Dazwischen mit Sascha Ley - Teil 2
Shownotes
Teil 2 geht tiefer. Weniger Biografie. Mehr Praxis.
Sascha Ley spricht über Stimme als Werkzeug und Risiko, über Bühne als Ort der Konzentration und über das Arbeiten jenseits von festen Formen. Nicht Theater oder Musik – sondern dazwischen. Nicht Kontrolle, sondern Aufmerksamkeit.
Es geht um:
Stimme als körperliche Erfahrung
Performance ohne Schutzmechanismen
Kunst als Prozess, nicht als Produkt
Präsenz statt Repräsentation
das Aushalten von Offenheit
Kein Abschluss. Keine Antwort. Nur die Entscheidung, weiterzugehen.
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Simi Will: Hallo, liebe Dazwischenhörende. Jetzt geht's weiter mit Teil 2 der Folge mit
Simi Will: Sascha Lay, unsere Freundin aus Luxemburg, die Allround-Künstlerin, Musikerin, Tänzerin,
Simi Will: Sprechakrobatin und whatever.
Simi Will: Wir sprechen über die 80er, wir sprechen über große Lieben, Nichtlieben,
Simi Will: wir sprechen über Kommunikation, über Tanz, über Musik, Geräusche und hört selbst.
Simi Will: Viel Spaß mit der 2. Folge Sascha Lay.
Simi Will: Immer und überall hörbar. Dazwischen mit Simi Will.
Sascha Ley: Kürzlich hatte ich eine szenische Lesung mit einem Text von Guy Revenich,
Sascha Ley: das ist auch ein Urgestein, ganz toller Schriftsteller, der schreibt auch viel auf Deutsch übrigens,
Sascha Ley: Romane, hat auch viele Theaterstücke, auf Luxemburg ich zwar dann geschrieben und auch Kinderbücher.
Sascha Ley: Intellektueller Mann, sehr humorvoll, auch sehr frech. Er lebt noch.
Sascha Ley: Und das hier sind neue Texte. Das ist ein Buch, das jetzt mit so Kurzgeschichten
Sascha Ley: und Monologen veröffentlicht wurde vor zwei Monaten. Wie heißt der nochmal?
Simi Will: Guy Revenich.
Sascha Ley: Ich mache ja dann auch oft so verschiedene Sachen und es ist ja nicht so,
Sascha Ley: dass ich jetzt ständig Theater spiele.
Sascha Ley: Es ist mal das und dann wieder Musik, mal hier wieder Konzerte oder Oder Film
Sascha Ley: war jetzt auch schön, jetzt kam wieder, wie hast du das vorhin gesagt,
Sascha Ley: in der Post, wenn du anfängst,
Sascha Ley: kommen die interessanten Rollen jetzt wieder, die auch jenseits von Mutterrollen sind.
Sascha Ley: Das sind jetzt teilweise in größeren Filmen.
Sascha Ley: Zum Beispiel. Ich hatte jetzt in Winter of the Crow, hatten wir Premiere in Toronto.
Simi Will: Oh, da warst du in Toronto.
Sascha Ley: Ja. Toll, oder? Wurde ich eingeladen, das fand ich...
Simi Will: Zur Filmpremiere. Zur Filmpremiere.
Sascha Ley: Und das ist eine luxemburgisch-englisch-polnische Koproduktion.
Sascha Ley: Das ist die Kasia Adamik.
Simi Will: Kasia Adamik.
Sascha Ley: Ja, Regisseurin, tolle Frau auch. Ich liebe sie wirklich so viel Energie.
Sascha Ley: Das ist die Tochter von der Agnieszka Holland-Politik.
Sascha Ley: Auch polnische, die große polnische Regisseurin. Und,
Sascha Ley: ja, das war über diese Co-Produktion mit Luxemburg gekommen und das ging ganz
Sascha Ley: schnell eigentlich auch mit Casting, also das wurde nicht groß rumgecastet.
Sascha Ley: Also sie meinte, ja, ja, super.
Sascha Ley: Und dann haben wir uns gut, toll verstanden und die Leslie Manville,
Sascha Ley: die spielte die Hauptfigur in dem Film.
Sascha Ley: Die hat, Leslie Manville, hast du sicher schon gesehen, Die hat jetzt in den
Sascha Ley: letzten, würde ich mal sagen, acht oder zehn Jahren wieder so aufgenommen.
Sascha Ley: Die geht jetzt auf die 70 zu, glaube ich.
Sascha Ley: Ja, und das ist ganz tolle. Die hat in dieser Serie die Prinzessin Anne, die Schwester.
Sascha Ley: Ist das Anne oder Margaret? Ich habe es nie gesehen.
Simi Will: Also hat eine Hauptrolle.
Sascha Ley: Ja, und spielt die Schwester. Ja, und ich meine, ich habe es jetzt in ganz vielen Filmen schon gesehen.
Sascha Ley: Und das hier ist halt eine tolle Geschichte, spielt 81 in Warschau,
Sascha Ley: Kriegsrecht, als Jaroselski das Kriegsrecht ausspricht und eine Psychologie,
Sascha Ley: also sie ist Psychologin und unterrichtet aber auch und soll dort ein paar Reden
Sascha Ley: halten an der Uni und die sich dann da verliert.
Sascha Ley: Die nicht weiß, was ist hier los. Und ich will jetzt auch nichts spoilern.
Sascha Ley: Also der Film kommt nächstes Jahr ins Kino.
Simi Will: Der Film heißt, sag es nochmal.
Sascha Ley: Winter of the Crow. Der Winter der Krähe. So wurde der Geheimdienst genannt dort. Die Krähen.
Sascha Ley: Die Milizia. Und ich spiele da eine Agentin.
Sascha Ley: Ja toll. Und das war auch toll. Ja, auch bis so 80er Jahre. und nicht richtig
Sascha Ley: Kostümfilmen, aber schon ein bisschen.
Sascha Ley: Und dann auch noch Polnisch. Also wir mussten schon lachen, als bei der ersten
Sascha Ley: Probe in der Maske, ich hatte die Haare noch kürzer und dann ja,
Sascha Ley: dann müssen wir, wir machen dir, ist das okay, wenn man dir so ganz kleine Löckchen,
Sascha Ley: weil das war damals so Mode.
Simi Will: So Mini-Please.
Sascha Ley: Ja, ganz furchtbar. Liebe Zeit.
Simi Will: Und das hat man dir dann gemacht?
Sascha Ley: Ja. Und dann hatte ich halt letztes Jahr auch, der Film hatte jetzt Premiere in Montreal.
Sascha Ley: Aber da bin ich jetzt nicht hingereist. Ich kann ja nicht dauernd.
Sascha Ley: Die können das ja nicht dauernd bezahlen. Hätte ja auch nicht hingekonnt.
Sascha Ley: Und hat einen Preis bekommen. Der ist gestern.
Simi Will: In Montreal.
Sascha Ley: Ja, auf dem Cinemania. Das ist das Festival für den französischsprachigen kanadischen Film.
Sascha Ley: Und das ist auch ein sehr schöner Film.
Sascha Ley: On sera heureux, der wurde auf Französisch gedreht, wir werden glücklich sein.
Sascha Ley: Das ist die Geschichte von zwei Flüchtlingen, einer aus Marokko und der andere aus dem Iran.
Sascha Ley: Beide homosexuell, die sich während ihrer Flucht nach Kanada,
Sascha Ley: die in Montreal landen, kennenlernen.
Sascha Ley: Und der eine schafft es noch, so halb legal auch Jobs zu haben und so.
Sascha Ley: Aber sein Geliebter aus dem Iran, der muss sich verstecken, der ist also völlig illegal dort.
Sascha Ley: Und dann ist das halt diese ganze Geschichte, wie er da versucht,
Sascha Ley: seinen Freund zu retten.
Sascha Ley: Und da habe ich ja nicht die Ministerin für Immigration gespielt,
Sascha Ley: die kanadische Ministerin für Immigration. Okay.
Sascha Ley: Ich habe aber noch nichts gesehen vom Film.
Sascha Ley: Womit ich die meiste Zeit,
Sascha Ley: das meiste Geld verdient hat, war schon das Schauspiel. Ich muss da sagen,
Sascha Ley: natürlich in Berlin hast du ja auch eine größere freie Szene für die Musik, was die Musik angeht.
Simi Will: Aber in Berlin ist es schwerer davon zu leben, weil du keine Gagen kriegst, das ist ja nichts.
Sascha Ley: Und das war immer der Grund, weshalb ich nicht nach Berlin gezogen bin,
Sascha Ley: weil ich dachte, ich komme lieber nach Berlin und kann dann dort mal sein und kann mir das,
Sascha Ley: leisten, als in Berlin zu leben und dauernd draußen arbeiten zu müssen,
Sascha Ley: weil ich in Berlin nicht bezahlt werde.
Sascha Ley: Das ist doof. Also in Berlin mit Schauspielgeld zu verdienen,
Sascha Ley: das ist eine Utopie quasi.
Simi Will: Es sei denn, du bist in festen Ensembl, da hast du ein Stück oder Verträge,
Simi Will: aber dann bist du auch nicht reich.
Sascha Ley: Das ist einfach so. Ja, und weißt du, in dem Sinn,
Sascha Ley: ich wusste von Anfang an, es war mir von Anfang an bewusst, erst bevor ich überhaupt
Sascha Ley: angefangen hatte, beruflich in all diese Berufe einzusteigen,
Sascha Ley: dass immer das Risiko da ist, wenig Geld zu haben.
Sascha Ley: Und ich dachte, wenn es so ist, dass gar keins da ist, dann sollte kein Zacken
Sascha Ley: aus der Krone brechen, einfach einen Brotjob zu nehmen.
Sascha Ley: Oder einfach so einen Brotjob, der dir deine Miete zahlt, dass du deine Kunst machen kannst.
Sascha Ley: Irgendwie habe ich gut gelernt, auch zu haushalten. Das ging irgendwie immer.
Sascha Ley: Aber ich darf auch sagen, schon viel gearbeitet.
Sascha Ley: Und heutzutage freue ich mich dann darüber, dass die meisten Projekte,
Sascha Ley: zu denen ich eingeladen werde, echt schön sind, spannend sind.
Sascha Ley: Oder versprechend spannend zu werden.
Sascha Ley: Dass die Leute, dass coole Leute da sind.
Sascha Ley: Also es ist wirklich eigentlich alles immer besser geworden in dem Sinn. Toll.
Sascha Ley: Und das finde ich richtig gut. Und das ist eine große Befriedigung.
Sascha Ley: Und das ist für mich, was jetzt habe ich da, was weiß ich, meine szenische Lesung,
Sascha Ley: eine Barbie-Phone, Baby-Phone, heißt das.
Sascha Ley: Wo ist das? Das war ja im Theater.
Simi Will: Achso, das war das mit dem aufblasbaren Vater.
Sascha Ley: Ja, ja, ja. Und diese, ja. und mit einer Babuschka-Nummer und so weiter, weißt du, Kate Bush.
Sascha Ley: Also wirklich so Reminiszenzen an Power-Musik und Power-Leute.
Sascha Ley: Und jetzt habe ich das, weil normalerweise so Lesungen, die werden nur kurz
Sascha Ley: angesetzt. Ja, meistens nur ein, zwei Mal.
Sascha Ley: Und da habe ich gesagt, es hat mir so viel Befriedigung gegeben,
Sascha Ley: weil ich da einfach kreativ sein konnte. und,
Sascha Ley: diese Kreativität so meine Ideen sprechen lassen konnte und dass sie angekommen
Sascha Ley: sind bei den Leuten. Das fand ich, das ist dann auch...
Simi Will: Wie oft hast du das gemacht?
Sascha Ley: Ich habe das nicht oft gemacht, dreimal. Das wird vielleicht nochmal aufgenommen.
Sascha Ley: Aber es sind, wie gesagt, das ist ja kein Theaterstück. Lesungen werden normalerweise
Sascha Ley: ein, zwei Mal angesetzt und dann ist aus.
Sascha Ley: Mehr ist da nicht. Na toll.
Simi Will: Tatort.
Sascha Ley: Oh Gott.
Simi Will: Nein, ich habe, wie gesagt, mich überfliege und Tatort sehe ich dann immer gleich.
Simi Will: Weil das ist ja sowas wie Tempotaschentuch.
Simi Will: Tatort, deutsches Fernsehen, weißt du so.
Sascha Ley: Ja, ja, auch schon lange her.
Simi Will: Ja, egal. Was war das für ein Tatort? Hast du vergessen.
Sascha Ley: Also das war ein Saarbrücker Tatort, noch mit dem Palü.
Simi Will: Palü, oh Gott, ja. Ja, das muss so einer der letzten... Aber der war relativ beliebt, der Palü.
Sascha Ley: Ja, der war relativ beliebt. Es gibt ja jetzt mittlerweile auch schon viel mehr
Sascha Ley: luxemburgischen Filmen.
Simi Will: Ja, die Vicky, wie heißt sie, die Mädel, die so bekannt geworden ist jetzt auch.
Sascha Ley: Ah ja.
Simi Will: Wie heißt sie denn?
Sascha Ley: Vicky Krebs. Vicky Krebs. Aber die ist ja, sie lebt nicht in Luxemburg.
Simi Will: Nee, in Berlin lebt die jetzt.
Sascha Ley: Ja, und ist ja auch international genau durchgestartet. Also in Luxemburg war
Sascha Ley: es so, dass zuerst mal die Techniker, die technische Seite sich professionalisierte.
Sascha Ley: Professionalisierte, sehr früh und sehr gelobt wurden.
Simi Will: Also die Techniker heißt Beleuchter, Kamerateams.
Sascha Ley: Alle die, die nicht Schauspieler sind. Jetzt mal um es einfach zu sagen und
Sascha Ley: Kamera und Ton und so weiter.
Sascha Ley: Und jetzt mittlerweile ist es auch so, dass...
Sascha Ley: Und sich auch schon vor 20 Jahren einfach mehr damals junge Leute oder vor 20,
Sascha Ley: 15 Jahren entschieden haben, in den Beruf einzusteigen.
Sascha Ley: Also nicht mehr mit, wie es zu unseren Zeiten war, wo ich glaube,
Sascha Ley: egal, wo du warst, wie kannst du das machen?
Sascha Ley: Und wovon lebst du? Ja, ich bin Schauspieler, wovon lebst du?
Sascha Ley: Ich bin Musiker, wovon lebst du? Ja, davon. Ja, aber was machst du? Was arbeitest du denn?
Sascha Ley: Ja, ich arbeite. Das ist heute nicht mehr die Frage und jetzt sind viel mehr
Sascha Ley: auch junge Autoren oder ältere auch natürlich, aber Autoren da,
Sascha Ley: die schreiben, die filmen, die Regie führen, die Kamera machen.
Sascha Ley: Laura Schröder auch. Ja, und es kommt langsam, wirklich gibt es auch so eine Art Luxemburger Film.
Sascha Ley: Da hatte ich auch in einem schönen Film mitgespielt, der, wir haben ja jetzt
Sascha Ley: am Samstag, stimmt, diese Woche Samstag ist ja Filmfest, Luxemburger Filmpreis.
Sascha Ley: Alle zwei Jahre, ja.
Sascha Ley: Und ich hatte einen Film von Eric Lamen über ein Frauenhaus in Luxemburg gespielt.
Sascha Ley: Das hatte vor genau einem Jahr, hatte der Premiere Ordalén, Außer Atem.
Sascha Ley: Ist hauptsächlich auf Französisch, weil das die Realität ist,
Sascha Ley: der Frauenhäuser in Luxemburg.
Sascha Ley: Das ist gemischte Nationen und man einigt sich dann auf Französisch.
Sascha Ley: Ein ganz spannender Film über häusliche Gewalt, aber auch über die psychische Gewalt.
Sascha Ley: Also das, die auch stattfinden kann ohne Schläge, aber zunichte gemacht werden
Sascha Ley: kann. Das war ein ganz spannender Film auch.
Sascha Ley: Und ja, das ist, es passiert viel und ich denke irgendwie….
Sascha Ley: Und mittlerweile, wie soll ich sagen,
Sascha Ley: ich versuche seit dem Lockdown zum Beispiel, da hatte ich mir auch gesagt,
Sascha Ley: verstärkt auf das Schöne gucken.
Sascha Ley: Auf das Gute und das Schöne, weil der Rest passiert eh.
Sascha Ley: Und wenn ich mich jetzt auch noch in diese Spirale setze, ist alles schrecklich
Sascha Ley: und alles scheiße. Nein, ist nicht, ist nicht wahr.
Sascha Ley: Und ich denke selbst, mit all diesen Unwissen,
Sascha Ley: Horror-Politikern. Ich nenne jetzt keine Namen, weil man muss ja auch nicht
Sascha Ley: immer nennen, die sind ja eh dauernd unterwegs in sozialen Medien, man hat es schon genug.
Sascha Ley: Aber selbst da, wo alles schon umt, ja die Welt geht jetzt unter und so und denke ich,
Sascha Ley: na guck, wenn jetzt wirklich die Menschen alle so schrecklich wären,
Sascha Ley: dann hätten wir hier schon längst Mord und Totschlag und Bomben in den Straßen und so und alle sind,
Sascha Ley: guck wir laufen, wir sind hier noch relativ, wir sind doch friedlich.
Sascha Ley: Die meisten Menschen sind. Es gibt doch immer die Gegenbewegung zu dem.
Simi Will: Das gibt es auch. Es gibt nicht nur das Schreckliche.
Sascha Ley: Und wenn man guckt, dort wo keine Bewegungen, also die mittendrin sind zwischen
Sascha Ley: den Bewegungen, also die normalen Bürger, die gehen recht friedlich miteinander um.
Sascha Ley: Schau, wenn wir durch die Stadt gehen und so.
Sascha Ley: Und dann denke ich, es ist besser als wir glauben.
Simi Will: Unser Stadtbild ist eigentlich ganz schön.
Sascha Ley: Ach Gott, ja da war ich aber echt geschockt.
Simi Will: Dieser Mann ist einfach so, nein der ist einfach ein Trampel.
Simi Will: Also es war aber echt, ja. Das ist ein Trappel.
Simi Will: Ich weiß gar nicht, ich finde ihn gar nicht so schlimm, wie ich da,
Simi Will: also mein Gott, ich finde ihn fast harmlos naiv in seiner Selbstdarstellung.
Simi Will: Aber das ging ja gar nicht.
Simi Will: Der ist einfach emotional nicht
Simi Will: intelligent, der ist emotional nicht intelligent, unser Bundeskanzler.
Simi Will: Und der schießt sich selbst ins Aus, das ist einfach so. Und ja,
Simi Will: der ist ein konservativer Langweiler, was soll sein?
Simi Will: Ja, da gibt es Schlimmeres. Also ich finde den einfach...
Sascha Ley: Nee, das war schon sehr peinlich.
Simi Will: Ja, geht gar nicht.
Sascha Ley: Ich meine, wir haben auch peinliche Sachen. Weißt du, seit die neue Regierung
Sascha Ley: da im Gang ist, das ist jetzt zwei Jahre, die haben ein Battle-Verbot aufgestellt.
Simi Will: In Luxemburg?
Sascha Ley: Ja, das ist unglaublich. Wo ich denke, ja, jetzt...
Sascha Ley: Kriegen die eventuell Protokolle, wie auch immer. Ich meine,
Sascha Ley: es gibt immer mehr Obdachlose.
Sascha Ley: Es ist schwierig und es ist auch für viele Leute schwierig, was ich sehr ernst nehme.
Sascha Ley: Aber du hast auch die Organisierten, aber die sind immer noch da,
Sascha Ley: weil es hier herangeschippert werden.
Simi Will: Bettelverbot in Luxemburg. Bitte? Ein Bettelverbot in Luxemburg.
Simi Will: Das ist einfach, das ist auch für das Image nicht gut.
Sascha Ley: Nein, und ich glaube, es ist jetzt, ich hatte irgendwie wohl was gelesen,
Sascha Ley: dass das jetzt auch bald Europa, Aber ich weiß jetzt nicht, ob von Brüssel aus
Sascha Ley: oder von irgendeiner Menschenrechtsorganisation, dass das geahndet werden wird,
Sascha Ley: weil das nicht in Ordnung ist.
Sascha Ley: Also dass diese Idee.
Simi Will: Luxemburgs ein Bettelverbot auszusprechen, nicht okay ist?
Sascha Ley: Ja, genau. Und dass es widrig ist, auch gesetzwidrig scheinbar.
Simi Will: Ja, also das gibt es doch gar nicht.
Simi Will: Wie waren deine 30er? Wir müssen es einfach so machen.
Sascha Ley: Also die 30er, also da kann ich, spannend, die 30er, die 30er,
Sascha Ley: ich hatte in den 30er, Anfang 30er Krise quasi,
Sascha Ley: weil als ich so die 30er, ja da war ich eigentlich echt,
Sascha Ley: ja ich war einen Moment so sowas, ja das finde ich immer doof das zu sagen,
Sascha Ley: aber ich war sowas wie ein Star in Luxemburg.
Sascha Ley: Und wurde auch viel gebucht und es hieß also sowohl für Musik,
Sascha Ley: wie, also es war Jazz, ich habe manchmal auch so Jazz Kabarett Sachen gemacht,
Sascha Ley: sowohl für die Musik wie das Schauspiel am Theater hieß es so,
Sascha Ley: wenn wir Sascha holen ist der Saal voll und der war auch voll,
Sascha Ley: das habe ich aber damals auch nie richtig so, so wie das ist Wenn man selber drin steht Ja,
Sascha Ley: und alles lief gut und ich habe gut davon gelebt, ich konnte meine Miete zahlen,
Sascha Ley: ich konnte reisen, wenn ich wollte und ich konnte so. Ähm,
Sascha Ley: Und plötzlich, und ich hatte auch eine schöne Beziehung gerade begonnen,
Sascha Ley: oder war die schon, warte mal,
Sascha Ley: ja, die war dann schon zwei, drei Jahre alt, alles schön, zwei Jahre alt.
Sascha Ley: Und da war bei mir auf einmal die Luft raus.
Simi Will: Und ich habe gedacht,
Sascha Ley: Boah, ich weiß nicht, ich habe keinen Sinn mehr irgendwie. Irgendwie habe ich
Sascha Ley: gesagt, was mache ich da eigentlich?
Sascha Ley: Das befriedigte mich nicht mehr. Aber ich konnte nicht mal sagen,
Sascha Ley: dass es mich nicht befriedigt. Ich war irgendwie so erschöpft.
Sascha Ley: Und da habe ich dann auch mit meinem Freund gesprochen. Er hatte sowieso zu
Sascha Ley: tun, auch im Ausland. Ich habe gesagt, ich muss mal kurz weg.
Sascha Ley: Und dann bin ich verreist. So fünf Wochen lang war ich dann weg.
Sascha Ley: Es war auch das erste Mal dass wir so lange auseinander waren und,
Sascha Ley: da bin ich dann nach Thailand ja, weil ich wollte irgendwo hin,
Sascha Ley: wo ich noch nie war und wo ich mich auch ausruhen konnte und hab gedacht,
Sascha Ley: ah, geh ich da mal gucken, was da ist und ja,
Sascha Ley: Ab dort dann, weil es ist leicht zu bereisen, das Land.
Simi Will: Das stimmt.
Sascha Ley: Es ist schön und es ist köstlich. Ich war mal drei Monate da.
Sascha Ley: Ja, und ich habe lustige Leute kennengelernt.
Sascha Ley: Also ich bin auch wirklich gut gelandet auf einer Insel, wo nicht mal mehr Strom war.
Sascha Ley: Wie siehst du? Erstmal Kujam.
Simi Will: Kujam.
Sascha Ley: Kürzlich bei Krabi. Und nachher war ich ein bisschen rumgereist,
Sascha Ley: aber das wäre auch nochmal eine Abend für eine Geschichte.
Sascha Ley: Auf jeden Fall konnte ich da so ganz viel, ja, für mich sein, spazieren gehen.
Sascha Ley: Das war dann auch so eine Insel, zum Beispiel, also ich habe dann zwei Wochen da verbracht,
Sascha Ley: wo man nicht jetzt sich sonnt und brät, brät, brät, sondern,
Sascha Ley: weißt du, die Leute spazieren, lesen, also wirklich ganz relax und interessante Leute.
Sascha Ley: Also interessanter als jetzt nur Halligalli-Party.
Simi Will: Und da habe ich gemerkt,
Sascha Ley: So nach zwei, drei Wochen, wo ich in Thailand war, drei, vier,
Sascha Ley: dass egal wo ich war, ich habe immer gesungen.
Sascha Ley: Und ich habe nicht einmal ans Schauspiel gedacht, an keinen Film,
Sascha Ley: an kein Projekt, das ich gerade gemacht hatte.
Sascha Ley: Da habe ich gesagt, das ist es, du musst deine eigene Musik,
Sascha Ley: weil ich hatte ja schon lange Musik gemacht, aber du musst das,
Sascha Ley: was jetzt immer, was ja schon brannte, schreiben.
Sascha Ley: Und ich hatte auch ganz lange eine Schreibblockade in der Lyrik zum Beispiel gemacht.
Sascha Ley: Und dann habe ich mich richtig da so dahinter geklemmt.
Sascha Ley: Und als ich nach Haus kam und bin im Jahr darauf, ich will jetzt auch nicht
Sascha Ley: weit ausholen, hatte auch seine Vorgeschichte,
Sascha Ley: bin ich dann zweieinhalb Monate nach Mumbai und habe dort indischen Gesang studiert.
Simi Will: Ah, indischen Gesang. Indischen Gesang.
Sascha Ley: Und da war ich 36 dann. Und war erst mal angekommen da und dachte,
Sascha Ley: die ersten zwei Tage, was mache ich denn hier?
Sascha Ley: Ich bin 36, ich lasse hier meinen geliebten Freund da allein in Luxemburg.
Sascha Ley: Bin in dieser Riesenstadt, ich war ja schon in Indien gewesen.
Sascha Ley: Und dann hatte ich aber auch, ich hatte dann alle zwei Tage bei ihr Unterricht,
Sascha Ley: sollte ich haben. und habe dann auch durch den Mann, der das organisierte,
Sascha Ley: das Jazz-India-Vocal-Institut, der hat mir dann einen Job vermittelt.
Sascha Ley: Normalerweise war das für Studenten in einem Hotel, Jazz-Standards in der Hotelbar zu singen.
Sascha Ley: Das hatte aber hier nicht geklappt, weil ein Hotel, also das waren wirklich
Sascha Ley: dann die Luxushotels, war schon besetzt und das andere, dem Direktor des anderen
Sascha Ley: Hotels, hat nicht gefallen, was ich machte.
Sascha Ley: Ich habe aber was.
Sascha Ley: Und da hat er mir einen Job gefunden von einem Musiker, der so Jazz-Club-mäßig
Sascha Ley: jede Woche in einem tollen Ort, in so einem Innenrestaurant, das Indigo.
Sascha Ley: Ein Jazzclub machte, also das organisierte, er war da, er hat das organisiert,
Sascha Ley: hat die besten Jazzmusiker aus der Region dahin beordert, hat auch gut bezahlt,
Sascha Ley: also ich konnte mit dem Geld meinen Unterricht bezahlen, ich hatte eine kleine
Sascha Ley: Subvention von Luxemburg, das ist ein Stipendium bekommen und dann habe ich da… Moment.
Simi Will: Ein Stipendium aus Luxemburg, um in Mumbai was zu machen,
Sascha Ley: Also dich weiterzubilden, um das mitzubringen nach Luxemburg sozusagen.
Sascha Ley: Also das hat mir halt die Reise bezahlt und ein Teil des Wohngelds.
Sascha Ley: Und ja, und dann habe ich dort regelmäßig, also mindestens einmal bin ich zweimal
Sascha Ley: die Woche mit den tollen Jazzmusikern gespielt.
Sascha Ley: Alle zwei Tage bin ich zu meiner Lehrerin gefahren.
Sascha Ley: Und ja, mit der ich mich heute noch treffe, auch mit dem Drummer.
Sascha Ley: Wenn wir uns treffen, ich reise immer wieder nach Indien.
Simi Will: Die Luxemburger Frauen reisen alle irgendwie gern nach Indien, kann das sein? Echt? Ja.
Simi Will: Ich erzähle immer, wenn ich sage, wenn mich früher Leute gefragt haben,
Simi Will: ich finde ja immer Weihnachten nach Luxemburg bei meiner Schwester Essen,
Simi Will: dann habe ich bei Lucian gekellnert.
Simi Will: Also insofern war Weihnachten auch immer mit Luxemburg irgendwie verknüpft oder Party in Luxemburg.
Simi Will: Und dann haben alle gesagt, ja, Luxemburg klingt ja exotisch.
Simi Will: Für Leute in Berlin ist Luxemburg exotisch, reichstes Land der Welt und ich weiß nicht was alles.
Simi Will: Und genau, und da habe ich ganz oft zumindest die Geschichten so erzählt,
Simi Will: ob das genau alles so stimmt, weiß ich nicht irgendwie.
Simi Will: Dass wir immer mit postmenstrualen Frauen zusammensitzen und am Schluss alle
Simi Will: von ihren indischen Gurus erzählen.
Simi Will: Es war wirklich ein bisschen so ein wiederkehrendes Ding. Ach so. Der indische Guru.
Simi Will: Entweder der indische Guru in Luxemburg oder man fährt nach Indien, um sich zu schetteln.
Sascha Ley: Aber ich bin ungegurut.
Simi Will: Du bist ohne Guru. Das kommt auch nicht so rüber. Ich bin ungegurut.
Sascha Ley: Ich bin viele Male, also ich glaube, ich war jetzt zwölfmal in Indien,
Sascha Ley: dorthin und ich würde sagen die ersten neun Male oder acht Mal einfach um das Land zu erkunden,
Sascha Ley: ich habe mit Yoga überhaupt nichts am Hut, ich habe aber jetzt schon merke ich
Sascha Ley: es schon, ah schön und Meditation Yoga ist super, das ist schon was meines ich habe jetzt ein bisschen,
Sascha Ley: mehr drüber gelernt und wow, das ist schon sehr gut und tut mir auch gut und,
Sascha Ley: Aber ich habe jetzt nie, also ich habe ganz lang gebraucht, bis ich überhaupt mal an das Thema kam.
Sascha Ley: Und auch, weil es mit Indien zu tun hat.
Sascha Ley: Ich weiß auch nicht, was es ist mit diesem Land. Ich weiß, es ist dieses Anderssein,
Sascha Ley: es ist diese Extreme, die mich beim allerersten Mal so angezogen haben.
Simi Will: Da habe ich Angst vor. Ich halte diese Armut nicht aus. Ich fand das in Bangkok
Simi Will: schon grenzwertig, das auszuhalten.
Simi Will: Da war ja auch arm und reich ganz nah beieinander. Und wo der Glaube,
Simi Will: wo ich mich immer gefragt habe, warum werden die nicht dauernd ausgeraubt?
Simi Will: Das war ja recht friedlich.
Simi Will: Damals war ich da, Jahrtausendwende war ich da, drei Monate.
Simi Will: Und da sagte mir einer, das ist hier die Religion.
Simi Will: Die freuen sich alle auf ihr nächstes Leben, weil dann wird es richtig gut.
Simi Will: Weil denen geht es sich jetzt so dreckig, dass wenn sie gut sind und brav sind, dann im nächsten Leben.
Simi Will: Die Nummer halt. Und ich glaube, dass das Tatsache, dass sich das auch jetzt auflöst.
Sascha Ley: Ja, ich weiß es nicht.
Simi Will: Aber Indien, also ich habe viele Freunde, die nach Indien gereist sind, auch in den 90ern.
Simi Will: Viele Berliner waren in Indien hier mit dem VW-Burst durch. War ich nie dabei.
Simi Will: Da hatte ich Angst vor.
Sascha Ley: Es gibt ja nicht nur Armut in Indien. So ist es nicht.
Sascha Ley: Und vor allen Dingen habe ich jetzt auch eine Entwicklung jetzt in den letzten Jahren gesehen.
Sascha Ley: Also es ist jetzt wirklich ein enormes Aufkommen der Mittelklasse.
Sascha Ley: Natürlich Armut und die ist schon extrem. Für mich war aber vielleicht ist das
Sascha Ley: dann auch das Extreme in mir oder das.
Sascha Ley: Einfach oder irgendetwas, wie soll ich sagen?
Sascha Ley: Ich kann das alles aufnehmen, so wie es ist. Und sehe das und das und sage, es ist einfach das Land.
Sascha Ley: Mir ist zum Beispiel, wie soll ich sagen, als ich das erste Mal da war,
Sascha Ley: in dem Sinn nicht bewertet.
Sascha Ley: Ich habe nur gemerkt, es ist Schönheit, es ist neben Hässlichem,
Sascha Ley: neben Krankheit, Armut neben Reichtum.
Sascha Ley: Es ist so alles, Rosenduft neben Gulli, es ist so alles da und du bist so mittendrin auch.
Sascha Ley: Es ist wirklich dies dazwischen und es ist so extrem und so existenziell und
Sascha Ley: das hat mich richtig berauscht. Ich dachte, das entspricht so meinem Wesen.
Sascha Ley: Ich glaube, es war das und als ich das erste Mal da war, das war 96,
Sascha Ley: kurz, drei Wochen nur, Da kam ich zurück und da habe ich zum ersten Mal eigentlich erkannt,
Sascha Ley: welche Armut es in Luxemburg gibt.
Sascha Ley: Also es hat mir die Augen auch da geöffnet und...
Sascha Ley: Und ich fand es auch interessant zu sehen, was ich jetzt in Indien die meiste
Sascha Ley: Zeit erlebt habe, dass die Armen sich zum Beispiel,
Sascha Ley: die haben immer saubere Kleider an, die sind immer ganz gewaschen und sauber,
Sascha Ley: legen da auch Wert drauf, außer sie sind krank.
Sascha Ley: Und bei uns sind viele, die arm sind, oft wahrscheinlich krank oder gesellschaftskrank
Sascha Ley: oder so, Weil es überhaupt nicht mehr gibt.
Sascha Ley: Und da dachte ich, boah, das ist nochmal eine ganz andere Geschichte und ich
Sascha Ley: möchte es gern verstehen.
Sascha Ley: Das ist auch nicht jetzt, dass mir da Empathie fehlt. Ganz und gar nicht.
Sascha Ley: Aber es ist irgendwie...
Simi Will: Also eher so ein soziologisches. Warum ist es da? Ist der Umgang mit dem Armsein vielleicht anders?
Sascha Ley: Es hat natürlich, wie du sagst, mit Karma, mit diesen karmatischen Gedanken zu tun.
Sascha Ley: Und das ist nicht dolle, wenn das ausgenutzt wird von anderen, die dann ausbeuten.
Sascha Ley: Und sagen ja nicht mal, man nicht zu bezahlen oder das ganze Kastensystem,
Sascha Ley: das doch noch hinten dran mit der Regierung, die jetzt da die letzten Jahrzehnte ist.
Sascha Ley: Die sind ja sehr rechts und Hinduisten, also sehr extrem. Wird das ja wieder
Sascha Ley: so insgeheim gefördert.
Sascha Ley: Ja, eigentlich ist es ja nicht mehr erlaubt, aber mit Modis Partei,
Sascha Ley: BJP, das sind Hinduisten und die dann schon eben diesen Gedanken und das eben
Sascha Ley: auch versuchen zu unterstützen.
Sascha Ley: Allerdings hat er auch bei den letzten Wahlen im letzten Jahr,
Sascha Ley: vor anderthalb Jahren, schlechter abgeschlossen.
Sascha Ley: Auch ein gutes Ding.
Sascha Ley: Und ja, es ist immer krass. Ich meine, es gibt halt auch diese Bewegung trotzdem,
Sascha Ley: die ich für gut heiße, dass insgesamt in Indien jetzt viel mehr,
Sascha Ley: es gibt viel mehr Public Schools,
Sascha Ley: weißt du, früher waren das nur Privatschulen und so weiter.
Sascha Ley: Also das heißt, dass viel mehr Zugang ist, dass die Mittelklasse,
Sascha Ley: also immer mehr Leute sich hocharbeiten konnten.
Sascha Ley: Also es ist schon viel im Gange. Auch in Bewegung. Ja, es ist viel in Bewegung.
Sascha Ley: Und ich habe die letzten Male, wo ich da war, war ich sehr positiv überrascht,
Sascha Ley: dass zum Beispiel zum ersten Mal wirklich wesentlich mehr Leute auf mich zukamen, auch junge Leute.
Sascha Ley: Jetzt nicht um irgendwie, hast du mal was oder so? Nee.
Sascha Ley: Sondern wie hier, weißt du, Gespräch, oh, tolle Brille.
Sascha Ley: Und dann so kommen wir ins Gespräch, kommst du, da, da, da, da, komm, Kaffee trinken.
Sascha Ley: Und dann habe ich auch mit Frauen, früher war das ganz schwierig.
Sascha Ley: Gerade mit Frauen in Kontakt zu kommen.
Sascha Ley: Und das hat sich sehr geändert. Und dann denke ich, gut, dann können wir Internet
Sascha Ley: verteufeln, sozialen Medien und so weiter.
Sascha Ley: Das ist aber auch darauf, auf dem Humus oder wie sagt man, auf dem Kompost des
Sascha Ley: Internets gelaufen. Und das finde ich toll.
Sascha Ley: Und ich habe gedacht, jetzt, wo ich die letzten Mal da war, und gut,
Sascha Ley: ich war jetzt auch dann ein bisschen touristischer unterwegs,
Sascha Ley: war es auch im Süden, dann Goa und so.
Sascha Ley: An manchen ruhigeren Orten, aber trotzdem. Und dass ein viel größerer Tourismus
Sascha Ley: da ist, der ist jetzt explodiert in Indien.
Sascha Ley: Zehnmal mehr indische Touristen als westliche.
Sascha Ley: Aha. Und...
Sascha Ley: Und viele, die auf einen zukommen, wohlwollend, man kann sprechen.
Sascha Ley: Und ich dachte, guck mal, jetzt ist das Land dabei, sich zurückzugewinnen.
Simi Will: Und auch aufzumachen.
Sascha Ley: Aufzumachen, ja. Hoffen wir, dass das weitergeht.
Simi Will: Wie wenig wissen wir denn über Indien?
Sascha Ley: Ich weiß gar nichts. Und es ist ein sehr spannendes Land.
Sascha Ley: Und es sind viele Leute, ja, Armut ist es nicht überall. Armut.
Simi Will: Es gibt auch, ich habe im letzten Monat, da habe ich irgendeine Teenie-Serie,
Simi Will: bin ich hängen geblieben. Oder ein Spielfilm oder was.
Simi Will: Reiche Inder. Total schräg. Also so richtig reiche Leute,
Sascha Ley: Die richtig krass unterwegs sind.
Simi Will: Die sind dann richtig reich. Ja, Wahnsinn.
Simi Will: Du, jetzt sind wir in Indien. Deine Mit-30er. Das waren deine Mit-30er.
Simi Will: Wir sind jetzt schon zwei Stunden am labern. Ich muss das alles irgendwie nochmal zusammenfängen.
Sascha Ley: Auf jeden Fall haben mich diese Reisen, diese ersten Reisen nach Indien oder
Sascha Ley: diese allererste sehr geprägt.
Sascha Ley: Wo ich auch dann zu dem Thema kam, Wahrnehmung,
Sascha Ley: Was macht es?
Simi Will: Und Musik, Schwerpunkt, kamst du zurück.
Sascha Ley: Ja, und das hat auch viel mit Wahrnehmung zu tun. Weil Musik ist das,
Sascha Ley: weißt du, zum Beispiel, Ohren können wir nicht zumachen. Wir können sie zuhalten.
Sascha Ley: Du kannst die Augen zumachen, du kannst deinen Mund halten, du kannst die Ohren nicht zumachen.
Sascha Ley: Und auch, wie gehst du damit um, wenn du es nicht auswählen kannst?
Sascha Ley: Also wirklich, ich finde, das sind so Themen, die für mich zusammengehören,
Sascha Ley: die mich sehr geprägt haben in meiner späteren Arbeit.
Sascha Ley: Und im Leben auch, muss ich sagen. Ja.
Simi Will: 30er.
Simi Will: Wie ging es weiter? Du kommst aus Indien, machst mal Musik und jetzt so die
Simi Will: letzten 10 Jahre mal. So im Schnelldurchlaufen. Wo?
Sascha Ley: Geheiratet, geschieden.
Simi Will: Ach, geheiratet. Ja.
Sascha Ley: Dann geschieden.
Simi Will: Wie lange verheiratet?
Sascha Ley: Ein Jahr.
Simi Will: Einmal durchs Jahr in der Ehe.
Sascha Ley: Ja, war mir auch eine Lehre.
Simi Will: Aber schöne Feier gehabt?
Sascha Ley: Die Feier war schön.
Simi Will: Die Feier war schön. Das ist auch geil. Das könnte auch so ein Romantitel sein. Die Feier war schön.
Sascha Ley: Es war mir eine ordentliche Lehre mit EH und EE. Ist alles gut, ist abgehakt.
Sascha Ley: Und ja, da war für mich so quasi auf mich,
Sascha Ley: geworft, zurückgeworfen sein und war interessant, weil ich einerseits wirklich
Sascha Ley: dachte, oje, was ist hier los?
Sascha Ley: Weißt du, man hat nichts mehr außer seine Klamotten, seine Bücher und seine Instrumente.
Sascha Ley: Und dann bin ich erstmal eine Weile im WG-Modus unterwegs gewesen.
Simi Will: Also nach der Ehe? Nach dem Jahr Ehe? Ja. Was war das für ein Ehemann?
Simi Will: Also du musst keine Namen nennen, das ist ja immer alles ganz klein.
Simi Will: Aber war das ein Zahnarzt oder war das ein Optiker oder war das ein Modedesigner?
Simi Will: Ein Danke Psychologe.
Sascha Ley: Ja, bedanken wir uns.
Simi Will: Na dann. Ein Jahr Ehe mit einem Psychologen und dann?
Sascha Ley: Ja, wobei, das sind bestimmt nicht alle Psychologen so.
Simi Will: Nein, ich hatte zum Beispiel ganz tollen Psychologen und war am Schluss auch verliebt in denen.
Sascha Ley: Aber es war nicht mein Psychologe.
Simi Will: Okay, es war ein Psychologe.
Sascha Ley: Ein.
Sascha Ley: Oder Psychotherapeut. So,
Sascha Ley: ja, dann war ich erst mal in dem Modus unterwegs und das war jetzt so,
Sascha Ley: 18, dann war ich, ja, ein bisschen mal auf Reisen, arbeiten, sich wieder aufbauen.
Sascha Ley: Dann hatte ich warte mal, das war ja dann 2016, ja aus dem ganzen groben mal rauskommen,
Sascha Ley: 2018 WG, Freunde hatten mich aufgefangen ich muss sagen, ich habe dadurch auch,
Sascha Ley: gemerkt, dass ich viele Freunde hatte wo ich dachte, habe ich wo ich öfters
Sascha Ley: mal schlechtes Gewissen hatte, weil ich mich nicht genug um die gekümmert hatte,
Sascha Ley: weil immer arbeiten, arbeiten, arbeiten und die waren dann alle für mich da,
Sascha Ley: fand ich großartig also statt mich,
Sascha Ley: ungeliebt zu finden, habe ich festgestellt, doch, man musste dann 50 werden,
Sascha Ley: um festzustellen, dass man,
Sascha Ley: doch liebenswert ist. Das war halt die andere Seite.
Simi Will: Was man vorher irgendwie wusste, aber noch nicht begriffen hat.
Sascha Ley: Ja, und sogar manchmal bezweifelt hatte. Das sind aber dann,
Sascha Ley: ja, so. Einfach falsche Gedanken.
Sascha Ley: Ja, und ja,
Sascha Ley: Ja, hier und da schöne Jobs, ein paar Tourneen. Also ich war dann auch auf Reisen.
Sascha Ley: Ich war dann nochmal in Thailand, mal wieder und in Vietnam ein bisschen.
Sascha Ley: Dann hatte ich eine Tournee mit meinem Kontrabassisten in, unter anderem,
Sascha Ley: wir waren in England und so weiter, aber da waren wir in China.
Sascha Ley: Ich war Tournee gehabt 2019.
Sascha Ley: Dann hatte ich mich da nochmal dolle verliebt. Nicht in China, sondern in Luxemburg.
Simi Will: Sondern in einen Mann?
Sascha Ley: In einen Mann ging aber auf. In einen Chinesen? Nein, in einen Amerikaner ist
Sascha Ley: aber nicht richtig was draus geworden.
Simi Will: Du warst ja aber in China in einen Amerikaner.
Sascha Ley: Nein, nicht in China, das war direkt nach China.
Simi Will: In Luxemburg.
Sascha Ley: In Luxemburg, der war ja kurz in Luxemburg.
Simi Will: In Luxemburg gibt es glaube ich viele beziehungsunfähige Männer.
Simi Will: Das ist für mich immer so, jedes Jahr, wenn ich da war, gab es Dramen.
Simi Will: Das waren immer starke Frauen.
Simi Will: Was habt ihr denn alle? So geil ist der Typ doch gar nicht.
Sascha Ley: Meinst du, das ist Luxemburg nur?
Simi Will: Ich weiß nicht. Natürlich in so einem Lokalitätsprinzip fällt das mir auf.
Simi Will: Aber es war immer dieses Klischee. Ich übertreibe jetzt natürlich.
Simi Will: Klischee, da war mal wieder jemand in Indien von den Frauen.
Simi Will: Und irgendwie, aber ich kenne es eben auch so, die saßen dann alle auf irgendwelchen
Simi Will: Riesenhäusern, weil die haben nicht nur geheiratet, so wie du und waren mal
Simi Will: ein Jahr verheiratet, sondern waren dann mit dem Bankdirektor,
Simi Will: haben dieses Haus so sprechende Häuser,
Simi Will: hatten die immer, weißt du so, ich übertreibe natürlich.
Simi Will: Aber das ist für mich immer so das Bild.
Simi Will: Das war immer so eine Momentaufnahme an Weihnachten immer, wo ja sowieso immer
Simi Will: Familientrama ist. Das ist ja überall so, all over.
Simi Will: Und ich war halt immer Weihnachten in Luxemburg. Und wir haben alle immer gesoffen,
Simi Will: weil Weihnachten wird gesoffen. Jetzt nicht mehr, aber damals noch.
Simi Will: Und dann war das immer so, da war jemand gerade wieder in Indien.
Simi Will: Jemand wurde gerade wieder geschieben. Das war immer mega dramatisch.
Simi Will: Und es waren immer richtige Arschlochmänner. Also die Geschichten waren ganz
Simi Will: oft so Klischee-Narzisten.
Simi Will: Oder vielleicht war das auch immer nur, weil ich nur die Frauenseiten gehört
Simi Will: habe. Das weiß ich alles nicht mehr. Aber mein Bild war das immer so, oh, Spitz, pass auf.
Simi Will: Bloß kein Luxemburger. Weißt du so.
Sascha Ley: Krass, ja. Nee, ich weiß nicht.
Simi Will: Nee, keine Ahnung.
Sascha Ley: Nee, aber es ist lustig, dass du das sahst. Ich habe gesagt,
Sascha Ley: echt, in Luxemburg ist das so?
Simi Will: Ja, das kann schon sein. Oder dass der narzisstische Ader von Gegengeschlechten
Simi Will: dann vielleicht deutlicher zum Tragen kommt in so einem Lokalitätsprinzip, vielleicht so.
Simi Will: Und wenn dann auch noch Machtposition und Geld dazukommt, vielleicht ist das so ein Verstärker.
Sascha Ley: Wer weiß, wer weiß. Vielleicht ist es auch so ein Phänomen heutzutage.
Sascha Ley: Oder mein Klischeeblick auf die Welt, das kann es auch sein. Wer weiß, wer weiß.
Sascha Ley: Naja, auf jeden Fall war da 19...
Sascha Ley: Und dann kam 2020, toll.
Simi Will: Und dann war Pause.
Sascha Ley: Und 2020, genau, ich hatte ganz toll, sollte lauter tolle Tourneen haben.
Sascha Ley: Also es war richtig so. Scheiße. Aber dann habe ich mich nochmal neu oder erweitert
Sascha Ley: entfaltet im Künstlerischen.
Sascha Ley: Weißt du, habe nochmal auf andere Sachen zurückgegriffen, Collagen machen.
Sascha Ley: Ich habe angefangen, ein bisschen Videos zu machen, die zu verarbeiten, was auch in Projekten,
Sascha Ley: dann verarbeitet wurde und hab,
Sascha Ley: ja, nur weil du sagst so jetzt die letzten Jahre, die sind so verflogen.
Simi Will: Verpufft, ja.
Sascha Ley: Verpufft, es war halt auch so genau, was ja ganz wichtige Punkte waren,
Sascha Ley: das war eben Scheidung, da rauskommen, Vater, krank,
Sascha Ley: der hat ja in Hamburg gelebt, da war ich oft in Hamburg, dann mein Stiefvater,
Sascha Ley: im selben Jahr gestorben, dann meine Mutter, die natürlich,
Sascha Ley: extrem traurig war und deren Leben ja auch völlig dann geändert hat und die
Sascha Ley: dann umgezogen ist. Also es war dann auch alles 18, 19.
Simi Will: Einfach schrecklich und dann kommt die Pandemie.
Sascha Ley: Und dann kam die Pandemie und ich dachte, es hört ja nicht auf, es hört ja nicht auf.
Sascha Ley: Dann, gut, wir bekamen ja einige Hilfen, auch wie in Deutschland so und es gab
Sascha Ley: hier und da Jobs, die man machen konnte, ohne sich zu begegnen, war auch interessant.
Sascha Ley: Und dann kamen Anfragen für 21, so von wegen mit der Prämisse,
Sascha Ley: ja, wenn es dann wieder geht.
Sascha Ley: Da waren interessante Sachen, habe ich alles angenommen. Und dann war 21,
Sascha Ley: da habe ich dann auch Georg Rubi, kam dann auch auf mich zu.
Simi Will: Dieser Autor?
Sascha Ley: Nee, der Pianist.
Simi Will: Der Jazzer.
Sascha Ley: Genau, der Jazzpianist.
Simi Will: Hier aus der Region.
Sascha Ley: Ja, und hat mich eingeladen für ein Streamingkonzert in Köln und dann CD mit
Sascha Ley: ihm machen und plötzlich, und das war Anfang 21,
Sascha Ley: und plötzlich kamen Leute, die 20 abgesagt hatten mit ihren Projektnummern und
Sascha Ley: ich dachte, was ist denn jetzt los?
Sascha Ley: 21, 22 nur gearbeitet.
Simi Will: Das war auch geil, oder?
Sascha Ley: Es war geil, aber ich war fertig nachher. Ich hatte Verträge.
Sascha Ley: Ich konnte ja auch nicht aus keinem Vertrag aussteigen. Ich war richtig erschöpft dann 23.
Sascha Ley: Aber es ist viel daraus entstanden.
Sascha Ley: Und ich habe mir dann nur gesagt, okay, für die Zukunft will ich etwas anders arbeiten.
Sascha Ley: Ich will es anders planen. Ich möchte eigentlich weniger Projekte haben,
Sascha Ley: die aber öfters spielen. Also mehr nachhaltiges Spiel.
Sascha Ley: Vielleicht, wenn weniger davon, dann aber vielleicht besser bezahlt, damit man, ne?
Sascha Ley: Und da auch leben. Ich möchte leben.
Sascha Ley: Ich möchte schmecken, riechen, gucken.
Sascha Ley: Ich möchte wieder viel mehr Leute sehen, meine Freunde, Family,
Sascha Ley: Leute kennenlernen. Ich habe gar keine Zeit mehr dafür.
Sascha Ley: Ja, das ist mir auch richtig. Meine einzigen Kontakte, sozialen Kontakte,
Sascha Ley: haben nur im Arbeitsbereich stattgefunden.
Sascha Ley: Ich sagte, das gibt es doch nicht, das geht doch gar nicht. Nee, geht auch nicht.
Sascha Ley: Und ich dachte, ich brauche es auch, um.
Sascha Ley: Das, was ich in meine Projekte bringen möchte, um das zu füttern.
Sascha Ley: Das ist das Leben und nicht der Probenraum. Und die Begegnung mit den anderen.
Sascha Ley: Oder das nur Alleinsein.
Sascha Ley: Es ist das. Ich möchte nicht La Pour La machen, sondern Geschichten erzählen,
Sascha Ley: oder Gefühle erzählen oder Eindrücke erzählen oder guck mal die Augen auf, erzählen.
Sascha Ley: Wie findest du das, was mich begeistert oder berührt? Berührt dich das?
Sascha Ley: Weißt du, so irgendwie versuche ich das zu übersetzen.
Sascha Ley: Und irgendwie denke ich gerade so, ist im Moment so eine Phase, wo ich...
Sascha Ley: Ja, wo ich entspanne mal wieder, also bei allem, was jetzt passiert,
Sascha Ley: aber wo ich denke, ach ja,
Sascha Ley: ist doch eigentlich, das Leben ist doch schön und selbst wenn mit allen Nachrichten
Sascha Ley: rumrum, aber das Leben an sich ist schön, es ist spannend und man selbst ist
Sascha Ley: spannend und guck und die anderen sind.
Simi Will: Auch wieder hin zu dem Ding, es kann jederzeit alles passieren.
Simi Will: Ja. Und daran glaube ich auch.
Simi Will: So. Ich merke nur, manchmal muss ich mich auch zurückziehen und dann darf gar
Simi Will: nichts passieren, weil ich manchmal so unterwegs bin, dass ich zu viel habe.
Simi Will: Und dann gucke ich immer Bares für Rares.
Sascha Ley: Das macht mich dumm. Echt?
Simi Will: Ich freue mich, wenn ich von dir höre,
Sascha Ley: Was du tust. Ich halte dich ablaufend.
Simi Will: Und ich poste das dann gern und vielleicht kommen die einen oder anderen.
Simi Will: Auch mal mit ins Nachbarland oder du machst demnächst vielleicht auch was in Tee.
Sascha Ley: Ja, da muss man mal gucken, was auf die Beine zu stellen wieder. Ja, schön. Vielen Dank.
Simi Will: Danke, dass du da warst, meine Liebe.
Sascha Ley: Ich bedanke mich herzlich.
Simi Will: Wir sehen uns ganz bald, liebe Sascha.
Sascha Ley: Ja, an Weihnachten.
Simi Will: An Weihnachten in Luxemburg, wenn alle Frauen wieder weinen,
Simi Will: weil sie von ihren reichen Männern verlassen worden sind. und jetzt wieder nach
Simi Will: Indien zu ihren Sohn fahren.
Sascha Ley: Das ist mal so ein Date.
Simi Will: Tschüss, ihr da draußen. Schaltet auch nächstes Mal wieder ein. Ahoi.
Sascha Ley: Alles Gute.
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