Dazwischen mit Guildo Horn
Shownotes
Okay, ich gebe zu. Ich war aufgeregt. Wirklich aufgeregt. Weil ich Angst hatte, dass wir Plattitüden austauschen. Haben wir nicht. Nicht eine. Horst – so heißt er nämlich wirklich – ist in Trier-Nord aufgewachsen, hat früh seinen Vater verloren, hat Schlagzeug gelernt, hat ein Abi mit 3,6 hingelegt und ist dann in die Lebenshilfe gegangen. Und da ist dann Guildo Horn passiert. Nicht durch Kalkül, nicht durch Strategie. Durch Zufall, durch Freude und durch Menschen, die einfach drauflosmachen – ohne sich selbst zu reflektieren. Das wollte er haben. Und das hat er sich genommen. Wir reden über:
- Warum Erfolg nicht erzwingbar ist – und warum er das Lustprinzip für das einzig sinnvolle hält
- Seine Talksendung beim SWR mit geistig behinderten Erwachsenen – nicht über Behinderung, sondern über Gott, die Welt, Fußball und Pflanztipps. Von Mensch zu Mensch. Zweimal für den Grimme-Preis nominiert.
- Den Moment, in dem der Marketingchef der EMI sagte: danach kannst du nie wieder auf die Straße gehen. Er hat gelacht. Und dann kam der Grand Prix.
- Warum er zweite Liga, oberes Drittel will. Und warum das klüger ist, als es klingt.
- Handys bei Konzerten – und seine These, warum die Leute filmen. Nicht weil sie cool wirken wollen. Sondern weil sie das Gefühl haben, in unserer Gesellschaft nicht mehr beachtet zu werden.
- Die Diskothek im WDR, seine Radiosendung, in der er gerade im Jahr 1976 moderiert. Queen? Newcomer aus England. Keine Ahnung, ob die was werden.
- Und Trier. Die Mosel. Den Geruch von Hochwasser. Und warum diese Stadt einfach in ihm drinsteckt. Einer unter vielen sein. Im Freibad liegen, ohne abgeknipst zu werden. Das ist für ihn Luxus. Und das sagt jemand, der wirklich weiß, wie sich das andere anfühlt.
Coverfoto: © dsa gmbh | m. claushallmann
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Guildo Horn: Ich gehe selten selber auf Konzerte. Ich war hier bei Fleetwood Mac.
Guildo Horn: Ich habe mich schon ein halbes Jahr vorher hippie.
Guildo Horn: Und dann habe ich so in der Hälfte gesessen. Und die fingen an zu spielen.
Guildo Horn: Das war echt richtig gut.
Guildo Horn: Auf einmal steht alles auf und ich gucke nur noch von hinten in Handys rein. Und da bin ich gegangen.
Guildo Horn: Die Diskothek im WDR, das ist eine Zeitreise, also ich sende im Moment,
Guildo Horn: also 50 Jahre versetzt, im Moment bin ich im Jahr 1976 und ich moderiere das
Guildo Horn: halt auch so, als wäre ich im Jahr 1976.
Simi Will: Ach wie geil!
Guildo Horn: Ich bin runtergekommen und hat es Bäm gemacht, weil ich habe die Mosel gerochen.
Guildo Horn: So dieses Hochwasser riechen und das hat bei mir einfach so voll ins Hirn in alles reingehauen.
Guildo Horn: Das war so Dasein, das war so alles, was ich mit Trier verbinde.
Guildo Horn: So das steckt in mir drin, diese Stadt steckt einfach in mir drin.
Guildo Horn: Ich liebe das, in der Innenstadt zu sein, von der man so nach außen ins Grüne
Guildo Horn: gucken kann. Ich liebe die Porta Nigra, ich liebe einfach so die Größe und Kleine der Stadt.
Simi Will: Immer und überall hörbar. Dazwischen mit Simi Will.
Simi Will: Hallo da draußen an den Endgeräten. Hier spricht eure Simi Will total aus dem Dazwischen.
Simi Will: Leider bin ich heute schlecht aufgewacht, denn heute ist der Tag nach der Wahl
Simi Will: in Rheinland-Pfalz und ich bin ein bisschen enttäuscht. Nein,
Simi Will: ich bin sehr enttäuscht, das mal vorne weg.
Simi Will: Was aber meine Laune jetzt total hebt und mich positiv in die Woche starten
Simi Will: lässt, ist, Doppelpunkt, ihr hört das Ganze an Ostern,
Simi Will: da ist er, der Meister, unser aller Guildo Horn. Hallo Horst.
Guildo Horn: Hallo Simi, danke schön. Warum der Meister und dann dabei lachen?
Guildo Horn: Das untergräbt irgendwie meine gewisse Autorität.
Simi Will: Du meinst, dass ich am falschen Herrenfest den Meister frohlocke?
Guildo Horn: Nee, ist schon okay. Es ist das feste Eier. Alles gut.
Simi Will: Super, ich dachte nämlich an einen besonderen Termin. Wir haben jetzt lange
Simi Will: noch rumgeeiert, bis ich dich hatte, weil du ja doch mehr Termine hast als der Durchschnittsmensch.
Simi Will: Horst, du bist einer der bekanntesten Prominente Deutschlands und das seit ganz vielen Jahren.
Guildo Horn: Wie hast du dich so hiken können.
Simi Will: Meister?
Guildo Horn: Ja, das ist irgendwie, glaube ich, eine Kombination aus Begeisterung fürs Leben
Guildo Horn: erstmal, für meine Arbeit, für die Leidenschaft an meiner Arbeit.
Guildo Horn: Dann natürlich Fleiß, muss man immer sagen. Das geht auch miteinander einher.
Guildo Horn: Also wenn man sich für ein Thema begeistert, da geht man da all in.
Guildo Horn: Dann bin ich natürlich hier mit der Silke unterwegs. Wir sind ein Zweierteam,
Guildo Horn: die Silke ist meine Managerin, ihr seid befreundet.
Simi Will: Meine beste Silke, Winky Winky.
Guildo Horn: Ja und das funktioniert einfach perfekt. Und dann haben wir uns da über die
Guildo Horn: Jahre dorthin gearbeitet, wo wir eigentlich nur das machen, was wir wollen.
Guildo Horn: Wenn von uns, wir kriegen dann Anfragen und dann weckt man das ab und wenn man
Guildo Horn: da keine Lust hat, dann macht man es nicht. Und wir arbeiten sozusagen am Lustprinzip,
Guildo Horn: was ein totales Geschenk ist, weil wer kann das schon?
Simi Will: Das ist Glück, auch wenn du mich nicht fragst. Das ist Glück und Luxus.
Simi Will: Selbstgemacht natürlich.
Guildo Horn: Ja, das Seltsame ist, ich habe in meinem Leben gemerkt, wenn ich nicht nach
Guildo Horn: diesem Prinzip, also nach meinem Bauch, Kopf,
Guildo Horn: alles so, nach dem Menschgefühl von mir handel, dann wird es halt nicht erfolgreich.
Guildo Horn: Und sobald ich mich auf mich selbst verlasse, das ist vielleicht so ein bisschen
Guildo Horn: wie beim Balancieren, dass man einfach so sagt, ich komme hier rüber weg und
Guildo Horn: ich denke überhaupt nicht drüber nach, wohin die Reise geht und ich mache das
Guildo Horn: einfach so, dann funktionieren die Dinge.
Guildo Horn: Man kann Erfolg überhaupt nicht erzwingen.
Simi Will: Klingt einfach.
Simi Will: Aber ich weiß, dass es auch für mich, in allem, was ich mache,
Simi Will: ob beruflich, privat oder zwischenmenschlich, sich auf sich selbst zu verlassen,
Simi Will: wurde einem nicht in die Wiege gelegt.
Simi Will: Also nicht in meiner Generation oder weniger.
Guildo Horn: Ist das falsch? Nee, weiß ich nicht.
Guildo Horn: Das muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Bei mir ist es halt so,
Guildo Horn: dass mir das eigentlich in die Wiege gelegt wurde. Ich bin halt so aufgewachsen.
Guildo Horn: Ich habe recht früh meinen Vater verloren. Da war ich sieben Jahre alt.
Guildo Horn: Und meine Mutter, die hat eigentlich bei allen Sachen, die ich gemacht habe,
Guildo Horn: mir immer so volle Unterstützung gegeben. Die hat da nicht viel interveniert.
Guildo Horn: Also ich bin irgendwie nicht so ein russisches Eisläuferkind,
Guildo Horn: sondern irgendwie, die hat mich überall hinrennen lassen, auch mal gegen eine Wand.
Guildo Horn: Und dann probiert man Sachen aus und dann merkt man einfach,
Guildo Horn: was für einen gut ist und dann ist man plötzlich da, wo man ist.
Guildo Horn: Also ich habe davon abgesehen, ich habe eigentlich, auch wenn es dann anders
Guildo Horn: scheint, ich habe nie den Drang gehabt, ich wollte eigentlich nie so richtig
Guildo Horn: bekannt werden und ich wollte nie so richtig berühmt werden.
Guildo Horn: Das ist eher so entstanden wie beim Zauberlehrling aus irgendeinem Gag,
Guildo Horn: aus irgendeinem Spaß ist dann halt so ernst geworden.
Guildo Horn: Zwischendrin auf der Reise wollte man mir mal so ein bisschen den Spaß ziehen
Guildo Horn: und dann habe ich mir die Spaßzieher, die habe ich mir dann wiederum rausgezogen
Guildo Horn: und jetzt habe ich nur noch Spaß.
Simi Will: Ja witzig, ich habe dich Tatsache zum ersten Mal als Künstler wahrgenommen über
Simi Will: meine Mama. Klingt komisch.
Guildo Horn: Nee, das klingt ja san. Mittlerweile kommen Kids auf mich zu und sagen,
Guildo Horn: meine Oma ist ein Fan von dir.
Guildo Horn: Man wird ja nach unten durchgereicht, ne?
Simi Will: Aber meine Mama war quasi Fan der ersten Stunde, weil sie dich von der Lebenshilfe kannte.
Simi Will: Weil meine Mama auch in der Behindertenarbeit tätig war als Sonderschullehrerin
Simi Will: und sie kennt dich über die Lebenshilfe und war so begeistert und hat gesagt,
Simi Will: der macht auch Musik, da muss ich hingehen.
Simi Will: Und ich war, wie du weißt, mit meiner Mama und ihren Freundinnen,
Simi Will: die noch leben, waren wir in Klausen. Und ich habe die alten Herrschaften glücklich
Simi Will: gemacht, beziehungsweise du hast sie glücklich gemacht.
Guildo Horn: Das war jetzt bei der Lesung, die Steiner Kirche.
Simi Will: Bei der Lesung von deiner Biografie, die du selbst eingelesen hast in Form eines Hörbuches,
Guildo Horn: Richtig? Genau, ganz genau. Nach vielen Jahren, muss man sagen,
Guildo Horn: bestimmt 14 Jahre her oder so. Oder zehn, ich weiß gar nicht.
Guildo Horn: Ich habe damals eine Talksendung bei SWR gehabt und da habe ich mit geistig
Guildo Horn: behinderten Erwachsenen getalkt und das war so eine ganz besondere Sendung,
Guildo Horn: weil es ging halt eben nicht um Behinderung.
Guildo Horn: Ich habe überhaupt keinen Bock, mit Behinderten über Behinderung zu reden,
Guildo Horn: sondern einfach darüber, über Gott, die Welt, Krieg, Fußball,
Guildo Horn: Liebe, Leid, Pflanztipps, halt so eher von Mensch zu Mensch.
Guildo Horn: Das fand ich ganz interessant.
Guildo Horn: Damals ist ein Verlag auf mich zugekommen, hat gemeint, ob ich ein Buch über
Guildo Horn: Behindertenarbeit schreiben könnte.
Guildo Horn: Dann habe ich einen autobiografischen Roman geschrieben, damals Doppel-Ich genannt.
Guildo Horn: Und den habe ich jetzt mal vertont, weil ich finde einfach das Thema Inklusion
Guildo Horn: wahnsinnig wichtig und ich finde das Thema Inklusion erlebt so eine Bashing-Zeit.
Guildo Horn: Da wird vor allen Dingen von rechts da so ziemlich drauf geprügelt, was passiert.
Guildo Horn: Von Menschen, die überhaupt nicht wissen, was Inklusion eigentlich ist und kann.
Simi Will: Ja, und Inklusion ist ja, also ich sage heutzutage oder jetzt gerade, ist alles politisch.
Simi Will: Und das Thema Inklusion macht die politische Problematik so deutlich,
Simi Will: dass es immer die sogenannten schwächeren Glieder gilt auszuschalten.
Simi Will: Und das ist für mich das Unerträglichste, was gerade passiert.
Simi Will: Und deswegen möchte ich mich, also versuche ich, mich immer auf die positiven
Simi Will: Sachen zu konzentrieren und merke,
Simi Will: Umso lokaler das wird, umso funktionaler wird es.
Simi Will: Das heißt, ich habe immer totale Angst vor diesem ganzen, sage ich mal,
Simi Will: Anti-Negativ, früher war alles besser, vor diesem ganzen Block und der ist so übermächtig.
Simi Will: Und jetzt gucke ich, also ich bin jetzt eher so ein Gänseblümchen-Mensch geworden
Simi Will: mit zunehmendem Alter, dass ich mir das Gute rauspicke und versuche das so groß
Simi Will: zu machen, wie es irgendwie geht.
Simi Will: Und dazu gehört zum Beispiel auch, dazwischen Themen genauer anzuschauen,
Simi Will: wie zum Beispiel eine Talkshow mit Menschen mit Einschränkungen,
Simi Will: so wie du es gemacht hast,
Simi Will: relativ lange jenseits von Quoten.
Guildo Horn: Ja, also man soll sowieso nichts für die Quote machen.
Guildo Horn: Das ist total dämlich, weil irgendwie so einem Durchschnitt da,
Guildo Horn: man muss ja dann viereckig denken.
Guildo Horn: Also ich bin ein Meereck und ich will auch meereckig denken,
Guildo Horn: weil Vierecke sind verdammt langweilig.
Guildo Horn: Die setzt du einfach in so einen Baukasten zusammen und das hält.
Guildo Horn: Und ich finde es viel spannender, wie kriegst du ein Meereck dazu,
Guildo Horn: irgendwie ineinander zu greifen.
Guildo Horn: Was ich noch sagen möchte, als du jetzt gemeint hast, Die Inklusion ist so politisch
Guildo Horn: geworden. Ich finde, heutzutage ist halt alles politisch.
Guildo Horn: Also ich fahre ein Lastenbike.
Guildo Horn: Ich wohne auf dem Land hier so in der Nähe von Köln mit E-Motor und dann bin
Guildo Horn: ich irgendwie hier in die Stadt reingefahren.
Guildo Horn: Also in die Stadt ist ein bisschen übertrieben, aber sagen wir mal so in Oberzentrum gefahren.
Guildo Horn: Und da war halt gerade irgendwie eine Demo gegen grün und weil ich halt ein
Guildo Horn: Lastenbike fahre, war ich direkt grünversifft und das ist,
Guildo Horn: Da muss man sich aber jetzt auch selber mal an den Ohren packen und sagen,
Guildo Horn: wie leicht ordnet du, ich weiß es nicht, aber ich manchmal auch Menschen ein,
Guildo Horn: aufgrund von einem Item.
Guildo Horn: Du kriegst irgendwas mit und dann ist der dann, was weiß ich,
Guildo Horn: ausländerfeindlich oder ist irgendwo Umweltsau oder sowas.
Guildo Horn: Das wird ja auch alles gemacht und das finde ich total traurig,
Guildo Horn: dass wir uns gegenseitig so derartig schnell beurteilen.
Simi Will: Genau, ich habe das schon immer gehabt, dass ich sage, ich bin schwarz-weiß sozialisiert.
Simi Will: Auf Sicherheit, geh in der Spur, das sind die Guten, das sind die Schlechten, das macht es einfacher.
Simi Will: So, erzogen von denen, die das nationale sozialistische Ding gerade als Kinder
Simi Will: noch mitgekriegt haben, nämlich meiner Elterngeneration.
Simi Will: So, und ich weiß von mir nach 30 Jahren Berlin, Underground und sonst was,
Simi Will: dass ich voller Vorurteile bin.
Simi Will: Und deswegen habe ich immer oder oft das Bedürfnis, Dinge zu machen,
Simi Will: in denen ich meine Vorurteile benenne, damit ich darüber wegkommen kann.
Simi Will: Sonst klappt es nämlich nicht.
Simi Will: Ich habe am Anfang die Genderei, alles Quatsch. Mittlerweile, nee, das ist so wichtig.
Simi Will: Also auch, dass man sich verändert, dass die Zeiten so rasant digital geworden
Simi Will: sind, dass auch die Meinungen sich verändern.
Simi Will: Nicht die humanistische Einstellung, aber die Meinungen.
Guildo Horn: Ja, ich meine, ich finde, man sollte generell ein offenes System bleiben.
Guildo Horn: Alles, was ich erlebe, ich stelle, also...
Guildo Horn: Alles, was ich von der Welt weiß, wir gehen jetzt nochmal ein bisschen weiter,
Guildo Horn: ist ja eigentlich nichts.
Guildo Horn: Also ich weiß, dass ich nichts weiß, das ist so mein Credo.
Guildo Horn: Dann ist alles, was ich beurteile, mache ich ja in Relation auf mich.
Guildo Horn: Ich bin ja das Einzige oder das, was mir am allernächsten ist.
Guildo Horn: Also ob groß oder klein, ob dick oder dünn, das macht man von sich selbst irgendwie so abhängig.
Guildo Horn: Und ich finde es total wichtig, dass man immer sein Lebensargument zur Disposition stellt.
Guildo Horn: Dass man bereit ist, wenn du mir jetzt für irgendwas ein besseres Argument lieferst,
Guildo Horn: da bin ich wirklich bereit, mein Steinchen da wegzumachen.
Guildo Horn: Dann nehme ich dein Steinchen und setze das da rein. Da bin ich überhaupt nicht eitel.
Guildo Horn: Und ich finde, so entsteht halt so ein gesundes Wachstum.
Guildo Horn: Wenn man alles immer von sich selbst weghaut, dann ist das, eigentlich ist es
Guildo Horn: fragil. Man baut halt eine Mauer um sich rum und eigentlich ist die fragil,
Guildo Horn: da ist nicht viel Selbstbewusstsein dahinter.
Guildo Horn: Ein selbstbewusster Mensch stellt sich selbst zur Disposition,
Guildo Horn: ist bereit irgendwie über sich selbst zu lachen, ist bereit über sich selbst
Guildo Horn: irgendwie sich zu ärgern.
Guildo Horn: Manchmal verhalte ich mich einfach sowas von doof, aber das bin dann ich und
Guildo Horn: das muss ich dann irgendwie mit mir selber ausmachen und mal gucken,
Guildo Horn: dass ich das im Optimalfall das nächste Mal anders mache.
Simi Will: So, da sind wir beim nächsten Thema, Pädagogik.
Guildo Horn: Oh ja, Hilfe.
Guildo Horn: Ich habe mir deinen Podcast angehört mit dem Michael Schmid-Salomon,
Guildo Horn: ist ein alter Studienkollege von mir und ich habe mich total gefreut,
Guildo Horn: weil ich hatte mit Michael so lange keinen Kontakt,
Guildo Horn: Und ich fand es wirklich richtig gut, das ist echt ein super Typ und ja,
Guildo Horn: ich fand es einfach, ich habe mich gefreut, weil der Michael ist immer bereit oder in der Lage,
Guildo Horn: irgendwelche Denkansätze rauszupusten, die ich noch nicht gehabt habe und die mich bereichern.
Simi Will: Ja, wunderbar. Das ging mir auch so.
Simi Will: Und ich habe Tatsache Bücher von ihm aus Zufall gelesen, ohne ihn wiedererkannt zu haben in Berlin.
Simi Will: Und dann komme ich irgendwie wieder hierher und dann wird er mir vorgeschlagen.
Simi Will: Ganz berühmter Philosoph, kommt auch aus Trier.
Simi Will: Und dann habe ich das gegoogelt und sehe ich, das ist der, der im Café Chacha
Simi Will: immer die Frischware vom Viehmarkt gebracht hat.
Guildo Horn: Genau, da hat sein Vater ja.
Simi Will: Weil sein Vater hatte so einen Gemüsegroßhandel oder ich weiß nicht was am Viehmarkt
Simi Will: und hat quasi das Café Chacha, wo ich in den 80ern gekellnert habe,
Simi Will: mit Frischware beliefert.
Simi Will: Und wir waren immer alle so ein bisschen verliebt in den, weil er so niedlich aussah.
Simi Will: Aber er war nicht böse genug, weil damals stand man ja in den 80ern bekanntlicherweise
Simi Will: auf Ablehnung und nicht auf Zugewandtheit.
Simi Will: Keine Ahnung, warum das so war, aber das war so. Jedenfalls,
Simi Will: genau, Michael Schmidt-Salomon ist auch jemand für mich, der mega wichtig ist,
Simi Will: weil er, wie ich finde, Sachen, also humanistische Themen so verwendet,
Simi Will: aufgeschrieben hat, dass man sie verstehen kann.
Guildo Horn: Ja.
Simi Will: Und oftmals finde ich die Geisteswissenschaften so ein bisschen Elfenbeinturmartig,
Simi Will: auch wenn sie von sich behaupten, dass sie das nicht sind.
Simi Will: Und ich finde total wichtig, wenn die ganzen Geisteswissenschaften mehr down to earth mitbekämen,
Simi Will: also mehr aus der Praxis erfahren würden oder sich mehr für die Praxis interessieren
Simi Will: würden. Das ist so das eine.
Guildo Horn: Ja, da gebe ich dir vollkommen recht. Das ist natürlich ein totales Luxusgut,
Guildo Horn: dass man rumdenken kann und man muss ja irgendwie eigentlich überhaupt nichts verändern.
Guildo Horn: Also ich weiß, ich bin so ganz einfach aufgewachsen und einfach zur Schule gegangen
Guildo Horn: und mit, ich bin ja in Trier da Moselstadion groß geworden, da war auf der anderen
Guildo Horn: Seite der Sonnenschein und hinten dann die Tursusstraße und so.
Guildo Horn: Und ich bin halt auch wirklich mit Schülern aller Fachbereiche so in Unterricht gegangen.
Guildo Horn: Und ich finde es eigentlich mega, weil es bringt dich einfach dahin zu sagen, wo du herkommst.
Guildo Horn: Und es gibt halt auch noch anderes, als so dieses akademisch sein so nach vorne zu stellen.
Guildo Horn: Das geht mir total auf den Sack. Das ist was ganz Schlimmes.
Guildo Horn: Und ich finde, daran krank einfach auch unsere Gesellschaft.
Guildo Horn: Ist mit ein Grund, weswegen so eine Partei wie die AfD so groß wird.
Guildo Horn: Weil, wie anmaßend ist das, dass man sich irgendwie als Akademiker mehr oder besser fühlt.
Guildo Horn: Oder man glaubt, man hat dem Planeten so viel mehr dazu zu tun als ein Handwerker,
Guildo Horn: als ein normal arbeitender Mensch.
Guildo Horn: Das ist totaler Bullshit und es nervt einfach nur.
Simi Will: Es nervt wahnsinnig. Und ich muss sehr ehrlich sagen, Ich bin froh,
Simi Will: dass ich wieder an der Basis arbeite jetzt in Trier,
Simi Will: an der Berufsbildenden, weil das macht richtig glücklich, ohne Scheiß,
Simi Will: weil ich im Einzelfall wirklich Biografien retten kann, wenn es so schön heißt.
Simi Will: Ja, in der Arbeit, die man macht, happy zu sein, ist für mich echt Glück und
Simi Will: Reichtum und alles zusammen.
Simi Will: Und ja, also ich kämpfe so ein bisschen dafür, dass in Trier,
Simi Will: was so ein bisschen überschaubarer ist,
Simi Will: dass die Uni mit denen in der Praxis sich zumindest kennen. Weißt du so? Ja, ja.
Guildo Horn: Dass sie zumindest von der Uni wissen, dass es die anderen gibt,
Guildo Horn: das wäre ja schon ein Fortschritt.
Guildo Horn: Ja, es ist echt schwierig. Ich beobachte das ja aus der Ferne,
Guildo Horn: bin im Herzen wirklich immer noch Trierer.
Guildo Horn: Ich meine, du kennst das auch, wohnst du in Berlin, aber irgendwie ist man Trierer, ne?
Guildo Horn: Bleibt man. Oder Rinn halt in deinem Fall.
Guildo Horn: Und dann kriegst du mit so das Ex-Haus. Das Ex-Haus war für mich immer Anlaufstelle Nummer eins.
Guildo Horn: Da bin ich hingekommen so mit neun Jahren. Ich habe daneben gewohnt und habe
Guildo Horn: das alles so erlebt. Mein erster Proberaum.
Guildo Horn: Ich hatte mit Kumpels da einen Jugendraum.
Guildo Horn: Und das finde ich total wichtig, dass es in Trier was gibt, auch für die bildungsferneren
Guildo Horn: Schichten, dass zu Hause irgendwas, wo man aufgefangen wird.
Guildo Horn: Und wenn das so den Bach runtergeht und da denkt auch niemand,
Guildo Horn: dass es da irgendwie was Neues geben muss und das macht mich fassungslos.
Guildo Horn: Auf der anderen Seite, ich meine, ich bin auch wirklich echt ein Kulturfreund,
Guildo Horn: werden dann in höhere Kulturdinger mehr Geld reingesteckt und ja,
Guildo Horn: auch, aber bitte, helft denen, die haben es wirklich extrem nötig.
Simi Will: Da sprichst du mir natürlich aus der Seele, Mensch Horst, ich wusste gar nicht,
Simi Will: dass wir wirklich so in eine Richtung laufen.
Guildo Horn: Nee, aber was natürlich mal wieder mit einem Vorurteil zu tun hat.
Guildo Horn: Ich meine, bei mir ist es grundsätzlich so, die meisten Menschen,
Guildo Horn: wenn ich Leute kennenlerne, das ist egal, wo ich wohne, egal,
Guildo Horn: wo ich bin, innerhalb Deutschlands, deutschsprachiger Raum, man trifft mich.
Guildo Horn: Der Mensch, der mir begegnet, hat immer eine Meinung von mir.
Guildo Horn: Jeder denkt immer zu wissen, wer ich denn eigentlich bin.
Guildo Horn: Und das ist total irre, weil ich bin einfach.
Guildo Horn: Ich bin einfach. Ich bin nicht der oder ich bin alle, also die ich gerade sein
Guildo Horn: will oder die ich gerade bin.
Guildo Horn: Und nur weil ich auf der Bühne halt dieses Ding bin, dieses Ding von einer anderen
Guildo Horn: Welt, Ja, ja, bin ich aber trotzdem noch ein denkender Mensch.
Simi Will: Ja, das geht mir auch schon so, ob du es glaubst oder nicht.
Simi Will: Ich habe ja einen deutlich kleineren Fame-Radius.
Simi Will: Aber was Trier angeht oder Kleinstädte, sage ich mal, gehört es auch,
Simi Will: glaube ich, dazu, dass die Leute, nicht die Leute, also ich verallgemeine immer,
Simi Will: muss ich vorausschicken aufgrund meiner Sozialisation.
Simi Will: Ich glaube aber, dass es oft so ist, dass die Leute Dinge in den Griff kriegen wollen, dass sie das...
Simi Will: Ja, also eher so in den Griff kriegen wollen und deswegen diese ganzen Zuschreibungen machen.
Simi Will: Ja, und ich bin zum Beispiel die, die immer überall gekellnert hat.
Simi Will: Weißt du, so. Und die ist ja krass und die war ja früher krass und ist ja heute krass.
Simi Will: Dabei bin ich nach Berlin gegangen, um normal zu werden.
Simi Will: Leider hat es nicht ganz funktioniert. Naja, wäre ja auch schade.
Guildo Horn: Also ich meine, die Frage ist ja ohnehin, was ist normal, ne?
Guildo Horn: Aber da bist du nicht die mit dem Wolf tanzt, sondern die, die gekellnert hat. So, ne?
Simi Will: So, ganz genau. Alles.
Guildo Horn: Da habe ich übrigens einen sehr guten Spruch von dir. Den hast du mit deiner
Guildo Horn: Schwester Streit gehabt. Darf ich das hier sagen?
Simi Will: Ja, bitte. Immer.
Guildo Horn: Dann hast du gemeint, dass die in der Pocahontas-Welt lebt. Und da musste ich so lachen.
Guildo Horn: Und den habe ich mal echt behalten. Den fand ich wirklich total witzig. War extrem gemein.
Guildo Horn: Ich mag deine Schwester, davon abgesehen. Aber ich habe in dem Moment gewusst, was du meinst.
Simi Will: Ja, Pocahontas. Uli, hast du, hört, hört.
Simi Will: Pocahontas, weiß meine Schwester auch heute noch. Aber ich kriege gleich Pippi
Simi Will: ins Auge, das hast du dir gemerkt.
Guildo Horn: Ja, ja, klar, weil das war irgendwie, das war einfach ein Oberspruch.
Guildo Horn: Wie ihr euch da gestritten habt. Ich habe dabei gestanden. Die Uli hat ja auch
Guildo Horn: gearbeitet beim Johannes in der Kneipe.
Guildo Horn: In Dementi. Genau, und wir haben zusammen da gestanden und ihr zwei im Zoff und dann kommt sowas.
Guildo Horn: Und das hat tiefe Gedächtnisspuren hinterlassen.
Simi Will: Ja, irre. Dann muss ich jetzt auch noch eine Geschichte von früher rauslassen.
Simi Will: Ich hoffe, ich darf das. Wenn nicht, muss ich es halt rausschneiden.
Simi Will: Wir kennen uns ja auch aus dem Feierbereich. Ich bin zwei-, dreimal mit dir
Simi Will: ordentlich abgestürzt, wie das in den 80ern so hieß.
Simi Will: Ich habe wenig Erinnerung an die 80er, muss ich dazu sagen.
Simi Will: Aber was ich nie vergessen habe, war, dass du mir tatsächlich,
Simi Will: als wir das mal bei dir zu Hause waren,
Simi Will: deine Plattensammlung gezeigt hast und die war in so einem Musikschrank,
Simi Will: den damals, heute Retro, Mid-Century haben, dass alle irgendwie im Wohnzimmer stehen.
Simi Will: Aber damals war das ein echtes Alleinstellungsmerkmal und wir haben die ganze
Simi Will: Nacht über irgendwelche Singles gehört, mitgesungen und dann haben wir noch
Simi Will: ein Musical gespielt mit deinem Kuscheltier, dem Geknatschten.
Guildo Horn: Sagt dir das noch was? Ja, klar, natürlich.
Simi Will: Der Geknatschte war so ein, ich weiß nicht, was
Guildo Horn: Vielleicht war ein Hase. Der ist noch, also, nein, nein, nein, der ist ein Affe.
Guildo Horn: Also, ist ein Affe und der heißt Geknatschter, weil, das war halt so mein Kuscheltier, weil ich...
Guildo Horn: Habe halt immer an dem rumgeküsst, geknatscht. Und der hat so ein Ledergesicht gehabt.
Guildo Horn: Und meine Oma war eine gute, die hat gut, wie heißt das, genäht und so.
Guildo Horn: Ich glaube, der Geknatschte hat insgesamt zehn Gesichter gehabt,
Guildo Horn: weil ich die durchgearbeitet habe mit meiner ganzen Liebesfähigkeit.
Simi Will: Totgeliebtes Tier, was?
Guildo Horn: Ja, der Geknatschte hat mit dem gleichen Schlafanzug gehabt wie ich.
Guildo Horn: Also wir waren Partnerlook, Schlafanzug, ja.
Guildo Horn: Oh Gott, wie süß. Ja, und die AEG-Musiktruhe, die gibt es immer noch. Die steht hier bei mir.
Guildo Horn: Und ich habe irgendwann mal, habe ich die sauber gemacht.
Guildo Horn: Die brauchte mal eine Reinigung. Und dann habe ich ein Geheimfach entdeckt.
Guildo Horn: Und da hat meine Großtante, von der habe ich die ja geerbt, hat meine Großtante
Guildo Horn: da ihren Notgroschen drin gehabt. Das waren damals 1000 Mark.
Simi Will: 1000 Mark gebügelt.
Guildo Horn: Und dann noch, glaube ich, für 5 Mark Briefmarken. Auch gebügelt.
Guildo Horn: Da bin ich sofort losgezogen damals in der Tufa, in der Kneipe.
Guildo Horn: Und habe dann erst mal eingeladen auf meine verstorbene Großtante. Wie geil.
Simi Will: Was für eine Story. Aber geknatschen, weißt du, es gibt so Sachen,
Simi Will: die vergisst man nie. und Knatschen ist ja so ein Trierer Wort für...
Guildo Horn: Sagen wir mal Liebkosen, oder?
Simi Will: Ja, nee, Knatschen ist, ich weiß nicht genau, ich kenne das Wort.
Guildo Horn: Ja, feucht, Liebkosen, also ich habe auf jeden Fall so halb kauen,
Guildo Horn: halb irgendwie küssen. Ich muss mal gerade hier den Zinken putzen.
Simi Will: Ja, mach. Der geknatschte, wirklich. Ich sehe es vor mir. Ich dachte,
Simi Will: es wäre ein Hase gewesen, aber es war...
Guildo Horn: Der hat auch keine Ohren mehr gehabt. Genau, totgeliebt das Tier.
Guildo Horn: Ja, so ist das.
Guildo Horn: Oh, Wahnsinn.
Simi Will: Fame-Müdigkeit habe ich mir jetzt noch aufgeschrieben. Ich springe mal so ein
Simi Will: bisschen durch die Gegend. Was ist das? Fame-Müdigkeit.
Guildo Horn: Ach so, dass es einem irgendwie um den Keks geht, berühmt zu sein oder sowas.
Simi Will: Ja. Gibt es das?
Guildo Horn: Ja. Also, wie gesagt, ich habe mir das so nicht ausgedacht, dass es einfach
Guildo Horn: irgendwie passiert durch Dinge, durch Kreativität.
Guildo Horn: Ich habe Leute getroffen, die mich auf meinem Weg begleitet haben,
Guildo Horn: den Johannes zum Beispiel auch, der hat mir echt viel geholfen.
Guildo Horn: Meine damaligen Bandkollegen, meine jetzigen Bandkollegen, den Helmut Rücker,
Guildo Horn: der war damals Marketingchef bei der EMI Elektrola und der hat mich irgendwann, das war 1997,
Guildo Horn: zu sich gebeten. und hat gesagt, pass auf, wir starten jetzt eine Riesenkampagne,
Guildo Horn: und danach wird sich dein Leben komplett ändern.
Guildo Horn: Danach kannst du nie wieder auf die Straße gehen, ohne erkannt zu werden.
Guildo Horn: Und dann habe ich mich, ich habe wirklich auf den Boden gelehnt vor Lachen.
Guildo Horn: Ich habe gesagt, ich bin da schon berühmt. Ich habe damals schon Rock am Ring gespielt und alles.
Guildo Horn: Ich habe gedacht, das wäre so dieser Step und mehr geht nicht.
Guildo Horn: Und danach ist es dann halt wirklich so richtig über mich gespielt.
Guildo Horn: Reingebrochen. Also das bräuchte ich definitiv nicht mehr.
Guildo Horn: Also so diese Grand Prix war ganz toll, aber ist auch mal spannend, das mitzuerleben.
Guildo Horn: Aber ich denke immer bei so Sachen wie Deutschland sucht den Superstar oder
Guildo Horn: so, wo so Leute von null dann auf hundert katapultiert werden sollen.
Guildo Horn: Ihr wisst überhaupt nicht, auf was ihr euch da einlasst. Man muss in der Rübe
Guildo Horn: muss man sehr stabil sein.
Guildo Horn: Das darf einen irgendwie, man darf keinen an die Klatsche kriegen, so Größenwahn.
Guildo Horn: Man darf aber sich auch nicht umhauen lassen. Wie viele Leute habe ich schon
Guildo Horn: getroffen in meinem Leben, die mir gesagt haben, deine Karriere ist zu Ende,
Guildo Horn: du bist nur von mir abhängig.
Guildo Horn: Wenn ich nicht mehr dabei bin, dann bist du irgendwas.
Guildo Horn: Das ist alles Gesülze. Ich weiß heute, ich ruhe total in mir.
Guildo Horn: Es ist ein Beruf, ein wahnsinnig geiler Beruf, aber auch nicht mehr.
Guildo Horn: Ich gehe auf die Bühne, ich mache das und dann gehe ich von der Bühne und dann
Guildo Horn: bin ich das schon nicht mehr.
Guildo Horn: Dann bin ich der Privatmensch. Zu Hause bei uns ist das überhaupt kein Thema.
Guildo Horn: Außer wir proben hier bei uns zu Hause mit der Band.
Guildo Horn: Ich habe hier so ein Musikstudio.
Guildo Horn: Aber ansonsten ist Guildo Horn ein nettes Beiwerk.
Guildo Horn: Und manchmal, wenn ich einkaufen gehe, dann stehe ich da und mich labert jemand an oder so.
Guildo Horn: Und dann habe ich in dem Moment vielleicht vergessen, dass ich Gillohorn bin,
Guildo Horn: weil ich mich halt nicht, ich finde es total erbärmlich, wenn Menschen sich
Guildo Horn: nur auf ihren Fame beziehen.
Guildo Horn: Das finde ich total erbärmlich. Ich finde das irgendwie, das tut mir irgendwie
Guildo Horn: leid, weil dann gibt es nicht viel dahinter.
Guildo Horn: Das ist irgendwie, ich will gehört werden, ich will gesehen werden,
Guildo Horn: ich bin, das bin ich nicht.
Simi Will: Ich ja schon.
Guildo Horn: Bist du da?
Simi Will: Ja, ja. Ich habe immer versucht.
Guildo Horn: Na, wie ehrlich du bist. Das ist ja cool.
Simi Will: Es bleibt mir nichts übrig. In dem Alter, ich habe nicht mehr viel Zeit.
Simi Will: Ich sage, ich sterbe bald,
Guildo Horn: Bis es soweit ist. Wie lange? Wann willst du sterben?
Simi Will: Ich habe es noch nicht so ganz entschieden. Immer wenn ich denke,
Simi Will: ist gerade scheiße, wird es wieder gut. Und deswegen.
Simi Will: Aber ich habe ja jetzt viel mit Alter zu tun. Wie du weißt, ich bin ja auch
Simi Will: wegen meiner Eltern zurückgekommen.
Simi Will: Und das macht total glücklich, weil Sinn, ich habe ständig Sinn um mich rum
Simi Will: und denke, jetzt kann ich berühmt werden.
Guildo Horn: Eigentlich müsstest du Sinni heißen. Sinni, vielleicht ändere ich das.
Guildo Horn: Ja, ich finde das toll im Übrigen, was du da machst.
Guildo Horn: Also mit deinen Eltern finde ich super. Aber ich glaube, das ist,
Guildo Horn: ich habe ja im Moment auch meine Mutter, die wird ja auch nicht jünger und so.
Guildo Horn: Und man kommt irgendwo in einen Bereich, wo man den extrem zur Seite stehen muss.
Guildo Horn: Und ich finde, da schließt sich der Kreis und das tut echt gut,
Guildo Horn: weil man hat was gekriegt und man gibt was.
Guildo Horn: Und das ist so, da muss man auch kein Danke für haben oder irgendwas.
Guildo Horn: Es ist einfach, ja, es ist einfach.
Simi Will: Ja, ich sage immer, das Danke ist, dass ich, ich habe so oft keinen Bock hinzufahren
Simi Will: und mich nervt es. Ich war hin und sofort ist alles wieder gut.
Simi Will: Weißt du, weil einfach was zu haben, was Sinn macht, kann ich jedem empfehlen.
Simi Will: Scheißegal, ob es Fame gibt oder nicht.
Simi Will: Fame, da waren wir. Trotzdem nochmal zurück zum Fame. Ich wollte immer berühmt
Simi Will: werden. Ich wollte früher auch Schauspielerin werden.
Simi Will: Hab aber den Vergleich nicht ausgehalten.
Simi Will: Weißt du, dieses da sind ja immer welche besser. Du musst ständig in der Konkurrenz sein.
Simi Will: Und hast dich aber selbst noch
Simi Will: gar nicht gefunden. Du weißt noch gar nicht, wer du bist. Weißt du so?
Simi Will: Und sollst dann dich vergleichen mit anderen. Das funktioniert einfach nicht.
Simi Will: Und deswegen bin ich heute jetzt im Alter eigentlich ziemlich glücklich,
Simi Will: weil ich mich selber leihen kann.
Guildo Horn: Also ich muss auch mal sagen, also ich finde das auch echt toll,
Guildo Horn: dass du so, du machst die Kultur, du machst dieses Ding da so aus dir raus und
Guildo Horn: da habe ich riesen Respekt vor,
Guildo Horn: ich finde das ganz toll, das hast du in Berlin gemacht, jetzt bist du in Trier
Guildo Horn: und irgendwie du bereicherst die Stadt und das ist was ganz Gigantisches.
Guildo Horn: Nee, weil es einfach richtig gut ist. Und du bist auch extrem unik.
Guildo Horn: Du bist so einzig. Und das ist eigentlich das.
Guildo Horn: Ich habe das halt sehr früh so in die Wiege gelegt bekommen,
Guildo Horn: dass ich so, ja, das letzte Einhorn, der meandert da irgendwie durch sein Leben.
Guildo Horn: Und ich habe mich nie in Konkurrenz mit irgendwelchen Menschen gesehen.
Guildo Horn: Tue es auch heute nicht. Das ist mir egal, was.
Guildo Horn: Gönne jedem, jeden Erfolg und so. Man soll mich einfach nur in Ruhe lassen und
Guildo Horn: mein Ding machen lassen.
Guildo Horn: Wenn einer das nicht mag, was ich mache oder nicht gut findet, ist mir auch egal.
Guildo Horn: Ich finde es gut, deswegen mache ich es. Das ist ja auch mit Sicherheit für
Guildo Horn: dich auch so eine Art Daseinsbewältigung.
Guildo Horn: Das tut gut, während man das macht.
Guildo Horn: Zum Beispiel jetzt, wir unterhalten uns. Wie geil.
Guildo Horn: Ein Job ist irgendwie so ein Ding und man hat Fun dabei. Das ist schön.
Guildo Horn: Man ist dann im, also Pädagogik im Hier und Jetzt.
Guildo Horn: Man denkt nicht nach vorne, man denkt nicht nach hinten, man ist im Tun. Und das ist ganz toll.
Simi Will: Und das ist auch das sehr gut. Das kann ich jetzt immer als Antwort geben.
Simi Will: Warum machst du denn diesen Podcast?
Simi Will: Neben der Tatsache, dass ich sehr gerne spreche und im Mittelpunkt stehe,
Simi Will: ist es halt dieses im Jetzt und Hier sein.
Simi Will: Klingt teesockig, ist aber ganz präzise, so wie man früher gespielt hat als Kind.
Simi Will: Und irgendwann, jetzt ist aber Schluss, jetzt muss aufgeräumt werden und plötzlich
Simi Will: wirst du so zurückgeholt in die echte Welt.
Simi Will: Und so fühlt sich das auch an, weil ich komme aus dem Podcast raus und bin beseelt, jedes Mal.
Guildo Horn: Dann hast du für dich die richtige Sache gefunden. Das ist ja,
Guildo Horn: also das muss ja auch nicht Kultur sein, das kann ja auch der eine häkelt gerne,
Guildo Horn: die andere treibt Sport.
Guildo Horn: Das ist einfach so dieses Ding für sich finden, wo man sich in sich selbst versenkt.
Guildo Horn: Ich habe ja, wie du weißt, in der Lebenshilfe gearbeitet. Ich bin ja,
Guildo Horn: Nach dem Abitur, nach dem dann verliehenen Abitur, so auf den letzten Drücker, 3,6.
Simi Will: 3,4.
Guildo Horn: Echt? Oh ja, auch nicht gut. Und habe ich mein soziales Jahr in der Lebenshilfewerkstätte abgeleistet.
Guildo Horn: Und da bin ich dann auf die geistig Behinderten getroffen.
Guildo Horn: Und das war dieses Erweckungserlebnis. Das war total abgefahren,
Guildo Horn: weil die Leute galten halt als geistig behindert.
Guildo Horn: Ich habe zum ersten Mal mit geistig Behinderten musizieren dürfen,
Guildo Horn: habe mich selber beim Musizieren immer reflektiert und habe dann gesehen,
Guildo Horn: die brüllen drauf los, die tanzen drauf los, die machen drauf los.
Guildo Horn: Das ist vielleicht nicht qualitativ jetzt, das groovt halt nicht oder so.
Guildo Horn: Aber die haben halt so dieses einfach Dasein, einfach Freude haben.
Guildo Horn: Das wollte ich haben. Das hat mich so richtig angemacht.
Guildo Horn: Ich habe in den ersten Monaten in der Lebenshilfe, ich konnte über nichts anders
Guildo Horn: reden, wenn ich nach Hause gekommen bin. Ich musste mich permanent mitteilen.
Guildo Horn: Und dann habe ich mir das da abgeguckt. Dieses einfach unreflektiert musizieren, einfach machen.
Guildo Horn: Daraus bin ich ganz sicher, daraus ist dann auch Guildo Horn entstanden.
Guildo Horn: Weil ohne das hätte es das nicht gegeben.
Guildo Horn: Da wäre ich weiter so ein eitler, sich selbstreflektierender Musikant geblieben.
Simi Will: Und deswegen heißt auch dein Hörbuch Die Guildomacher.
Guildo Horn: Genau, ganz genau.
Simi Will: Da habe ich nämlich zuerst gedacht, ja klar, da kommen dann alle,
Simi Will: werden dann vorgestellt, die auf dem Weg zur Karriere irgendwie wichtig waren.
Simi Will: Aber das waren die Leute aus der Lebenshilfe.
Guildo Horn: Genau, ich habe zwar wirklich echt auch eine Menge Leute, die Weggefährten,
Guildo Horn: Gefährtinnen, alles, Hund, Katze, Maus.
Guildo Horn: Natürlich hat man immer jedem irgendwas zu danken, aber das war für mich auf jeden Fall was so an...
Guildo Horn: Meine Software angeht, auf der ich laufe, die haben mich auf jeden Fall ziemlich gepimpt.
Guildo Horn: Und das begleitet mich bis heute. Ich habe jetzt gerade, wann war denn das?
Guildo Horn: Was haben wir denn heute für einen Tag? Ich weiß überhaupt nicht.
Simi Will: Heute ist Montag, der 23. März. Ah, wie schön. März, ja.
Guildo Horn: März. Ich habe jetzt am Freitag, war ich hier in Köln in einem Studio.
Guildo Horn: Da wird es demnächst einen Inklusionssong geben.
Guildo Horn: Mit dabei der Henning Krautmacher, der ehemalige Sänger von den Höhnern.
Guildo Horn: Der Mann mit dem Schnauzbart. Der hat das auch initiiert, zusammen mit dem 1. FC Köln.
Guildo Horn: Carolin Kebukus ist dabei, Annette Frier. Ich bin dabei. und eine Menge behinderter
Guildo Horn: Sportlerinnen, Sportler, Musikanten und so.
Guildo Horn: Und wir haben uns am Freitag dann irgendwie getroffen, um das Ding einzusingen,
Guildo Horn: um ein Video zu machen und so.
Guildo Horn: Und ich muss mal wieder sagen, die normalsten Menschen waren mal wieder die
Guildo Horn: Behinderten. Das ist echt total klasse.
Guildo Horn: Weil ich mag das einfach so, wenn ein Mensch so ist, wie er ist.
Guildo Horn: Wenn das einfach so, ich finde das total klasse, wenn du irgendwie sagst,
Guildo Horn: ich wollte aber immer behindert werden. Entschuldigung.
Simi Will: Ja, genau. Nein, geil. Das ist geil. Das lassen wir drin, Horst.
Guildo Horn: Okay, hast du geschafft. Nee, Quatsch. Ich wollte immer berühmt werden. Das ist so ehrlich.
Guildo Horn: Wer ist denn heutzutage noch ehrlich?
Guildo Horn: Und gerade bei mir, in meinem Business ist es wirklich echt,
Guildo Horn: ach Gott, hier sind so viele Egonauten unterwegs.
Guildo Horn: Und da ist so viel, man will so viel und will so viel sein. Und irgendwie ist
Guildo Horn: es eigentlich blöd. Das ist einfach nur...
Simi Will: Ja, ich muss sagen, das mit dem ehrlich...
Simi Will: Ich habe irgendwann mit dem Trinken aufgehört zum Beispiel.
Simi Will: Ab da fing mein zweites Leben so ein bisschen an.
Simi Will: Ich habe immer getrunken, um besonders zu sein oder um locker zu sein oder irgendwas
Simi Will: zu bedienen, damit alle mich toll finden.
Simi Will: Jetzt finden mich überhaupt nicht mehr alle toll, aber ich bin einfach Humanistin geworden.
Simi Will: Ich mag die Menschen, weil alles andere erzeugt nur Mist und wieder Mist.
Simi Will: Deswegen versuche ich, so ehrlich wie möglich zu sein, weil ich will auch nicht,
Simi Will: also ich halte es nicht mehr aus sonst.
Simi Will: Weißt du, wie ich meine? Also so dieses nettes Geplank, ich muss nicht mit jedem
Simi Will: befreundet sein, das funktioniert auch nicht.
Simi Will: Aber ich kann trotzdem auch, beispielsweise war ich letztens bei so einer,
Simi Will: war ich angefragt als Moderatorin für so eine Frauen, für so eine Ausstellung in Waldrach war das.
Simi Will: So ein gemeinnütziger Verein. Ich kannte da niemand.
Simi Will: Da war nur einfach eine nette Frau, die meinen Podcast zufällig hört.
Simi Will: Also niemand aus meiner coolen Posse oder sonst woher, sondern ich kannte die nicht.
Simi Will: Bin dahin und hatte so einen schönen Abend mit Leuten, die ich wahrscheinlich
Simi Will: niemals getroffen hätte, weil sie aus einer ganz anderen Bubble kommen.
Simi Will: Aber es ging alles ganz schnell.
Simi Will: Ich war aufgeregt und wenn ich aufgeregt bin oder unsicher, muss ich noch ehrlicher
Simi Will: sein, damit es schnell weggeht.
Simi Will: Ich habe so ein Trauma, dass ich irgendwo stehe und beim Lügen erwischt werde
Simi Will: und der Boden tut sich auf.
Simi Will: Und das ist für mich so unangenehm. also das Wort Schämen zum Beispiel...
Simi Will: Und ist so nachhaltig platziert bei mir, dass ich alles versuche,
Simi Will: um mich nicht zu schämen.
Simi Will: Und wenn ich so ehrlich bin, wie es geht, wird der Schamanteil kleiner.
Simi Will: Ich schäme mich einfach nicht mehr. Es ist so take it or leave it.
Simi Will: Ich tue niemandem was. Ich versuche auch nett zu sein, klar.
Simi Will: Aber ja, ich kann es nur jedem empfehlen. Es macht mir Spaß.
Guildo Horn: Ich mache das auch, das ist, also mit diesem Wahrheitszahlen,
Guildo Horn: meine Mutter hat früher immer das, das fand ich echt, da hat die sich überhaupt
Guildo Horn: keine Gedanken drüber gemacht, die hat mir immer suggeriert, dass ich so gläsern bin.
Guildo Horn: So, ich sehe dir immer an, wenn du lügst, ich sehe dir an, wenn du irgendwas
Guildo Horn: sagst, was nicht stimmt, dann kriegst du, hat die mir immer gesagt,
Guildo Horn: bekomme ich ein Kreuzchen auf die Stirne, also ich weiß nicht, Schwachsinn, ne?
Guildo Horn: So, und dann habe ich echt gedacht, mir sieht man das ohnehin an, wenn ich lüge.
Guildo Horn: Und dann habe ich angefangen, einfach nur noch die Wahrheit zu sagen.
Guildo Horn: Ich sah einfach gerade raus, ich mache das auch manchmal, das ist echt hart.
Guildo Horn: Was weiß ich, für meine Partnerin, meine Frau, wenn die mit mir unterwegs ist.
Guildo Horn: Und dann kommen Leute und die denken dann immer, sie haben ein Anrecht auf mich.
Guildo Horn: Und meine Frau steht daneben und die wird überhaupt nicht gegrüßt.
Guildo Horn: Und fangen an, mir irgendwie einfach ein Ohr zu schrauben.
Guildo Horn: Dann kann das sein, dass ich einfach mich rumdrehe und gehe.
Guildo Horn: Oder dass ich einfach sage, schämen Sie sich nicht. Also ganz ehrlich,
Guildo Horn: was ist das? Ich interessiere mich überhaupt nicht.
Guildo Horn: Für das, was Sie jetzt gerade sagen, dann kriege ich einen in die Seite rein.
Guildo Horn: Aber so bin ich dann halt. Ich kann das auch nicht ertragen.
Guildo Horn: Ich finde, es ist viel einfacher.
Guildo Horn: Wobei man auch aufpassen muss. Ich habe das in letzter Zeit ab und an mal gehabt.
Guildo Horn: Man kann natürlich mit seiner Ehrlichkeit auch Menschen verletzen.
Guildo Horn: Und da arbeite ich dran, weil nicht jeder kann damit umgehen.
Guildo Horn: Ich liebe direkte Rückmeldungen, aber nicht jeder kann direkte Rückmeldungen verarbeiten.
Guildo Horn: Für manche ist das dann wirklich irgendwie so ein...
Guildo Horn: Einen von Bug, den die nie wieder loswerden oder so. Will ich auch nicht.
Simi Will: Nee, das will ich auch nicht. Aber deswegen sage ich auch, trotzdem versuche ich nett zu bleiben.
Simi Will: Auch wenn, Malu Dreyer hat mir letztens gesagt, Simi, du musst auch mal akzeptieren,
Simi Will: dass die Leute nicht alle so schnell auf deinen Zug aufspringen.
Simi Will: Lass den Leuten ihre Zeit. Du erschlägst die mit deiner Ehrlichkeit. Da ist auch was dran.
Simi Will: Da ist auf jeden Fall was dran, aber ich mache trotzdem weiter.
Guildo Horn: Mein Gott, davon abgesehen, der Unterschied zwischen Malu und dir,
Guildo Horn: du bist keine Politikerin.
Simi Will: Noch nicht.
Guildo Horn: Willst du gerne?
Simi Will: Nein, um Gottes Willen. Da kann ich mich genauso in die Ecke setzen und ritzen.
Simi Will: Aber ich habe so das Gefühl, das will bald keiner mehr. Wegen dem Personen-Bashing.
Simi Will: Weil ich sage mittlerweile, ich war mal vorgeschlagen übrigens für die Bürgermeisterin von Gusterath.
Simi Will: Das war ein letzter Versuch berühmt zu werden im Rubertal. Das habe ich aber
Simi Will: dann schnell sein lassen.
Guildo Horn: Ich glaube, gerade auf dem Land ist das ganz schön hart.
Guildo Horn: Du musst in alle Dorfvereine rein, du musst dich da komplett socialisen und so.
Guildo Horn: Und boah, ich weiß nicht. Also ich mache das hier.
Guildo Horn: Ich versuche hier bei uns, wo ich wohne, beruflich überhaupt keine Fußstapfen zu hinterlassen.
Guildo Horn: Ich spiele hier nicht, auch im Umkreis nicht.
Guildo Horn: Mich gibt es hier einfach nur als Horst, als im Freibad.
Guildo Horn: Ich rede hier über das Wetter, über den Acker, über irgendwelche Sachen.
Guildo Horn: Aber ich mache das nicht. Das will ich hier nicht haben. Ich möchte einfach
Guildo Horn: einer unter vielen sein. Ist auch toll.
Guildo Horn: Also wenn man mal bekannt ist oder so richtig bekannt oder berühmt ist,
Guildo Horn: berüchtigt oder wie auch immer man das nennen mag, dann weiß man das zu schätzen.
Guildo Horn: Ich finde das Geilste ist, dich in ein Freibad reinlegen zu können,
Guildo Horn: ohne dass du permanent abgeknipst wirst.
Guildo Horn: Ist ja so, ey, dieses ganze Handyzeug, das geht mir auch so auf den Zeiger.
Guildo Horn: Also Handy in Ehren, man kann telefonieren. Aber dieses permanent Fotografieren,
Guildo Horn: auch so ungefragt fotografiert zu werden, gefilmt zu werden, egal wo du bist, hart.
Simi Will: Ja, das glaube ich.
Guildo Horn: Eieiei, also bin ich.
Simi Will: Das mache ich. Wie ist es denn bei den Konzerten?
Guildo Horn: Oh, schlimm, schlimm. Ich werde da zum Teil wirklich wahnsinnig.
Guildo Horn: Also die erste Erfahrung habe ich gemacht, ich gehe selten selber auf Konzerte.
Guildo Horn: Ich war hier bei Fleetwood Mac und habe mich schon ein halbes Jahr vorher,
Guildo Horn: und dieser Abend, dann habe ich so in der Hälfte gesessen und die fingen an
Guildo Horn: zu spielen, das war echt richtig gut.
Guildo Horn: Auf einmal steht alles auf, das war bestuhlt in der Köln Arena und ich gucke
Guildo Horn: nur noch von hinten in Handys rein. Und da bin ich gegangen.
Guildo Horn: Das ist nicht in meiner Welt. Ich finde halt bei diesem Handy gucken,
Guildo Horn: das Problem ist ja nicht nur, dass,
Guildo Horn: Das ist, dass es mich nervt. Mich nervt ja am allermeisten, dass die Leute es
Guildo Horn: nicht auf die Reihe bekommen, sich diesen One Moment in Time zu nehmen.
Guildo Horn: Darum geht es bei Live-Konzerten.
Guildo Horn: Das ist ja genauso, wie ich sage, einfach so dieses Hier und Jetzt.
Guildo Horn: Leute, das ist ein Angebot, das ist Live-Musik, das ist nicht halt irgendwie
Guildo Horn: YouTube oder irgendwas. Und diese erbärmlichen Videos, die die meisten drehen,
Guildo Horn: die guckt man sich ja sowieso nie mehr an.
Guildo Horn: Und deswegen gibt es bei mir eigentlich vor jedem Konzert eine Ansage, ich sage es mehrfach.
Guildo Horn: Aber die Leute, dann gibt es so eine Sorte von Menschen, ich lasse mir da nichts vorschreiben.
Guildo Horn: Und dann wird extra dieses Ding da irgendwie hochgehoben. Das ist, ach, das tut weh.
Simi Will: Also Horst, ich muss sagen, ich habe auch gefilmt bei deinem Konzert.
Guildo Horn: Ja, aber nicht die ganze Zeit.
Simi Will: Nein.
Guildo Horn: Ja, okay, im Moment ist das ja gut.
Simi Will: Ich habe aber hinterher gelöscht und ich habe gesagt, das Weihnachtskonzert
Simi Will: von dir, ich weiß nicht, vorletztes Jahr oder ich weiß nicht mehr genau wann.
Simi Will: Und da habe ich mich auch dabei ertappt, dieses Festhalten wollen.
Simi Will: Gerade von Rührung. Du erzeugst ja eine Wahnsinnsrührung auf deinen Konzerten.
Simi Will: Und nicht nur, weil Weihnachten ist, sondern da ist im Grunde,
Simi Will: ich sage immer, Guildo Horn Konzert an Weihnachten ist für mich wie eine heilige Messe.
Simi Will: Klingt kitschig, Ist aber so.
Simi Will: Und wenn es mir gelingt, mich darauf einzulassen, bin ich wirklich glücksverstrahlt.
Simi Will: Und wenn du dann singst, Wunder gibt es immer wieder, dann weine ich.
Simi Will: Und das ist kein Spruch. Ja, und weil ich das so viel, so lange Jahre,
Simi Will: war ich auch immer auf den Konzerten und es ist für mich ein feststehendes Wohlfühlmoment, wirklich.
Simi Will: Nur, trotzdem habe ich es gefilmt, um den Moment festzuhalten und seitdem weiß ich aber,
Simi Will: wie nervig, ich gehe sehr viel zu Konzerten und immer wieder ertappe ich mich
Simi Will: dabei, selbst bei Laurie Anderson in der Philharmonie, habe mich das Handy gezückt.
Guildo Horn: Ja, scheiße, ne?
Simi Will: Ja, und ich mache es Gott sei Dank weniger. Ich mache es Gott sei Dank weniger,
Simi Will: weil gepostet oder damit irgendwas angefangen habe ich nie.
Simi Will: Weil ich das auch immer selbst blöd finde. Die Leute wollen zeigen,
Simi Will: wie cool sie sind, dass sie auf so einem coolen Event sind.
Simi Will: Die wollen einfach, dass andere sehen, wie toll sie gerade leben.
Guildo Horn: Ich glaube, das hat noch was anderes an sich. Es ist...
Guildo Horn: Ich glaube, die meisten Menschen haben nicht das Gefühl, in unserer Gesellschaft
Guildo Horn: noch beachtet zu werden.
Guildo Horn: Irgendwie hat man wenig an Wert. Deshalb wollen viele Leute über sich was erzählen.
Guildo Horn: Das geschieht dadurch, dass wahnsinnig viele Leute wahnsinnig viele Tattoos
Guildo Horn: tragen, um ihre Geschichte zu zeigen.
Guildo Horn: Und jetzt hast du so ein Medium wie das Internet, wie die sozialen Medien,
Guildo Horn: wo du dich in den Fokus der Welt stellen kannst.
Guildo Horn: Und deswegen, ich sehe so oft, das sind im Übrigen meist Frauen bei den Konzerten,
Guildo Horn: die dann verträumt, die drehen sich dann, während du irgendwie echt total dabei
Guildo Horn: bist selber als Interpret und gibst Vollgas und bist emotional voll drin.
Guildo Horn: Und dann siehst du vor dir so jemand, der sich permanent inszeniert,
Guildo Horn: sich selbst inszenieren als Flucht aus dieser Bedeutungslosigkeit.
Guildo Horn: Und das macht mich total betroffen.
Guildo Horn: Ich fühle mich da betroffen. Also das tut mir so leid für diesen Menschen dann, weil ich denke,
Guildo Horn: das Leben ist echt, also das Leben ist nicht ein Viereck oder ein Algorithmus,
Guildo Horn: eine Eins und eine Null, sondern pack an, Hornhaut und so weiter. Und das, boah, das...
Simi Will: Hornhaut, das ist auch geil.
Guildo Horn: Ich habe übrigens, ich war, letztes Jahr war ich beim Ballett im Theater Hagen.
Guildo Horn: Mega, das war so mega. Und ich mache das so selten und sitze dann da und die Musik war so geil.
Guildo Horn: Und die Tänzer, das war echt ein Gedicht.
Guildo Horn: Auf einmal denke ich, was ist denn das hell neben mir? Sitzt so eine Oma,
Guildo Horn: die war bestimmt 80, mit ihrem Smartphone da, mit diesen gichtigen Fingern hat
Guildo Horn: die dann da rum und ich habe dann zu ihr gesagt, ey.
Guildo Horn: Tun Sie mir einen Gefallen. Ich bin gerade hier, das ist unser Moment.
Guildo Horn: Und die hat sich so geschämt, sind wir wieder bei Scham.
Guildo Horn: Direkt das Ding weg und so, die konnte mich nachher gar nicht mehr angucken.
Guildo Horn: In der Pause, danach, einfach so.
Simi Will: Ja, ist schon, ist schon, also das denke ich ist auch ein Riesenauftrag für
Simi Will: die Pädagogen, um das nochmal anzusprechen,
Simi Will: weil mein Job mich ja so glücklich macht, weil ich Schüler im Einzelkontakt
Simi Will: betreuen kann, was so ist und das Handy spielt in meinem, ich habe so eine ganz
Simi Will: kleine Kammer, da hängen so Kabels aus der Wand raus,
Simi Will: da waren vorher die Erdkundemappen, also die,
Simi Will: wie sagt man, denn die Weltkarten, das war einfach nur so eine Abschiedkammer
Simi Will: und da sitze ich jetzt mit meinem Schreibtisch drin und da kommen die Schüler
Simi Will: dann nach Terminen zum Gespräch.
Guildo Horn: Das heißt, du bist da sozusagen Sozialtante.
Simi Will: Tante mit einem kleinen Kämmerchen oder auch, wenn du so willst,
Simi Will: die komische, die ist immer so unaufgeräumt.
Simi Will: Weil ich habe wirklich keine Bürostruktur.
Guildo Horn: Also innerlich oder äußerlich?
Simi Will: Ihr müsst auf euer Zeug selber aufpassen.
Guildo Horn: Bist du unaufgeräumt innerlich oder äußerlich?
Simi Will: Äußerlich. Innerlich bin ich sehr aufgeräumt.
Guildo Horn: Also ich bin eigentlich auch Chaos.
Simi Will: Also wenn ich muss, finde ich was. Aber ich bin schon nicht der Büromensch.
Simi Will: Ist einfach so. Ich kann andere Sachen besser.
Simi Will: Ich muss es aber auch machen, klar.
Simi Will: Und die Kids sind, wie ich finde, heute in der Regel sehr angepasst,
Simi Will: ohne das bewusst zu tun, weil sie gar keine Zeit hatten, um zu revolutionieren
Simi Will: oder irgendwas, weil sie zwei Jahre nur im Internet unterwegs waren.
Simi Will: Während Corona waren die 13, 14. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre von,
Simi Will: was oft so vergessen wird in pädagogischen Konzepten, dass jemand,
Simi Will: der heute 17 ist, eigentlich vielleicht 15 ist von der emotionalen Entwicklung.
Simi Will: Weißt du? Weil da einfach zwei Jahre fehlen in geknatschten Partys oder diese ganzen analogen.
Simi Will: Ich bin so froh, dass ich analog sozialisiert bin, obwohl ich,
Simi Will: ey, Internet geil, Follower geil und so bin ich auch.
Simi Will: Aber das Analoge ist für mich immer das Wahre. Und das spüren die Kids.
Simi Will: Und in den Kontakten, die ich habe, muss ich gar kein Handy verbieten.
Simi Will: Das liegt einfach nur auf dem Tisch rum. Und die Oma erzählt vom Krieg. Das bin ich.
Guildo Horn: Wie alt bist du denn?
Simi Will: Wie alt bist du? Das willst du ja gar nicht sagen.
Guildo Horn: Ich bin ja Künstleralter 73.
Simi Will: Siehste?
Guildo Horn: Menschalter 63 jetzt.
Simi Will: Siehste? Und ich bin jünger, als man denkt. Stimmt. Ich bin 67 geboren.
Guildo Horn: Ah ja, vier Jahre.
Simi Will: Alles klar. Roundabout.
Guildo Horn: Ja, genau.
Simi Will: Und ich sitze jetzt hier in einem total guten Licht, wie ich finde.
Simi Will: Und ich gucke mich dauernd an, weil ich mich so schön finde.
Simi Will: Weil das ist das Licht von Stephanie Stahl eigentlich.
Guildo Horn: Ich gucke mich persönlich relativ wenig an. Also es ist auch so,
Guildo Horn: wenn ich was mache, vor Kameras oder so, ich gucke mir das überhaupt nicht an.
Guildo Horn: Das interessiert mich nicht.
Guildo Horn: Weil wenn ich es tun würde, würde ich mich dann selbst reflektieren.
Guildo Horn: Da habe ich keinen Bock drauf. Ich habe es ja schon erlebt, zum Zweiten und
Guildo Horn: zum Dritten, weil es mir meine Zeit raubt.
Guildo Horn: Also ich habe das gemacht und das ist mein Job. Und danach habe ich Ruhe.
Guildo Horn: Also was ich gerne mache, ist, wenn ich im Studio bin und produziere Musik,
Guildo Horn: da habe ich Bock, mir das nochmal und nochmal und nochmal anzuhören.
Guildo Horn: Ich gehe so weit zu sagen, dass ich eigentlich Musik nur aufnehme für mich selbst.
Guildo Horn: Das ist so Selbstbefriedigung. Das macht saumäßig Spaß, auch in dem Bereich.
Guildo Horn: Ansonsten habe ich wieder angefangen, Schlagzeug zu spielen.
Simi Will: Wollte ich fragen, du bist ja Profi-Schlagzeuger. Das wissen die wenigsten,
Simi Will: glaube ich. Das ist immer das Erste, was ich erzähle.
Simi Will: Ja, Guildo Horn ist ja nicht nur der Schlagermann. Das ist einfach ein Profimusiker, sage ich. Fühle
Guildo Horn: Ich mich immer.
Simi Will: Genötigt zu sagen, weil bei Schlager sind die Leute immer gleich so,
Simi Will: ja, Schlager, ist ja lustig.
Simi Will: Und das sehe ich ein bisschen anders. Und ich weiß von dir, dass du ein hochtalentierter
Simi Will: Sänger bist und ein professioneller Schlagzeuger.
Guildo Horn: Ja, mit dem Schlagzeugspielen habe ich mehrere Jahre verlassen.
Guildo Horn: Weil ich einfach so viel andersweitig zu tun hatte.
Guildo Horn: Und habe aber jetzt hier auf dem
Guildo Horn: Land, das war ganz witzig, auf einer Anti-AfD-Demo so ein Trio gesehen.
Guildo Horn: So zwei Jungs, die sind so Mitte 30, einer ist so...
Guildo Horn: Wie alt ist der Sascha? 55, glaube ich, 54. Standbars, zwei Gitarren und die
Guildo Horn: haben auf der Demo gespielt.
Guildo Horn: Hat eine schlechte Beschallung, dann habe ich Kontakt aufgenommen,
Guildo Horn: habe gesagt, hier, übrigens, wenn
Guildo Horn: ihr sowas nochmal macht, ich fand euch tierisch, bin ich euer Soundmann.
Guildo Horn: Und dann bin ich mit meiner Anlage hin, habe die dann beschallt und jetzt haben
Guildo Horn: wir uns irgendwie miteinander zusammengetan und die wurden hier 10 Minuten,
Guildo Horn: 15 Minuten von mir entfernt und dann musizieren wir miteinander.
Guildo Horn: Und das ist echt ein Gedicht, einfach mal nochmal da hinzugehen.
Guildo Horn: Die erste Session haben wir mal gemacht ohne Absprache.
Guildo Horn: Hin, dreieinhalb Stunden, irgendwas improvisieren. Wie geil.
Guildo Horn: Einfach, mein Job ist permanent Musik zu machen, permanent darüber nachzudenken. Was machst du?
Guildo Horn: Und zielgerichtet. Und ich arbeite so auf Time, hätte ich nie gedacht.
Guildo Horn: Und das da ist super. So, genau.
Guildo Horn: Und jetzt übe ich wieder Schlagzeug und werde dann irgendwie,
Guildo Horn: ja, aber einfach für mich selbst. Das ist so.
Guildo Horn: Und ja, ich habe noch eine Radiosendung, habe ich auch bei WDR 4.
Guildo Horn: Ja, hat irgendwie angefangen in der Corona-Zeit.
Guildo Horn: Da durfte ja keiner arbeiten. Und ich war plötzlich komplett,
Guildo Horn: hat man mir einen Stecker gezogen.
Guildo Horn: Eigentlich waren die Auftragsbücher voll. Und dann darfst du auf einmal kein
Guildo Horn: Geld mehr verdienen. Und dann habe ich bei WDR 4 nachgefragt und habe gesagt,
Guildo Horn: hier, pass auf, Leute dürfen sich nicht treffen.
Guildo Horn: Ich habe früher, habe ich ja mit Kerni zusammen die Guildogramme gemacht.
Guildo Horn: Da sind wir, konnte man uns buchen. Teleboy hieß das, so gesungene Glückwunsch,
Guildo Horn: Telegramme und Ständchen aller Art. Ah ja.
Guildo Horn: Ja, und dann habe ich gesagt, die Leute dürfen sich nicht treffen.
Guildo Horn: Was haltet ihr davon, wenn eure Hörerinnen und Hörer anrufen können und sagen,
Guildo Horn: ich grüße, weil wir erzählen eine Geschichte, ich mache einen Song draus,
Guildo Horn: nehme ein bekanntes Lied und texte das um, nehme das auf mit Video und direkt
Guildo Horn: gesagt, alles klar, zwei am Tag.
Guildo Horn: Und dann hatte ich dann 14 Titel die Woche am Bein.
Guildo Horn: Das war eigentlich in der Corona-Zeit. Ich habe da über fast 300 Songs aufgenommen.
Guildo Horn: So auf diese Art und Weise...
Guildo Horn: Dann kam der Jochen Rausch, der Senderchef, auf die Idee.
Guildo Horn: Da gab es eine Sendung Diskothek im WDR. Die hat damals einen Mel Sandok moderiert.
Guildo Horn: Der war, ich glaube, Engländer oder Ami und hat dann diese 60er,
Guildo Horn: 70er-Jahre-Hits abgefeiert. Hörer-Hitparade.
Guildo Horn: Und die wollten das neu auflegen.
Guildo Horn: Und haben mich gefragt, ob ich das moderiere. Und dann, ja, also alle,
Guildo Horn: wow, ey, das ist die Sendung.
Guildo Horn: Ich habe die nicht gekannt, weil ich komme ja aus Trier. Ich habe Radio Luxemburg gehört.
Guildo Horn: Ja, und dann bin ich da reingesprungen. Also mittlerweile produziere ich das
Guildo Horn: selbst hier bei mir zu Hause.
Guildo Horn: Ich habe jetzt drei Jahre allein die Kiste gemacht. Jeden Samstag habe ich eine
Guildo Horn: Sendung zu Wasser gelassen.
Simi Will: Wo läuft das? WDR 4?
Guildo Horn: WDR 4, genau, Diskothek im WDR. Das ist eine Zeitreise. Also ich sende im Moment,
Guildo Horn: also 50 Jahre versetzt, im Moment bin ich im Jahr 1976 und ich moderiere das
Guildo Horn: halt auch so, als wäre ich im Jahr 1976.
Guildo Horn: Das ist so. Ach wie geil. Und das ist ganz witzig, ich habe ja irgendwann,
Guildo Horn: glaube ich, 1971 angefangen und dann sagst du irgendwann, boah ey,
Guildo Horn: hört mal rein, total irre Band aus Newcomer aus England, Queen heißen die.
Guildo Horn: Also, aber ich gebe denen eigentlich nicht so viel Chance und so.
Guildo Horn: Es ist eine sehr schräge Sendung und das mache ich jetzt so lange.
Guildo Horn: Ich habe mir jetzt vor einem Jahr einen zweiten Moderator dazu erbeten,
Guildo Horn: weil ich war wirklich, wenn du jede Woche, man sitzt da zwei Tage,
Guildo Horn: einen Tag schreibst, einen Tag nimmst auf, das ist nämlich Arbeit.
Guildo Horn: Und jetzt bin ich nun noch jeden zweiten Samstag in der Diskothek im WDR.
Guildo Horn: Aber sehr erfolgreich, läuft wirklich tierisch und kein Ende abzusehen. Ganz gut.
Simi Will: Da höre ich mal rein.
Guildo Horn: Ja, mach mal. Kannst du dir natürlich auch auf der Seite da,
Guildo Horn: podcastmäßig oder wie heißt das Zeug?
Simi Will: Ja, anhören. Also in der Mediathek. In der Mediathek, ja.
Guildo Horn: Gibt es die Diskothek mit Guildo Horn? Diskothek im WDR. Und das ist immer zehn Top Ten.
Guildo Horn: Und jede Woche kommen drei neue Titel dazu.
Simi Will: Da denke ich sofort dran, wie wir mit dem ITT Schaub Lorenz,
Simi Will: quasi mit dem externen Mikro vor dem Dual, braunen Dual, Schallplattenspieler,
Simi Will: aber vor der Platte liegen.
Simi Will: Und die Mama kommt mit dem Staubsauger. Mama, wir holen auf, Mann.
Guildo Horn: Wir holen auf vor allen Dingen.
Simi Will: Wir holen auf natürlich.
Guildo Horn: Meine Mix-Kassetten waren dann immer, irgendwann war ich grundsätzlich auf jeder
Guildo Horn: Mix-Kassette meine Mutter am Anbrüllen.
Guildo Horn: Das gehört dazu. Aber die Musik, also ich bin da ziemlich in den 70ern drin.
Guildo Horn: Das ist echt total abgefahren. Wenn du die Reise machst, so Anfang der 70er.
Guildo Horn: Ich habe auch, ich habe digitalisiert, habe ich alle Bravo-Ausgaben aus diesen
Guildo Horn: Jahren und du guckst dir Dinge an.
Guildo Horn: Stimmt, so war das damals, meine Güte. Und ich finde, jetzt so 76 verliert die
Guildo Horn: Musik so langsam ihre Unschuld.
Guildo Horn: Anfang der 70er hat man einfach gemacht und jetzt kommt da so Smokey und die Bay City Rollers und so.
Simi Will: Susi Quattro.
Guildo Horn: Susi Quattro, ja, tierisch. Ja, die hatten wir auch.
Simi Will: Sailor, Rubens.
Guildo Horn: Ganz genau, ja, Slate.
Simi Will: Slate, ja, das war der Typ mit Klatze, ne?
Guildo Horn: Nee, das war der mit dem Zylinder.
Guildo Horn: Ah, nee.
Simi Will: Ja, Wahnsinn.
Guildo Horn: Ja, also sowas mache ich auch. Und dann mache ich ansonsten noch Mitzing-Konzerte. Also auch für WDR 4.
Simi Will: Und am Theater Trier.
Guildo Horn: Ja, stimmt. Da spielen wir auch jetzt. Wir sind hier seit zehn Jahren fast unterwegs
Guildo Horn: mit den Mitzing-Konzerten für WDR 4.
Guildo Horn: Das sind so ein buntes Ding. Ich bin Chorleiter.
Guildo Horn: Das ist ein bisschen Stand-up-Comedy mit einer kleinen Band.
Guildo Horn: Und da werden die Texte hinten an die Wand geschmissen. Und dann gibt es Musik
Guildo Horn: von wirklich Abba bis Zappa bis irgendwas.
Guildo Horn: Alles wird mitgesungen und kleine Geschichtchen erzählt und so.
Guildo Horn: Und da sind wir auch in Trier.
Guildo Horn: Weil ich habe gedacht, so etwas muss man unbedingt mal in Trier machen.
Guildo Horn: Und das hat sich direkt, ich glaube, es gibt auch keine Karten mehr. Das war ruckzuck.
Simi Will: Nee, das ist aus Wachbaut leider, hat Silke erzählt.
Guildo Horn: Waren die Dinger irgendwie voll und das ist schön. Da sind wir am,
Guildo Horn: ja jetzt am Wochenende sind wir erstmal im Saarland für zwei.
Guildo Horn: Weil der SR, der macht das auch mit uns.
Guildo Horn: So weiß man halt wirklich, was man zu tun hat.
Simi Will: Ja, und das ist, was, Guildo Horn, lebt der noch?
Simi Will: Da sage ich, Leute, der war immer da. Der hat irgendwann mal dem großen Superfame
Simi Will: einfach gesagt, ich mache hier mein Ding und ist immer noch aktiv,
Simi Will: lebt immer noch von allem, von der Sache, also seiner Kunst.
Simi Will: Das ist ja auch Wahnsinn. wie lange das Guildo Horn überlebt hat.
Simi Will: Es gab ja mal, in den 90ern waren ja einige von den Schlagerjungs plötzlich am Start.
Simi Will: Also es gab ja dann diesen Kunze oder Kuhn.
Guildo Horn: Ja, aber der ist auch wirklich noch sehr erfolgreich. Das heißt,
Guildo Horn: was ich gehört habe, haben die jetzt mittlerweile eine Pause gemacht,
Guildo Horn: weil der Gitarrist schwer erkrankt ist.
Guildo Horn: Und da hat die Kuhn-Band gesagt, also vor allen Dingen Dieter Thomas,
Guildo Horn: Wir spielen nicht, bis der wieder gesund ist. Finde ich echt irre.
Guildo Horn: Die haben jetzt, glaube ich, anderthalb Jahre, zwei Jahre sind die jetzt am
Guildo Horn: Pausieren. Ansonsten füllen die, was weiß ich, die Waldbühne in Berlin und so.
Guildo Horn: Ich glaube, das ist einfach nur auch so ein Ding, wenn man medial nicht mehr
Guildo Horn: so voll im Zentrum steht, also jetzt Fernsehen, irgendwas, dann erscheint das so.
Guildo Horn: Wenn du sagst, was ist mit Fury in the Slaughterhouse?
Guildo Horn: Spielen die noch? Ja klar, die sind permanent immer auf Tour.
Guildo Horn: Und so ist es halt bei uns auch. Wir spielen uns den Arsch ab.
Guildo Horn: Die Weihnachtsshow ist mittlerweile, das ist echt der Wahnsinn.
Guildo Horn: Wir spielen jetzt hier in Köln im Gloria Theater, da passen so 900 Leute rein.
Guildo Horn: Wir spielen jetzt mittlerweile viermal da.
Simi Will: Hintereinander, quasi in einer Tour sozusagen.
Guildo Horn: Genau, vier Tage hintereinander. Oder in Hagen im Theater sind auch 900 Leute.
Guildo Horn: Und da werden die Karten in drei, vier Stunden verkauft.
Guildo Horn: Und das geht wirklich ganz ruckzuck. Ich bin selbst oder wir sind selbst total
Guildo Horn: dankbar und überrascht.
Guildo Horn: Aber irgendwie ist der Bedarf wahnsinnig da. und überall hebt sich das und wird
Guildo Horn: mehr und mehr und mehr. Mehr will ich aber auch nicht.
Guildo Horn: Ich möchte nicht mehr in so eine erste Reihe oder sowas. Das habe ich wirklich durch.
Guildo Horn: Und meinen Spruch, den bringe ich wirklich immer.
Guildo Horn: Ich will zweite Liga, oberes Drittel beruflich. Da verdienst du echt gut Geld
Guildo Horn: und kannst tun und lassen, was du willst.
Guildo Horn: Stell dir mal vor, du mir hier mit deinem Podcast, du bekämpfst jetzt jemanden
Guildo Horn: vor die Nase gesetzt, der dir dann sagt, wie es gut ist oder was du unbedingt
Guildo Horn: machst, da hättest du auch keinen Bock drauf. Da sind wir ja viel zu ehrlich zu.
Simi Will: Nee, ich habe am Anfang ganz naiv gesagt, ja klar, ich gucke mal nach Sponsoren und Dings.
Simi Will: Und dann habe ich gesagt, ich habe ja keine Reichweite. Wo sollen die Sponsoren herkommen?
Simi Will: Zweiter Gedanke, Sponsoren sagen dir immer, was sie verkaufen wollen.
Simi Will: Weißt du so, also geht es gar nicht.
Simi Will: Und jetzt versuche ich mit drei Euro freiwilligem Abo-Beitrag meinen Tongott
Simi Will: in Neukölln für seine Arbeit zu bezahlen. Weißt du? Darum geht's.
Guildo Horn: Ja, das ist Freiheit. Freiheit ist auch so, also die Freiheit des Geistes,
Guildo Horn: so eins meiner absoluten Lieblingslieder,
Guildo Horn: habe ich ja auch in Klausen gespielt, die Gedanken sind frei.
Simi Will: Ja, haben wir alle mitgesucht.
Guildo Horn: Ich finde es einfach mega. Lass mich einfach denken, was ich will.
Guildo Horn: Und ja, und ich glaube eigentlich auch, wenn man Leute so mehr zutraut, auch mehr zutraut,
Guildo Horn: im Denken, dann entsteht nicht dieses seltsame Konstrukt.
Guildo Horn: Also ich glaube nicht, dass die AfD so groß geworden wäre, wenn die Leute sich
Guildo Horn: nicht komplett bevormundet gefühlt hätten.
Guildo Horn: Ich will das jetzt nicht schönreden. Ich finde das total scheiße.
Guildo Horn: Und wer das wählt, der müsste eigentlich wissen, was das ist,
Guildo Horn: was dahinter steckt und wo das hinsteuern soll. Da will ich kein Teil von sein.
Guildo Horn: Aber ich kann das irgendwie, man fragt sich wie, warum und darum.
Simi Will: Und ich muss auch sagen, wenn die Aft, ich nenne sie immer Aft von Aft her,
Simi Will: weil ich kenne niemand, der die wählt.
Simi Will: Und ich glaube aber, ich kenne doch welche, die die wählen, weil inzwischen
Simi Will: wählen so viele das. Gut, sei mal dahingestellt.
Simi Will: Ich bin auch der Auffassung, dass man gucken muss, wo man ins Gespräch noch
Simi Will: kommt. Es ist wahnsinnig schwierig.
Simi Will: Wenn du niemanden kennst, der die wählt, kannst du auch nicht drüber reden.
Simi Will: Und ich habe es letztens versucht, ich bin an so einem Aftstand in die Stadt,
Simi Will: ich komme an einem Aftstand vorbei,
Simi Will: viele ältere Menschen und ich habe gesagt, ich gehe jetzt nicht vorbei,
Simi Will: ohne mal guten Tag zu sagen und zu fragen, wie kommt ihr dazu oder was ist euer
Simi Will: Grund und dann bin ich hin und habe gesagt,
Simi Will: ich reg mich innerlich gerade auf und dachte aber, ich gehe einfach mal zu euch hin.
Simi Will: Und es war so unerträglich, was da nicht kommuniziert wurde,
Simi Will: dass ich gesagt habe, ich habe wirklich gesagt, ich bin Kellnerin,
Simi Will: leidenschaftliche Kellnerin,
Guildo Horn: Ich bin Working Class Hero.
Simi Will: Ich bin das, ich bin das. Ich könnte trotzdem
Guildo Horn: Nie eure Partei.
Simi Will: Wählen, weil die mich nicht vertritt. Und ich habe Angst, dass ihr nicht seht,
Simi Will: dass da ein faschistoider Hintergrund dahinter steckt. Die Leute vertreten euch nicht.
Simi Will: Und ihr wählt sie, egal, ich habe gegen eine Mauer geredet und da waren alle
Simi Will: anderen auf einer anderen Front.
Guildo Horn: Hätte ich jetzt gar nicht erwartet.
Simi Will: Du machst scherzen. Aber das Geile, eigentlich bin ich so egoistisch, was dieses
Simi Will: Politgedöns angeht, dass ich immer sage, ich will, dass der Humanismus siegt über die Politik.
Simi Will: Dann gehe ich weiter und war total frustriert und habe gedacht,
Simi Will: komme am Hauptmarkt an. ein riesen Anti-AfD-Stand, ganz laut,
Simi Will: scheiß AfD, die ganze Zeit im Loop.
Simi Will: Und da habe ich gedacht, ja, das ist Demokratie. Da steht die AfD und hier steht die Linke.
Simi Will: Noch funktioniert die Demokratie.
Simi Will: Und ich finde es schwierig, schwierig. Ich wollte eigentlich gar nicht drüber reden.
Simi Will: Andererseits kommt man nicht drum rum, sich zu wünschen, dass A,
Simi Will: die Leute wieder ins Gespräch gehen.
Simi Will: Ich weiß, ich habe kein Modell, wie es funktionieren kann, außer dass ich denke, bei meinen Kids,
Simi Will: dass die im Einzelfall mit viel Beziehungsarbeit, ernst gemeinter Beziehungsarbeit,
Simi Will: sich für die schönen Sachen öffnen und nicht für den Verengungskanal entscheiden.
Simi Will: Und deswegen glaube ich, ist es super wichtig, dass wir für Zeitprojekte an
Simi Will: Schulen und sowas Steuergelder einsetzen, damit genug Leute da sind, uns die Demokratie...
Simi Will: Wieder sexy werden zu lassen für jemanden, der 15, 16, 17 ist,
Simi Will: der muss, glaube ich, die Vorteile der Demokratie einfach nochmal explizit kennenlernen.
Guildo Horn: Ja, muss vor allen Dingen, darf das nicht mit erhobenem Zeigefinger sein. Nein.
Guildo Horn: Also ich habe für mich auch, ich habe zeitweise auf der Bühne,
Guildo Horn: wenn es mich dann so treibt, irgendwie AfD-Bashing betrieben und irgendwelche,
Guildo Horn: ich mache das nicht mehr. Ja, weil irgendwie, man will ja eigentlich die Leute
Guildo Horn: nochmal zurückgewinnen.
Guildo Horn: Und ich glaube, je mehr und deswegen auch, wenn dann da läuft,
Guildo Horn: scheiß AfD, klar, kann man denken, aber das hilft ja nichts.
Guildo Horn: Das verfestigt sowas ja viel mehr als alles andere.
Guildo Horn: Irgendwie muss man mal ein Gegenangebot senden.
Guildo Horn: Und das fällt total schwierig, weil man will irgendwie eigentlich,
Guildo Horn: man will das ja gar nicht so.
Guildo Horn: Aber das ist nun mal halt da, das kriegst du ja halt auch nicht.
Guildo Horn: Weg, also wenn die einen pöbeln, müssen die anderen nicht auch pöbeln,
Guildo Horn: das ist ja gerade dieses Rumgepöbele geht mir sowas von auf den Sack, ne?
Simi Will: Ja, ich bin auch zu emotional, deswegen müsste ich mich eigentlich von Polizsachen
Simi Will: weghalten, ich habe auch gestern die Quittung gekriegt, ich habe Empörung,
Simi Will: meiner Empörung, auch so ein Wort, wir empören uns alle, bieten aber nichts Neues an,
Simi Will: zu denen gehöre ich auch manchmal, wenn ich mir nicht die Zeit lasse,
Simi Will: Und gestern war ich wirklich punktuell stark empört über das Wahlergebnis in
Simi Will: Rheinland-Pfalz, wie gesagt, und habe dann was gepostet, alles Weidel in den
Simi Will: Tagesthemen abgefilmt und mit irgendeinem Song dahinter.
Simi Will: Und ich habe so viel Negativquatsch, der nichts bedeutet, außer Negativ bekommen.
Simi Will: Ich habe noch nie so Kommentare gehabt, dass ich es einfach weggemacht habe
Simi Will: und gedacht habe, ist es jetzt, also drüber nachzudenken, ob man was zeigt oder
Simi Will: nicht zeigt oder die Leute irgendwie so aufbringt, will ich gar nicht.
Simi Will: Ich will eigentlich die Leute runterfahren, weil aufbringen ist ja genau das,
Simi Will: was die anderen ja schon machen.
Guildo Horn: Ja, ich sehe es genauso.
Simi Will: Aber es ist nicht so einfach.
Guildo Horn: Man ist nur ein Mensch oder eine Männchen. Die soll es ja auch geben.
Simi Will: Kann man Mensch gendern? Ja. Der Meister hat es gezeigt.
Guildo Horn: Ja, also das ist mir auch aufgefallen in meinen Moderationen.
Guildo Horn: Was ich nicht mag, weil ich finde, das klingt nicht schön. Denn dieses PolitikerInnen,
Guildo Horn: das nervt mich irgendwie so ein bisschen.
Guildo Horn: Das ist so, der Zeigefinger geht da irgendwie hoch.
Guildo Horn: Ich versuche das halt irgendwie zu umschiffen.
Guildo Horn: Aber im Grunde genommen finde ich, ist es natürlich richtig.
Simi Will: Ja, und man muss sich da auch nicht so drüber aufregen.
Guildo Horn: Nein.
Simi Will: Egal. Guildo Horn.
Guildo Horn: Ja, ist hier.
Simi Will: Ich habe hier noch was stehen. Ja. Nochmal, weil ich war vorbereitet.
Simi Will: Und zwar steht hier zweimal Grimme-Preis-Nominierung, um nochmal was Schönes zu sagen.
Simi Will: Ja. Für was waren die?
Guildo Horn: Die waren jeweils für den Talk mit den geistig behinderten Erwachsenen und mehrfach Behinderten.
Guildo Horn: Genau, da waren wir zweimal für den Grimme-Preis nominiert.
Guildo Horn: Ich glaube sogar in der Endrunde und sind dann, ich weiß nicht,
Guildo Horn: ein Jahr sind wir da irgendwie von Jürgen von der Lippe mit irgend so einem,
Guildo Horn: dämlichen Spielformat geschlagen worden.
Guildo Horn: Das hat mich damals so total geärgert und das war einfach völlig schade.
Guildo Horn: Aber weil ich fand, also jetzt wirklich echt nicht für mich,
Guildo Horn: sondern irgendwie fürs Thema wäre es so wichtig gewesen.
Guildo Horn: Es wäre so gut gewesen und hat halt nicht, soll es sein, ist auch okay.
Guildo Horn: Jeder kriegt die Preisträger, die er verdient.
Simi Will: Sehr gut. Was haben wir denn hier noch?
Simi Will: Also ich war echt ganz schön aufgeregt, muss ich sagen, weil ich wollte irgendwie
Simi Will: nicht Plattitüden austauschen.
Simi Will: Und ich hatte Angst, dass das so kommen würde.
Guildo Horn: Die will ja keiner. Aber das ist halt immer, wie man im Wald ruft.
Guildo Horn: Also wenn ich ein Interview mache,
Guildo Horn: Dann ist es halt immer die Frage, was fragt mich mein Gegenüber?
Guildo Horn: Wenn ich ganz normal, weil es ist ja auch, du hast eigentlich hier so einen
Guildo Horn: zweigeteilten Menschen.
Guildo Horn: Wir haben uns ja jetzt eher auf der Horst-Ebene unterhalten als auf der Guildo-Ebene.
Guildo Horn: Und das ist, weil du mich so angesprochen hast. Wenn Plattitüden kommen,
Guildo Horn: dann ich habe wirklich wahnsinnig viel davon auf Lager.
Simi Will: Ich auch.
Guildo Horn: Ja, ja.
Simi Will: Aber genau, ich muss sagen, jetzt kommen noch ein paar Plattitüden hinten raus.
Simi Will: Ich finde, wir haben jetzt echt ganz schön auch schwere Sachen gesagt.
Simi Will: Aber jetzt kann ich es ja sagen, ich war mal verliebt in dich,
Guildo Horn: Horst.
Simi Will: Das war so vielleicht 1987. Ich kann es schwer einordnen.
Simi Will: Aber ich weiß noch, dass ich mich zurückgezogen habe, als es anfing,
Simi Will: dass du berühmt geworden bist.
Simi Will: Weil ich da nicht keine Ahnung.
Guildo Horn: Weil ich dir dann die Fame geklaut hätte.
Simi Will: Wahrscheinlich.
Simi Will: Erst mein Fame, dann dein Fame. Vielleicht sowas. Ich weiß es aber nicht.
Guildo Horn: Aber das ist ja Also ich finde, wenn du bekannt wirst,
Guildo Horn: dann ist das manchmal total schwierig, weil es wird einem halt ganz selten abgenommen,
Guildo Horn: dass es einem nicht so viel bedeutet oder dass man sich nicht verändert.
Guildo Horn: Das ist wie beim Älterwerden.
Guildo Horn: Ich fühle mich innen drin, fühle ich mich halt noch viel jünger als ich bin,
Guildo Horn: aber wenn ich irgendwo hinkomme, wird manchmal dieses Alter auf mich drauf projiziert.
Guildo Horn: Und genauso ist das halt mit berühmt oder mit bekannt sein.
Guildo Horn: Dann denkt man irgendwie, das ist gefährlich, das ist irgendwie seltsam,
Guildo Horn: das macht was mit dem Menschen.
Guildo Horn: Und ja, also ich wollte persönlich, wollte ich überhaupt nie eine Beziehung
Guildo Horn: haben mit einem Menschen, der Fame hat.
Guildo Horn: Ich hatte mal ein Verhältnis mit einer Darstellerin, die auch recht bekannt war und so.
Guildo Horn: Und ich habe das einfach überhaupt keinen Bock mehr gehabt. Das war mir einfach zu viel.
Guildo Horn: Das bringt nichts. Das ist, also ich finde so ein normales Leben ist eine wahnsinnig schöne Sache.
Simi Will: Ja, ich weiß noch,
Guildo Horn: Ich habe, als ich meine.
Simi Will: Allererste Simi-Wildshow in Berlin gemacht habe, da waren dann meine Freunde,
Simi Will: es waren 40 Leute da, aber dadurch, dass wir das aufgezeichnet haben,
Simi Will: schon von der ersten Stunde an,
Simi Will: bin ich am anderen Tag, dachte ich, ich muss noch in Lebensmittel einkaufen
Simi Will: und bin zu Karstadt am Hermannplatz gegangen, also 100 Meter Luftlinie.
Simi Will: Und wollte schon los, wie immer.
Simi Will: Joggingbuchse, Tasche, Portemonnaie, Schlüsselbund. Dann, halt! Nein!
Simi Will: Und bin dann zurück und hab mich ewig geschminkt, weil ich so naiv,
Simi Will: also ich war ja schon über 40,
Simi Will: ich hab tatsächlich gedacht, ich geh jetzt in den Karstadt einkaufen und steh
Simi Will: an der Kasse und alle umzingeln mich, weil ich selber mich so fähmig gefühlt hab, weißt du?
Simi Will: Und dann war ich so ein bisschen enttäuscht, aber dann war ich auch irgendwie
Simi Will: wieder froh, Dass ich mich nicht jedes Mal schmicken muss.
Guildo Horn: Also sei froh, es ist wirklich, also mein erster Fame-Moment war,
Guildo Horn: ich habe damals eine Band gehabt, die hieß Eve and the Handyman,
Guildo Horn: wir haben damals einen Rockförderpreis gewonnen, hier Trier,
Guildo Horn: Rheinland-Pfalz und...
Guildo Horn: Und damals gab es ja hier im offenen Kanal noch nicht so viele Leute,
Guildo Horn: die den offenen Kanal sehen konnten.
Guildo Horn: Mein Onkel Tia war einer davon. Onkel Tia war so wirklich echt ein total wahnsinnig netter, einfacher Typ.
Guildo Horn: Und der hat einen Videorekorder gehabt.
Guildo Horn: Und ich habe ihn gebeten, diese Sendung, wenn wir beim offenen Kanal sitzen,
Guildo Horn: die Talksendung aufzunehmen.
Guildo Horn: Dann sind wir nach der Sendung direkt zu Onkel Tia geklingelt.
Guildo Horn: Und dann macht Onkel Tia die Tür auf und so, ah, Horst, ja.
Guildo Horn: Und der war auf einmal total verkrampft, weil ich war im Fernsehen.
Guildo Horn: Das hat völlig sein Bild von mir verändert.
Guildo Horn: Das war total abgefahren, dass ich plötzlich jemand anders war.
Guildo Horn: Und ich habe durch meine Reise, ich bin zum Teil aus dem Tourbus raus und will
Guildo Horn: mir einfach nur irgendwie ein Unterhemd kaufen,
Guildo Horn: ich stehe im C&A und muss dann irgendwie vor ein paar hundert Leuten flüchten.
Guildo Horn: Das war irgendwo im Osten oder so.
Guildo Horn: Zeitweise ging das halt nicht. Ich habe mit Johannes in Köln gewohnt.
Guildo Horn: Wir haben in einer WG gewohnt.
Guildo Horn: Und da haben sich gegenüber, das hat man später auch erst so richtig kapiert,
Guildo Horn: haben sich Medienvertreter, die haben sich da eingemietet.
Guildo Horn: Und die haben uns in die Bude gefilmt und so.
Guildo Horn: Das war, ich hatte Verfolgungsjagd, wo irgendeine Dame von irgendeiner Zeitschrift,
Guildo Horn: Die wollte mich eine ganze Woche, die steht morgens bei mir am Frühstückstisch,
Guildo Horn: das war in Regensburg und sagte zu mir,
Guildo Horn: ich bin jetzt eine ganze Woche mit ihnen unterwegs, weil ich habe so den Auftrag
Guildo Horn: und ich sage, nee, mit Sicherheit nicht, weiß ich nichts von, wird nicht passieren.
Guildo Horn: Und dann habe ich gesagt, weg jetzt bitte und dann bin ich nach dem Frühstück
Guildo Horn: ins Auto mit meinem Gitarristen, wir fahren los und dann verfolgt uns ein Auto
Guildo Horn: und wir haben so richtig, wirklich Verfolgungsjagd durch die,
Guildo Horn: City mit 90 oder so und die hinten dran dann bremse ich,
Guildo Horn: mir hat es dann gereicht, ich bin rüber gegangen und dann saß da die saß da
Guildo Horn: irgendwie am Lenkrad daneben ein Fotograf, der mich wütend da,
Guildo Horn: nur am Fotografieren war.
Guildo Horn: Hinten, da war ein Kindersitz, da hat ein Kind drin gesessen,
Guildo Horn: das war zwei, drei Jahre alt.
Guildo Horn: Das war unglaublich. Also da habe ich gedacht, dass ich sowas mal erleben darf in meinem Leben.
Guildo Horn: Paparazzi, Paparazzi, Paparazzi. Und da habe ich gesagt, ey,
Guildo Horn: jetzt ist Schluss hier. Guck mal, wie doof sind sie. Ist wahrscheinlich nicht so einfach.
Simi Will: Sich dann dagegen irgendwie abzuschirmen.
Guildo Horn: Ja, an dem Tag war das so. Dann sind wir weitergefahren, die haben uns weiterverfolgt.
Guildo Horn: Ich habe dann Und irgendwann habe ich die abgehangen.
Guildo Horn: Und als ich abends zum Konzert kam, das war auf irgendeiner Uni,
Guildo Horn: weiß gar nicht mehr wo, aber auch irgendwo in Bayern, stand die Frau da und
Guildo Horn: ich habe die Geschichte erzählt.
Guildo Horn: Und dann war die ziemlich schnell
Guildo Horn: weg, weil das ganze Publikum ist dann völlig aggro auf die geworden.
Guildo Horn: Ich habe erzählt, könnt ihr euch vorstellen, was mir passiert ist mit Kind auf
Guildo Horn: dem Rücksitz? Und diese Frau, die steht hier vorne.
Guildo Horn: Sagt ihr mal, wie ihr das findet.
Guildo Horn: Wie geil. Und so Sachen sind halt wahnsinnig viel passiert in meinem Leben.
Guildo Horn: Wenn du mit eigenem Kind irgendwie aus dem Haus gehst und hast irgendwie deinen
Guildo Horn: Sohn auf dem Arm, der ist dann, wie alt war der?
Guildo Horn: Der Leo, der war dann drei, vier
Guildo Horn: Jahre alt. Und dann kommen irgendwelche Menschen und fotografieren das.
Guildo Horn: Und du denkst, ey, das kann irgendwie doch nicht Sinn des Lebens sein.
Guildo Horn: Krass. Ja, und wenn du das mal mitgemacht hast, dann weißt du definitiv,
Guildo Horn: was du nicht erleben möchtest.
Guildo Horn: Also Fame hin oder her. Nee, weil du willst ja irgendwann, auch wenn du irgendwo
Guildo Horn: bist, du willst einfach sagen können, was du willst.
Guildo Horn: Du willst ja irgendwie nicht gegenüber Menschen scheu werden.
Guildo Horn: Du willst ja nicht jeden Satz, den du von dir gibst, dir überlegen müssen,
Guildo Horn: weil er sonst irgendwo steht und weil er sonst irgendwo abgebildet wird.
Guildo Horn: Ich bin mittlerweile, ich bin wirklich so uninteressant und habe den Medien,
Guildo Horn: die ich nicht haben möchte, gezeigt, zeigt, dass ich die nicht haben möchte.
Guildo Horn: Alles klar, so geht es.
Simi Will: Umso stolzer bin ich, dass du in meinem Medienkreis auftauchst.
Guildo Horn: In deinem Massenmedium.
Simi Will: Genau, ich bin nämlich das neue Massenmedium. Ich bin das Feuilleton der Mosel-Metrofone.
Simi Will: Das stimmt, das stimmt. Meister.
Guildo Horn: Ich hatte am Anfang meiner Karriere, das war so 94, 95,
Guildo Horn: Dann kam die Anfrage an Johannes, da waren so Jungs, die haben eine Zeitung
Guildo Horn: gemacht, eine eigene Zeitung.
Simi Will: In Trier.
Guildo Horn: In Trier, genau. Ob die mit mir ein Interview machen können.
Guildo Horn: Und die waren so 12, 13 Jahre alt.
Guildo Horn: Da habe ich gesagt, ja klar. Damals war das so, die sind zu mir nach Hause gekommen,
Guildo Horn: ich habe die eingeladen. Wir haben uns den ganzen Nachmittag miteinander verbracht.
Guildo Horn: Die hatten auch eine Band, haben mir vorgespielt und haben mich interviewt.
Guildo Horn: Und das war echt total nett miteinander.
Guildo Horn: Und dann habe ich die nachher gefragt, ich finde das mega, dass ihr hier so
Guildo Horn: eine Zeitung rausbringt. Ihr macht das alles selbst.
Guildo Horn: Was für eine Auflage habt ihr? Und dann habe ich gesagt, zwölf.
Guildo Horn: Das war ein geiler Tag, ne? Da haben wir zwölf, die Mama, die Tante, sowas, ist das geil.
Simi Will: Ne? Ja, zwölf, geil.
Simi Will: Ich hatte, eine Geschichte habe ich jetzt auch noch, wo du zwölf sagst,
Simi Will: ich bin gestern zum Wahllokal unterwegs gewesen, hier in Trier, Trier Süd.
Simi Will: Da am Herz-Jesu-Krankenhaus vorbei. Normalerweise war das immer in der Schule.
Simi Will: Also da in der, ich weiß nicht, wie die Schule heißt. Und da war aber nichts.
Simi Will: Und dann frage ich, sehe ich so zwei geschätzt acht, neunjährige.
Simi Will: Ich kann das schwer einschätzen.
Simi Will: Und sage so, wisst ihr, wo die Kita so und so ist?
Simi Will: Ja, kommen Sie mit, wir gehen auch da lang. Das ist da vorne.
Simi Will: Zwei so Stopfen, halb so groß wie ich. Also klein.
Simi Will: Aber super süß und dann sagt, laufen die so neben mir her und ich mit meiner
Simi Will: Weibenachrichtung in der Hand, fragt mich einer, gehen sie da jetzt hin und
Simi Will: holen sie ihr Kind ab, weil das in der Kita war.
Simi Will: Und ich so, nee, heute ist Sonntag, aber wenn, dann würde ich hingehen, weil ich die Oma bin.
Simi Will: Und dann sagt er, wie alt schätzen sie denn, dass wir sind?
Simi Will: Und ich habe gesagt, sieben, acht, dreizehn waren sie Jungs.
Simi Will: Und ich kann das, ja Leute, wir Alten können das überhaupt nicht mehr nach unten
Simi Will: schätzen, wer wie alt ist und ihr könnt bestimmt nicht schätzen,
Simi Will: wie alt ich bin, weil das ist Tatsache, so ein Ding und dann sagt der 13-Jährige,
Simi Will: sehr süße Zwerg, sagt zu mir,
Simi Will: also bestimmt schon so 30.
Guildo Horn: Wie geil.
Simi Will: Und dann hab ich gesagt, you made my day.
Simi Will: Und ganz süß, nachdem ich wählen war, komm ich raus dann stehen sie hinten und winken hier.
Simi Will: Da habe ich mich so gefreut. Also, ja, wie komme ich jetzt drauf?
Simi Will: Momente der Rührung. Keine Ahnung, wollte erzählt werden. Ja, Mann.
Simi Will: So, was steht denn? Ich weiß gar nicht, wie lange wir gesprochen haben bisher.
Simi Will: Ewig, glaube ich. Siehst du auf eine Uhr?
Guildo Horn: Ja, ich habe hier oben eine. Es ist jetzt 15. Also 15 vor 12.
Simi Will: Und wie lange haben wir gesagt, dass wir sprechen?
Guildo Horn: Anderthalb, glaube ich. Da sind wir schon drüber.
Simi Will: Ja, ist ja kein Wunder.
Guildo Horn: Ja, ist okay.
Simi Will: Ist es denn ein Wunder?
Guildo Horn: Nein.
Simi Will: Wunder gibt es immer wieder.
Guildo Horn: Ich habe gedacht, ich war zu Hause unter meiner kalten Brause.
Simi Will: Brause.
Guildo Horn: Ist es denn ein Wunder?
Simi Will: Dann kommt Herr Wichsmann. Kann man davon heute gar nicht mehr sagen.
Simi Will: Darf man nicht? Dann kommt Herr Wichsmann unter meinen Wasserhahn.
Guildo Horn: Ach, war das toll. Ihm tropfte ab der Schweiß.
Simi Will: Das war die Nina Hagen.
Guildo Horn: Ja, ja.
Guildo Horn: Tierisch.
Simi Will: Wer ist es denn, ein Wunder?
Simi Will: Also, ich fasse noch mal zusammen. Ich habe erwähnt, dass ich früher mal verliebt
Simi Will: in dich war. Ja, sehr gut.
Simi Will: Wir haben gesprochen über Fame. Nicht Fame.
Simi Will: Was liebst du an deiner Heimatstadt? Vielleicht um Trier auch noch mal.
Simi Will: Weil ich sage immer, Porter, Karl Marx, Malut Reier, Stephanie Stahl und Guildo Horn.
Simi Will: Oder Guildo Horn, Porter, Steffi Stahl und so weiter.
Simi Will: Also, Meister, sprich.
Guildo Horn: Ja, ich war vor ein paar Jahren mal in diesem Hotel, das ist direkt am Verteilerring,
Guildo Horn: so ein Turm, da kannst du so Wohnungen mieten.
Guildo Horn: Und da bin ich morgens runter und ich war abends angekommen und das erste,
Guildo Horn: was passiert ist, irgendwie die Mosel hatte so Hochwasser.
Guildo Horn: Und ich bin runtergekommen, da hat es Bäm gemacht, weil ich habe die Mosel gerochen,
Guildo Horn: so dieses Hochwasser riechen und das hat bei mir einfach so voll ins Hirn in alles reingehauen.
Guildo Horn: Weil ich, das war so Dasein, das war so alles, was ich mit Trier verbinde, so dieses, ich bin,
Guildo Horn: Das steckt in mir drin. Diese Stadt steckt einfach in mir drin.
Guildo Horn: Ich liebe das, in der Innenstadt zu sein, von der man so nach außen ins Grüne gucken kann.
Guildo Horn: Ich liebe die Porta Nigra. Ich liebe einfach so die Größe und Kleine der Stadt, die Lage der Stadt.
Guildo Horn: Ich mag es einfach extrem. Also das ist, ich mag Trier-Nord,
Guildo Horn: ich komme aus Trier-Nord, für mich wirklich ein ganz wichtiger Stadtteil.
Guildo Horn: Natürlich wohnt meine Mutter da, mein bester Kumpel wohnt in Trier,
Guildo Horn: meine Techniker kommen aus Trier.
Guildo Horn: Das ist so, ich bin gern da, bin aber auch froh, woanders zu wohnen.
Guildo Horn: Ich glaube, in Trier hätte ich wenig Platz für mich.
Guildo Horn: So, hier ist viel kleiner, aber ich habe irgendwie das Gefühl,
Guildo Horn: ich könnte eh nicht mehr in der Stadt wohnen.
Guildo Horn: Ich wohne hier im Dorf mit 150 Einwohnern ohne alles.
Guildo Horn: Und zwar haben sie auch den Zigarettenautomat genommen.
Guildo Horn: Also wirklich, hier ist noch gerade ein Briefkasten da oben. Aber es ist geil.
Guildo Horn: Ich brauche das auch im Älterwerden und mit meinem Musikerdasein so diese Ruhe.
Guildo Horn: Ich finde, Trier ist wahnsinnig quirlig geworden.
Guildo Horn: Hat von der Beschaulichkeit früherer Tage nicht mehr ganz so viel.
Guildo Horn: Das wird immer voller und so.
Guildo Horn: Aber tut schon immer wieder gut, da zu sein. Ich mag die Leute,
Guildo Horn: ich mag die Trierer, die sind so maulig.
Guildo Horn: So der Trierer, einer für sich ist ja so, die Ur-Trierer. Irgendwie sind die
Guildo Horn: maulig, aber erherzig. Die kriegst du nicht so schnell.
Guildo Horn: Und wenn du sie hast, dann sind das Freunde fürs Leben.
Guildo Horn: Ich habe mir das immer so erklärt, dass die... Also ich habe ja damals meine
Guildo Horn: erste Frau, die habe ich auf der Uni kennengelernt, die hat schon so länger
Guildo Horn: in Trier studiert und erst als die mit mir zusammenkam,
Guildo Horn: hat die Kontakt so richtig mit Trierern gekriegt, weil...
Guildo Horn: Der Trierer an und für sich, wegen der Größe oder Kleine der Stadt,
Guildo Horn: der muss gar keine Kontakte knüpfen. Der kennt ja genug.
Guildo Horn: Reicht ja. Eben, genau, das reicht ja irgendwie. Aber ich finde es ehrlich,
Guildo Horn: ich wohne ja hier im Rheinland und das finde ich total seltsam.
Guildo Horn: Und das ist auch, finde ich nicht so ehrlich.
Guildo Horn: Das ist doch alles so echte Frünge und alles wird da so propagiert, was es echt nicht ist.
Guildo Horn: Das ist so Ellenbogen und das ist es nicht.
Guildo Horn: Wenn du hier als Musiker, als Nicht-Kölsch drauf hast, wenn du nicht irgendeinen
Guildo Horn: Vater oder eine Mutter hast, die in dem Gewerbe sind, da hast du es hier gar nicht so leicht.
Guildo Horn: Eigentlich ist das total intolerant. Ich finde, die Kölner sind ziemlich intolerant.
Guildo Horn: Und die Trierer, die sind es halt nicht.
Guildo Horn: Die zeigen ihre Intoleranz.
Simi Will: So vielleicht, so wird ein Schuh drauf.
Guildo Horn: Die sind viel ehrlicher, das ist so. Das ist das, wie ich es hier so erlebt habe.
Simi Will: Ja, weil es ist Tatsache so, dass du kannst in Trier weggehen,
Simi Will: ohne in irgendein Gespräch verwickelt zu werden.
Simi Will: Weißt du so, kannst in der Kneipe sitzen und lernst wirklich niemanden kennen.
Simi Will: Aber es ist Tatsache so, wie du sagst, das stimmt also auch,
Simi Will: dass die Leute auf gewisse Weise ehrlich sind.
Simi Will: Und wenn du sie hast, dann hast du sie. Genau. Das stimmt.
Simi Will: Und das ist so ein bisschen auch Berlin-mäßig. So ein bisschen, was willst denn du?
Simi Will: Weißt du nicht, wo du lang musst? Mann, fahr in der Bahn, du Blödenmann.
Guildo Horn: Das ist auch cool. Ich mag eigentlich ganz gerne so, ich arbeite ja auch viel im Ruhrgebiet.
Guildo Horn: Und die Mentalität finde ich auch schon ziemlich klasse. Ich habe viel Theater
Guildo Horn: gespielt, hier im Alto-Theater oder in Hagen im Theater und in Düsseldorf im Theater.
Guildo Horn: Ich habe immer wahnsinnig guten Kontakt mit den Technikern gehabt.
Guildo Horn: Die kamen meist von da und das war so direkt Batsch, so...
Guildo Horn: Kriegst du einen und bist du direkt so ein Teil davon, wenn die merken,
Guildo Horn: dass du nicht so die große, ich bin ja hier der Künstler machst,
Guildo Horn: sondern wir sind ein Team.
Guildo Horn: Da können die wahnsinnig gut drauf ab. Fand ich super angenehm.
Guildo Horn: Also Ruhrgebiet ist echt geiles Ding.
Simi Will: Ja, da möchte ich doch mal meine Freundin Silke Holthausen nochmal erwähnen,
Simi Will: die ja auch aus Barkenberg kommt, was bei Recklinghausen liegt.
Guildo Horn: Ja, ich weiß. Merk mal, das ist echt gut.
Simi Will: Silke ist auch schon seit 30 Jahren deine Managerin oder länger? So was, wa?
Guildo Horn: So was. Also ich habe ja früher die Band erstmal aufgebaut.
Guildo Horn: Ich wollte halt eine Schlagerband machen und habe die Band zusammengestellt
Guildo Horn: aus Musikern, mit denen ich auch musiziert habe.
Guildo Horn: Ich bin ja Schlagzeuger, habe ich mir meinen Lieblingsbassisten,
Guildo Horn: meinen Lieblingsgitarristen, Keyboarder, Schlagzeuger, mit dem hatte ich studiert und zusammengestellt.
Guildo Horn: Und dann kam nachher der Johannes dazu, Johannes Kram.
Simi Will: Johannes Kram.
Guildo Horn: Der Johannes hat mich irgendwann angesprochen. Das lief direkt so richtig rund
Guildo Horn: und hat dann gemeint, oh, ich finde das klasse, was du machst. Darf ich euch managen?
Guildo Horn: Finde ich super. Und dann hat der Johannes dazu Vollgas gegeben und war eigentlich
Guildo Horn: einfach ein Teil mehr dabei.
Guildo Horn: Dann kam mein alter Freund Roland Schwinn dazu, der immer mit mir an den Ideen
Guildo Horn: auch schon gefeilt hat und der hat das Geschäftliche in die Hand genommen und so.
Guildo Horn: Über die Jahre ist das gewachsen bis zum Grand Prix und dann haben wir uns alle
Guildo Horn: so voneinander getrennt und ich habe gedacht, wie geht es denn jetzt eigentlich weiter?
Guildo Horn: Er hatte Angebote, Management-Angebote von großen Firmen, von großen bekannten Managern und so.
Guildo Horn: Aber die Silke, die hat ja schon seit Anfang der 90er für uns gearbeitet.
Guildo Horn: Und ich habe gedacht, das ist genau das Richtige.
Guildo Horn: Zu der habe ich so Vertrauen, weil die musste immer die Arbeit machen.
Guildo Horn: Also ich meine, gute Ideen kann jeder haben.
Guildo Horn: Das ist ja immer wichtig. Du brauchst jemanden, der das umsetzt und der nicht
Guildo Horn: so eitel ist und das so in den Vordergrund stellt.
Guildo Horn: Und das ist die Silke, die macht das mega und wir sind einfach,
Guildo Horn: das ist meine beste Freundin und wir sind echt einfach ein Team und das ist
Guildo Horn: ein ganz toller Mensch und in der Arbeit super und wir wollen beide nicht in Olymp springen,
Guildo Horn: aber wir haben das so hingekriegt, wie wir es hinkriegen.
Guildo Horn: Und das ist toll, dass man sich halt nicht verbiegen muss, um es zu schaffen. Das ist das Gute.
Simi Will: Mann, jetzt war das das Schlusswort. Ich weiß, dass du genug zu tun hast.
Guildo Horn: Ich muss gleich kommen.
Simi Will: Hier, bleib bitte in der Zeitzemie. Der Horst und so weiter.
Simi Will: Ich war noch nie in der Zeit.
Guildo Horn: Ich sage es jetzt, bei mir ist das so, ich bin so eingetimt in meinem Leben. Ich habe auch Familie.
Guildo Horn: Ich habe noch zwei kleine Kinder, die hier wohnen.
Guildo Horn: Zwei Töchter. Die eine ist acht, die andere 14.
Guildo Horn: Und die eine kommt jetzt gleich von der Schule, da muss ich mich drum kümmern.
Guildo Horn: Wenn ich hier am Arbeiten bin, wenn ich zum Beispiel meine Radiosendung produziere,
Guildo Horn: dann wird dienstags morgens, da gehen die Kids aus dem Haus in die Schule,
Guildo Horn: setze ich mich hin, dann schreibe ich das, ich weiß genau bis um wie viel Uhr ich schreiben darf,
Guildo Horn: weil dann bin ich um ein Uhr wieder dran und dann am nächsten Tag nehme ich
Guildo Horn: auf und weiß dann wirklich genau, bis wann ich aufnehme.
Guildo Horn: Also ich mache wirklich kreativität auf
Guildo Horn: zeit und das habe ich früher nie gedacht dass das das
Guildo Horn: geht habe ich während corona gelernt wenn
Guildo Horn: du 14 titel in der woche betexten muss und aufnehmen muss dann fängst an ganz
Guildo Horn: ökonomisch zu arbeiten das kann ich mittlerweile ich kann wirklich wenn was
Guildo Horn: ist ich spucke texte aus ich spuck die dinge aus ich kann das ganz schnell aufnehmen ich bin so ich,
Guildo Horn: Geht das? Ist nicht sehr entspannt? Manchmal denke ich mir, gerade so bei einer
Guildo Horn: Radiosendung, ich würde mir manchmal noch gerne mehr Zeit lassen.
Guildo Horn: Aber dann fängt man an zu fragen, ist das richtig so? Ist das, ne?
Guildo Horn: Und schraubst da was, schraubst da was. Es soll eigentlich auch eine Momentaufnahme sein.
Guildo Horn: Das ist ja auch wieder one moment in time, dieses Gefühl.
Guildo Horn: Ja, alles klar. Wir sind sozusagen, ich habe die Ehre, Ich empfehle mich an
Guildo Horn: dieser Stelle, freue mich, ein Teil deiner Historie gewesen zu sein.
Guildo Horn: War total nette Unterhaltung.
Simi Will: Richtig schön. Ja, ich bin auch,
Simi Will: also ich bin ganz beseelt, weil ich bin schlecht gelaunt aufgestanden.
Simi Will: Wie gesagt, Wahlergebnisse und so verbissen in dem Social Media Hass-Ding drin.
Simi Will: Habe ich gesagt, hoffentlich kriege ich das hin. Ich habe mir jetzt erstmal
Simi Will: einen Kaffee und dann habe ich Gott sei Dank mit Silke telefoniert und dann
Simi Will: ist schon der erste negativ Palawa an mir abgeprallt.
Simi Will: Und jetzt, Horst, heute ist Montag, you made my week.
Guildo Horn: Ich hoffe, I hope, I will hope, dass alles, was ich mitgeschnitten habe, hier gut ist.
Guildo Horn: Aber ich glaube, sieht gut aus. Ich mache aus, oder?
Simi Will: Warte noch, darf ich ein Foto von unserem Ja klar, natürlich.
Simi Will: Weil dann kann ich immer so demnächst bei mir,
Guildo Horn: Weißt du, wie es immer so ist. Ja, dann mach mal.
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