Jürgen Knoll (Kostümbildner, Unternehmer, Erfinder)
Shownotes
Okay, ich muss euch was gestehen. Ich kenne Jürgen seit den 80ern. Ich habe ihn immer bewundert – er war der Typ in Trier, der immer anders aussah, immer besonders gestylt, immer New Romantic, immer irgendwie aus einer anderen Welt. Und ich hatte keine Ahnung, was er heute macht.
Jetzt weiß ich es. Und ich bin platt.
Jürgen Knoll ist Modedesign-Absolvent der FH Trier, war Ankleider am Theater Trier, hat bei GZSZ angefangen – damals noch mit Sätzen, die mit „ist es nicht so?" endeten – hat Diplomarbeit über Dracula-Brautkleider abgegeben, die mit echtem Blut eingerieben waren, und hat sich irgendwann in seiner Berliner Küche zusammen mit seinem Partner daran gemacht, den perfekten Filmdreck zu entwickeln. Und dabei 50.000 Euro ausgegeben, ohne es zu merken. Weil sie keine BWLer sind. Zum Glück.
Wir reden über:
- Gute Zeiten, schlechte Zeiten in der allerersten Staffel, als noch jeder Satz mit „ist es nicht so?" endete – und Jürgen der einzige Mann in der Kostümabteilung war
- Den Besuch bei Heidi Lupp, der grauen Eminenz der SWR-Kostümabteilung – er kam direkt aus dem staubigen Fundus, sie saß zwischen Designmöbeln und Figurinen. Er kam sich vor wie die Putzfrau vom SWR
- Drei Monate Tirol mit einer Kostümbildnerin, die schreckliche Sachen mitbrachte und sich dabei für genial hielt – und einer Wolkendecke, die das ganze Tal wie eine Tupperdose versiegelte
- Katja Riemann, vor der alle ihn gewarnt haben – und die sich als herzliche, kreative Partnerin entpuppte
- Wie der Film "Das Parfüm" von 2006 über Nacht alles veränderte und plötzlich jeder Regisseur von Rote Rosen bis Forsthaus Falkenau Schmutz im Kostüm haben wollte
- Til Schweiger, der sich am Set von Inglourious Basterds weigerte, ans Set zu gehen – und Brad Pitt, der aus seiner Garderobe kam und sagte: ich auch nicht
- Harvey Weinstein, der 3000 Wärmesohlen ans Set stellen ließ, ohne zu fragen, was die kosten – und dann die Rechnung bekam
- Und warum die neueste Produktentwicklung – Alienspeichelschleim für Creature-Design – 70.000 Euro gekostet hat und nie profitabel sein wird. Aber trotzdem wichtig ist.
- Die 80er in Trier: Madison, Zapotex, Zartbitter, New Romantics und warum damals im Stadtbild einfach mehr zu sehen war
Jürgens Firma heißt Patina – PATIN-A – und hat weltweit die größte Auswahl an Patinierprodukten. Man findet sie online. Und wenn du das nächste Mal im Kino jemanden siehst, der nach drei Wochen Kriegseinsatz aussieht, dann weisst du jetzt, wer dafür verantwortlich sein könnte.
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Diese Episode wurde gefördert von der Stadt Trier
Transkript anzeigen
00:00:00: Und es gab ein Riesenaufstand, dann kam Brad Pitt aus seiner Garderobe und sagt, wovon redet ihr?
00:00:08: Und er sagt, ich will diesen Track hier nicht mehr haben.
00:00:11: Und dann sagte Brad Pitt, und ich auch nicht mehr.
00:00:14: Die funktionieren nicht!
00:00:16: Ich will auch das haben was der Till bekommt und so.
00:00:19: Dann gab es einen riesen Aufstand.
00:00:22: Dann musste ganz schnell wurde bei uns angerufen ob wir die denn sofort einem Fahrer in die Hand drücken können weil sie brauchen die.
00:00:29: Weil ansonsten können die nicht drehen weil Till Schweiger und Brad Pitt weigern sich jetzt an Zett zu gehen.
00:00:41: Es war ein heißer Sommer, ich habe den ganzen Tag in Symfondos gearbeitet.
00:00:45: Ich hab geschwitzt und ich war fertig!
00:00:47: Ich war dreckig weil Fundusarbeit oder Kostümarbeit... Und man denkt es ist sauber, es ist leider total schmutzig und ich fühlte mich total schlecht und komme dann in so ein super Schickes mit Designmöbeln ausgestattetes Büro und sie sitzt da zwischen ihren ganzen Büchern und Figurinen Und ich kam ja eher vor wie die Putzfrau vom SWR.
00:01:17: Unser letztes teures Produkt, das wir entwickelt haben ... Das gibt es jetzt seit ungefähr einem halben Jahr.
00:01:22: Das ist Schleim!
00:01:23: Das is jetzt kein Slime den wir so als Kinder kannten, der durch die Finger windet oder so.
00:01:28: Sondern dieses eher Speichelschleim für ...
00:01:34: Für
00:01:34: Creature Design.
00:01:38: Immer
00:01:38: und überall
00:01:39: hörbar dazwischen mit Simi Will.
00:01:42: So, jetzt muss ich doch mal erst einmal begrüßen hier.
00:01:45: Ich sage mal Hallo nach draußen an die Endgeräte!
00:01:48: Hier ist wieder die Semi aus dem dazwischen Podcast sogar.
00:01:55: Genau heute sende ich... Nein, ich sende ja nicht, was rede ich da für ein Quatsch?
00:02:00: Heute nehmen wir auf im Herzen Neuköllns.
00:02:04: Ich bin nämlich in meiner Heimat gereist und verbringe hier ein paar Osterfreitage.
00:02:11: Mir ging übersitzt aber ein Extrem, das sage ich immer trotzdem freudig drüber.
00:02:18: es ist einfach wirklich gemeint.
00:02:19: Ein extrem gut aussehender Gegengeschlechtler mit weißem Haar einer Rocke-Billy Frisur einem griechischen anmutenden Achtzigerjahre Shirt.
00:02:32: und das ist Jürgen Knoll.
00:02:37: Und Jürgen hieß damals schon Knall, heißt heute noch Knall.
00:02:41: Und es verbinden quasi die Achtziger Jahre Austria Hallo Jürg.
00:02:46: Hallo Simi!
00:02:48: Super dass du Zeit hattest weil ich schon länger vor hatte mit dir zu reden Weil Du gehörst für mich auch zu den Personen Dich Austria gar nicht so richtig kenne Aber immer wusste wer du bist.
00:03:01: weißt du ich meine?
00:03:03: Weil in den Achtzigern warst du schon jemand der auf mich seriös wirkte.
00:03:10: Du warst einfach ordentlich gestylt, weißt du wie ich meine?
00:03:13: Und ich habe mich als durchgeknallt erlebt so und ... Du hattest ein Laden oder hast in einem Laden gearbeitet und Mode Design studiert in Trier.
00:03:26: Wann hat
00:03:26: das?
00:03:27: Ich habe in Ende der achtziger Jahre angefangen, Modedesign zu studieren und habe vorher in so einem kleinen Modelladen gearbeitet.
00:03:35: Ich hab aber auch eine Ausbildung gemacht im Trier also vor dem Studium Und ja bin quasi mit achtzehn nach Trier gezogen.
00:03:45: von Birkenfeld Das ist ein kleiner Ort im Hund zurück ungefähr sechszig-siebzig Kilometer entfernt von
00:03:52: Aber Birkenfeld hat sogar ein eigenes Auto.
00:03:54: Genau,
00:03:55: ist eine Kreisstadt!
00:03:56: Siehst
00:03:56: du?
00:03:56: Die langweiligste Kreis-Stadt der Welt.
00:04:00: Weiß ich nicht...
00:04:02: Rihol
00:04:03: ist keine Stadtrechte noch nicht.
00:04:05: Okay, Birkenfield aufgewachsen.
00:04:07: Du bist was für einen Jahrgang?
00:04:09: Fünfundsechzig.
00:04:10: Du wirst ja noch
00:04:11: älter als ich
00:04:13: und dann mit siebzehn ab in die Großstadt nach Trier.
00:04:15: Mit achtzehn.
00:04:17: Und wie durchgestartet?
00:04:20: Also ich habe eine Ausbildung gemacht, die ich ziemlich schrecklich fand und habe dann gewusst eigentlich dass sich unbedingt Mode sein studieren wollte.
00:04:29: Und hab alles dran gesetzt das ich das schaffe und hab es auch geschafft, dass ich dann in Trier studieren konnte ja und hab zwischendrin ja auch in diesem Modelladen geabt bzw ist kein richtiger Modelladen damals gewesen sondern wir waren Spezialladen für ganz extrem tollen Modelschmuck.
00:04:50: Ach!
00:04:50: Das war's Point in der Moselstraße.
00:04:52: Genau, Sonja gibt es immer noch in Trier.
00:04:55: Ich weiß ja...
00:04:57: Hat jetzt so ein Shop-in-Shop-Konzept.
00:05:00: Ohne Sonja fehlt der Innenstadt Einherz weil sie hat immer noch super tolle Sachen und ich gehe da regelmäßig Kaffee trinken ohne sie hat inzwischen sogar Second Hand Sachen entwickelt sich ständig weiter obwohl Sie das schon so lange macht und davor ziehe ich meinen Hut.
00:05:15: ganz toll liebe Grüße.
00:05:17: Ja, liebe Grüße zurück.
00:05:19: Der Mode-Design ... Tria war damals eine ganz wichtige Adresse für Mode Hochschule?
00:05:24: Das
00:05:25: war ne sehr besondere Schule!
00:05:27: Also das war zwar ne Fachhochschule hat aber trotzdem sehr besondre Sachen gemacht und ich fand es ziemlich gut.
00:05:35: zeitweise nachher fand ich's nicht mehr toll.
00:05:38: und die Entscheidung dass sich mich für Kostüm Ich habe nie Mode Design gemacht, die kam sehr früh und damit verblasste auch dieser ganze Hype um Mode Design mehr oder weniger.
00:05:54: sehr auch interessant.
00:05:55: Ich kenne ja jetzt einige aus diesem Fachbereich von damals und die wenigsten sind wirklich im Mode-Business gelandet, die meisten machen Kostüm, Garderobe oder was ganz anderes.
00:06:10: Aber Kostümen das heißt du hast quasi nie als Modedesigner irgendwie gearbeitet?
00:06:16: Nein
00:06:17: ich habe mein Studium finanziert durch das Theater Trier.
00:06:22: Ende des ersten Semesters bekam ich einen Job über einen Freund, vermittelt und war dort Ankleider.
00:06:30: Und hab dort mein ganzes Studium übergearbeitet und war eigentlich sehr froh weil ich dadurch wegkam von diesem Kneipenarbeiten was mir damals überhaupt keine Chancen mehr gab morgens rechtzeitig zum Studium zu kommen.
00:06:45: Ja und es hat so eine Sicherheit!
00:06:47: Ich war da tatsächlich fest angestellt und bekam monatlichen Gehalt.
00:06:51: Und musste aber nur abends arbeiten, vielleicht mal Samstags oder eine Hauptprobe nachmittags mitmachen.
00:06:58: Das war alles super easy für das Studium perfekt!
00:07:02: Ich habe dort gesehen was eigentlich mit Kleidung möglich ist.
00:07:07: Also alles was wir gemacht haben in dem Studium war Trendsaufnehmen... irgendwie daraus eine Kollektion zu machen oder irgendwelche Ideen der Professoren umzusetzen in einer Kollektions, die man dann auf dem Laufstück zeigt.
00:07:27: Ja es war halt alles irgendwie immer wieder ähnlich.
00:07:31: aber als ich sah was man mit Kleidung noch machen kann mir war Theater nie wichtig.
00:07:37: also wir sind in der Schule.
00:07:38: wenn wir irgendwelchen Literatur lesen mussten sie mir dann in Romeo und Julia gefahren oder so.
00:07:44: das war Ganz schön, das anzusehen.
00:07:47: Aber ich kannte das nicht von meinen Eltern her oder so.
00:07:50: Wir sind nie ins Theater gegangen.
00:07:52: Ich hatte ... Ich mochte Filme schauen und fand es toll wie alle Kinder.
00:07:59: Und ja aber im Theater selbst dieses Arbeiten mit Kleidung Wie sich das entwickelt, fand ich schon super spektakulär und dachte Das würde mir gefallen sowas auch zu machen.
00:08:13: Und ich war aber nach vier Jahren Theater.
00:08:16: Wusste ich eigentlich, dass mein eigentliches... Also meine eigentliche Passion liegt im Film?
00:08:24: Ich war damals in der Flimmerkiste.
00:08:27: Zum
00:08:27: Film!
00:08:28: Nee, ich war damals immer Stammgast in der Flimmerkiste, kennst du noch das?
00:08:32: Natürlich,
00:08:33: da haben mich beide Söhnen geknutscht, aber das kommt an anderer Stelle schon mal vor.
00:08:37: Ich habe damit niemandem geknutzt Der Film ist doch ins Klingel gegangen.
00:08:41: Aber ich war wirklich da oft und für mich war einfach irgendwann klar, ich würde so gerne zum Film gehen.
00:08:49: Und natürlich, wie kommt man zum Film in Trier?
00:08:53: In Trier wurde
00:08:55: niemanden kennst Also niemanden beim Film kennst.
00:08:58: Weil es
00:08:58: da auch keinen Film gab, es gab ja auch keine Produktionsfirma die da ansteigt gibt's ja nach wie vor nicht.
00:09:04: also aber immerhin gibts jetzt Luxemburg.
00:09:06: aber dazu später
00:09:07: und das war aber auch Luxembourg war mein erster film und zwar hat habe ich aus Versehen erich françois kennen gelernt Und der war bei dir im Podcast.
00:09:20: Da habe ich ihn nochmal gehört und er mich total gefreut, ihn zu hören!
00:09:23: Weil er hat mich damals zu Andy Bausch zu einem schrillen Film... Ich weiß nicht
00:09:30: ob der... Den Luchzenburger Promi-Regisseur der Achtzigerjahre
00:09:33: der
00:09:33: ganz tolle Schräge Sachen gemacht haben.
00:09:35: Und ich weiß gar nicht, ob der Film jemals im Kino kam?
00:09:38: Wahrscheinlich nicht weil er nicht wirklich richtig toll war.
00:09:43: Aber ich hab zum ersten Mal Filmluft... geschnuppert und...
00:09:47: Aber wie hieß der Film, was ist das?
00:09:49: Three Shake Back Steps to Heaven mit Desiree Noßbusch und Udo Kier.
00:09:54: Guck mal!
00:09:54: Udo-Kier?!
00:09:55: Was für ein Schauspieler!
00:09:57: Ja toll
00:09:57: oder?
00:09:58: Das war deine erste Produktion.
00:09:59: Ich meine Desireen Noßbush auch toll.
00:10:01: Toll!
00:10:02: Tolle Frau
00:10:02: ja.
00:10:04: Da haben alle mitgespielt, auch Jürgen Vogel, Ritchie Müller.
00:10:09: Ja die ganze Hollywood-Deutschland.
00:10:12: Genau hier unser Thierry hat eine Hauptrolle
00:10:15: gehabt
00:10:17: und nein da waren alles Superstars.
00:10:21: ja ich bin direkt danach nach Berlin gegangen und habe dort angefangen ohne jemanden zu kennen oder beziehungsweise ich kannte nur ein paar Leute, ich hatte ein paar Freunde genau.
00:10:33: Und Udo hat mir meinen ersten Job in Berlin.
00:10:37: Wie süß!
00:10:37: Udo Seidner ist deswegen des Films nach Berlin gezogen mit mir zusammen und ihr also du wohnt es dann auch nicht weit und Udo sagte irgendwann Du kennst doch den Jürgen Knoll und da waren wir dann auch schon ganz schnell mal bei euch zum Essen eingehauen.
00:10:53: Okay, das war dann zweiundneunzig-dreinneunzig.
00:10:55: Genau!
00:10:55: Das war dreineunzigbeginn dreiundneutzig.
00:10:58: Und wie bist du denn in Berlin?
00:10:59: Also ich meine als Trierer, als Birkenfelder, Trierermorddesigner der eine Produktion in Luxemburg gemacht hat zugegebenermaßen mit namhafter Produktion.
00:11:12: also da war ja einiges dabei.
00:11:13: aber Wie hast du denn in Berlin quasi Fuß gefasst?
00:11:17: Ach, das war total schwer.
00:11:18: Also es war wirklich damals super schwer.
00:11:21: Berlin selbst hatte gar keinen Stand gehabt.
00:11:24: also es gab kaum Filmproduktionen.
00:11:26: die Filmproduktionen, die es gab waren alle schon vorab besetzt mit Leuten die natürlich schon seit ewigen Zeiten das gemacht hatten.
00:11:33: Ich wohnte im Osten, das fanden die ganzen Westberliner total schrecklich.
00:11:38: Das kennst du ja auch wahrscheinlich, dass man sich gefragt hat wie kommt jemand aus dem Westen überhaupt in den Ostteil?
00:11:45: Dass man das überhaupt erträgt oder so.
00:11:46: ich konnte mir nicht vorstellen irgendwo in Charlottenburg zu wohnen.
00:11:50: Ich fand es super
00:11:51: toll.
00:11:51: Da fliegen aber alle vom Film damals
00:11:53: noch
00:11:53: an dieser Straße und so weiter.
00:11:56: Und ich fand es supersupertoll in meinem gruseligen Nachkrieg.
00:12:05: Ja,
00:12:05: Prenzlauer Berg.
00:12:08: Genau, Greifenhagenstraße und ich fand es unglaublich toll und spektakulär und hatte einen Kohleofen gehabt.
00:12:15: Ich hatte noch nie ein Kohleofen vorher und ja das war schon sehr besonders!
00:12:20: Und habe dann durch Udo in einer Serie anfangen können die ganz frisch gestartet ist.
00:12:27: Die gab es drei Monate Das Maul drüber zerrissen, weil das war so schlecht.
00:12:36: Dass es niemand gucken wollte.
00:12:38: Wie ist das?
00:12:39: Gute Zeiten, schlechte Zeiten.
00:12:43: Komm!
00:12:43: Ist nicht
00:12:44: wahr.
00:12:45: Und es war frisch gestartet und unglaublich schlecht.
00:12:50: Diese Serie kam aus Australien.
00:12:56: Bücher eins zu eins ins Deutsche übersetzt.
00:12:58: Jeder Satz endete mit ist es nicht so?
00:13:04: Und ja vor allen Dingen, es war super lustig und die haben dann quasi gesagt okay wir müssen das jetzt alles neu machen!
00:13:11: Dann gab es eine neue Kostümbilderin.
00:13:13: Es gab ein komplett neues Setting und die haben dann quasi die Drehbücher neu geschrieben.
00:13:19: Und ich kam dann quasi in diese neue Staffel rein und durfte zum allerersten Mal Garderobe machen, hatte ultra wenig Ahnung davon gehabt... Garderoben
00:13:28: ist quasi die Arbeiterabteilung des Kostümbildes, die am Schauspieler dran ist?
00:13:33: Genau
00:13:33: das sind die Leute mit dem Schauspieler arbeiten, die quasi die Kostüme einteilen oder weiterreichen, vorgeschlagen hat und achten auf eine Kontinuität, dass diese Kostüme auch im richtigen Moment wieder eingesetzt werden.
00:13:50: Und das die Umzüge funktionieren Schauspieler... Diese Kleidung auch gereinigt wird und so.
00:13:57: Das war halt meine Aufgabe damals.
00:13:59: Und ja, ich hab das drei Monate lang gemacht.
00:14:02: Dann war irgendwie klar ... dass ich meine Diplomarbeit vergessen kann, wenn ich da weiter arbeite.
00:14:08: Ich war so ausgelaugt, wir hatten so viel gearbeitet, es waren zwölf Stunden Tage und ich war so fertig, dass ich da eigentlich gar nichts mehr machen konnte.
00:14:17: Und hab dann dort aufgehört zu arbeiten und habe mich auf meine Diblomarbeit gestürzt...
00:14:23: Die das Thema was hat?
00:14:25: Ich hatte das Thema Tragolaga gehabt Kleider für Dracula entwickelt.
00:14:33: Und hab dann die ... Ja, ich musste ja einen Mode-Thema machen weil ich Mode-Design studiert habe und es war halt eben was, was sich eigentlich schnell machen wollte.
00:14:47: das dauerte dann doch länger als ich dachte wir mussten auch noch ein Brautkleid nähen und das war alles.
00:14:53: und dann auch noch gab's Fotosession wo ich das Ganze komplett verblutet hatte Blutend abgegeben habe, das war schrecklich.
00:15:02: Ich bekam auch eine ultraschlechte Note auf mein Brautkleid weil es halt eben ... Sie konnten das nicht mehr überprüfen auf die Nähtechniken, weil das war zerstört.
00:15:10: Weil
00:15:10: zu viel Blut dran war?
00:15:11: Das Blut
00:15:12: und alles.
00:15:12: wir haben das auch gefällt.
00:15:16: Ja aber es war halt diese Schule.
00:15:18: also das waren auch Sachen, die ich ganz schrecklig fand.
00:15:21: Weißt du eigentlich kurz dass im Semionstiftmuseum im ersten Stock Also im Stadtmuseum gibt's ein Fernseher, da läuft die Modenschau von oneinzehundertneunzig laufen.
00:15:34: Da hast du Teile von, kann man das noch sehen?
00:15:38: Ich glaub, das war euer Jahr ... Nee, war das doch
00:15:40: das ... Einenundst war uns!
00:15:41: Ja wir sind waren auf jeden Fall dabei.
00:15:43: ja nach GZSZ also nachdem ich mein Diplom gemacht hatte.
00:15:46: Ich hatte dann quasi in der Zeit gar nichts mehr gemacht und hab eigentlich parallel Theater wiedergemacht.
00:15:53: Ich hab dann so ganz kleine Stücke betreut und habe unter anderem ein ganz großes Tanztheater gemacht für eine freie Produktion hier in Berlin, wo die Leute geflogen sind und so an so Leinen hängen und das war eine Produktion, die ich gemacht habe.
00:16:14: Danach hab' ich ne Kostümbildnerin kennengelernt durch Udo wieder.
00:16:20: Also, Udo war mein Engel... Hallo Udo!
00:16:23: Wir grüßen Dich!
00:16:26: Und mit der habe ich ziemlich viel gearbeitet und mit der bin ich immer noch ganz, ganz eng.
00:16:30: Aber nicht
00:16:30: Lucy Bates?
00:16:31: Nein, nein, Lucy Baites nicht.
00:16:32: Das war Anne Plaumann.
00:16:34: Anne
00:16:35: aus dem Osten.
00:16:35: Genau.
00:16:36: Und
00:16:36: Anne habe ich auch kennengelernt.
00:16:37: Und Udo hat die an mich weitergereicht weil er mit
00:16:40: Lucy
00:16:40: gearbeitet hat
00:16:41: Stimmt.
00:16:42: Lucy war die West Tussi und Anne Blaumann war die Frau aus dem Osten, so down to earth.
00:16:48: Genau wirklich am Boden.
00:16:50: Ganz nette.
00:16:51: Die war bei uns zwei-drei Mal auf einer Party.
00:16:53: Echt eine nette Frau.
00:16:55: Ich machte sie sehr gerne.
00:16:57: Ja und das habe ich dann ne Zeit lang noch gemacht.
00:17:01: Für mich war immer klar dass ich definitiv keine Assistenz machen möchte keine Garderobe.
00:17:08: Ich wollte entwerfen, ich wollte Kostümbild machen.
00:17:11: Das war immer mein Wunsch und ich hatte keinen Lust, mein Leben als Assistent zu verbringen.
00:17:17: das machen leider sehr viele.
00:17:19: Am Lügelbrett
00:17:19: zu bleiben?
00:17:20: Ja also auch immer nur Sachen zu machen die andere vorschlagen.
00:17:25: Das machen sehr viele... Also vieles.. Die Kostümerabteilung ist eigentlich Best ausgebildete Abteilung am Set.
00:17:33: Alle haben irgendwie studiert, das
00:17:36: ist so!
00:17:37: Und ja die meisten bleiben dann aber in der Assistentenphase hängen und kommen nie weiter oder ganz spät.
00:17:45: erst Für mich war es immer klar ich werde das gar nicht machen.
00:17:49: Ich habe unglaublich viele Kurzfilme für Filmhochschulen gemacht.
00:17:54: Hast du da Geld verdient?
00:17:55: Nee, gar nix.
00:17:56: Ich war
00:17:57: immer im Existenzminimum immer.
00:18:00: Ich hatte überhaupt nie Geld, alles Geld was ich dann mal bei einem Film verdient habe ist dann komplett in die Miete gegangen.
00:18:07: also ich war jahrelang pleite wirklich also wirklich absolut arm und
00:18:14: aber sexy.
00:18:15: ja
00:18:15: genau ich hab nach berlin gepasst und ich hatte zum glück diese super billige wohnung.
00:18:22: ich wohnte zum gluck in diesem armen prenslauer berg das man sich heutzutage nicht mehr vorstellen kann.
00:18:28: Was habt
00:18:29: ihr damals bezahlt?
00:18:31: Die habt ihr euch sehr schön gemacht.
00:18:32: Das war
00:18:32: eine superteure Wohnung für diese Zeit, weil wir hatten das einzige Badezimmer in dem Haus.
00:18:43: Alle anderen hatten nur Toilette aufm Gang und mussten in die öffentlichen Bäder gehen oder zu Freunden duschen.
00:18:49: In der schwule Sauna.
00:18:51: Die gab es aber noch nicht im Prenslauer Berg.
00:18:53: Wir hatten damals auch Leute gehabt, die zum Duschen kamen.
00:18:57: Stimmt.
00:18:59: Ich hab ja auch lange so gewohnt, ne?
00:19:01: Auch mit Außenklo und bin dann auch zum Duschen entweder ins Schwimmbad oder Fitness zu ... war normal.
00:19:08: Ich habe sogar mein Trier mit Außenglo gewohnd.
00:19:11: Gut das hab ich nie!
00:19:12: Ja aber das war.
00:19:15: Aber was habt ihr damals bezahlt?
00:19:16: Greifenhagener Straße.
00:19:17: Das war teuer.
00:19:18: Schicker Altbau, ich glaube, ihr hattet einen Balkon sogar...
00:19:21: Nein gar nicht!
00:19:23: Das war leider gar nicht so schick, das ist vielleicht in der Erinnerung so schicke aber eigentlich war es überhaupt nicht schick.
00:19:28: Es waren Berliner Zimmer.
00:19:30: also siehst dunkel tagsüber Licht anmachen weil du so ein Seitenfenster hattest zum größten Raum.
00:19:38: die war gut geschnitten das war total toll.
00:19:40: die Wohnung und die kostete Wie viele
00:19:48: Quadratmeter?
00:19:49: Das waren ... Sechzig.
00:19:53: Sechszig Quadratmetern, so eine typische zwei-Zimmer-Wohnung in Berlin.
00:19:58: Sechzig Quadrat Meter vierter Stock ohne Raufzug.
00:20:01: Aber ihr hattet es echt schöner.
00:20:04: Ihr habt einfach ein Style gehabt da, das war alles immer total ordentlich und super ... Ja, es war total schön bei euch!
00:20:11: Immer Stylo ist ja klar.
00:20:13: Jetzt noch mal zurück zum Kostümbild GZSZ, Diplom gemacht.
00:20:18: Dann habe ich einen historischen Film für die Filmhochschule in Baden-Württemberg gemacht.
00:20:27: Wie heißt das?
00:20:27: In Ludwigsburg.
00:20:30: Dort durfte ich, also die hatten quasi einen Deal gehabt.
00:20:34: Die haben das Ganze für so eine Senderreihe im SWR gemacht und bekamen ein Deal mit dem SWR dass man den Fundus benutzen durfte des SWR weil in historischen Filmen mit einem Etat von einer Filmhochschule ist nicht möglich.
00:20:51: Und dann habe ich gesagt okay wir werden da irgendwas erfinden was historisch aussieht, aber nicht wirklich historisch ist.
00:20:59: Weil wir kriegen das gar nicht hin und ich habe dann dort eine lange Zeit gearbeitet im Fundus auch des SWR.
00:21:09: Der SWR hatte damals noch einen sehr großen eigenen Fundus.
00:21:12: den gibt es nicht mehr.
00:21:14: Und der Fundusleiter war so ein badischer Beamter Ein ziemlich... Damals für mich als ich ihn kennenlernte.
00:21:24: er war super korrekt Ich hatte solche Leute schon lange nicht mehr gesehen, jemand mit einem Schnäuzer.
00:21:32: Und irgendwie der sah zwanzig Jahre älter aus als er war.
00:21:36: und ja und er hatte mir alles verboten ich durfte gar nichts machen.
00:21:40: also eigentlich war ihm das so zu wider dass ich als fünf Studentenfilm in seinen heiligen Fundus kam und irgendwas ausleite.
00:21:48: und er beobachtete mich immer Und irgendwie schien ihm meine manische Art so zu gefallen, dass er mir irgendwann erlaubte sogar Schuhe zu benutzen die ich vorher gar nicht ausleihen durfte.
00:22:02: Er zeigte mir deinen Schufundus... Ich bekam sogar einen Schlüssel um da in den Fundus reinzugehen und so.
00:22:07: Aber
00:22:07: wo wohntest du dort?
00:22:08: Das war ja SWR ist ja dann in Rheinland-Pfalz irgendwo.
00:22:12: Nein nein!
00:22:13: Der Fundus ist in Baden-Baden und wir haben in Stuttgart gedreht und ich bin immer hin und her gefahren.
00:22:23: Ich hab in Ludwigsburg, in der Jugendherberge gewohnt.
00:22:26: Und hab dann von Ludwiksburg aus ... Dann bin ich nach Baden-Baden gefahren im Fundus und durfte auch nach Stuttgart rein.
00:22:36: Also wir konnten quasi
00:22:38: für diese Produktion.
00:22:39: Für diese Produktion!
00:22:40: Und das Tolle war dieser Fundusschef hat mich bekannt gemacht mit der damaligen Kostümleiterin Das SWR.
00:22:51: Und diese Kostümleiterin oder die Kostümschefin war sowas wie Edith Head vom deutschen Fernsehen, die war super bekannt.
00:23:05: Die hatte eine Irrsinnsmacht!
00:23:08: Die war total bossy und fand mich total toll weil ich damals Eigentlich der einzige Mann war, der Kostüme machte.
00:23:22: Es gab nur Frauen in diesem Beruf und viele, viele Frauen die ich da kennenlernte hatten so spitze Ellbogen gehabt.
00:23:34: Ich hab sowas noch nie erlebt!
00:23:38: Ich bin so gerne mit Frauen zusammen und habe in meinem Leben noch nie so viel Bösartigkeit erlebt wie in dem Beruf.
00:23:48: Meine Schwester ist ja auch Kostümbildnerin.
00:23:51: Und meine Schwester hat das auch und sie ist so richtig ... Da, da, da!
00:23:56: Dann sag ich dir das immer, dann kannst du über sich lachen weil sie jetzt natürlich älter ist und Down to Earths und das Programm kennt seit vielen Jahren.
00:24:05: aber ich glaube, da musst du dich echt durchsetzen können.
00:24:08: Aber spitze Ellbogen habe ich lange nicht gehört, finde ich gut.
00:24:12: Ich hab wirklich viele schreckliche Leute erlebt, aber auch ganz viele nette.
00:24:16: Wer war diese Frau, die superwichtige?
00:24:19: Die
00:24:20: hieß... ...vom SWR.
00:24:22: Frau Lup!
00:24:23: Ja,
00:24:26: Heidi Lup vom SWR
00:24:29: von Luss.
00:24:29: Genau.
00:24:30: Also nicht vorm Fundus, sie war die Chefin der Kostümabteilung.
00:24:34: also Sie hatten einen ganz wichtigen Abteilungsleiter Posten im SWR gehabt und war dort eigentlich so Graueminenz.
00:24:44: Sie war auch kurz vor ihrer Rente und ich durfte sie besuchen, also ich bekam einen Termin bei ihr.
00:24:51: Audienz!
00:24:52: Und ich war total... Also es waren Sommer ... Es war ein heißer Sommer.
00:24:57: Ich habe den ganzen Tag in diesem Fundus gearbeitet.
00:25:00: Ich hab geschwitzt und ich war fertig.
00:25:02: Ich war dreckig weil Fundusarbeit oder Kostümarbeit sieht immer so super sauber.
00:25:07: Man denkt das ist sauber, es ist leider total schmutzig.
00:25:11: Ich fühlte mich total schlecht und komme dann in so ein super schickes mit Designmöbeln ausgestattetes Büro.
00:25:19: Und sie sitzt da zwischen ihren ganzen Büchern, Figurinen ... Und ich kam ja eher vor wie die Putzfrau vom SWR und bekam dort eine Audienz mit Tee und Gepäck.
00:25:34: Dann fand sie mich, also hat sich alles angehört was ich so mache und was ich machen will.
00:25:39: Und dass ich irgendwann mal Kostümbildner sein will bei richtig bezahlten Produktionen.
00:25:44: Ich habe bisher noch nie Geld verdient.
00:25:47: Und dann haben wir uns verabschiedet.
00:25:48: Ich hab diesen Film gemacht und
00:25:51: diesen historischen
00:25:53: Film ohne Geld.
00:25:54: Wir bekamen alle gar kein Geld.
00:25:57: Der hat Wochen gedauert.
00:25:58: Also ich hab alleine in Ludwigsburg glaube ich zwei Monate gelebt bis der Film fertig war.
00:26:04: Ich bin nach wie vor mit den Regisseuren ganz eng befreundet, also wir haben wirklich da eine tolle Zeit erlebt und das war wirklich gut.
00:26:11: Und der Film ist schön geworden?
00:26:13: Das war ... oh Gott, aber ich glaube, das war auch in der
00:26:19: Mitte der
00:26:20: Neunziger.
00:26:21: Genau.
00:26:23: Auf jeden Fall danach habe ich gar keine Arbeit bekommen.
00:26:27: Es hat ewig gedauert, bis sich wieder Arbeit bekam.
00:26:30: Ich war absolut abgebrannt
00:26:33: Stimmt, zu der Zeit haben wir uns öfter gesehen.
00:26:36: Ich
00:26:36: hab mir nicht reingefragt und es war wirklich in Berlin schwer, weil das alles belegt war.
00:26:44: Da waren die immergleichen, die das gemacht haben, damit war der Markt dicht.
00:26:48: Es war schlecht aber ... Was will man machen?
00:26:53: Irgendwie kommt dann doch irgendwas.
00:26:56: Ich habe mich bei einer Kostümbildnerin beworben, die ich verwechselt habe.
00:27:03: Ach Gott, ich darf jetzt keinen Bashing machen.
00:27:05: Ich nenne jetzt keinen Namen!
00:27:07: Ich habe mich bei einer Kostümbildnerin beworben, die den gleichen Namen hatte wie eine ganz berühmte Kostümbildnerin und die lud mich ein beinahe Serie mitzumachen in Tirol.
00:27:21: Diese Ganz Berühmthe?
00:27:23: Diese Nicht-BerühmThe von der ich dachte, die wäre diese Berühmthe.
00:27:28: Okay... Mir stand das Wasser bis zum Hals.
00:27:32: Ich hab gedacht, ich mach jetzt Serie.
00:27:35: Egal was da kommt ... Hauptsache, ich kann mir irgendwann wieder mal irgendwas leisten oder meine Miete auch rechtzeitig zahlen.
00:27:46: Auf jeden Fall bin ich dann dahin gefahren nach Tirol.
00:27:52: Das war die Bude so ... mit zur schlimmsten Zeit meines Lebens.
00:27:59: Jeder von uns bekam so ein Heidi-Haus, also so ein ganz tolles Haus am Berg wo andere Urlaub machen.
00:28:08: ich hatte eine ganze Etage unten wohnten die Bauern oben wohnte ich und hat in der ganzen Etage mit vier Gästezimmern gehabt und durfte so viele Gästereinladen wie ich wollte weil diese Firma wollte keine Heimreisen bezahlen sondern sagte lasst euch doch einfach besuchen.
00:28:24: die Leute freuen sich Dann könnt ihr so viel Besuch haben, wie ihr wollt.
00:28:28: Ihr habt diese Wohnung ... Jeder hat von euch ein Haus und ihr dürft wohnen da und leben.
00:28:35: Hört es sich super an!
00:28:37: Ich bin morgens auf dem Balkon, hab erst mal gejodelt... Und bin dann zur Arbeit gegangen weil es war Superwetter.
00:28:50: Die ersten zwei Wochen war Superwetter.
00:28:52: Da war die Kostümbildnerin auch noch gar nicht da, sondern ich arbeitete mit der Katropiere zusammen.
00:28:58: Ich habe als Assistent dort gearbeitet und die Katropäre mochte mich nicht.
00:29:03: Und das dachte ich, okay werde ich irgendwann schaffen.
00:29:08: Irgendwann wird sie mich lieben wurde.
00:29:12: nach diesen zwei Wochen ist die Sonne weggegangen und eine Wolkendecke kam über das Tal.
00:29:18: Und ja, man fühlte sich wie in einer Tupperdose auf diesem Balkon, den man morgen so geliebt hat mit den Geranien.
00:29:27: Die Arbeit wurde ein Desaster.
00:29:30: Die Kostümbilderin kam und entpuppte sich als Drachen, die war schrecklich hatte furchtbare Kostüme mitgebracht die scheißlichsten Sachen, die ich jemals gesehen hab.
00:29:43: Und sie beklatschte sich ständig, dass sie so geil ist und so tolle Sachen machten.
00:29:51: Es wurde immer schlimmer, immer schlimme jeden Tag ...
00:29:54: Wie lange war das?
00:29:55: Das waren drei Monate.
00:29:58: Ich war fix und fertig, ich war wirklich am Ende.
00:30:02: Freunde kamen dann, haben mich aufgebaut... Ich habe gesagt, ich muss hier bleiben!
00:30:08: Ich weiß nicht, wie ich mein Leben sonst finde.
00:30:09: Ich krieg keinen Arbeitslosengeld und gar nix.
00:30:12: Aber während dieser Zeit hattest du deine Homebays immer in der Greifenhagener Straße?
00:30:16: Ja ja
00:30:16: genau.
00:30:17: Die
00:30:17: blieb auch.
00:30:18: Du warst Wort gemeldet zu Berlin.
00:30:20: Genau die bliebe auch nach diesen drei Monaten hat.
00:30:24: zum Glück bekam ich einen Anruf vom SWR von dieser Frau Lup von Heidi Lup.
00:30:31: Die mit dem Gebäck und der Audienz.
00:30:34: Und sie sagte zu mir Herr Knoll hätten sie vielleicht Lust, ein kleines Fernsehspiel zu machen.
00:30:43: Das wird in Berlin getreten und ich trau's mich gar nicht anzusagen aber es sind nur so'n Dreiviertelstunde-Film.
00:30:52: Und ich bin an die Decke gesprungen habe gesagt Ich werde das machen!
00:30:57: Also ich war so glücklich.
00:30:59: Das war ein Ding, auch so ein überschaubares Ding jetzt mal.
00:31:02: Und in Berlin?
00:31:03: Ja
00:31:03: und in Berlin!
00:31:04: Und
00:31:04: keine Spitzen-Elbogen im Genick oder so...
00:31:07: Genau genau.
00:31:08: Und dann durfte ich dort kündigen.
00:31:11: Es war auch noch schrecklich weil diese Frau hat dann irgendwie gegen mich da noch total intrigiert.
00:31:16: also aber es war egal mir war das egal.
00:31:18: Ich hab gesagt ich bin weg und nach Medizinflut bin dann nach Berlin gegangen habe dann diesen Fernsehfilm gemacht
00:31:28: Athaus wahrscheinlich
00:31:29: Wasch.
00:31:30: Nee, das war so ... Das kleine Fernsehspiel?
00:31:34: Nein, das waren nur ein kleines Fernsehen.
00:31:35: Es dauerte nur eine Dreiviertelstunde.
00:31:37: Das war ne Reihe in der ARD, die hieß Nachtgeschichten oder so.
00:31:42: Okay.
00:31:43: Es war was ganz Triviales.
00:31:45: Also wirklich es waren ganz triviale
00:31:47: Geschichten und das war Berlin.
00:31:49: Und ich hab versucht da etwas Schönes draus zu machen.
00:31:52: Und das Ergebnis war dass... meine Arbeit dem SWR oder den Leuten beim SWR gefallen hat und ich bekam dann, also danach war wieder eine Flaute wie immer.
00:32:07: Für mich war klar Ich werde nach dieser Assistentenzeit in Tirol keine Assistenz mehr machen.
00:32:13: Ich werde beim Theater arbeiten sonst wo... Ich war auf der Suche hatte auch eigentlich auch gar keine Chancen irgendwas zu finden.
00:32:22: Es war echt schwer Und ich bin dann eines Tages.
00:32:28: Es war, ich weiß nicht wie lange das dauerte ein paar Wochen und zwei Monate vielleicht vom SWR angerufen worden ob ich Lust hätte einen ganz speziellen Film zu machen, ganz jungen filmen.
00:32:42: Und dann habe ich gesagt Ja, ich komme gerne vorbei und stelle mich vor Ich gehe zum Regisseur wurde eingeladen dann zum Regiseur zu fahren der das waren absolvent von der Filmhochschule in Ludwigsburg, und der durfte seinen ersten Langfilm machen.
00:33:00: Der hatte irgendwie einen Kurzfilm gemacht ... Wie heißt
00:33:05: der?
00:33:05: Kennt man den?
00:33:05: Achim
00:33:06: Bornhack?
00:33:06: hieß er oder heißt er ...
00:33:08: Achim Bornhak!
00:33:11: Der machte sehr spezielle Sachen und viel Werbung auch.
00:33:15: Der hat damals einen Kurzfilme gemacht, der auch in dieser Oscar-Rolle drin war.
00:33:20: Also der hat zwar keinen Oscar gewonnen aber war nominiert hat dann einen, durfte dann seinen Abschlussfilm machen.
00:33:29: Und das war eine Reihe ... Das war die gleiche Reihe für die ich diesen historischen Film gemacht hab.
00:33:37: Damals des Schulprojekts noch?
00:33:38: Ja und jetzt war quasi das ein Absolvent der ein richtiges Projekt beim SWR machen durfte mit richtigem Geld.
00:33:46: Alle Leute wurden bezahlt es war also kein Schulprojekt mehr.
00:33:50: Toll!
00:33:50: Dass es auch mal klappt dass wenn du Weil ich hab auch öfter mal Kaffee gekocht bei irgendwelchen Filmproduktionen, weil ich berühmt werden wollte oder warum auch immer.
00:33:59: Oder mitspielen wollte und so.
00:34:01: Und wenn dann mal was kam ... Was dann gut für dich war oder mal Geld ... Das waren welche von früher die sich an dich erinnert haben?
00:34:11: Dann war das immer ganz toll!
00:34:12: Und es kam früher schon vor in Berlin.
00:34:15: Und dann habe ich diesen Job bekommen, weil ... Ich brachte eine Mappe mit und hab gezeigt, was ich so mache.
00:34:25: Und dann hat er gesagt okay ... Die andere, die mir vorgeschlagen wurde, finde ich doof, dich nehme ich!
00:34:32: Dann hab ich gesagt super, fangen wir an.
00:34:34: Ich war auch total blauäugig, wusste gar nicht, was mich erwartet.
00:34:38: Ich habe ja keine Erfahrung gehabt groß.
00:34:42: Als Kostümbilder?
00:34:43: Du hast deine Chefe auf Platz.
00:34:44: Genau, und durfte meinen ersten Film ... oder mein zweiten bezahlten Film, mein ersten neunzig Minuten machen.
00:34:53: Und das war ein sehr großer Erfolg damals.
00:34:56: Wie ist der?
00:34:57: Der hieß Schools Out.
00:34:58: Das war eine Abiturfeier die im Disaster endete.
00:35:01: Ich
00:35:01: glaub den hab ich sogar gesehen.
00:35:02: und wo konnte man im Fernsehen sehen?
00:35:03: Im Fernseh,
00:35:04: konntest du sehen sehen ja.
00:35:05: Schools out!
00:35:06: Ja...und es war halt ein Film.
00:35:09: da spielt er auch Thierry mit.
00:35:11: Dann werbe ich wieder
00:35:11: Thiery.
00:35:12: Hatte eine kleine Rolle gehabt Ja, und das war halt ein sehr erfolgreicher Film damals für die Fernsehlandschaft.
00:35:20: Und es sprachen viele drüber... ...und ich bekam dadurch andere Jobs angeboten.
00:35:26: Und auch gleichzeitig ganz viele Jobs beim SWR.
00:35:29: Also der SWR hat mich dann quasi so entdeckt als neuer Kostümbildner und ich bekamen dann quasi einen Film nach dem anderen angeboten und bin schließlich fünf Jahre dort geblieben.
00:35:42: Oh, ich grüße noch mal den SWR.
00:35:44: Ich bin auch sehr froh mit euch!
00:35:46: Ihr habt zwei wunderbare Beiträge über mich gemacht.
00:35:50: Jederzeit wieder ... Also die waren da auch sehr nett in Mainz
00:35:54: und
00:35:54: wirklich so down to earth
00:35:57: wo
00:35:57: man echt denkt das ist in Ordnung dass da die GZ-Gelder hinfließen?
00:36:00: Ja
00:36:01: es war sehr fair und ich hatte dort Etas, die ich nachher nie wieder hatte.
00:36:05: Ja glaube ich.
00:36:06: Damals war auch
00:36:07: die Möglichkeit also auch Sachen und ganz spezielle Filme machen.
00:36:14: Mir hat niemand reingeredet, ich musste... Also heutzutage wirst du ständig die Redaktionen reden mit was für Kostüme du zu machen hast.
00:36:24: Da gefällt einem kein... Wirst
00:36:25: du wahrscheinlich einkaufen?
00:36:27: Ja
00:36:27: also du machst irgendein Kostüm.
00:36:29: dann sagt dann die Redakteurin, also ich mag keine Spaghetti-Track!
00:36:36: Und ich trage das selbst auch nicht.
00:36:38: Ja, würde ich auch nicht tragen aber diese Figur braucht es.
00:36:42: Aber ist halt eben so viel Eitelkeit in diesem Job und das hatte ich damals gar nicht gehabt.
00:36:47: Ich durfte fünf Jahre lang ganz besondere Filme machen.
00:36:52: Was hast du mit welchen Promis hast du so zu tun gehabt?
00:36:55: Du weißt, ich bin immer auf den Film.
00:36:59: Also Jürgen Vogel hat mir eben Thierry van Werwyck in dieser Nordsbusch Jetzt im SWR-Zeitraum.
00:37:05: Wie gab's da?
00:37:06: SWR
00:37:07: Barbara Auer, die macht dich total gerne.
00:37:10: Ja?
00:37:11: Interessant!
00:37:11: Eine so tolle Frau ... Barbara Aauer
00:37:13: ist sehr interessant.
00:37:14: Ich muss
00:37:15: an diese Frau denken oft noch, weil sie eine gute positive Ausstrahlung hat und ich freue mich jedes Mal, welchen Film sehe mit ihr.
00:37:23: Und ich hab nie wieder mit ihr gearbeitet aber das war schon toll.
00:37:27: Das
00:37:27: freut mich, weil die mag ich auch.
00:37:29: Finde ich auch toll.
00:37:30: Ich hab mit vielen gearbeitet, aber ich weiß nicht ... Das Ding ist, ich lese überhaupt keine Clutch-Press oder so noch nie!
00:37:40: Ich kenne gar keine Schauspieler, ich kenne diese Deutsche Rieke gar nicht.
00:37:44: und das war mein Vorteil weil ich hatte keine Vorurteile... Ich hatte keine vorurteilen!
00:37:51: Ich kam mit allen super aus, mit denen andere überhaupt nicht klar kamen.
00:37:56: Ich hatte zum Beispiel Also ich wurde gewarnt, das war wirklich eine Panik.
00:38:03: Ich sollte einen Film machen mit Katja Riemann in der Hauptrolle.
00:38:07: Alle haben mich gewarnt vor dieser Frau wie bösartig und schlimm sie sei Und ich lernte ne Frau kennen die so nett war und so herzlich zu mir und mit meinen Kostümen arbeitete.
00:38:28: Und Inspirationen gab bei den Anproben, wir hatten so viele Anprobe gehabt.
00:38:33: Sie hat gar keine Zeit gehabt!
00:38:33: Wir sind immer in Schauspielproben gekommen von einem Theaterstück... ...und wir haben uns dann hinter der Bühne irgendwie mal kurz angezogen und sie hat geguckt und gesagt, ja super können wir machen und vielleicht das und das noch und so.
00:38:46: Das war eine tolle Arbeit und ich denke einfach mal es ist ganz oft so dass man Wenn man selbst seine Arbeit ernst nimmt, nehmen die anderen einen auch ernst.
00:38:56: Und das ist der Punkt, wie man irgendwie arbeiten kann und wie es funktioniert.
00:39:03: Ich habe wirklich mit vielen Schauspielern gearbeitet, mit denen es normalerweise nicht nett war.
00:39:08: bei mir ganz gut.
00:39:09: So
00:39:09: genannt schwierig?
00:39:10: Schwierig!
00:39:11: Aber ich hatte auch schwierige Schauspiele, bei denen es bei mir auch schwierig war.
00:39:18: In so einem Kreativding sind ja auch viele Menschen, die mit sich zu tun haben.
00:39:25: Das ist einfach so und das gehört da auch hin finde ich.
00:39:30: Aber das mit Barbara Auer, das gefällt mir.
00:39:32: Ich hatte viele nette Schauspieler gehabt also ich weiß gar nicht mehr alle oder... Ich habe viele Filme gemacht, ich habe auch viele Leute kennengelernt Viele Leute auch kennengelernt, die ich um nicht mehr unbedingt sehen möchte.
00:39:43: Aber viele, die auch super nett waren und ja ... Und die einfach herzlich oder wo es mit denen Spaß gemacht hat weil sie einfach kreativen Input gegeben haben ohne vorher schon Vorurteile zu haben über das Kostüm, weil Sie sich anders sehen oder so ... Oder ultra-Eitel sind!
00:40:02: Das ist glaube ich ein ganz großes Hürde?
00:40:05: Es gibt so viele leider ältere Schauspielerinnen die grundsätzlich nur die Sachen tragen, die sie selbst gut finden.
00:40:12: Egal welche Rolle sich spielen und dementsprechend schlimm sehen Sie auch jedes Mal
00:40:17: aus.".
00:40:17: Also ich weiß von meiner Schwester es gibt Schauspielerinnen, die bringen ihr Kostüm mit!
00:40:23: Dumm.
00:40:23: Frau Hyper zum Beispiel, die aber wo und sagt eine ganz toll ist.
00:40:27: also wirklich auch so ein Profi hier und unfassbarer Ausstrahlung und alles.
00:40:32: Aber Wo ich immer sage Ich bin zum Beispiel als frau total froh dass sich jetzt im alter mich selber leiden können mit Amivalenzen Ist ja klar Aber ich habe da lange dran gearbeitet und wenn ich jetzt dass ich das nicht hätte, wäre ich total unglücklich.
00:40:48: Egal was ich machen würde und jetzt bin ich so wie ich bin.
00:40:52: Ich gucke echt in den Spiegel und sage Hallöchen als Klärchen, guck nicht genau hin, was soll denn sein?
00:40:59: Und dann denke ich immer wenn so berühmte Frauen gerade ... weil ich kann jetzt nur von der Frauenrolle reden Wenn die so zickig, motzig, die arbeiten in ihrem Wunschberuf Die können sich kreativ auslassen von früh bis spät.
00:41:16: Klasse ist anstrengend, aber sie verdienen auch ordentlich Geld!
00:41:20: Und wo ich denke Leute Hallo, trete doch mal einen Schritt zur Seite und guckt nur kurz was ihr alles habt und seid doch mal demütig.
00:41:30: das macht euch froh Weißt du, so denk ich.
00:41:33: Und ich will
00:41:34: heute mit einer Frau Hübert oder wem auch immer ... Also wenn Schwester sagt war eine tolle Zusammenarbeit aber eben nicht leicht.
00:41:41: Aber würde ich gar nicht mehr tauschen!
00:41:43: Ich bin so froh dass ich aufgehört habe mich so zu vergleichen Mit Leistungen von anderen.
00:41:48: oder das ganze Programm.
00:41:49: und ich erzählst dir weil wir sind ähnlich sozialisiert.
00:41:52: Wir kommen aus einem ähnlichen Stall Auf dem Land Mosel.
00:41:55: Du Nicht Mosel sondern Birkenfeld ähnliche Zeit.
00:41:58: Und wir kennen uns von früher, deswegen sage ich das jetzt noch mal.
00:42:03: Das
00:42:04: Lustige was du gerade sagtest finde ich ist auch einer meiner Leidsetze.
00:42:09: es gibt keine Demut mehr.
00:42:10: also ich finde dass ist sowas wichtiges und alle sind so egoman und finden alles geil was sie machen jeden Poops den die loslassen is irgendwie ein Meisterwerk.
00:42:25: Es gibt also ein bisschen mehr Demut wieder in der Welt.
00:42:30: Also Demut
00:42:31: als Begriff, als Wort habe ich irgendwann für mich wieder gefunden.
00:42:33: Dich auch!
00:42:35: Irgendwann dachte ich nur so wie heißt denn das noch wenn man das und das so macht?
00:42:40: Wenn man so das Gefühl hat dass Und dann hat irgendjemand gesagt, du meinst Demut?
00:42:44: Soll ich Bingo!
00:42:46: Weil ich hatte das Wort gar nicht mehr in meinem Wortschatz drin.
00:42:49: Ich finde es ein sehr schönes deutsches Wort.
00:42:53: Aber Jürgen, so zu dir ... Wir haben uns lange nicht gesehen.
00:42:55: Wann hast Du mit dem Kostümbild aufgehört?
00:42:58: Ja, es hat länger gedauert.
00:43:02: Ich hab nach wie vor... Also, ich habe nicht nur bezahlte Filme gemacht.
00:43:08: low-budget Filme gemacht, no budget Filme sehr viel.
00:43:12: Also die Idee das ein Kostüm bilden oder dass jemand der kreativ beim Film arbeitet nur Champagner Tränkenschauspielern und Millionen verdient?
00:43:23: Das ist mir leider verwehrt geblieben.
00:43:26: ich habe das nie gehabt.
00:43:28: Ich hab quasi gut verdient zeitweise Dann hab ich wieder zeitweise nix verdient und dann habe ich Sachen gemacht, bei denen man ganz wenig verdient hat oder gar nichts.
00:43:39: Und die Sachen sind aber doch oftmals schöne Projekte, die auch anstrengend sind, die schlimm sein können, aber zum Teil halt auch positiv besetzt sind.
00:43:53: Ich hab einen Film gemacht – das muss sich nämlich jetzt vorausgehen, weil mein ganzes Leben hat sich dadurch verändert!
00:44:00: Ich habe einen Film für den Theaterkanal gemacht, den es heutzutage gar nicht mehr gibt.
00:44:06: Das war ein Spezial-Spartenprogramm von der ARD und ZDF glaube ich also das schon lange her kennt.
00:44:14: niemand hat scheinbar auch niemand geguckt
00:44:17: doch ich weiß dass es das gab aber ich hab's auch nie geguckt.
00:44:19: ja
00:44:20: auf jeden fall hat dieses dieser theater kanal nicht nur theaterstücke aufgezeichnet sondern auch wollten was besonders Neues machen und haben ein paar Regisseuren die Möglichkeit gegeben, einen Theaterstück zu verfilmen.
00:44:36: Und ich bekam irgendwann einen Anruf von einem Herstellungsleiter.
00:44:44: der sagte mir dass ein Regisseur mich angefordert hätte ob ich Lust hätte Nachtasyl von Maxim Gorky für den Theaterkanal zu machen mit ihm.
00:44:58: Und ich dachte, wer ist denn dieser Regisseur?
00:45:00: Dann sagte er ja das ist Sahadi Sturm.
00:45:03: und dann dachte ich, das ist noch ein Schauspieler.
00:45:07: Aber den hatte ich mal in einem Film gehabt.
00:45:09: und da dachte ich naja okay schön also schön dass ein Schauspieler an mich denkt wenn er seinen ersten film macht oder wenn der einen film macht.
00:45:19: und habe gesagt auch Theater würde ich so gerne wieder machen.
00:45:24: Ja ich sage ja
00:45:25: Also für dich ja auch eine perfekte Kombination.
00:45:28: Das Kostüm, die Theatergeschichte noch mal zusammen?
00:45:31: Ja und das war halt eben irgendwie so eine Idee wo ich dachte es ist doch total super.
00:45:36: und er sagt ja aber es gibt gar kein Geld!
00:45:38: Es gibt ganz wenig Geld.
00:45:39: und hab gesagt wie viel Geld geben sie?
00:45:42: Und hat da so ein Mikrobetrag als Gage aufgerufen und habe gesagt ja mach' ich Sie wollen nicht falschen.
00:45:52: Ich gehe davon aus, wenn sie ehrlich sind und mir eine ehrliche Summe gesagt haben die sagen Geh ich davon aus dass sich später auch nicht mehr lügen Und dann habe ich das dann für das ganz ganz wenige Geld gemacht.
00:46:06: Wie viel gab es damals?
00:46:08: Ich glaube Das waren drei Monate Arbeit zu Demark-Zeiten oder zu Euro schon war.
00:46:17: Ich hab irgendwie im Monat, tausendfünfhundert Mark verdient?
00:46:24: Das war gar nix, weil ...
00:46:28: Nein das
00:46:29: ist auch
00:46:30: bei zwölf Stunden Tagen die da trotzdem sind.
00:46:32: Es war so viel Arbeit und es sind keine Zwölfstunden, es sind achtzehn Stunden Tage.
00:46:38: Das vergisst man auch, wie viel Arbeit das ist.
00:46:40: Gerade wenn es nicht so ein ganz professionelles Ding ist?
00:46:45: Man findet keine Mitarbeiter, die für wenig Geld arbeiten.
00:46:48: Man arbeitet dreifach und ... Egal!
00:46:51: Es war für mich eine Idee, dass ich was machen konnte und hab den Regisseur getroffen und ihm gesagt, wie ich mir das vorstelle.
00:47:01: Weil ich dachte, wenn wir schon so einen Low-Budget-Ding machen Und dann sagte er, wow!
00:47:07: Ich hätte das gar nicht erwartet.
00:47:09: Ich bin davon ausgegangen du gehst irgendwo durch drei Second Handlade und dann haben wir irgendwas.
00:47:14: aber wenn du das so machen willst macht es so.
00:47:16: ich hatte mir wirklich ein ganz fantastische also eine Fantasiewelt vorgestellt und wollte was ganz Spezielles machen.
00:47:24: was zwischen Film- und Theater ist also zwischen Theaterkostüm und Filmkostümen ist Nacht.
00:47:34: Asyl spielt alles an einem Ort und die Menschen, die dort leben sind ganz arm.
00:47:40: Und müssen quasi in ihrer Kleidung über eine lange Zeit schon gelebt haben.
00:47:47: Diese Kleidungen muss schmutzig sein!
00:47:50: Dann traf ich die Szenenbildnerin, eine ganz tolle Frau aus Köln,
00:47:55: Birgit
00:47:55: Esser.
00:47:57: Sie zeigte mir ihre Moodboards.
00:48:04: Zeichnungen, Fotos die einem zeigen wie dieser Film nachher aussehen wird.
00:48:11: Also quasi auch Heldunkel, Propisch, Dezent, Grün?
00:48:15: Genau
00:48:16: oder eben so ganze Bilder...
00:48:18: Wie ein Storyboard?
00:48:20: Nein, kein Storyboard!
00:48:21: Einfach nur Ideen, wie zehn Plattencover, die jetzt hier in der Wand hängen sagt man, so stelle ich mir ungefähr den Menschen vor für eine Mischung von diesen zehn Cover'n.
00:48:31: Und sie zeigte mir Fotos aus Kuba von Roberto Polidori.
00:48:38: Das ist ein ganz berühmter Fotograf, der hat Wohnungen in Kuba fotografiert und Menschen darin und das ganz tolle Bildbänder gibt es da.
00:48:48: Ich war total begeistert und habe gesagt ich würde gerne die Kostüme für diese Räume machen.
00:48:55: Das haben wir dann auch konsequent durchgezogen.
00:49:01: Ich musste eine Verschmutzung finden, die wir herstellen können für dieses Setting.
00:49:10: Wir hatten kein Geld gehabt und konnten nicht wie Herr der Ringe das identische Kostüm herstellen lassen, dass es verschiedene Schmutzspuren hat.
00:49:20: Unser Kostümen war einmalig und die Schauspieler mussten jeden Tag dran spielen... mussten auch gewaschen werden zwischendurch, weil Schweiß riecht an Schauspielern nicht nur an normalen Menschen.
00:49:34: Und wir mussten aber diese Verschmutzung immer wieder herstellen können.
00:49:38: Auf
00:49:39: Anschluss?
00:49:39: Es musste dann Donnerstag ... Ich hab ja mal am Set gearbeitet, das kann sich normalsterblicher macht die Gedanken nicht.
00:49:47: und nur damit man es nachvollziehen kann.
00:49:50: Das heißt, morgen drehen wir Szene Dienstag-Nachmittag die Familie steht vor dem Haus.
00:49:56: So das ist vor dem Kampf!
00:49:58: D.h.,
00:49:59: die Sachen müssen noch alle sauber sein Und morgen tränen wir aber versetzt und da kommt als erstes auf jeden Fall Die Sachen sind schon Blut beschmiert.
00:50:08: Die Mutter hat den Ärmel von ihrem Mantel Und das muss alles auf Anschluss sein.
00:50:15: Ihr wisst ja noch, was wir vor zwei Wochen gedreht haben?
00:50:17: Das war nämlich das gleiche Bild und da haben wir aber aus dem Blick des anderen gedrehte und das machen wir jetzt nochmal bitte schön genau so
00:50:26: Perfekt perfekt gesagt.
00:50:27: Genau dass ist auch so und ich hatte damals Ja keine Fachkräfte gehabt.
00:50:35: Ich habe quasi Praktikanten gehabt die vielleicht einmal schon mal irgendwie beim filmen geguckt haben, aber die konnten alle nähen und wir mussten auch sehr viel nähen für diesen Film.
00:50:48: Wir haben so ein kleines Atelier uns aufgebaut.
00:50:52: Aber es war klar, wir brauchen irgendeinen Schmutz der perfekt zu diesem Kostüm passt bei... Wir hatten geliehene Kostüme zum Teil von dem Theater auch.
00:51:02: also ich bin dann durfte in den Fundus von der Komischen Oper dort auch Sachen ausgeliehen und viele Sachen bekam ich auch geschenkt.
00:51:11: Und wir mussten aber sehr finäen, bei geliehenden Kostümen muss man danach wieder zurückgeben, gereinigt und die müssen intakt sein, ansonsten zahlt man sie.
00:51:22: Ich hab dann aus Amerika ein Wachsstiftrezept bekommen was ich mir angefertigt habe.
00:51:34: Also das war quasi ein Schmutzstift, mit dem ich Kleidung dreckig machen konnte.
00:51:40: Das
00:51:40: heißt du konntest auch einen Schweißfleck hinmachen, wo keiner war zum Beispiel?
00:51:44: Nein also Schweiß flecken haben wir anders gemacht die haben wir mit Nestcafé gemacht aber das war alles unprofessionell.
00:51:54: Diese Wachsstifte funktionierten auch nicht, weil ich weiß nicht jeder der mal irgendwie als Kind sich Orangensaft-Eis gemacht hat.
00:52:01: Weiß!
00:52:03: Wenn er so Orangensaft friert ist unten eine ganz dicke Orangenpumpe und oben ist nur noch Wasser.
00:52:10: Und das passiert halt auch bei diesen Stiften.
00:52:12: wenn man die selbst gießt dann hat man oben ne weiße... Weil das Stück und unten ist unglaublich viel Pigment.
00:52:19: Viel zuviel für ein Kostüm, man braucht weniger Pigments.
00:52:22: Das hast
00:52:23: du nicht im Übergang von einem bestimmten
00:52:26: Matchfleck?
00:52:27: Sondern es hat einen braunen
00:52:29: Punkt!
00:52:29: Dreckfleck genau.
00:52:30: Und das ist halt eben die Kunst dabei... ...und jetzt fängt mein neues Leben an.
00:52:36: also mein neues Leben zum Teil weil ich habe weiterhin als Kostümbildner gearbeitet aber dann sehr, sehr manisch fing ich an Schmutz zu entwickeln.
00:52:48: Geil!
00:52:48: Ich wollte den perfekten Dreck haben, und ich war wirklich... das war mein... ich habe gar keine Hobbys.
00:52:56: also das ist wirklich so mein Ding.
00:52:57: alle fragen immer was machst du für ein Hobby?
00:53:00: Und ich sage keins.
00:53:02: Na dein Beruf ist dein Hobby, was sollen
00:53:04: sein?!
00:53:05: Ja aber ein Hobby, mein Beruf war mein Hobby, nein war mal mein Hobby.
00:53:10: dann hab ich studiert und hab es gehasst.
00:53:14: Mein Beruf war kein Hobby, aber das ist egal.
00:53:17: Auf jeden Fall war Dreck machen mein neues Hobby.
00:53:20: ich habe mit meinem Partner in der Küche in meiner winzigen Küche haben wir an Kochtöpfen gestanden, Treck gerührt.
00:53:30: Ich hab Kosmetikchemiker angesprochen Mit denen gesprochen wie krieg' ich Pigmente zum Schweben?
00:53:39: Wie stellt man einen Lippenstift her?
00:53:41: Das weiß man ja nicht, oder?
00:53:43: Man kann den benutzen aber man hat ja keine Idee wie sowas funktioniert.
00:53:47: Ich habe mit Firmen telefoniert die spezielle Wachse herstellen, Wachsen mit verschiedenen Schmelzkraden, mit verschiedenen Festigkeiten... ich hab so ein Wissen aufgebaut an Ölen, Werksen alles mögliche.
00:54:07: Also das war wirklich so spannend und ich habe mir einen eine Zentrifuge gekauft.
00:54:13: die hat Tausende von Euro gekostet.
00:54:16: Die funktionierte gar nicht.
00:54:17: Ich wusste gar nicht wie ich sie benutze.
00:54:19: es war wie ein wie so ein Stabmixer nur in riesengroß Und die hat was verwirbelt.
00:54:26: damit ist also das hat mir damals ne Kosmetikfirma gesagt dass man sowas braucht.
00:54:31: Wir brauchten das nicht.
00:54:32: wir hatten dann was wir irgendwann weggeworfen haben, weil es nicht funktionierte.
00:54:37: Aber ich habe dann wirklich eine lange, lange Zeit eine Kollektion oder wie nennt man das so eine Kosmetiklinie fürs Kostüm entwickelt und ich hatte ne richtige Bandbreite gehabt an verschiedenen Sachen und war superglücklich und dachte wow ist alles nur für mich
00:55:00: Also für dich, um das zum Einsatz zu bringen?
00:55:03: Ja.
00:55:03: Wenn du als Kostümbildner großen Auftrag hast ... Genau!
00:55:06: Hast du deine Patinas schon parat?
00:55:08: Genau, genau.
00:55:08: Ach so
00:55:09: gedacht!
00:55:10: Und das war so gedacht.
00:55:11: Das war nie gedacht, dass ich das irgendjemandem verkaufe oder verschenke oder so.
00:55:16: Es war auch zu der damaligen Zeit, als ich das gemacht habe...
00:55:19: Wann war das ungefähr?
00:55:20: ...
00:55:20: war es im Jahr zwei Tausend vier oder so ...
00:55:23: Ich kann mich nämlich erinnern, Meine Schwester irgendwann davon erzählte, stell dir vor was der Jürgen jetzt macht.
00:55:31: Und das war ... Der steckt jetzt Profitreck her für alle Sets!
00:55:36: Den kennt man in Hollywood überall mit seinem Dreck für die Klamotten.
00:55:41: Aber das war halt eben auch ein langer Weg.
00:55:43: Das Lustige war.
00:55:43: ich muss dazu sagen Ich kam ja mehr oder weniger vom Theater und im Theater wird jedes Kostüm, egal was man sieht geht einmal durch die Kostümmalerei.
00:55:53: Wird dort bearbeitet?
00:55:55: Wird lackiert oder wird irgendwie so bearbeitet dass es irgendwie getragen aussieht oder das es spezieller wird, dass ist etwas künstlerisches bekommt?
00:56:05: Beim Film war genau das Gegenteil.
00:56:07: beim Film wurde möglichst kein Leinen eingesetzt weil Leinen knittert.
00:56:13: Und dann hast du Knitter, das sah alles geleckt aus.
00:56:18: Wie hieß sie?
00:56:18: Colby Carrington?
00:56:20: Ging ins Bett...
00:56:21: Denn war klar und stand genauso wieder auf!
00:56:24: Genau
00:56:24: ging ins Bett mit Liedstrich und ist morgen so aufgestanden mit der perfekten Frisur.
00:56:28: So sah deutsches Fernsehen aus und niemand hat irgendwas geändert.
00:56:33: und ich sagte immer Ich finde es so schrecklich.
00:56:37: Ich würde gerne dem Hauptdarsteller auch irgendwelche Ollen Sachen geben oder so.
00:56:43: Der kommt gerade
00:56:44: aus den Griechen, der hat nicht eine saubere Uniform an.
00:56:47: Ja aber auch die normalen Menschen haben ja alle... Da war jemand, der war ein normaler Bankangestellter in einem deutschen Film, der trug Jill Sander!
00:56:57: Wer bitte kann sich sowas leisten?
00:56:59: Irgendwie ne neueste Kollektion von Deutsche und Gabbana.
00:57:02: das kann niemand und da sieht einfach alles total künstlich aus.
00:57:07: Und dann hatte ich halt diese Produkte, mit denen ich auch schon ein bisschen so arbeiten konnte.
00:57:12: und dann dachte ich mir weißt du irgendwie ist es bescheuert?
00:57:15: Ich habe so viel Geld ausgegeben für nix aber vielleicht sollte man das den anderen doch zur Verfügung stellen.
00:57:24: und dann sagte mein Partner super Idee macht es doch!
00:57:28: Und da sage ich wenn wir sowas machen dann muss es gut aussehen weil Kostüm ist immer das Letzte.
00:57:36: Kostümen hört sich für alle immer so fancy an, fame wie du das sagst.
00:57:42: Aber hat null davon!
00:57:44: Kostün ist die ärmste Abteilung.
00:57:46: wir kriegen die beschissensten Zimmer Wir kriegen die Arbeitsräume sind schlecht.
00:57:50: wir müssen jedes mal um eine Waschmaschine kämpfen.
00:57:53: Warum braucht ihr eigentlich diesmal ne Wasch-Maschine?
00:57:56: Weil wir waschen müssen und weil wir Kostür haben?
00:58:00: Ja genau aber es ist halt so.
00:58:03: Diese Abteilung wird nicht ernst genommen, bekommt zu kurze Vorbereitungszeit.
00:58:07: Alle Arbeitsmittel die wir so haben sind alle aus dem Baumarkt irgendwie?
00:58:12: Also es sieht alles scheiße aus!
00:58:14: Die Maske kommt ans Set mit ihren Superluxus-Metallkoffern.
00:58:19: Klappen die auf und dann kommt Gisado, Mac ... Was weiß ich alles
00:58:23: raus?!
00:58:24: Und bei uns... Wir haben irgendwelche Baumarkttkisten und Türken Taschen Alles.
00:58:33: Schlimm aus, schlimm!
00:58:35: Und wir sehen immer aus als würden wir irgendwie zur dritten Garde gehören.
00:58:42: Ich wenn ich das verkaufe an meine Kollegen möchte ich dass die was Schönes besitzen.
00:58:49: und dann habe ich losgelegt und hab Verpackungen gesucht und bin dann ja und hab etwas gesucht was man hat eben auch benutzen kann für alle Größen weil wir verschiedene Verpackungseinheiten brauchten, hab dann einen Wachsstiftbehälter gesucht für meine Wachsstifte.
00:59:10: Sollte so ein Deostift sein, den man rausdrehen kann damit man den auch sauber benutzen kann und daran ist die Firma eigentlich schon gescheitert.
00:59:19: Also mein ganze Idee mit dem Verkauf ist daran gescheitert weil ich fand niemand der diesen Wachstift herstellte.
00:59:29: Ich bin davon ausgegangen, wenn man jemals in der ganzen Zeit wo es dann meine Firma gibt vielleicht tausend von diesen Stiften verkaufen kann.
00:59:40: Dann ist das schon viel!
00:59:42: Das wird nie passieren... Weil die
00:59:43: Stifte sind quasi nur Hüllen, die immer wieder gefüllt werden?
00:59:46: Nein nein nein, die werden gar nicht... Die werden einmalig.
00:59:48: Das ist ein einmaliger Stift.
00:59:49: also dieser Stift den dreht man raus.
00:59:51: Also
00:59:51: wie einen Lippenstift?
00:59:52: Wie einen
00:59:52: Lappenstifts und den wirfst du danach weg.
00:59:55: Das ist quasi das Produkt.
00:59:57: Aber du brauchst ja irgendwas, wo dieser Stift drin ist und wo man es rausdrehen kann, weil ansonsten hättest du so ein Schmutzblock in der Hand und du bist selbst total dreckig ... Also
01:00:07: wie so ein Stück Seife was dann irgendwie
01:00:09: ... Genau!
01:00:10: Und so hast Du halt so einen Stift in der hand und ich habe mir das alles so unglaublich toll ausgedacht.
01:00:15: Ich hab gesagt Ja und die müssen gelb werden mit so einem rotem Deckel.
01:00:19: Alles schon total.
01:00:20: Dann sagten wir, der Verkäufer oder der Hersteller sagte Also was sie haben wollen in den verschiedenen Farben, die Sie haben wollen.
01:00:30: Gehen wir davon aus dass Sie fünfhunderttausend Stück herstellen lassen?
01:00:33: Undertausend!
01:00:35: Und dann habe ich gesagt, nee also dann würde ich vielleicht doch nur weiße nehmen und er sagte ja bei den Weißen gehen wir von zweihundert tausend aus.
01:00:43: Scheiße... Und hab' ich gesagt gibt's eine andere Möglichkeit?
01:00:46: Dann sag' da nein, eine andere Möglichkeiten gibt es nicht.
01:00:49: Und dann hab', ich gesagt oh Gott shit alles ist vorbei.
01:00:54: Mein großer Traum, weil das war für mich das wichtigste Produkt, was ich verkaufe.
01:00:58: Dieser Stift, der auch schon so bekannt war ... Aber
01:01:00: du hattest die Idee, eine Firma auszumachen?
01:01:04: direkt machen?
01:01:05: Nein, ich hatte ja nie eine Firma.
01:01:07: Also ich hatte nie eine Idee gehabt ne Firma zu machen.
01:01:09: erst als ich gesagt habe wir verkaufen diese Stifte war klar das muss ja ne Firma machen.
01:01:15: also wie soll ich die sonst verkaufen?
01:01:17: Die brauchen hier auch einen Namen und so.
01:01:19: dann hab' ich die... Das wird jetzt alles zu lang oder?
01:01:22: Nein!
01:01:23: Ich finde es total spannend.
01:01:25: Dann wurde dann war ich drei Wochen lang tiefs Depressiv und weil mein großer Traum, den ich zwei Wochen vorher hatte ist verplatzt.
01:01:37: Ich hab... Also wenn ich keine Hüllen dafür finde
01:01:41: weiß ich nicht was ich machen soll.
01:01:42: Kannst du es nicht zum Produkt
01:01:44: machen?
01:01:44: Genau dann ist das irgendwie langweilig.
01:01:46: mir ist auch nichts anderes eingefallen.
01:01:48: Dann habe ich gedacht ne ich gebe nicht auf irgendwie den Namen rausgefunden von dem Chef dieser Firma, also der Geschäftsführer.
01:01:59: Von dem Chef, von dem, der gesagt hat es geht nicht?
01:02:01: Genau, genau diese Firma und ich hab da angerufen... Ich weiß gar nicht mehr für was ich mich ausgegeben habe.
01:02:07: auf jeden Fall, ich wollte unbedingt in diesen Raum zu ihm kommen wurde durchgestellt und hab zu ihm gesagt Entschuldigung, ich wurde von ihrem Vertrieb abgewiesen.
01:02:19: Sie müssen mir helfen weil gerade zerplatzt mein großer Traum.
01:02:23: Und er sagt, was haben sie denn für ein Traum?
01:02:25: Sag ich ja, ich brauche diesen Deostift von ihnen und ohne den kann ich nicht
01:02:30: arbeiten.".
01:02:32: Und dann sagt er, was ist das Problem?
01:02:35: Dann sage ich Ja!
01:02:36: Ich brauch so wenig weil das Produkt, was ich über ihn herstelle wird nie irgendwie große Mengen verkaufen.
01:02:44: Er sagt ja aber wissen Sie wenn Brokta & Gamble irgendeine ein Probe-Produkt rausbringt, um es nur in den Schleckermärkten zu platzieren müssen.
01:03:00: Zweihunderttausend Stück davon hergestellt werden.
01:03:03: Darunter läuft noch nicht mal eine Probelinie und ich ... Ja!
01:03:09: Aber mein Produkt wird ja nicht bei Schlecker verkauft.
01:03:12: Was wollen Sie denn machen?
01:03:15: Ich stelle einen Stift her der Schmutz für Kleidung macht.
01:03:22: Und da fing ja an zu lachen, hörte nicht mehr auf und sagte das ist das geilste was ich je gehört habe!
01:03:30: Ich bin nur für die Kosmetikindustrie am arbeiten.
01:03:35: alles ist immer schick und fancy und wenn ich das meinen Golffreunden erzähle habe ich die geilste Geschichte des Abends.
01:03:44: Ich mache die für Sie, wie viel wollen sie haben?
01:03:46: Da hab' ich mein', naja okay wenn es so schwierig ist dann stocke ich jetzt mal auf zwei tausend auf weil ich...
01:03:54: Das kannst du überblickten auch in der Investition.
01:03:55: Ja das
01:03:56: kann ich überblickt und vor allen Dingen kann ich das zahlen irgendwie.
01:04:01: Und dann sagt er Na ja wollen sie nicht vielleicht doch fünftausend machen Weil das kostet das gleiche.
01:04:08: Also das ist jetzt irgendwie ob's jetzt Tausend, zweitausend auf fünftausend mal.
01:04:13: Da ich dann okay berechnen sie mir mal fünftausenden und sagt ja Sie müssen dann so einen kleinen Mindermengen Aufschlag zahlen weil das ist eigentlich die Produktion ist zu teuer für uns wir verdienen da nichts dran.
01:04:24: außerdem müssen die bedruckt werden.
01:04:25: er sagt der ok dass werde ich auch noch für sie
01:04:27: schaffen
01:04:29: und Das wird auch normalerweise nicht gemacht bei so mikroa Aufträgen.
01:04:33: naja auf jeden fall hatte Ich dann meinen stift gehabt Und Wir Konnten loslegen, noch nicht loslegen.
01:04:40: Wir hatten ein weiteres Problem das ist mir aufgefallen wenn man mit Wachsen und Fetten arbeitet dann kriechen die überall drunter.
01:04:49: und wenn man zum Beispiel mal Olivenöl hatte dass läuft unter das Etikett und irgendwann löst sich das Und ich brauchte jetzt Etiketten, die sich nicht lösen.
01:04:59: Dann dachte ich, Audi stellt Autos her, die werden ja auch gewachst und so ... Die haben alle einen Aufkleber, so TT drauf.
01:05:06: Ich brauche die Aufklebefirma, die diese TTS herstellt.
01:05:10: Da suche ich jetzt...
01:05:12: Für auf den Stift das
01:05:13: da drei
01:05:14: D-Buchstaben sind?
01:05:15: Nein, keine
01:05:15: drei D Buchstaben, sondern normalen Aufklebern, deren Klebstoff hat, der sich durch Fette nicht ablöst.
01:05:22: Und dann habe ich diese Firma noch ausfindig gemacht, hab dort auch eine Kleinstmenge an Aufklebern erbettelt und hab die dort machen lassen.
01:05:30: Viel zu teuer!
01:05:31: Es war alles total absurd...
01:05:34: Was hat das alles gekostet?
01:05:35: Also diese Stifte?
01:05:36: und also was war der Start?
01:05:38: Genau,
01:05:39: das war eigentlich die Sache.
01:05:41: Wir sind halt leider Künstler und keine BWLer.
01:05:44: Wir haben nie gerechnet.
01:05:46: Nee, ein einziges Mal haben wir durchgerechnet und hatten schon weit über fünfzigtausend Euro ausgegeben.
01:05:55: Das ist ja nicht nichts!
01:05:57: Nein, überhaupt nicht, aber es war immer ein Hobby anderer gegen Golf.
01:06:01: Und fahren nach Südhastika zum Golf.
01:06:02: Mussten Sie natürlich
01:06:03: einen Kredit umsetzen?
01:06:03: Nein, gar nicht.
01:06:04: Ich habe mein ganzes Geld, was ich mir erspart habe, hab' ich dafür verwendet und hab immer wieder das Geld, also das Geld ist einfach so weggeflutscht.
01:06:12: Und es hat eben an Leute gegangen, die uns geholfen haben oder an Materialien ... Wir haben ja eher so viele Materialien ausprobiert.
01:06:20: Wir mussten Pigmente kaufen, die man auswaschen kann.
01:06:24: Wir haben unglaublich viel ausprobieren, jeden Tag aufs Neue.
01:06:29: Und hatten dann nachher diese Produkte nicht durchgerechnet?
01:06:31: Dann habe ich mal gerechnet und hab gemerkt, es sind fünfzigtausend Euro.
01:06:36: Ich hab gesagt okay!
01:06:38: Wir können aufhören, weil das werden wir im Leben nie einnehmen mit diesen Treckprodukten.
01:06:44: Es gibt ja gar keinen Markt dafür!
01:06:47: Und dann kam mir eine Idee... es gibt in New York einen Shop der heißt Manhattan Wardrobe Supplies und der wurde von zwei Gartrobieren gegründet die einen Shop gemacht haben wo man alles fürs Kostüm kaufen kann.
01:07:03: Man kann quasi keine Kostüme kaufen Zubehör kaufen, den die Kostümabteilung braucht.
01:07:10: Also sei es Wärmeprodukte, Sicherheitsnadeln, Färbeprodukte alles Mögliche.
01:07:16: und ich habe gesagt weißt du sowas fehlt in Europa?
01:07:19: Wir werden so einen Shop machen und wir werden ihn direkt zwei Sprachig machen vielleicht auch drei sprachig Und dann werde ich jetzt einfach ein halbes Jahr lang suchen bis wir Produkte zusammen
01:07:29: haben
01:07:30: und werden einen Online-Shop machen.
01:07:34: Zu der damaligen Zeit gab es noch kaum Online Shops, also das war ... ... zwei Tausend Fünf oder Zwei Tausends Vier.
01:07:41: da war wirklich noch nicht viel da.
01:07:44: Amazon fing Zweitausend Sechs an.
01:07:46: Ja krass!
01:07:47: Du
01:07:48: bist ein Pionier!
01:07:49: Geil!
01:07:50: Und dann war's so dass ich mir ein Shopsystem überlegen musste was irgendwie funktioniert.
01:07:57: Die damaligen Shops, ich weiß nicht ob du dich noch daran erinnerst hatten unglaublich viele Gifts die so geplinkt haben
01:08:03: und so unglaublich.
01:08:04: Und jedes mal wenn du irgendein Wort eingegeben hast kamst du immer irgendwie auf eine Pornoseite oder so war schrecklich.
01:08:11: es war alles schrecklig.
01:08:12: Ich habe lange recherchiert und hab ne Seite in der Schweiz gefunden die einen Shop System entwickelt hat was das alles nicht hatte Und was man halt eben auch ganz leicht selbst einrichten konnte.
01:08:27: Ich konnte zu dem Zeitpunkt schon HTML, ich hatte damals in meinen öfteren arbeitslosen Zeiten die doch manchmal lange waren mir immer irgendeine Aufgabe gegeben und eine davon war irgendwann mal HTML lernen und mir selbst ne Homepage machen.
01:08:44: Ich hab so auch Computer gelernt oder so.
01:08:46: also ich habe mir selbst ... ich hab mir ganz früh einen Mac gekauft kannte niemanden, der einen Mac hatte.
01:08:53: Alle hatten irgendwie Windows und so ... Und ich kannte gar nix.
01:08:57: Ich hab mir das dann selbst beigebracht alles und wurde echt zum Fachmann dadurch.
01:09:02: Und konnte mir auch diese Seite machen, weil wir hatten kein Geld mehr gehabt, irgendeinen Grafiker zu beschäftigen.
01:09:07: Ich musste die Grafiken selbst machen, ich musste die Fotos machen.
01:09:10: Ich habe quasi alles selbst gemacht für diesen Shop und parallel aber noch Filme gemacht.
01:09:15: Also ich muss ja arbeiten oder ich hab nach wie vor gearbeitet, weil von irgendwo her ... Du musst ja das Geld kommen, um das alles zu finanzieren.
01:09:23: Jürgen!
01:09:24: Ich bin total platt.
01:09:26: Was wusste ich?
01:09:27: Wie willst du eine Firma machen?
01:09:28: Du musst doch irgendwo Geld hier bekommen.
01:09:31: Wir sind kein Start-up, was ein Pitch macht und kriegt dann hunderttausend Euro von dem ... Das gab's damals auch gar nicht oder?
01:09:39: ich bin kein BWLer, hab so was noch nie gemacht.
01:09:42: Und ich kenn sowas nicht.
01:09:43: Also wir sind wie die jungen Frau zum Kind gekommen.
01:09:46: Dann haben wir den Shop ... oder beziehungsweise dann sind wir online gegangen und mit dieser Online-Gehung kam das Parfüm raus, dieser Film.
01:10:03: Und mit einem mal wollte jeder Regisseur und Kameramann Schmutz im Kostüm haben!
01:10:11: Das war abgefahren, es war wirklich ein irre Zufall Und wir wurden über Nacht total bekannt.
01:10:22: Hollywood?
01:10:22: Nee, das hat lange gedauert.
01:10:25: War das nicht auch Oscar nominiert?
01:10:27: gleich?
01:10:27: Keine
01:10:27: Ahnung aber das war halt ein großer Film mit Superstars und er lief überall auf der Welt.
01:10:32: Das war einfach ein bekannter Film.
01:10:34: den hatte jeder gesehen und wer es nicht gesehen hat wusste dass die Idee dahinter war dass die Kostüme riechen müssen also dass du quasi einen Geruch Erzeugst übers Kostüm.
01:10:49: und was sie gemacht haben war einfach so toll, dass mit einem mal alle dachten ich mach zwar hier rote Rosen oder Forsthaus Fall genau.
01:11:00: aber mein Film soll aussehen wie.
01:11:05: Aber natürlich gab es keine Produkte dafür.
01:11:10: Ich muss dazu sagen damals war typisch beim film hattest du Waseline in der Tasche und du hattest Heilerde.
01:11:19: Diese beiden Produkte waren so das Allheilmittel für Kostümpartner, und ich fand es immer schlimm, weil es gibt in Deutschland keinen Ort, der irgendwie vom Schmutzgrad aussieht wie Heilerd.
01:11:37: Ja man muss sich das vorstellen!
01:11:39: Alles was du gesehen hast beim Film hatte hel... Begen, Schmutz.
01:11:45: Alles wurde mit Heilerde eingesaut.
01:11:48: Jeder hatte diese Heilerder in seinem Patinierkoffer drin.
01:11:53: Vielleicht hat er auch noch ein bisschen Schuhcreme gehabt.
01:11:55: Schuhcrème geht nie wieder aus dem Kostüm raus und alles Böse.
01:12:00: Ja auf jeden Fall kam dann unsere Produkte die dann auch noch richtig professionell aussahen.
01:12:04: da gibt es zum Beispiel eine Creme Schweiß- und Kragenschmutz.
01:12:08: Und dann gibt es altes Blut, als Spezialfarben.
01:12:13: oder wir haben auch die Namen von Amerikanern übernommen Fullers Earth.
01:12:18: das gibt's hier nicht.
01:12:18: Das ist so ein Graubraunen und das sind so Spezialfabtöne, die alle sehr erdig sind.
01:12:25: und ja man kann sich das ja mal angucken bei uns auf der Seite.
01:12:28: das ist eigentlich total nett weil Wir haben unsere Firma dann so benannt wie diese Arbeit heißt?
01:12:34: Wir haben uns Patina genannt Und wir seisen aber P-A-T-I-N, binde Strich A. Weil dieses A wird weggenommen für jedes Produkt.
01:12:43: und dann gibt es Patinwachs, Patinmat, Patinkreme, Patimpaste, Patingel, Patipowder, Patinslime... Das sind alles Produkte die dann entwickelt wurden.
01:12:57: Wir hatten schon einen Großteil der Produkte Aber es kam immer wieder neue Produkte dazu je nachdem welches Projekt Projekt ich gemacht habe, da mussten Spezialprodukte noch dazukommen.
01:13:07: Wir haben mittlerweile weltweit die größte Auswahl an Patinierprodukten und wir verkaufen das auch
01:13:12: weltweit.".
01:13:13: Wow!
01:13:13: Und es war halt eben so.
01:13:14: dieser Staat war so ein Dominoeffekt.
01:13:17: also die Kostümabteilungen arbeiten ja immer... Es arbeiten immer so zwischen drei und siebzig Personen in einer dieser Abteilungen und eine Person bestellt bei uns.
01:13:31: Alle sehen das und gehen aber in neue Abteilungen danach.
01:13:34: Und kommen dann sagen, hey hört mal da gibt es eine echt spezielle Abteile, spezieller Versand nur fürs Kostüm!
01:13:41: Und so sind wir halt eben innerhalb von kürzester Zeit erst in Deutschland und Österreich sehr bekannt geworden und danach in Frankreich.
01:13:49: Wir haben unsere Seite direkt trilingual gemacht.
01:13:52: also wir hatten auch ne Übersetzerin gehabt für's französische Muttersprachlerin.
01:13:58: Ich habe gesagt, wir brauchen den französischen Markt.
01:14:00: Weil der französe Markt ist in Europa der größte Kinomarkt.
01:14:05: Die Franzosen gehen alle ins Kino.
01:14:07: In Frankreich geht jeder mindestens zweimal im Monat ins Kinos.
01:14:12: In Deutschland geht jeder ... Ein halbes Mal im Jahr ins Kino.
01:14:18: Ja, das ist eigentlich ... Die Franzosen sind sehr treu, die gucken sich ihre eigenen Filme an?
01:14:23: Nein!
01:14:24: Ihre eigenen Filmen also es gibt nicht ohne Grund.
01:14:26: Jeder Film den wir in Deutschland sehen is quasi ein Remake von irgendeinem französischen Film sei's der Vornamennachname-Familienname... Der Name des Cousins und dein bester Freund.
01:14:39: Es ist immer irgendeinen Nachmachen der Franzosen weil sie haben wirklich geile Ideen Tolle Sachen.
01:14:48: Und der Markt ist irrsinnig groß und als wir da reinkamen, war das schon ganz toll.
01:14:55: Richtig bekannt wurden wir durch Tiltschweiger.
01:14:59: jetzt kommt ein bisschen Fame für dich.
01:15:01: Endlich
01:15:02: Fame!
01:15:05: In Glorious Bustards wurde hier in Babelsberg getreten
01:15:08: Quentin Tarantino hat mit uns Silvester gefeiert im Valentinstüger.
01:15:14: Und wir liefern so eine Spezial-Wärmesole, die sich aufheizt.
01:15:20: Das ist ein Produkt, das kennt man vielleicht.
01:15:22: Es gibt Handwärme, die schüttelt man, öffnet man und schückelt man.
01:15:26: Da ist eine Holzkohlemischung drin und wird warm.
01:15:30: Das Gleiche gibt es aber auch für den ... Bauch, Nieren, Länden, Rücken.
01:15:36: Beine Füße und Schauspieler sind halt frieren immer.
01:15:41: Die müssen morgens um fünf Uhr in die Maske sitzen da.
01:15:44: drei Stunden danach stehen sie nur rum irgendwie im Sommerkleid obwohl Winter ist und Sie frieren Immer Und vor allen Dingen durch dieses nicht bewegen und müssen gewärmt werden.
01:15:57: wir haben spezielle Wir haben auch Wärme unterwäsche bei uns.
01:16:03: Man kriegt alles, was Schauspieler wärmt, untereinander Wärmflaschen und so.
01:16:09: Und damals haben diese ganzen amerikanischen Filme hauptsächlich Engländer betreut.
01:16:16: Also die ganze Kostümabteilung kam aus England weil die Englender ja international sind.
01:16:22: Die haben schon immer die Ami-Produktion gemacht und diese amerikanische Superstars lässt man dann nur mit Engländern zusammenkommen.
01:16:30: Damals war das alles sehr arrogant und sehr, sehr spezialisiert.
01:16:35: In Babelsberg haben Engländer gezeigt den doofen Deutschen wie man Filme macht und da haben die angelernt.
01:16:44: Mittlerweile sind es fast nur noch Deutsche, die da arbeiten aber früher hat man das Deutschen nicht zugetraut.
01:16:49: Und die Englender waren so eingenommen von sich dass sie alles aus England mitgebracht haben, sogar ihre Plastiktüten.
01:17:02: Das war wirklich so absurd dass die Engländer dachten wir in Deutschland ist dritte Weltland und hier gibt es nichts.
01:17:12: sie müssen ja schon mit diesen unausgebildeten Menschen arbeiten am Set.
01:17:17: und also das war schon sehr arrogant.
01:17:20: und dann gab's einen Drehtag mit Til Schweiger.
01:17:25: Wir wissen mittlerweile, dass Tildschweiger sehr laut werden kann.
01:17:30: Und zwar bekam TildSchweiger einen Wutausbruch in der Kostümabteilung und schrie rum er möchte diese englischen Fußwärmer nie wieder in einem seiner Schuhe sehen sondern er möchte von Patina die Thermopads haben.
01:17:49: Dazu heißt die Firma Sorry Schleichwärmung aber auf jeden Fall wollte er diese Teile haben Und es gab einen Riesenaufstand.
01:17:56: Dann kam Brad Pitt aus seiner Garderobe und sagt, wovon redet ihr?
01:18:02: Und dann sagt Til Schwecker ich will diesen Track hier nicht mehr haben.
01:18:06: Ich habe das alles gehört weil ich damals mit der Superweiserin befreundet war.
01:18:11: Die hat das mir alles erzählt und ich möchte das nicht mehr.
01:18:14: und dann sagte Brad Pitt und ich auch nicht mehr die funktionieren nicht!
01:18:19: Ich will auch das haben was der Til bekommt.
01:18:21: und so gab es einen riesen Aufstand, dann musste ganz schnell wurde bei uns angerufen ob wir die denn sofort einem Fahrer in die Hand drücken können weil sie brauchen die weil ansonsten können die nicht drehen.
01:18:34: Weil Till Schweiger und Brad Pitt weigern sich jetzt an Zett zu gehen Und die wollen diese Teile haben.
01:18:40: und dann haben wir die Sachen dahin geschickt.
01:18:42: Dann hat HW Weinstein heißt er so gehört
01:18:47: Der dickel
01:18:48: böse Mann hat davon Wind bekommen.
01:18:51: Hat diesen Streit irgendwie gehört?
01:18:54: Wien wurde das gesagt und hat gesagt, was ist das Besondere, was die da in Deutschland
01:19:00: verkaufen?".
01:19:02: Und dann haben sie gesagt, ja, es sind diese Sohlen, die wärmen und die halten zwölf Stunden lang warm, jetzt wieder Werbung... Aber wir sind ganz toll.
01:19:14: und er sagte wow super!
01:19:17: Das kaufen wir jetzt für das ganze Set.
01:19:21: Alle, die hier arbeiten sollen sich diese Sohlen reinpacken in ihre Sachen.
01:19:27: und dann riefen sie an und sagten mal habt ihr zufällig dreitausend von diesen Sohle da?
01:19:31: Ich sage ja könnt ihr haben wir vorrätig weil wir haben alles in riesen Mengen weil die werden zum Teil halt in riesigen Mengen gebraucht für bestimmte Träs.
01:19:41: also dass man Komparsen.
01:19:42: Ich
01:19:43: denke an Peter Greenaway.
01:19:45: Fünftausend
01:19:46: Kompasiten haben alle kalte Füße.
01:19:48: Genau, wenn die halt eben alle irgendwie in Schlappen oder so laufen müssen ... Man muss den Menschen am Set helfen.
01:19:56: irgendwie und auf jeden Fall haben wir diese Sachen da.
01:19:59: und dann haben wir gesagt, ja gar kein Problem, kommt die abholen?
01:20:01: Dann hat dieser Herr Weinstein ohne zu wissen was das kostet, die einen Set stellen lassen Und bekam danach die Rechnung und ist in Ohnmacht gefallen, weil die natürlich Geld kosten.
01:20:12: Hier in Deutschland ist nicht alles kostenlos!
01:20:14: Und der dachte das ist so ein Centbetrag der Zeit.
01:20:18: Und die haben damals auch schon fast drei Euro gekostet, das Stück.
01:20:22: Dann haben sich die Leute am Set ihre Taschen voll gemacht.
01:20:26: Diese zwei oder dreitausend Teile waren innerhalb von einer halben Stunde weg... ...und die hätten nachkaufen müssen.. ..und dann ist ihnen erstmal bewusst geworden was es kostet.
01:20:36: Aber Dadurch sind wir mit einem Mal bei diesen Engländern bekannt geworden.
01:20:42: Die haben sich unseren Shop angeguckt und gesehen, was wir alles machen, weil ... Wir haben nicht nur Sachen da, die es irgendwo sonst wo gibt, sondern wir lassen unglaublich viel.
01:20:54: Also wir entwickeln ganz viele Produkte.
01:20:57: Ihr macht das selbst?
01:20:58: Dass niemand
01:20:59: anderes ... Nein!
01:21:00: Wir entwickeln zum Beispiel Plastiktüten.
01:21:03: Das hört's jetzt total doof an aber... Heutzutage kriegt man keine Plastiktüten mehr.
01:21:08: Das Kostüm braucht dringend durchsichtige Plastiktüten, weil wenn man nicht sieht was da drin ist passiert es leicht dass die Sachen auch verloren gehen.
01:21:18: und weil
01:21:19: du die ganze Logistik über all die Jahre zu diesen unterschiedlichen Produktionen ja gemacht hast und so viel Selbsterfahrung am Set hasst Weißt du natürlich, welche Produkte?
01:21:31: Du bist ein Erfinder geworden.
01:21:33: Ja klar, wir erfinden wirklich ganz viel.
01:21:35: Wir erfinden unglaublich viele Produkte.
01:21:38: Wir kriegen auch Input von Kostümbildern und so.
01:21:41: Aber viel von Hollywood-Produktionen also von Leuten die halt eben mit Hollywood arbeiten und sagen, das und das fehlt noch oder so bei euch.
01:21:50: Also Amerika hat den Vorteil, dass ist ein Riesenland wo unglaubliche Sachen erlaubt sind, die in Europa verboten sind.
01:21:59: Wir können nicht alles aus Amerika importieren.
01:22:01: Wir importieren viele Dinge, aber wir können nicht alle nehmen und wir brauchen auch andere Sachen und wir gucken immer was wir Neues machen können.
01:22:13: Und
01:22:13: guck mal wie modern das ist!
01:22:15: Weil es ist ja jetzt schon zwanzig Jahre bist du Roundabout mit Partien A unterwegs.
01:22:23: Das ist ja im Grunde so... so eine Weiterentwicklung, was sich ständig weiterentwickelt und was Tatsache sich organisch ergibt aus der Folge weil es gebraucht wird.
01:22:36: Genau.
01:22:37: Und das ist geil!
01:22:38: Das habe ich jetzt lange, hab' ich auch so ne Geschichte nicht mehr gehört.
01:22:43: Wo was funktioniert?
01:22:44: Weil es immer wieder neue Sachen gibt.
01:22:47: Also Innovationen die sich organischer geben... Ja
01:22:49: und das Gute ist wir sind keine BWLer.
01:22:54: BWR würden dass alle alle verbieten.
01:22:58: Unsere Sachen bringen erst mal gar kein Geld, also eine Entwicklung von Produkten kostet irrsinnig viel Geld wird aber vielleicht gar kein geld bringen und das verstehen halt viele nicht.
01:23:09: Also auf die Dauer verkaufen sich dadurch vielleicht andere sachen.
01:23:13: Aber unsere Produkte sind so speziell.
01:23:16: also unser letztes Produkt was wir entwickelt haben Also unser letztes teures Produkt, das wir entwickelt haben.
01:23:22: Das gibt es jetzt seit ungefähr einem halben Jahr?
01:23:24: Das ist Schleim!
01:23:26: Das ist jetzt kein Schleimm den wir so als Kinder kannten der durch die Finger rinnt oder so sondern es ist eher Speichelschleim für ... für Creature Design oder so.
01:23:41: Ja wenn man Zombies hat oder was weiß ich angenommen Alien oder T-Rex öffnet das Maul und dann müssen ja Speichelfäden da sein.
01:23:53: Und wir haben ein halbes Jahr lang an der Konsistenz der Speichelfäden gearbeitet, bis die Elastizität hatten dass sie über einen bestimmten Zeitraum als Speichelpäden funktionieren und immer wieder erneut Fäden ziehen.
01:24:13: Es ist total kompliziert, das hört sich
01:24:16: ... Ich werd jetzt nach unserer Podcastfolge immer, wenn ich irgendwas im Kino sehe was mit Patina oder Schleimfägen auch so ein bisschen Special Effects die mit Substanzen irgendwie zu tun haben werde ich an dich denken.
01:24:30: Ja schön,
01:24:31: jedes Mal!
01:24:34: Und dann halt eben dieses Produkt.
01:24:36: also Wir haben lange daran gearbeitet, es ist ganz schwer Gele zu finden die diesen Effekt erzeugen.
01:24:44: Also wir haben zum Beispiel ein paar Gele da einen Patiniergiel mit Pigmenten.
01:24:51: das wird auf die Kostüme aufgestrichen.
01:24:53: Wir haben ein Gelder was Kleidung nass macht ohne Nass zu sein.
01:24:58: also wenn jemand den ganzen Tag im Regen steht stehen würde oder triefend nass ist Und kommt aber in ein Studio, der würde nach zehn Stunden eine Lungenentzündung haben.
01:25:11: Also das Kostüm muss trocken sein und es wird quasi mit so einem Gel gemacht was aufgestrichen wird und dadurch wird ne Nassheit erzeugt die für den Zuschauer wirklich nass aussieht.
01:25:23: und dieses Gel, was wir jetzt haben als Slime ist halt etwas gar nicht.
01:25:29: also das ist nur noch gelig aber man kann es irgendwie benutzen.
01:25:34: Man muss es mit der Schere durchschneiden, weil das lässt sich nicht lösen.
01:25:38: Solche krassen klebrigen Schleimpfäden sind das.
01:25:42: und dieses Gel... Also jedes Gel gibt es einen anderen Grundstoff für.
01:25:50: Ich habe lange mit Firmen Amerika kommuniziert.
01:26:02: Wir haben im Endeffekt große Mengen kaufen müssen, damit wir das überhaupt machen dürfen.
01:26:07: Die Entwicklung von diesem Produkt hat ungefähr siebzigtausend Euro gekostet.
01:26:12: Wir werden ... Von dem Alien-Schleim?
01:26:15: Den Alien-Schleim braucht niemand!
01:26:20: Das ist ein Produkt was eigentlich absolut ... kein Geld bringen wird, nie.
01:26:28: Das wird diese siebzigtausend Euro nie einspielen.
01:26:31: Wenn Ridley Scott ist ja nicht schon gestorben?
01:26:33: Weiß ich nicht!
01:26:34: Ich weiß
01:26:34: es gar nicht.
01:26:35: aber wenn Ridley Scot noch mal Alien Sieben macht dann braucht er das.
01:26:39: Ja genau.
01:26:39: Aber
01:26:40: auch keine zehn Tonnen?
01:26:41: Nein der bräuchte dann zwei Liter oder so.
01:26:42: Aber das ist auch egal weil dadurch dass wir halt eben so spezialisiert sind und so spezielle Produkte machen gucken Leute auf auf die anderen Produkte auch und kaufen sie, weil die können Sie benutzen.
01:26:55: Und das ist glaube ich das Ding.
01:26:57: Unser Sortiment ist riesengroß!
01:27:00: Wir sind der Europas größter Lederfarben- und größter Textilfarbenanbieter mittlerweile.
01:27:08: Wir haben so spezielle Vielauswahl... Das kriegt man in ganz Europa nicht.
01:27:14: So jetzt ist er mal mit der Werbe.
01:27:15: Nein, nein, nein.
01:27:16: Aber das ist einfach eine Sache.
01:27:19: Das hat sich alles entwickelt und das haben wir aber entwickeln können, weil wir einfach keine Ahnung von... von BWL haben.
01:27:28: Sonst hättet ihr's nicht gemacht?
01:27:29: Nein, das kostet alles Geld und wir verdienen wenig daran.
01:27:32: also wir sind jetzt nicht irgendwie multimillionäre geworden weil wir diese supergeile Idee hatten.
01:27:38: Wir sind nach wie vor ganz einfache Angestellte unserer eigenen Firma Und geben das ganze Geld wieder neue Sachen aus Weil es wirklich Spaß macht auch diese Sachen zu entwickeln.
01:27:48: und dieser Entwicklung ist halt das tollste an der ganzen Sache.
01:27:52: Jungs du bist ein Erfinder
01:27:53: Mittlerweile ja
01:27:55: Geil!
01:27:56: Was ich jetzt noch wissen will, ein bisschen fame.
01:27:59: Kriegst du mit?
01:28:01: Ich wollte auch gar nicht ausbremsen weil ich fand das jetzt auch mega interessant.
01:28:05: Auch
01:28:06: so erfindermäßig
01:28:07: geil.
01:28:08: und aber kriegst Du mit?
01:28:10: Wer das bestellt?
01:28:11: Ja kriegen wir mit.
01:28:12: Und
01:28:12: wenn Hollywood ruft dann siehst Du das.
01:28:14: Wir müssen ganz oft Verträge unterschreiben also bei Marvel zum Beispiel Amazon auch manchmal bei bestimmten Projekten, die haben ganz große Geheimhaltung.
01:28:26: Also dürfen wir als Lieferant total bescheuert nicht niemandem sagen, dass wir da mitmachen bis das dann gezeigt wird oder so.
01:28:37: Aber im Moment ... Wir haben ein paar ganz, ganz große Projekte, die jeden Monat ... Für Irznik viel Geld, auch bei uns bestellen.
01:28:47: Das ist im Moment.
01:28:49: Dion III wird getreten?
01:28:51: Dieser Wüsten-Epos... Genau!
01:28:53: Das ist riesengroß.
01:28:55: Harry Potter die Serie.
01:28:57: Es gibt jetzt eine Serie, die getreten wird.
01:28:59: Der
01:29:00: Netflix-Reniff oder...?
01:29:01: Keine Ahnung weiß ich nicht.
01:29:03: Es gib dann Riesengroßes Projekt für Apple TV.
01:29:07: Also es gibt halt wirklich ganz große Projekte, die produziert werden.
01:29:16: Wir kriegen das schon mit.
01:29:17: Oftmals sagen uns die Mitarbeiter, die dann bestellen für welches Projekt es ist oder wir kriegen das im Nachhinein mit.
01:29:24: Manchmal dürfen wir's nicht wissen.
01:29:27: Ihr könntet ja Werbung damit machen und das soll nicht passieren?
01:29:29: Ich hab
01:29:30: keine Ahnung ... Die müssen sich absichern nach allen Seiten.
01:29:35: Es könnte irgendwas Spezielles geliefert werden von uns was nachher irgendwie... der Cliffhanger oder sonst was
01:29:42: ist und
01:29:42: wir verraten das vorher schon, wie der Strohhut von One Piece heißt.
01:29:49: Aber bei welchen Produktionen weißt du, dass eure Sachen eingesetzt wurden?
01:29:53: bisher?
01:29:53: Das darfst du ja dann sagen!
01:29:54: Jetzt will ich
01:29:57: mal hier Name-Tropping weißte... Oh Gott, es ist wirklich viel!
01:30:01: Also eigentlich alles, was man so in Streamingdiensten jetzt sieht sei es Herr Der Ringe Shadow and Bones, diese ganzen Fantasy Sachen Carnival Row.
01:30:13: Was gibt es noch für Herr der Ringe?
01:30:15: Irgendwas eigentlich jedes Projekt auch.
01:30:19: wir liefern ja nicht nur Schmutz Wir liefern alles Mögliche.
01:30:23: also manche Projekte brauchen gar keinen Dreck von uns.
01:30:25: die bestellen halt andere Sachen Textilfarben ganz viel!
01:30:29: Wir hatten jetzt eine riesen riesengroße Amiproduktion in Kuwait genau und Tja, an dem Tag einen Tag bevor dieser Krieg ausbrach sind die alle abgereist.
01:30:44: Unser Paket stand die ganze Zeit bis letzte Woche am Zoll und dann hat es doch jemanden abgeholt weil sie wurde komplett aufgelöst.
01:30:51: diese ganze Produktion eine riesengroße Armeeproduktion, riesig groß.
01:30:57: Guck mal jetzt haben wir sogar bis in die Jetztzeit, bis heute... Sie sind im Heute angekommen Das Paket von Partin A, was quasi nicht abgeholt wurde.
01:31:11: Weil in Kuwait Krieg war oder weil der Krieg ...
01:31:16: Weil dieser Krieg dort in der Ecke ist?
01:31:18: Ja ja schon abgefahren.
01:31:19: also die Sache, was das für Kreise dann zieht aber es wirklich...
01:31:25: Also das, was ich jetzt von dir erfahren durfte Jürgen Ist ein Buch wert.
01:31:31: Nein, das ist wirklich ein Buchwert!
01:31:33: Die Geschichte über von Birkenfeldtria-Mode, die sein Studierende in den Achtzigeren ... Ah, das wollte ich noch.
01:31:41: Das machen wir jetzt noch rahmenhandlungsmäßig.
01:31:43: Kommen wir jetzt von Hollywood und dem Wüstenplaneten June.
01:31:47: Zurück
01:31:47: nach Tria?
01:31:48: Kommen wird zurück nach Tia.
01:31:51: Was war für dich ... Wie hast du die Achtzeigerin Tria erlebt?
01:31:56: Dass vielleicht noch so um die Trierer Zuhörer ... noch mal aufzuwecken.
01:32:01: Die Achtziger Jahre in Trier waren für mich das Tollste, was ich mir überhaupt vorstellen kann.
01:32:06: wirklich also die Achtzeiger Jahre waren in Tria denke ich mal wirklich spektakulär weil Trier ja immer so weit weg war von allem allen wichtigen und es gab ja eigentlich auch in deutschland gar nichts wirklich groß wichtiges.
01:32:22: also wir haben berlin nicht mitgekriegt weil viel zu weit weg war ja auch nix wirklich ich bin auch nie nach berlin gefahren weil einfach für mich uninteressant war.
01:32:35: hamburg was gab's da?
01:32:37: auch nicht wirklich prickelnd die reparbahn aber Sechs Tourismus interessiert einen auch nicht unbedingt.
01:32:43: Und dann, was weiß ich, irgendwelche München fand ich gruselig von der Idee... Ist
01:32:49: ja vom Gedanken her noch spießiger
01:32:50: als Trier?
01:32:51: Genau und wir hatten in Trier das Madison.
01:32:55: Richtig!
01:32:56: Kannst du dich daran erinnern?
01:32:57: Ich hab da sogar gearbeitet.
01:32:58: Ja und den Madison war so toll.
01:33:00: Luxemburger Straße es war so eine achtziger Klassiker Weil es gab so eine Erlebnis-Disco.
01:33:06: Eine
01:33:06: Großraumdisco mit einem System, wo man quasi seine Getränkebomben abgetackert bekam.
01:33:16: Tria hatte andere vor ... Also Tria war noch besser.
01:33:19: Ich sah super extrem aus immer zu der Zeit.
01:33:24: Ich war das, was man so New Romantic ment und ... Ja stimmt!
01:33:28: Auf jeden Fall New Romantik.
01:33:30: Für mich war es ganz wichtig, dass ich meine ganze Kleidung selbst nähe.
01:33:34: Also ich hab damals Nähen gelernt von meiner Mutter.
01:33:37: Meine Mutter war Schneiderin und hat mir am Wochenende Nähen beigebracht und hat meine Sachen genäht und ich habe dabei Nähen gelernet.
01:33:44: Und während der Woche, während dem ich in Trier saß und meine bescheuerte Ausbildung machte, habe ich abends immer an meiner ... Ausbildung
01:33:51: als was?
01:33:51: Ich
01:33:51: habe Schauwerbe gestaltert also Dekorateur im Kaufhof gelernt.
01:33:55: Ach!
01:33:56: Und dachte das wäre toll fand ich nicht.
01:33:59: Also, ich fand die Arbeit doof oder also mir hat es nicht so viel Spaß gemacht wie sie sich anhörte für mich in meinem Kleinstadt denken.
01:34:08: Die große Freiheit im Kaufhof habe ich nicht erlebt aber ich hab dann abends immer genäht.
01:34:15: das war mein großes Hobby wirklich!
01:34:17: Ich habe Nähen geliebt und Meine Eltern haben mir keine Nährmaschine gekauft, sondern ich bekam die alte Tretnährmaschine von meiner Mutter und war perfekt da drin.
01:34:26: Ich konnte das benutzen also blind und ich war wirklich gut im Nähen.
01:34:31: Und ich war total mahnisch!
01:34:33: Ich konnte schon nach einem halben Jahr Schnitte selbst machen weil ich das alles so analysiert habe.
01:34:38: und ja... Das war der Grundstock auch weshalb ich unbedingt Modedesign studieren wollte, weil ich so viel Ideen hatte wie man Kleidung machen konnte, wie man anders aussehen kann.
01:34:51: Und ich sah schon sehr, sehr anders aus ... Ja,
01:34:53: ich weiß!
01:34:55: Deswegen hatte ich so einen Respekt.
01:34:57: Du bist halt groß immer gewesen und hattest die Haare besonders und warst eben besonders gestylt.
01:35:04: Das hat mir so viel Respekt abverlangt.
01:35:06: Ich war dann mit siebzehn oder so in Trier.
01:35:09: Du ist ja noch mal zwei Jahre älter als ich, was damals sich anfühlte wie eine Generation.
01:35:17: Ja und du sagst das, was ich eben in den achtzehn Jahren auch erlebt habe.
01:35:21: Ohne.
01:35:21: früher war alles besser rauszuhauen.
01:35:23: aber Ich glaube dass die Sichtbarkeit von Kreativität Dass die irgendwie so ein bisschen weggegangen ist Weil das Stadtbild war bunt.
01:35:35: Das war der schwarze Block am Hauptmarkt, die Punks.
01:35:38: Dann gab es die New Romantics, die waren dann noch mal anders.
01:35:41: Es gab Szenen, die sichtbar waren.
01:35:44: Genau!
01:35:44: Also das Ding war einfach... Wir hatten unglaublich tolle Kneippen gehabt auch.
01:35:50: Stimmt.
01:35:51: Also für diese ganzen Randgruppen gab es spezielle Kneipen und das war halt sehr besonders mit dieser Einfachheit von... Ich finde, das wird wahrscheinlich heute auch so sein.
01:36:07: Wenn man zu einer bestimmten Gruppe gehören will, kommt man dann doch sehr schnell mit diesen Menschen zusammen und das war damals schon sehr ... Zappotex gegangen ist oder Backwand, wie das damals hieß.
01:36:20: Das war ein anderer Schlag als die, die ins Zart-Bitter später gegangen sind ...
01:36:25: Zartbitter von Markus?
01:36:26: Es waren ganz kleiner Laden hinter dem Theater!
01:36:28: Die
01:36:28: Tomate gab es, kennst du das
01:36:30: noch?
01:36:30: Ja, das
01:36:31: war da ... Das war so ein schwarz-weiß, also so einen New Wave-Laden war das mit so Neon an den Wänden, wo eine ganz tolle Bedienung gearbeitet hatte.
01:36:42: Ich weiß noch, die ganze Modedesignerin.
01:36:44: Die
01:36:45: auch immer Model?
01:36:46: Ja
01:36:46: genau!
01:36:49: Die Frau war gefüttert zwei Meter groß in meiner Wahrnehmung und hat der Haare bis in die Fußkehlen.
01:36:54: Unglaublich arrogant und die war so eine Erscheinung toll, unglaublich toll.
01:36:59: an die muss ich ab und zu denken.
01:37:01: Es gab eben spezielle kleine Sachen wo man sich dann doch aufgehoben fühlte.
01:37:07: Es ist halt eine Studentenstadt.
01:37:10: Diese Studenten waren sehr präsent und vor allen Dingen waren die Modedesigner halt präsente, die hat man überall gesehen.
01:37:16: Die sahen aus es waren wirklich auch Fantasivvögel.
01:37:19: alles was man heutzutage nicht mehr sieht war dort gegeben Heutzutagesien alle ungefähr gleich aus.
01:37:26: Und man hat jetzt also sind viele super gut gestalte Leute unterwegs.
01:37:32: aber damals gab's das halt nicht so stark.
01:37:35: Das waren Alle, die du gesehen hast, die gut gestylt waren.
01:37:39: Sei es Punks oder New Waves oder Gothics oder so ... Die sind einfach aufgefallen, weil sie zu dem Rest nicht gepasst haben.
01:37:48: Die haben halt eben wirklich so ... Ja, die waren halt ... Es waren alle besonders.
01:37:54: Es war alles diverser optisch.
01:37:57: Also das Nummer vom Aus- und Erscheinungsbild.
01:38:00: Und auch von der Art, es war noch ... Es war einfach undigital!
01:38:04: Es war undigital.
01:38:06: Und das ist ja auch immer so ein bisschen mein Thema, was ich ja mit dem dazwischen Podcast auch immer will... ...ist es Digitale mit dem Analogen wieder zusammenzubringen, weil Perfekt kann jeder!
01:38:19: Genau.
01:38:20: Ich weiß noch, dass das Revolution war als die Mutter von deinem damaligen Freund zu Besuch war und Schwulsan klar wusste man das alles aber das war doch ein Thema.
01:38:29: Ja sicher!
01:38:30: Das war
01:38:30: ein Thema und zwar so, dass man immer erst klären musste, weißt deine Mutter oder weiß sie nicht?
01:38:38: Und dann ja klar sie weiß.
01:38:39: und für mich war es noch was Außergewöhnliches wenn eine Mutter von einem engen Freund Witze über des Schwulsans ihre Sohnes machen konnte weil sie damit So ein Standing hatte.
01:38:52: Das war damals noch ... Ihr musstet ja noch richtig Revolution
01:38:55: machen,
01:38:56: ihr wart Wegbereiter der schönen Emanzipation und queer.
01:39:00: das Wort war damals nicht erfunden.
01:39:05: Aber ich finde, Trier war es echt sehr einfach oder nicht einfach.
01:39:10: aber halt eben du warst in so einem Mikrocosmos diese Stadt so eng sie ist
01:39:17: fühlte sich weit an.
01:39:18: Ja, genau und das war das Tolle!
01:39:21: Und du hattest halt eben deine Punkte gehabt wo du hingehen konntest und ich hoffe einfach dass die Menschen jetzt in Trier leben das genauso wieder erleben können in ihrer Stadt.
01:39:32: weil ja du bist einfach weit weg von allem.
01:39:35: Luxemburg ist auch weit wenn du kein Auto hast.
01:39:39: Das rext aber gerade
01:39:41: zusammen, muss ich sagen.
01:39:43: Weil
01:39:43: alle sich Wohnungen kaufen dazwischen?
01:39:45: Genau!
01:39:45: Die kaufen alle bei
01:39:46: uns die Wohnungen und deswegen kannst du beim Trämpfen immer gut nach Luxemburg ... Nee, das hat sich schon entwickelt, das muss man sagen.
01:39:54: Ich sag ja auch immer für mich ist Luxembourg quasi der Kudam von Trier.
01:39:59: da fahr' ich dann hin wenn ich Kultur gehen seit's vom Irgendwas erleben will.
01:40:04: auch hingekommen.
01:40:07: Das ist schon toll, also Tria hat sich mitentwickelt aber ich wünsche mir jetzt mehr dazwischen und dafür bin ich ja jetzt auch in Tria.
01:40:16: um jetzt mit mir natürlich das ganze nochmal abzurunden Ich habe heute ganz viel zugehört Jürgen weil es mega interessant war.
01:40:24: Also das sind alles Geschichten gewesen die wusste ich nicht Und die berühren ja auch Lebenseinstellungen Ja?
01:40:32: Sich zu trauen dann mach ich das jetzt.
01:40:35: Oder wieder Leidenschaften umzusetzen, auch wenn du nicht weißt was da draus wird oder wie du immer sagst kein BWL'er, keinen Start-up sondern Erfinder.
01:40:46: und umso geiler finde ich dass ihr damit richtig erfolgreich seid und das freut mich mega!
01:40:52: Im Rückblick ist es alles eigentlich total gut gelaufen.
01:40:56: er hätte auch anders gehen können aber das Ding ist einfach Wir waren halt nie Geldgeil, weil wir es nie hatten.
01:41:03: Ja!
01:41:05: Was ist das gut?
01:41:07: Ich glaube, das ist einfach so eine Sache und ich denke auch ... Meine Zeit in Trier hat mich da drauf ... Das ist dieses Thema, was wir am Anfang hatten, Demut und so.
01:41:19: Es gehört alles zusammen, denn das Leben ist nicht immer einfach.
01:41:23: Man muss oftmals rumdenken, man muss andere Sachen machen Man muss immer wieder zurück zu sich kommen und Veränderungen braucht das Leben.
01:41:33: Richtig, damit spreche ich meinen Oberleitsatz an.
01:41:37: Glück ist wenn man Lust darauf hat für sein eigenes Glück verantwortlich zu sein.
01:41:44: Das finde ich machtglücklich aber es ist viel Arbeit.
01:41:50: Auf jeden Fall!
01:41:52: hat daran arbeiten immer wieder und immer wieder aufs Neue.
01:41:55: Und auch
01:41:56: auf die Fresse fallen, raus aus dem Vergleich?
01:41:59: Ja
01:41:59: genau wenn man denkt dass jemand anderer toller ist dann ist er das wahrscheinlich.
01:42:07: Dann muss
01:42:08: man damit leben!
01:42:09: Immer wieder zu sich zurückkommen.
01:42:11: Man wird nie das erreichen was andere haben.
01:42:15: vielleicht erreicht man etwas anderes und das ist viel besser.
01:42:19: man muss es immer aus der Entfernung sehen und nicht aus dem Augenblick.
01:42:23: Ja ... Jürgen, ich bin total happy!
01:42:27: Es kann sein, dass das zwei Folgen wären?
01:42:29: Okay... Weil es stört mich gar nicht, weil es ist mir so leicht gefallen, hier zuzuhören.
01:42:35: Ich bin ja jetzt auch nicht die geborene Zuhörerin wie alle wissen.
01:42:39: Aber das find' ich megainteressant.
01:42:41: Das is echt ne Geschichte.
01:42:43: Wenn ich eine Million finden würde, würd ich das sofort verfilmen mit Brad Pitt in der Hauptrolle.
01:42:52: So eine Haare hast du, Brett Pitt.
01:42:53: Ja gut, meine Haare ...
01:42:55: Komm, komm!
01:42:55: Ich mach gleich noch mal ein Solo-Foto von dir.
01:42:58: Da wird das auch meine Freundin Britta sehen.
01:43:01: Die ist nämlich die Liebt-Brett-Pitt schon seit Jahr und Tag.
01:43:03: Dann zieh ich mich aus, dann wirst du sehen, dass da schon unterschiedlich
01:43:06: ist?
01:43:07: Aber musst du gar nicht, musst du nicht.
01:43:11: Wir sind so realistisch, dass wir sagen ab einem gewissen Alter existieren, die ganzen Crashes and Love Interests sowieso nur noch bis zum Kehlkopf.
01:43:19: Weißt du?
01:43:20: Super Macht freier einfach.
01:43:22: Dann darf Brett Pitt mich auch spielen!
01:43:24: Auf jeden Fall, wir sprechen dann noch darüber.
01:43:29: Ich bin demütig dankbar dass wir uns heute hier in Neukölln am Cottbusser Damm bei meinem Ton Gott Simon ins Kämmerchen setzen konnten das du mit Zeit hattest mitzumachen und dass du Lust hattet dabei zu sein.
01:43:44: ich bin sehr glücklich.
01:43:46: Ja danke schön.
01:43:46: mir hat es auch viel Spaß gemacht.
01:43:49: Deine Fragen haben mir gut gefallen und ich bin sehr beeindruckt.
01:43:54: Auch hier von Simon und seinem Studio, das ist toll!
01:43:58: Ich freue mich, dass du mich eingeladen hast und ich hoffe, dass es viele Leute hören, viele Zuhörer gut finden was du machst und auch weiterhin dich unterstützen...
01:44:15: Da kann ich jetzt noch mal reinkrähtchen, weil liebe Hürrende Simi will und das dazwischen braucht eure Unterstützung.
01:44:24: Denn wir haben auch kein Geld!
01:44:26: Wir sind auch kein Start-up und schon gar keine BWL'er.
01:44:30: aber ihr könnt uns unterstützen wenn ihr sagt wir finden Podcasts ohne Werbung die ernst gemeint sind und echte Gespräche sind, und nichts verkaufen wollen.
01:44:42: Dann könnt ihr uns unterstützen.
01:44:44: Simon wo noch mal?
01:44:47: Auf Steady.
01:44:49: Man kann das jedenfalls freiwillig abonnieren.
01:44:54: Wir nehmen das gleich nochmal auf!
01:44:58: Und dann gibt es einen Link dazu.
01:45:00: und ab drei Euro im Monat.
01:45:02: ich kann euch was versprechen Es ist noch nicht ausfinanziert.
01:45:06: Also mit drei Euro seid ihr dabei?
01:45:09: Von drei bis sechs Euro im Monat, glaub ich geht's oder zehn sogar ne?
01:45:13: Wir nehmen das gleich nochmal auf!
01:45:14: Egal jedenfalls Jürgen you made my manns würde ich sagen und ich bin sehr glücklich dass sich die Wahl getroffen hat und dass ich wirklich irgendwann von dir geträumt habe.
01:45:25: Jürg muss her in den Potschers Das war klar
01:45:29: Und mir hat es schlaflose Nächte gehabt.
01:45:32: Die hat immer so spannende Leute und ich bin der langweiligste
01:45:37: dabei.
01:45:37: Bist du nicht, Jürgen?
01:45:39: Ich hab wirklich gedacht ...
01:45:40: Oh
01:45:40: Gott!
01:45:41: Ich muss da irgendwelche Sachen loswerden.
01:45:43: Dreiviertelstunden gelangt und das ist alles kruselig.
01:45:47: Aber ich
01:45:47: hätte nicht gedacht, dass allein dein Werdegang, bei dem ich ein Teil von mitbekommen habe, so spannend ist.
01:45:55: Wirklich, das ist so eine tolle Geschichte.
01:45:57: Ich bin wirklich froh!
01:45:59: Aber jetzt wiederhole ich mich.
01:46:00: Simon guckt jetzt auch Robert Simi
01:46:01: dreht zu... Und ich bin froh, dass du die FH Trier nicht bist.
01:46:06: Die FH-Trier?
01:46:07: Nee.
01:46:08: Das ist krack.
01:46:11: Und mit diesem kleinen Wink gehen wir jetzt raus.
01:46:14: Ich sage danke Jürgen Knoll, Macher Erfinder der Patina Firma und Unser Mann in Hollywood.
01:46:28: Und ein Freund von mir, wenn ich das so sagen darf?
01:46:31: Ja unbedingt, unbedingt!
01:46:34: Simi vielen, vielen Dank.
01:46:36: Ich danke dir Jürgen, ich freue mich.
01:46:38: So und jetzt ist Schluss Tschüssi!
01:46:40: Schaltet auch nächstes Mal wieder ein Wenn ich weiß ich noch nicht wen zu Gast habe.
01:46:45: Alles Liebe gute Zeit der Weih.
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