch immer, das hört sich dann auch
Matthias Reis: immer so eingeschleimt an, aber es ist einfach so. Das schmeckt mir und dann bleibe ich dabei.
Matthias Reis: Dann muss da kein Name draufstehen. Dann muss ich nicht mit dem Wein angeben
Matthias Reis: können bei meinen Kumpels hier.
Matthias Reis: Wein XY und Schatoulle Gay. Ich reite jetzt mal da drauf ein bisschen rum. Ja, ja, klar.
Matthias Reis: Weil am Ende, also am Ende oder am Anfang muss der, und so erzähle ich den Leuten
Matthias Reis: das auch immer, das haben wir bei Sensorik auch gelernt, man probiert den Wein mit allen Sinnen.
Matthias Reis: Man schenkt ihn ein, man guckt ihn sich erstmal an, was hat er für eine schöne
Matthias Reis: Farbe, dann schwenkt man ihn schön im Glas, dann riecht man dran,
Matthias Reis: dann probiert man und dann fällt man erstmal sein, ein ganz persönliches Urteil.
Matthias Reis: Dann kann man anfangen darüber zu reden. Wie sieht er aus?
Matthias Reis: Wie riecht er? Und wie schmeckt der? Und dann kommt es auch darauf an,
Matthias Reis: in welcher Situation bist du.
Matthias Reis: Es kommt darauf an, was hast du vorher getrunken? Kommt darauf an,
Matthias Reis: was trinkst du überhaupt selber gerne?
Matthias Reis: Also ganz subjektiv. Und wenn der eine sagt, oh nee, der schmeckt mir nicht.
Matthias Reis: Oder wenn der eine sagt, oh der ist mir jetzt zu gelb.
Matthias Reis: Okay, wenn er den Wein nicht trinken will, weil er ihm zu gelb ist,
Matthias Reis: dann ist das okay. So vollkommen okay.
Matthias Reis: Und zwar auch manchmal schwer nachzuvollziehen, aber das ist ja dann mein Problem. Und von daher...
Matthias Reis: Der Geschmack spielt.
Simi Will: Ja, aber es ist glaube ich auch eine Sache, dass du einfach weißt,
Simi Will: dass dein Produkt das ist, was es ist. Ja.
Simi Will: Und das merkt man bei dir einfach.
Matthias Reis: Ja.
Simi Will: Also kein T-T-T, kein Fölefanz, kein Schnickschnack, aber irgendwie auch mehr
Simi Will: als nur traditionell ausgebaut.
Matthias Reis: Ja, ja, ja. Ja, absolut. Also wie gesagt, die Tradition spielt auch schon immer eine Rolle.
Simi Will: Jetzt habe ich mir gerade innerlich selbst applaudiert, dass mir das eingefallen
Simi Will: ist mit diesem traditionell ausgebaut. Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was das heißt.
Matthias Reis: Ja, das kann man so oder so interpretieren.
Matthias Reis: Ja, Tradition spielt natürlich beim Weinbau auch immer eine Rolle.
Matthias Reis: Ich meine, wir kommen von der Mosel, da gibt es die Weinbau-Tradition schon immer.
Matthias Reis: Das ist auch ein Fund. Seit den Römern. Seit den Römern.
Matthias Reis: Die kommen halt aus Italien. Da war es warm.
Matthias Reis: Warm und Sonne braucht der Wein immer überall. Du kannst überall Wein anpflanzen,
Matthias Reis: wo die Sonne scheint und es warm genug ist. Da ist der Boden egal und es kann auch viel regnen.
Matthias Reis: Das ist dann auch nicht so dramatisch. Also das ist natürlich nicht so toll,
Matthias Reis: aber Regen brauchen wir auch.
Matthias Reis: Aber du brauchst Sonne. Und die gab es dann hier und die hat auf manche Hänge
Matthias Reis: mehr geschienen als auf andere.
Matthias Reis: Und dementsprechend haben die da halt eben den Wein hingepflanzt. Und, ähm...
Matthias Reis: Das hat dann auch funktioniert und auf der Tradition baut sich das natürlich
Matthias Reis: schon alles auf und die Mosel hatte bis vor den Weltkriegen einen Weltruf,
Matthias Reis: also wie Bordeaux und Burgund, also das war eine Ebene.
Simi Will: Ach ja?
Matthias Reis: Ja.
Simi Will: Ach, das sagte der Bergweiler auch, der kommt ja auch aus dem alten Wein.
Matthias Reis: Genau, da habt ihr auch kurz drüber gesprochen, genau. Und dann kamen die Kriege
Matthias Reis: und da waren wir ja, wir waren dann auch schuld und dementsprechend gab es dann
Matthias Reis: halt auch Probleme mit dem Absatz.
Simi Will: Weil keiner mehr deutschen Wein haben wollte?
Matthias Reis: Genau.
Simi Will: Weil die Deutschen so Arschlocher waren?
Matthias Reis: Genau. Und es gibt halt auch dann, es gab dann halt, oder gab es schon immer
Matthias Reis: Alternativen. Also aus Frankreich, Italien, Spanien.
Matthias Reis: Und wir sind schon eher noch ein kühleres Weinbauland, deswegen klappt das hier
Matthias Reis: mit dem Riesling noch so gut.
Matthias Reis: Und ja, dann kamen 50er, 60er, 70er, dann ging es dann mehr um Masse statt Klasse.
Matthias Reis: Dann kam der Glykols-Skandal und erst so ab Mitte, Ende der 90er ging es dann
Matthias Reis: langsam wieder aufwärts mit dem Ruf.
Matthias Reis: Und Mosel und Riesling, das gehört schon zusammen. Das Klima passt noch.
Matthias Reis: Also der Riesling funktioniert hier noch gut. Und überall, wo du hinkommst,
Matthias Reis: ich war mit Jule mal in Kanada und an der Ostküste von den USA in Urlaub.
Matthias Reis: Und dann waren wir auch in Ontario in einem Weingut.
Matthias Reis: Die waren da so versprenkelt und die haben erst Weinbaubetrieben seit 1999, 2000.
Matthias Reis: Dann kamen wir ins Gespräch und es hat sich rausgelegt, ich bin auch Winzer.
Matthias Reis: Und dann war er ganz stolz, weil er auch ein Riesling hatte.
Matthias Reis: Also wenn du dann sagst, ich bin Winzer von der Mosel und triffst einen Kollegen
Matthias Reis: irgendwo auf der Welt, das bringt dich dann schon weiter, sage ich mal.
Matthias Reis: Also die Tradition, dass wir von der Mosel kommen und ein altes Weinanbaugebiet
Matthias Reis: und die Römer waren hier, das ist schon auch ein wichtiges Pfund.
Matthias Reis: Und das ist dann auch wichtig,
Matthias Reis: um uns halt auch ein bisschen abzuheben von anderen Weinbauregionen.
Matthias Reis: Also in Frankreich würde jetzt niemand versuchen, abgesehen vom Elsass,
Matthias Reis: einen Riesling zu produzieren. In den meisten Gegenden ist es zu warm und das
Matthias Reis: brauchen die auch nicht.
Matthias Reis: Die haben ihre Spezialitäten und wir haben aber den Riesling,
Matthias Reis: der funktioniert an der Mosel so, das kriegst du nirgendwo anders hin.
Matthias Reis: Weil das Zusammenspiel von Wetter, Boden, also Klima und Boden und die Lagen,
Matthias Reis: das macht halt den Wein aus. Das fasst man mittlerweile unter Terroir zusammen.
Matthias Reis: Das ist auch so ein, ja es ist kein Modewort. Da gehört aber auch zu Terroir,
Matthias Reis: gehört auch dazu, wie arbeitet der Winzer.
Matthias Reis: Und da arbeiten auch die Winzer hier in der Mosel, jeder anders.
Simi Will: Ah, ich wollte noch, was ich ja immer mache und meistens aber vergesse, Literaturtipps.
Simi Will: Weil dann denken die Leute immer, ich bin schlau. Sollen sie auch denken.
Simi Will: So und zwar, Moment, jetzt greibe ich immer nach unten.
Simi Will: Habe ich heute natürlich aus aktuellem Anlass meine Jean-Asselborn-Biografien dabei.
Simi Will: Es gibt einmal das Merde-Alors. Da gibt es eine Geschichte zu,
Simi Will: die man hört, wenn man den Podcast mit ihm die Folge anhört.
Simi Will: Ich bin total überzeugt von Jean Asselborn, weil der authentisch ist.
Simi Will: Das Wort authentisch ist so oft missbraucht worden.
Simi Will: Aber der Typ ist einfach, kann sich gar nicht gut darstellen.
Simi Will: Und ist trotzdem in der Politik.
Simi Will: Und das sind für mich immer zwei Dinge, die sind so unvereinbar, dass es super toll ist.
Simi Will: Und ich erlebe den auch wirklich als ganz, ganz ehrlich und jemand,
Simi Will: der ein ganz großer Demokrat ist und Europa hochhält. Ja, absolut.
Simi Will: Und genau, und das aktuelle Buch von Michael Merten, ganz schön geschrieben.
Simi Will: Die Tour seines Lebens. Und da fährt Jean Asselborn jedes Jahr auf diesen Mont
Simi Will: Ventoux. Du weißt, wie der heißt.
Matthias Reis: Ja, ja, ja. In der Provence.
Simi Will: In der Provence.
Matthias Reis: Das Dach der Provence, glaube ich, so nennt man ihn. Das ist schon noch ein
Matthias Reis: Ausläufer von den Alpen, aber durch die Tour de France.
Simi Will: Ah, okay, genau. Und da fährt er jedes Jahr hin mit seinem Rennrad.
Simi Will: Und das sind irgendwie 10.000 Kilometer oder 1.000, je nachdem, ich weiß nicht.
Simi Will: Das ist wie mit den Billionen und Millionen.
Simi Will: Und genau, und da wird er begleitet eben von dem Michael Merten,
Simi Will: der auch selbst Rennsportfreak ist und das Schöne ist, man kommt Jean Asselborn total nah.
Simi Will: Der nimmt dich halt wirklich mit auf diese Roadtour und auch Jean Asselborn,
Simi Will: dies passt nicht, jenes passt nicht.
Simi Will: Aber immer mit einem wirklichen Blick, man mag ihn einfach.
Simi Will: Und so ist er auch. Also ich habe jetzt Jean wirklich kennengelernt.
Simi Will: Und wir schreiben uns auch immer noch E-Mails. Madame Simi bin ich jetzt.
Simi Will: Und er ist Monsieur Jean.
Simi Will: Und das Buch kann ich wirklich empfehlen. Michael Merten ist ein Trierer,
Simi Will: der das Buch geschrieben hat.
Simi Will: Und er arbeitet, glaube ich, als Journalist auch beim Luxemburger Wort.
Simi Will: Und das kann man wirklich so wegschlabbern am gemütlichen Herbsttag.
Matthias Reis: Ja, sehr gut.
Simi Will: Welche Biografie, du bist auch ein Biografieleser, hast du?
Matthias Reis: Ja, ja.
Simi Will: Was kannst du da empfehlen?
Matthias Reis: Ich weiß gar nicht, wann ich die letzte gelesen habe. Also es sind sehr viele Sportler-Biografien.
Matthias Reis: Also welche ich immer empfehlen kann, ist die von Andrew Agassi.
Matthias Reis: Ach ja? Ehemann von Steffi Krav.
Simi Will: Den siehst du auch ähnlich? Oh, danke.
Matthias Reis: Nehme ich als Kompliment. Dann kann ich mir vielleicht doch seine Frisur mal
Matthias Reis: irgendwann zulegen, wenn es nicht mehr anders geht.
Matthias Reis: Ja, also die ist aber auch schon relativ alt, aber die ist sehr interessant,
Matthias Reis: weil er wurde von seinem Vater im Grunde genommen getrieben, Tennis zu spielen.
Matthias Reis: Er hat Tennis gehasst. Boris Becker übrigens auch.
Matthias Reis: Also nicht Boris Becker hat Tennis gehasst, sondern Agassi Becker.
Matthias Reis: Jetzt nicht mehr, sind Fein miteinander, aber als Gegner war das nichts.
Matthias Reis: Und das war, weil ich allerdings auch ein großer Tennis-Fan bin,
Matthias Reis: war das sehr unterhaltsam und wie er dann mit Steffi zusammen kam,
Matthias Reis: bei der es ja ähnlich war, gibt es da die Szene, wie die beiden miteinander
Matthias Reis: Tennis spielen und beide Väter haben noch gelebt.
Matthias Reis: Ich weiß nicht, ob Agassys Vater noch lebt, ist ja auch egal.
Matthias Reis: Und da haben sich die beiden Väter in die Haare bekommen, weil sie beide das
Matthias Reis: jeweils andere Kind verbessern wollten.
Matthias Reis: Spiel du so, spiel du wie André und spiel du wie Steffi.
Matthias Reis: Und dann haben die zwei gesagt, sag mal, und das fand ich sehr witzig,
Matthias Reis: Ja, die Elton John-Autobiografie ist auch schon ein bisschen älter, auch schon verfilmt.
Matthias Reis: Sehr unterhaltsam. Also die neue Jean-Asselborn-Biografie, die war jetzt in
Matthias Reis: Luxemburg auf dem Flughafen ausverkauft.
Matthias Reis: Ich war jetzt vor kurzem noch, bin den Mädels nachgeflogen nach Mallorca,
Matthias Reis: sonst hätte ich mir sie gekauft.
Matthias Reis: Weil ich finde an ihm immer sehr angenehm. Das liegt aber auch daran,
Matthias Reis: dass ich hier aus der Region bin.
Matthias Reis: Wenn ich einen Luxemburger Politiker sprechen höre im Fernsehen, dann ist das immer so.
Matthias Reis: Hört sich so ein bisschen nach zu Hause an. Und man denkt, ja.
Matthias Reis: Er kommt ja eigentlich immer im Kontext drüber, wenn es um wichtige europäische
Matthias Reis: Themen geht und er bringt die so wunderbar auf den Punkt und mit seinem Luxemburger
Matthias Reis: Slang, mit dem wir alle was anfangen können, würde mich mal interessieren,
Matthias Reis: wie das Leute aus, keine Ahnung, Göttingen aufnehmen,
Matthias Reis: die die Sprache nicht kennen, aber so wir finden, also so ist das bei mir auf jeden Fall,
Matthias Reis: den Luxemburger Einschlag ist immer, der ist immer schön.
Matthias Reis: Also anders als zum Beispiel manchmal unser moselfränkischer Einschlag,
Matthias Reis: der ist ja ein bisschen hart und garten und macht ihn.
Simi Will: Aber man hört bei dir gar kein Dialekt?
Matthias Reis: Ja, weil ich mich jetzt anstrenge.
Simi Will: Ah, okay.
Matthias Reis: Das habe ich im Ruhrgebiet, konnte ich das auch, also das feine CH.
Simi Will: Ja.
Matthias Reis: Aber ich kann jetzt auch kein richtiges Riola Platt, da kann ich mal eine Phrase
Matthias Reis: sagen, aber so fließend sprechen.
Simi Will: Sag mal was auf Riola Platt?
Matthias Reis: Hat er nicht dabei die letzten Stunden hier für Quatsch geredet.
Matthias Reis: Und das war schon ein bisschen gestreift.
Matthias Reis: Das ist schon Hochdeutsch. Ja, das war schon Hochdeutsch, hat man verstanden.
Simi Will: Weil richtig Riola Platz, also ich kann es auch nicht, weil wir ja auch nie
Simi Will: Platz, also die Mama hat immer, wenn sie geschimpft hat, das macht sie heute
Simi Will: noch so, oh, das ist lauter nächst, lauter nächst, dem Ast nächst bedient, irgendwie so ähnlich.
Simi Will: Und ich mache das jetzt wirklich nur nach. Ich kann auch nur,
Simi Will: ich kann das nicht wirklich.
Matthias Reis: Ja, ja, nee, ich auch nicht. Also das ist eigentlich schade.
Matthias Reis: Meine Eltern reden auch in der Regel platt miteinander, aber haben das nicht mit uns gemacht.
Matthias Reis: Bei Jule, die kommt ja aus der Pfalz, da ist das anders.
Matthias Reis: Da wird noch mehr, sie kann auch switchen, wunderbar.
Matthias Reis: Aber da, das ist mir dann zum Beispiel aufgefallen, habe ich mal ihre Abi-Zeitung
Matthias Reis: gelesen und die Abi-Zeitung war in Pfälzig geschrieben, komplett.
Matthias Reis: Weil auch anscheinend alle Lehrer aus der Pfalz waren. Und ich weiß noch,
Matthias Reis: bei uns in der Grundschule hat uns die Lehrerin damals, die aus Trier war, ermahnt.
Matthias Reis: Wenn mein Kumpel gesagt hat, was habe ich denn heute für Aufgaben auf?
Simi Will: Für Aufgaben auf.
Matthias Reis: Ja, also da wurden wir schon ermahnt. Ja, von daher. Und im Ruhrgebiet habe
Matthias Reis: ich mich da einmal verraten, da hat jemand was aus der Spülmaschine genommen, nicht geholt.
Matthias Reis: Und hat gefragt, wem gehört denn hier die Schüssel? Wem ist denn hier die Schüssel,
Matthias Reis: würde man ja hier fragen. Und dann habe ich gesagt, die ist mir.
Matthias Reis: Und dann haben alle Ruhrgebietler, die aus dem ganzen Ruhrgebiet waren,
Matthias Reis: Dortmund, Oberhausen, sonst was.
Matthias Reis: Da war es ruhig in der Küche. Wie? Die ist mir. Weißt du nicht, wie es richtig heißt?
Simi Will: Das ist meine.
Matthias Reis: Genau, das ist meine.
Simi Will: Die ist mir.
Matthias Reis: Musste ich auch überlegen.
Simi Will: Ja, natürlich, ist ja auch falsch.
Matthias Reis: Ja, natürlich, ist falsch.
Simi Will: Und ich habe fünf Kilo abgeholt.
Matthias Reis: Stimmt leider, leider auch nicht. Das habe ich denen dann erzählt.
Matthias Reis: Ja, wir sprechen auch so. Wir sagen auch, da habe ich genau das Beispiel gebracht.
Matthias Reis: Ich habe fünf Kilo abgeholt.
Matthias Reis: Dann fallen die aus allen Wolken, die Leute aus dem Rest von Deutschland.
Simi Will: Ja, weil es einfach falsch ist. Ja, natürlich.
Matthias Reis: Es ist einfach richtig falsch, ja. Und Kirsche. Kirsche und Kirsche.
Simi Will: Genau.
Matthias Reis: Schwarzwälder Kirsche und Paulinkirsche.
Simi Will: Die Trierer gehen, nee, die Riola gehen oder die Trierer, die Mosel-Leute gehen in die Kirsche
Simi Will: beten.
Matthias Reis: Genau. Und essen die Kirsche.
Simi Will: Wir auch. Egal. Und können CH und SCH nicht unterscheiden, auf jeden Fall.
Simi Will: Und wenn jemand Hochdeutsch reden will, sagt er immer, Moment. Tisch.
Simi Will: Ja, genau. Den Tisch könnte ich schon mal decken.
Simi Will: Aber warte, ich hole, nee, ich nehme, ich weiß, egal, Trierisch Four Runways.
Simi Will: Da gibt es ja auch Fischer Smartes und was es da alles gibt.
Simi Will: Aber Trierisch finde ich noch hässlicher als Muselfränkisch.
Matthias Reis: Ist aber auch oft schön und wird ja im Westen auch anders gesprochen als in
Matthias Reis: Kürens. Das ist ja auch nochmal alles anders.
Matthias Reis: Ein Fest wahrscheinlich für Linguisten und Logopäden, wie da die Laute geformt werden.
Matthias Reis: Ist auch schön, wenn man es früher in Talkshows gehört hat, dann war es dann
Matthias Reis: immer ein bisschen befremdlich und zum Fremdschämen. Aber wenn man es hier dann
Matthias Reis: so hört, dann ist es okay.
Simi Will: Ja, gut, stimmt.
Matthias Reis: Aber wenn man woanders ist, finde ich auch immer ganz angenehm,
Matthias Reis: wenn jemand so spricht und du merkst, okay, der kommt jetzt hier aus dem Umkreis von 30 Kilometern.
Matthias Reis: Dann hat man schon mal eine gewisse Ebene. Stimmt.
Simi Will: Ich habe auch in Berlin immer gehört, auch wenn die Leute kein Platt geredet
Simi Will: haben oder so, wenn die aus unserer Region kamen, immer.
Simi Will: Da habe ich gesagt, entweder ich dachte, ich kenne die Person.
Simi Will: Weil ich am Anfang ja gedacht habe, ich bin so weit von Trier weg.
Simi Will: Und ich habe auch immer beschrieben, woher kommst du? Ja, ich komme aus Südwestdeutschland.
Simi Will: Weil ich dachte, keiner kennt Trier. Was überhaupt nicht stimmt,
Simi Will: weil die Ossis katten Trier immer wegen Karl Marx und die Wessis katten Trier
Simi Will: immer wegen der Plata Nigra und der Klassenfahrt.
Matthias Reis: Ja, also es gab mal eine Bitburger Werbung, da hat auch jemand aus dem Familienumkreis
Matthias Reis: wohl die Werbung gesprochen.
Simi Will: Also Bitburger Bier.
Matthias Reis: Bitburger Bier und der hat in der Werbung gesagt irgendwas bla bla bla und dann
Matthias Reis: zeigt sich, dass sich das Wachten gelohnt hat.
Matthias Reis: Sonst war alles wunderbar.
Simi Will: Ein tolles Bierchen, da hat sich das Wachten gelohnt.
Matthias Reis: Und das merkt man halt jetzt auch bei den Kindern, weil die sagen halt auch Kindergarten.
Matthias Reis: Jude sagt nicht Kindergarten. Also Jude ist auch schon ein bisschen eingefärbt,
Matthias Reis: aber ja, das ist schon ganz schön.
Matthias Reis: Und so lernen die ja auch, die lernen ja jetzt lautgetreu schreiben,
Matthias Reis: das heißt die schreiben die Worte so, wie sie sie hören.
Matthias Reis: Und dann schreiben die das auch eher mit CH, also wie Porta.
Matthias Reis: Da machen sich die Leute ja auch immer drüber lustig, wenn sie das irgendwo lesen.
Matthias Reis: Porta Nigra und jeder Träger sagt ja Porta oder Palastgarten.
Matthias Reis: Letztens habe ich mal gesagt Palastgarten, so müsste es ja eigentlich richtig heißen.
Matthias Reis: Palastgarten, ja. Aber niemand sagt ja, in Trier sagt ja niemand Palastgarten.
Simi Will: Nee, ist der Palastgarten. Palastgarten.
Matthias Reis: Aber das ist schön, also das soll man auch erhalten.
Simi Will: Ja, finde ich auch. Also Dialekte großartig eigentlich.
Simi Will: Ich mag ja auch alle Dialekte, nur den eigenen mag ich nicht so richtig.
Matthias Reis: Ja, ja, ja, richtig. Ist komisch.
Simi Will: Aber ja.
Simi Will: Es gibt bestimmt noch tausend Sachen, die wir jetzt bequetschen können.
Simi Will: Irgendwie müssen wir jetzt zum Ende kommen. Das tut mir total leid.
Simi Will: Aber vielleicht kommst du ja auch nochmal wieder.
Simi Will: Ich habe das Gefühl, es kommen sowieso ganz viele irgendwann nochmal wieder ins Dazwischen.
Simi Will: Ich wünsche mir, dass ganz viele Menschen den Bio-Wein aus Riol an der Mosel
Simi Will: von dem fantastisch super sweeten, netten,
Simi Will: schlauen und gut aussehenden Jule, du magst es mir verzeihen,
Simi Will: Weingut, Reis oberbillig.
Simi Will: So, kaufen, trinken.
Matthias Reis: Ja, gerne. Gerne vorbeikommen, Mail schreiben, anrufen. In der Bahnhofstraße, 26.
Simi Will: Ich wünsche dir jetzt schon mal einen schönen Abend. Grüß deine Familie,
Simi Will: deine wunderbaren Mädchen und deine tolle Frau.
Matthias Reis: Ja, richtig aus. Schöne Grüße auch an dich von Jule.
Simi Will: Dankeschön. Und wir sehen uns ja sowieso wieder.
Matthias Reis: Genau.
Simi Will: Genau. Auf der Straße.
Matthias Reis: So ist es. In Riol.
Simi Will: Genau. Und nochmal zusammenfassend, was hatten wir für Bandnamen?
Matthias Reis: Mad Z und Dave. Dreimann-Kombo für die 40. Geburtstage, bald 50. Geburtstage.
Matthias Reis: Kommando, Ramones Cover, Judo-Boy, Punkrock.
Simi Will: So, hört, hört. Ja, das war wieder mal eine Folge dazwischen.
Simi Will: Diesmal mit dem Bio-Witzer. den besten Bio-Winzer aus Rirol an der Mosel.
Simi Will: Metti Reis aus dem Hause Reis Oberwillig.
Matthias Reis: Vielen Dank, Simi.
Simi Will: Sehr gerne. Danke, dass du Zeit hattest.
Matthias Reis: Sehr gerne. Jederzeit wieder.
Simi Will: Es ist Zeit, Danke zu sagen. Ich bedanke mich bei allen UnterstützerInnen,
Simi Will: die mit ihren monatlichen Beiträgen auf Steady diesen Podcast möglich machen.
Simi Will: Einen extra großen Dank geht dabei an Steffi Willkomm und meine liebe Freundin
Simi Will: Malu Dreyer, aber auch die Tanja, Tanja Kribel, die mich sowieso immer und überall unterstützt.
Simi Will: Ein riesengroßes Dankeschön geht auch an den fantastischen Alexander Bergweiler.
Simi Will: Alexander, du bist der Beste.
Simi Will: Ein ganz besonderes Dankeschön geht natürlich an niemand Geringeren als Stephanie
Simi Will: Stahl und den tollen Holger Sorg.
Simi Will: Die beiden, ohne die dieser Podcast so nicht möglich wäre.
Simi Will: Danke Steffi, danke Holger.
Simi Will: Ihr seid die Besten.
Simi Will: Merci beaucoup.
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